Hallo zusammen,
ich heiße Oliver und bräuchte mal dringend einen Rat.
Ich bin 42 Jahre alt, verheiratet und habe 2 Kinder (8 und 10).
Ich hatte 2008 meinen ersten Bandscheibenvorfall, bei dem 1 Jahr versucht wurde meine Beschwerden ohne OP zu lindern, leider ohne Erfolg.
Im Mai 2009 fingen dann die Operationen an:
2009: 3 Bandscheiben OP´s L5/S1 und im Januar 2010 kam dann noch eine Versteifung in diesem Bereich dazu. Außerdem war ich in diesem Zeitraum 3-mal in Reha und das Ganze mit zusätzlichen Therapien wie z.B. 2 Facettengelenksdenervationen, Facettentherapie usw.
Aber alles nutzte nichts (und ich hätte wirklich alles gemacht), ich wurde meine Schmerzen einfach nicht los auch nicht mit dem Morphium welches meine Beschwerden nur linderten und wenn ich so viel nahm, dass ich keine Schmerzen mehr hatte, habe ich sonst auch nichts mehr mit bekommen (zuerst Tilidin bis etwa 800 Tropfen am Tag, inzwischen Fentanyl 150 ng alle 3 Tage).
Ich habe bis 02.2010 Krankengeld und dann bis 02.2011 Arbeitslosengeld erhalten.
Im März 2011 stellte ich dann einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente und wurde zu einem Gutachten eingeladen. Diese Begutachtung war die reinste Verars…..(sorry, aber anders kann man das nicht bezeichnen):
Bevor er mir die Hand gegeben hat wurde ich mit den Worten begrüßt: „So, und Sie wollen jetzt bis zu Ihrem Lebensende Rente haben“
Als ich erwiderte, dass ich nur gerne Rente hätte, bis es mir wieder besser geht, wurde mir gesagt: „dann müssten wir aber beweisen, dass es Ihnen wieder gut geht“.
Ich hatte 2009 3 Bandscheiben OP`s und 2010 die Versteifung, doch der Gutachter meinte er habe nur Unterlagen von 2 Bandscheiben OP`s und dann wären es auch nur 2. Obwohl ich ihm genau die Daten und das Krankenhaus genannt habe. Im Gutachten standen auch nur 2 Operationen. (obwohl ich eigentlich weiß, dass dies am Ergebnis des Gutachtens nichts geändert hätte, ich finde es halt nur frech, dass der Gutachter mir sagen will, wie oft ich operiert wurde und dann auch darauf besteht)
Auch hatte ich 2010, kurz nach der letzten Reha eine schwere Blutvergiftung mit Lungenentzündung (1 Woche Intensivstation), bei der sich Narben in der Lunge gebildet haben wodurch ich bei Belastung kaum noch Luft bekomme (eine Belastung ist für mich eine Treppe rauf gehen) und Schmerzen in der Lunge beim tiefen Einatmen. Unterlagen hatte ich zwar keine mit, allerdings habe ich dem Gutachter genau das Krankenhaus und den Lungenarzt genannt, der mich nachher untersucht hat und ihm vorgeschlagen, die Unterlagen dort an zu fordern (wurde aber im Gutachten in keinster Weise berücksichtigt oder auch nur angesprochen).
Zum Zeitpunkt der Untersuchung war es so, dass ich etwa 20-30 Min am Stück Stehen, Sitzen oder Laufen konnte, dann musste ich mich hin legen um den Druck von der Wirbelsäule zu nehmen, sonst waren die Schmerzen trotz Morphium nicht zu ertragen, allerdings wurde es zu diesem Zeitpunkt immer schlimmer (d.h. die Zeitspanne bis zum Hinlegen wurde immer kürzer), was ich dem Gutachter auch mitteilte. Selbst während dem Gutachten konnte ich kaum noch stehen, was der Gutachter auch bemerkte und sich dann auch wirklich beeilte. Immer wenn ich aus Erschöpfung zu zittern anfing und ich mich setzen oder abstützen musste, meinte er: wir sind gleich fertig, wir sind gleich fertig.
Nun ja, es kam wie es kommen musste und die Rente wurde abgelehnt, da ich angeblich noch mindestens 6 Stunden arbeiten kann.
Ich bin dann mit dem Bescheid zum Rechtsanwalt gegangen, der dagegen Wiederspruch einlegte. Dieser wurde natürlich auch ab gelehnt.
Nun hat der Rechtsanwalt Klage eingereicht, das war 04.2012 und seit dem höre ich kaum noch etwas, nichts geht voran.
Ich verstehe ja, dass ein Gutachten erstellt wird um zu prüfen ob die Rente gerechtfertigt ist (muss auch so sein), aber dann doch bitte fair und wirklich prüfen (ich selber habe alle Fragen ehrlich beantwortet). Das Verhalten des Gutachters ist 100% so gewesen wie ich das hier schrieb und schreibe, aber kaum jemand dem ich dies hier erzähle glaubt das (ich weiß nicht, ob ich es geglaubt hätte). Es kann doch nicht die Aufgabe der Rentenversicherung sein, alles ab zu lehnen ohne Rücksicht auf Existenzen und Familien (Ratenkredit für das Haus usw.). Ich hatte gehofft, dass beim Gutachten neutral geschaut wird ob ich wirklich arbeitsunfähig bin, aber damit hatte das nichts zu tun. Es kam mir vor als wären dort 2 Parteien, die von Anfang an unterschiedlicher Meinung sind und ich dem Staat bzw. der Rentenversicherung etwas weg nehmen möchte was mir nicht zu steht und der Gutachter einzig und allein dazu da ist um dafür sorgen, dass ich das nicht schaffe. Ich hatte vor dem Bandscheibenvorfall einen gut bezahlten und interessanten Job in der Forschung-Versuchsabteilung eines großen Automobilzulieferers. Die Rentenversicherung kann doch nicht wirklich glauben, dass man so etwas aufgibt nur um ein paar Euro Rente zu bekommen.
Seit Oktober 2011 sieht es jetzt so aus, dass ich überhaupt nicht mehr aufstehen kann bzw. ich nur noch zum Arzt oder zur Toilette gehe und das Ganze mit der Hilfe meiner Frau. Ich kann nichts mehr selber, noch nicht einmal in unser Bett gehen, dazu müsste ich in die zweite Etage, also lebe ich (wenn man es noch so nennen kann) auf der Couch. Ich esse, trinke und schlafe dort. Die einzige Möglichkeit mal etwas anderes zu sehen, ist ein Laptop, den ich im Liegen auf dem Bauch benutze.
Wir haben deswegen auch den Antrag wegen einer Pflegestufe bei der Krankenkasse gestellt. Mit dem Ergebnis, dass mir nach der Begutachtung durch den MDK 103 min Pflege am Tag bewilligt wurde also Pflegestufe 1. (bewilligt seit 06.2012)
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass es bei dem Rechtsanwalt auch nicht wirklich weiter geht und ich wollte hier einfach mal fragen, ob es Sinn macht der Rentenversicherung noch mal mit zu teilen wie es Gesundheitlich steht (ich glaube sie wissen noch nichts von der Pflegestufe 1). Und sie eventuell doch die Rente ohne Gerichtsurteil bewilligen (ist das überhaupt möglich?) oder ob sie einfach weiter warten was mit der Klage passiert und versuchen das ganze irgendwie aus zu sitzen. Es muss doch eigentlich jedem klar sein, dass ich nicht einfach sagen kann: „Schade, dann eben keine Rente“.
Und ob es Sinn macht dem Deutschen Bundestag Petitionsausschuss zu schreiben. Auch wenn dieser keine Weisungsbefugnis hat, vermittelt dieser wohl in solchen Fällen. Irgend wann greift jeder auch nach dem kleinsten Strohhalm.
Hat jemand damit Erfahrung ob diese sich um die Menschen und Probleme kümmern oder auch nur den Rundordner füllen?
Ich weiß, ein echt langer Text aber egal wen man fragt (Rechtsanwalt, Krankenkasse, Rentenversicherung oder wen auch immer), man bekommt immer nur Sachen erzählt, die dem jeweiligen Ansprechpartner dienlich sind. Und ich würde mich freuen, wenn jemand den Text hier liest und mir einen Rat geben kann.
Vielen Dank im Voraus Oliver