Erwerbsminderungsrente oder Altersrente für schwerbehinderte Menschen - was ist besser

von
Anna Hedwig

Hallo,

ich, geb. 06.48 habe in 10/05 einen Rentenantrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt. Mittlerweilen läuft seit 10/07 eine Klage beim Sozialgericht. Mittlerweile habe ich eine Schwerbehinderung von 50 GdB zugesprochen bekommen. Da ich zur Zeit von Hartz IV lebe, überlege ich nun die Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu beantragen, das würde zwar einen Abzug von 10,8 % bedeuten, aber immer wäre das noch mehr als ich jetzt bekomme. Nun stellt sich mir aber die Frage, was ist, wenn ich vor Gericht die Klage gewinne und mir die Erwerbsminderungsrente seit 2005 zusteht? Kann dann evtl. die Altersrente für
schwerbehinderte Menschen (wäre ab 01.07.08 möglich )auch nachträglich noch in eine EM-Rente umgewandelt werden. Dann könnte ich mit 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen. Ergeben sich evtl. sonst noch Vor- oder Nachteile für mich. Sage jetzt schon mal vielen Dank.

von
Brille

Hallo Anna Hedwig!

Eins vorweg: wenn die EM-Rente doch noch bewilligt wird, dann nur mit Abschlag (weil vor 63) von 10,8% (derzeitige Rechtsanwendung!). Selbst wenn diese dann bis 63 bezogen würde und Sie erst dann (nahtlos) umwandeln, so bliebe dieser Abschlag wegen Vorbezug der Rente erhalten!
Da Sie den Ausgang des laufenden Verfahrens noch nicht kennen, spricht nichts gegen einen ergänzenden Antrag auf Altersrente, wenn diese netto (zzgl. evtl. Betriebs- und Zusatzrentenansprüche) besser ist, als alle derzeitigen Leistungen rund um das ALG II. Es würden der Berechnung alle zurückgelegten und der RV bekannt gewordenen rentenrechtlichen Zeiten zugrunde gelegt. Eine rückwirkende EM-Rente würde später ggf. noch eine Neuberechnung auslösen (AZ wegen Rentenbezug, bessere Bewertung Ausbildungszeiten etc.) - das sollte aber nicht Ihr Problem sondern lediglich die Arbeit des zust. Trägers sein. Eine nachgezahlte EM-Rente würde zudem mit den zwischenzeitlich erbrachten Sozialleistungen verrechnet. Mit dem Bezug einer Altersrente wären Sie in Sachen AA bzw. ARGE aus dem Schneider - der Rest bliebe 'in Ruhe' abzuwarten.

Noch was: das Sozailgericht unbedingt von der mittlerweile festgestellten Schwerbehinderteneigenschaft unterrichten - kann die Entscheidungfindung dort durchaus beeinflussen...!

Experten-Antwort

Zunächst können Sie einen Antrag auf Altersrente wegen Schwerbehinderung stellen und diese Altersrente mit der entsprechenden Minderung beziehen. Sobald über das Klageverfahren entschieden wird, muss dieser Altersrentenantrag erneut aufgrund der Sachlage, die sich durch das Klageverfahren ergeben hat, überprüft werden.
Eine abschlagsfreie Altersrente wegen Schwerbehinderung oder Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit erhalten Sie jedoch nur, wenn bereits am 16.11.2000 die entsprechende Schwerbehinderung oder Berufsunfähigkeit vorgelegen hat. Dies ist die Voraussetzung für den Vertrauensschutz, der zu einer abschlagfreien Altersrente wegen Schwerbehinderung führt.

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