Erwerbsunfähigkeitsrente vor dem Jahre 2000

von
dasy

Hallo,
Meine Ehefrau bekommt seit 1995 volle Erwerbsunfähigkeitsrente und ist heute
56 Jahre alt, zu 100% Schwerstbehindert mit den Merkzeichen, B,G,RF und Pflegestufe II. Da ich mich mit der Rente nicht auskenne und keinen Rechtschutz habe kann ich mir keinen Anwalt leisten damit meine Fragen beantwortet werden können. Vielleicht kann mir hier jemand helfen. In den alten Unterlagen sehe ich 41 Entgeltpunkte und Rente bis vollendetem 65 Lebensjahr (Regelaltersrente).In einer Rentenauskunft von 2001 steht eine höhere Altersrente als die jetzt bezogene Erwerbsunfähigkeitsrente. Bekommt meine Ehefrau in den nächsten Jahren noch einmal solche Aufstellung?
Wird diese Rente dann automatisch in 9 Jahren in Altersrente gewandelt oder was muss ich tun, das ich nicht verkehrt mache. Erst heute habe ich gesehen das in der Aufstellung zur Rente Zeiten fehlen in denen meine Ehefrau voll gearbeitet hat. Aber durch ihre schwere Krankheit und der Pflege habe ich mich noch nie mit diesen Unterlagen befasst bis ich heute durch Zufall darauf gestossen bin. Gibt es auch irgendwo kostenlose Beratung oder muss ich wie bei einem Anwalt angefragt gleich für eine Auskunft 300 Euro bezahlen. Durch die hohen Pflegekosten bin ich schon bald pleite...
Es wäre sehr nett, wenn mir jemand helfen könnte

von
LS

Hallo dasy,
zunächst, um Ihre Fragen beantwortet zu bekommen, benötigen Sie keine Rechtsschutzversicherung und eigentlich auch keinen Anwalt.
Sie müssen sich aber die Zeit nehmen, eine Auskunfts- und Beratungsstelle der DRV in Ihrer Wohnortnähe aufzusuchen, wie sie wohl auch nötig wäre, um beim Anwalt zu erscheinen.

Auch dieses Forum ist in solchen Fällen durchaus ein Ansprechpartner.

Will versuchen Ihnen eine Antwort auf Ihre Fragen zu geben, wozu sicher auch noch die Meinung eines Experten, einer Expertin dargestellt wird.

Offensichtlich besteht ein Betrachtungsfehler darin, dass Ihre Aussage:
"In den alten Unterlagen sehe ich 41 Entgeltpunkte und Rente bis vollendetem 65 Lebensjahr (Regelaltersrente)."
sich nicht auf den Rentenbescheid bezieht, in dem die Erwerbsunfähigkeit festgestellt wird, sondern auf eine vorangehende oder spätere Rentenauskunft.

Im Rentenbescheid für eine EU Rente steht so etwas nicht drin.
Was da stehen kann ist, dass die EU-Rente längstens bis zum vollendeten 65. Lbj. gewährt wird, das ist aber ein anderer Sachverhalt.
Warum schreiben Sie: "in den alten Unterlagen sehe ich 41 Entgeltpunkte..."
Welche alten Unterlagen sind denn das?
Von Bedeutung ist hier, was im Rentenbescheid über die Gewährung der EU Rente von 1995 in Anlage 6 steht.
Vielleicht äußern Sie sich noch einmal zu diesem Sachverhalt.

a) Zeitraum der Berechnung mit Entgeltpunkten (EP).
Egal ob EU, - BU oder neuerdings die Erwerbsminderungsrenten, rentenrechtliche Zeiten werden nur bis zum Monat des Eintritts der Erwerbsminderung berücksichtigt.
Lag der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsminderung aus damaliger Zeit aber vor dem vollendeten 55. Lbj. + 20 Monate, werden die bis dahin noch fehlenden Monate als Zurechnungszeit ermittelt und in der Anlage 4 des Rentenbescheides im Rechenabschnitt "Bewertung beitragsfreier Zeiten" mit dem vorangehend auch ermittelten "Gesamtleistungswert" , auf diese Weise noch zusätzliche (EP) ermittelt.
Bsp.: Bis zum vollendeten 55. Lbj + 20 Monate fehlen ab Beginn der Erwerbsminderung 165 Monate, der Gesamtleistungswert wäre mit 0,0600 (EP) ermittelt, würden sich 165*0,0600 = 9,9000 (EP) als zusätzliche (EP) allein für die Zurechnungszeit ergeben.

Wenn während der EU keine weiteren Einkünfte bzw. Verdienste erzielt wurden, kann sich keine Rentensteigerung ergeben, ausgenommen, in der Ihnen zugegangenen Rentenauskunft von 2001 sind von Ihnen festgestellt Mängel bereits berücksichtigt worden.

b) Wandlung EU Rente in eine Altersrente
Wie ich schon erwähnte, wird eine EU-Rente längstens bis zur Vollendung des 65. Lbj gewährt.
Eine automatische Wandlung wird nicht vorgenommen. Bei korrekter Verfahrensweise fordert Sie der RV-Träger zur Antragstellung auf, wofür ein verkürzter Antrag (R110) auszufüllen ist.

Im Zusammenhang mit der Gewährung einer der Altersrentenarten oder der Regelaltersrente findet grundsätzlich eine Neuberechnung nach aktueller Rechtslage statt, die überwiegend zu geringeren (EP) führt als die bisher zugrunde gelegten.

Trifft dies auch für Ihre Frau zu, erhält sie besitzgeschützt die höheren Punkte aus der EU Rente auch weiterhin, die man dann der Altersrente zugrunde legt.

c) Festgestellte fehlende Versicherungszeiten
Wenn sich die von Ihnen festgestellten "fehlenden" Zeiten durch vorhandene Nachweise belegen lassen, sollten Sie dies umgehend der DRV mitteilen. Bitte vergleichen Sie vorher noch mal den gleichen Zeitraum in der Anlage 2 im Rentenbescheid (Versicherungsverlauf) um sich zu vergewissern, dass da wirklich nichts erfasst ist.

Unabhängig davon sollte Ihre Frau umgehend Antrag nach §44 SGB X stellen, und den bisherigen EU-Rentenbescheid überprüfen lassen, wozu dann allerdings die Nachweise über erzielte Verdienste mit beigefügt werden sollten.
Ratsam ist auch, die nächstgelegene Auskunfts- und Beratungsstelle der DRV aufzusuchen und dort den Antrag aufnehmen zu lassen, die erforderlichen Nachweise bitte mitnehmen oder darlegen, worauf sich Ihre Vermutung der fehlerhaften Erfassung stützt.

Bestätigt sich der Sachverhalt nach Überprüfung, könnte sich daraus gegebenenfalls eine Nachzahlung für die jetzige Rente ergeben.

von
Corletto

Sie können für einen geringen Jahresbeitrag von ca. 50 € , sich auch an einen Sozialverband wie den VDK oder den SovD wenden.

Dort werden Sie in allen rentenrechtlichen Fragen kompetent beraten und auch falls nötig rechtlich gegenüber der Rentenversicherung vertreten.

von
Realist

Der Mitgliedsbeitrag des SoVD beträgt 60 Euro pro Jahr und der des VdK 54 Euro!

von
Corletto

Nö stimmt nicht.

VDK Beiträge sind abhängig vom jeweiligem Landesverband und darum völlig unterschiedlich.

Hier in NRW zahlt man nur 54€ - das ist korrekt.

Zum Beispiel zahlt man im Saarland 57€ , in Bayern 60€, in Niedersachsen 66,66 € und in Berlin-Brandenburg sogar 72€ .

In Sachsen-Anhalt ist man mit nur 42€ am Günstigsten VDK Mitglied !

siehe ww.vdk.de

Wie es beim SoVD ist weiß ich nicht.

von
dasy

Hallo LS,
Danke für diese ausführliche Information.
Sorry trotzdem verstehe ich nicht allzuviel von der ganzen Sache und bin ehrlich habe mich auch noch nie für den Schriftverkehr interessiert und diese Arbeit immer auf andere abgewälzt.
Im Rentenbescheid von 1995 steht folgendes:
(meine Frau war damals 42 Jahre alt als diese Rente genehmigt wurde) und hatte einen gesetzlichen Vertreter da ich beruflich keine Zeit hatte mich um alles zu kümmern.

Im Bescheid von 1995 steht nur der Betrag der Rente und sonst nichts.

Im Schreiben von 2001 Rentenauskunft - kein Rentenbescheid steht folgendes:

Entgeltpunkte für Beitragszeiten 19.2731
Entgeltpunkte für beitragsfreie Zeiten
19,9433
zusätzliche Entgeltpunkte beitragsgeminderte Zeiten 1,9705
= Summe aller Entgelpunkte 41,1870

der Zugangsfaktor beträgt 1,0

Die nicht dort in 2001 aufgeführten Beschäftigungszeiten sind hier im Hause.

von
LS

dasy, es gibt keinen Rentenbescheid, in dem nur der Betrag steht.

Unterstelle, es handelt sich da nicht um den Rentenbescheid, sondern um eine Rentenanpassungsmitteilung zum 01.01.1995 oder zum 01.07.1995.

Wenn es sich um eine EU Rentenbewiliigung nach SGB VI handelt, muss es in jedem Fall einen früheren Bescheid geben mit mindestens einer Anlage 1, Anlage 2, Anlage 3, Anlage 4, Anlage 6.

Könnte es sein, dass Sie im Beitrittsgebiet wohnen, wohnten und Ihre Frau vorher schon Invalidenrentnernin war, die Rente dann nur in eine EU Rente gewandelt wurde ohne Neuberechnung nach SGB VI ?

Das würde erklären, warum die genannten Anlagen fehlen und im Jahr 2001 plötzlich eine Rentenauskunft gemacht wurde, was eigentlich unüblich ist.

Wenn aber 19,9433 EGPT für beitragsfreie Zeiten ermittelt wurden, was eigentlich nur mit einer langen Zurechnungszeit möglich ist, steht in Anlage 4, bei der Ermittlung der zusätzlichen EGPT für diesen Sachverhalt "Zurechnungszeit", für welchen Zeitraum die Ermittlung gilt, dann müsste der darauffolgende Monat der Rentenbeginn für die EU-Rente sein.

Bitte da noch mal um eine Rückäußerung.

Rentenauskünfte stellen tatsächlich auf einen Rentenbeginn mit Vollendung 65. Lbj, damalige Rechtslage, ab.

Hinsichtlich der fehlenden Zeiten gilt für eine Berücksichtigung nur, wenn sie im eigenen Haus eine versicherungspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat, für diese Tätigkeit auch Rentenbeiträge gezahlt wurden, was zu beweisen wäre.

von
dasy

Hallo LS,

Entweder ich bin zu blöd dies alles zu zuordnen oder es fehlt etwas.

Kurze Erläuterung in der Hoffnung Sie verstehen mich dann besser:

1995 Überschrift Rentenbescheid (Seite 1)

Auf Ihren Antrag vom... erhalten Sie von uns Rente wegen Erwerbsunfähigkeit.
Die Rente beginnt am... Sie wird längstens bis zur Vollendung des 65. Lebensjahr
(Beginn der Regelaltersrente) gezahlt.
Ab..... werden monatlich DM .....
gezahlt.
Die monatliche Zahlung wird auf das angegebene Konto überwiesen.

Seite 2
Rentenart
Beginn der Rente
Dauer des Leistungsbezuges
Berechnung der Rente ergibt sich aus Anlage 1

Auf Anlage 1 steht folgendes
Diese Anlage soll Ihnen zeigen, wie die Rente und die Nachzahlung berechnet
werden. Sie soll außerdem ein Wegweiser zu den weiteren Anlagen dieses Bescheides
sein.
Der Monatsbetrag der Rente ergibt sich, wenn
die persönlichen Entgeltpunkte,
der Rentenfaktor und
der aktuelle Rentenwert
mit ihrem Wert miteinander vervielfältigt werden.
(9 Monate vor Rentenbeginn wurde Krankengeld bezahlt und da stehen nur Werte
wie Rente und Nachzahlung.)

Der gesamte Rentenbescheid besteht aus 5 Seiten und der Anlage 1
Darin sind keine Zeiten während der Berufsausführung aufgestellt.
Also Rentenbeginn wäre bereits 9 Monate vor Bescheid gewesen, wurde
angeblich zu spät gestellt.
Meine Frau hatte zuvor noch keine Rente bezogen, war aber bereits viele
Jahre schwerstbehindert.

2001 steht Seite 4

Anrechnungszeiten wegen Rentenbezuges 1995 bis 2010 und Anlage 6 Seite 1
Die bereits anfangs genannten Entgeltpunkte .

Die Fehlzeiten meinte ich die Beitragsnachweise befinden sich in einem Ordner
in unserem Hause.

Ist für mich alles sehr kompliziert und ich sehe ich muss mir Urlaub nehmen und
jemanden suchen der mir helfen kann. Wie soll ich da alles richtig machen, wenn
ich nichts verstehe und meine Frau auch nie wieder arbeiten gehen kann.

Bekommt sie dann später keine Rente mehr oder wie sieht es nach diesem neuen Gesetz aus?
Meine Frau hat mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten (waren früher noch andere
Zeiten als heute) und hat bis zum 42. Lebensjahr voll gearbeitet und nun seit
14 Jahren Erwerbsunfähigkeitsrente.

Hoffe Sie konnten mich jetzt besser verstehen und herzlichen Dank für Ihre Bemühungen.

von
LS

bin gern bereit, Ihnen bei der Aufklärung behiflich zu sein. Rufen Sie mich einfach mal an:
0451-5028508, wir können uns dann im Detail darüber unterhalten ohne die Dinge umständlich beschreiben zu müssen, kostet nichts.

Kann auch heute Abend noch sein, ich bin immer sehr lange noch am PC

von
Schade

Ich rate zu einem Beratungsgespräch bei der nächsten DRV Außenstelle.

Da sollten Sie sich halt einen Termin geben lassen, Sie investieren je nach Entfernung vielleicht 2-3 Stunden und sollten dort alle Fragen stellen können.

Dann sollte die Kuh vom Eis sein.

Hier im Online Forum wird man das nicht lösen können.