Falsche Reha – DRV reagiert nicht

von
Jessica Schwimmer

Liebe Experten, können Sie mir bitte einen Rat geben, wie ich nun vorgehen kann?

Ich leide unter Multipler Sklerose, also einer rein organischen Nervenerkrankung. Die DRV hat mir eine Reha genehmigt und die Klinik zugewiesen. In meiner Region gäbe es nur die eine, die auf mein Krankheitsbild spezialisiert sei. Man hatte mir von dort am Telefon auch versprochen, dass sie sich mit MS gut auskennen.
Das stimmt aber nicht. Es werden dort nur psychosomatische Krankheiten behandelt. Niemand sonst hat da MS.

Ich habe wirklich abgewartet ob es mir doch etwas bringt und erst nach einer Woche bei der DRV angerufen. Man sagte dort, dass könne nicht stimmen, die Klinik sei offiziell für MS –Therapie qualifiziert.
Dann habe ich an die DRV geschrieben, doch es kommt seit elf Tagen keine Reaktion.

Darf ich jetzt abreisen, oder muss ich dann die Kosten für die Reha selbst übernehmen?
Was raten Sie mir?

Falls für Sie Details wichtig sind:
Der zuständige Reha-Arzt zu meinte sinngemäß, ich soll eben das mitmachen, was ich kann. Eine Auszeit vom Alltag würde mir doch auf jeden Fall gut tun.

Aber ich hatte hier in drei Wochen noch kein einziges Mal meine gewohnte Physiotherapie, die ich regelmäßig brauche. Bobath wird nicht angeboten. Ich musste die Dosis meines Muskelrelaxans erhöhen. Für die Sport-Therapien, und Gruppenspiele muss man körperlich fit sein, also herumrennen, hopsen und gut sehen können. Ich kann nicht daran teilnehmen.

Bei den Gesprächsgruppen geht es nur um seelische Probleme, Burn Out, Suchterkrankungen, Essstörungen und dergleichen, nicht etwa um das alltägliche Leben mit Körperbehinderung. Als ich versucht habe, davon zu reden, wurde ich abgewürgt. Der Therapeut ist der Ansicht, dass MS im Wesentlichen psychosomatisch sei und unterstellt mir eine, wie er das nennt, „bewusstseinsferne Depression“.
Außerdem kommt die Ergotherapeutin einem mit Kontakten zu Engelskräften, Flecken in der Aura und solchem esoterischem Unsinn. Das vergällt mir das einzige, was ich einigermaßen mitmachen kann.

Ich sehe keinen Sinn darin, noch über drei Wochen sinnlos hier herumzusitzen, während zuhause seit drei Wochen meine Zwölfjährige bei den Nachbarn versorgt wird.

Entschuldigen Sie, falls das Thema schon behandelt wurde. Ich habe eine Weile gesucht, doch die Internetverbindung in der Klinik wird pro Minute abgerechnet und ist sehr teuer.

von
Krämers

Also die Reha abbrechen sollte immer das allerletzte Mittel sein.

Und wenn sollte der Abbruch auch immer mit Zustimmung und in Absprache mit den Rehaärzten erfolgen. Dann kommt das auch so in en Rehaabschhlussbericht und man kann und wird ihnen daraus dann auch " keinen Strick " drehen. Irgendetwas selbst zahlen brauchen Sie aber auf gar keinen Fall. Wenn Sie abreisen wird halt bis dato von der Klinik mit dem Kostenträger ( wohl die RV ) abgerechnet und das wars dann.

Dazu zwingen weiter in der Reha zu bleiben kann Sie aber natürlich niemand. Falls Sie eigenmächtig abreisen und die Reha abbrechen, könnten Sie woomöglich dann später mit der Krankenasse Probleme bekommen. Vor allem wenn die Krankenkasse Sie z.b. zur Rehaantragstellung aufgefordert hat und wenn Sie nach der Reha weiter AU sein sollten. Aber sonst sehe ich da kleinerlei Konsequenzen für Sie.

Da Sie ja bereits 3 ! Woichen jetzt in der Reha sind und damit ja schon mind. die Hälfte der Rehazeit rum haben, ist aus meiner Sicht ein Abbruch zum jetzigen Zeitpunkt einfach schon zu spät. Sie sollten die restliche Zeit das mitmachen was Sie können.

Da Sie bereits der DRV schriftlich die Angelegenheit geschildert haben, können Sie jerzt nur abwarten bis Sie ene Anbtwort ebkommen. Eventuell rufen Sie einfach am Montag auch mal telefonisch bei ihrer RV an und fragen nach dem Stand der Dinge und machen so ein wenig Druck.

Grundsätzlich sollten Sie aber in jedem Falle nach der Reha der RV den ganzen Sachverhalt noch einmal schriftlich bekanhnt geben. Wenn die RV dem dann folgt, haben Sie so unter Umständen dann die Möglichkleit auf eine erneute Reha in einer auf MS spezialisierten Fachklinik.

von
Nix

Hallo Frau Schwimmer!
Wenn Sie sich in dieser Rehaklinik nicht indikationsgerecht aufgehoben fühlen, so haben Sie das Recht, jederzeit abzureisen.
Kosten für die abgebrochene Reha werden Ihnen nicht in Rechnung gestellt.
Sprechen Sie vorher mit dem Stationsarzt und klären Sie ihn darüber auf, daß Sie vorhaben, abzureisen.
Dann packen Sie Ihre Sachen und gehen.
Die DRV, welche Sie angeschrieben haben, muß aufgrund Ihres Schreibens erst Ihren Aktenvorgang aus dem Schrank ziehen und dann dem Ärztlichen Dienst der Rentenversicherung/Ärztliche Abteilung vorlegen, dort stapeln sich auch die Akten und der Aktenrücklauf vom Ärztlichen Dienst der RV zum Sachbearbeiter dauert auch mindestens 14, wenn nicht noch länger. Deshalb braucht es Sie nicht zu wundern, daß es in Ihren Augen keine Reaktion des RV-Trägers gibt. Das dauert dort eben solange.
Zu Hause angekommen, setzen Sie sich schriftlich mit Ihrem RV-Träger in Verbindung und schreiben folgendes:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die von Ihnen bewilligte Reha in der Klinik.....war für mich nicht indikationsgerecht. Ich fühlte mich dort nicht leidensgerecht aufgehoben, da die dort verordneten Therapien nicht meinem Leiden entsprechen. Aus diesem Grunde sah ich mich veranlaßt, nach Rücksprache mit dem Stationsarzt die Reha am..... abzubrechen und ich beantrage nun bei Ihnen die Umeinweisung in eine Rehaklinik, in der ich indikationsgerecht für meine Leiden behandelt werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Jessica Schwimmer

Warten Sie dann einfach mal ab, was für eine Reaktion vom RV-Träger kommt.

Viele Grüße
Nix

von
Jessica Schwimmer

Danke schön für Ihre Antworten.

Das Problem ist der zuständige Arzt hier, der ja meint, ich sollte trotzdem bleiben. Es geht mir jetzt auch mein Baclofen, das ich gegen die schmerzhaften Spasmen nehme, zu Ende und er will es mir nicht neu verordnen, weil er das Mittel übertrieben stark findet. Er hat mir stattdessen Lorazepam angeboten. Benzodiazepine haben aber eine ganz andere Aufgabe. Ich bin ja eben nicht psychisch krank.

Deshalb muss ich jetzt doch gleich Montag meinen Neurologen zuhause anrufen. Dem werde ich dann alles berichten. Ich hoffe, er spricht dann mit der Klinikleitung.

von
Krämers

Die RV schickt Sie zu einer psychosomatischen Reha - geht also von psychischen Beschwerden aus. Dazu muss es dann doch entsprechende Berichte ihrer Ärzte geben, die so eine Indikation zwingend für die RV erforderlich machten. Die RV weisst Sie doch nicht " einfach so " in so eine Klinik ein.

Ihr Therapeut in der Klnik geht von einen Depression aus.

Der Reharzt will ihnen jetzt mit ihnen auch eine psychiatrische Medikation mit Lorazepam beginnen. Er geht also AUCH von psychischen Beschwerden aus.

Ob sich also alle anderen irren und nur Sie Recht haben ??

Offensichtlich sieht bei ihnen die RV als auch jetzt die Ärzte der Rehaklninik psychische Beschwerden im Vordergrund - zusätzlich natürlich zu ihrer MS. Und gerade bei MS sind psychische Probleme doch sehr häufig. 70% aller MS Kranker haben doch z.b. auch Depressionen und andere psychischen Erkrankungen ( wiie Psychosen, Manien, Persönlichkeitstörungen etc. ) . Ich habe selber während meioner langjährigen und imemr noch andauernden psychiatrischen Behandlung in div. Kliniken viele MS Kranke kennengelernt und weiss also wovon ich rede....

Also ohne ihnen nahetreten zu wollen, kann man hier als Außenstehender wirklich die med. Faktenlage nicht beurteilen und wo die Wahrheit letztlich wirklich liegt. Das ist ja wie schwarz und weiss was SIE sagen und was die RV macht...

http://www.ms-life.de/mslife/ms-wissen/krankheitszeichen/psychische_stoerungen/content-132327.html

Alles Gute für Sie.

von
Jessica Schwimmer

@ Krämers

Es ist sympathisch, dass Sie sich dazu Gedanken machen.
Es stimmt, dass bei vielen MS-Patienten Depressionen auftreten. Durch die Läsionen im ZNS ist die Gehirnchemie oft sozusagen durcheinander geraten.

Bei mir das das allerdings nicht der Fall. Aber Ich habe die Diagnose G 35.3, also sekundär progrediente MS, mit EDSS 7,5. Es gab niemals in meinem Leben eine F Diagnose.
Die Schäden bei mir sind hauptsächlich im Rückenmark und nicht im Gehirn. Die Rentenversicherung ging eindeutig nicht von psychischen Beschwerden aus. Ich kenne meine komplette Krankenakte. Eine seelische Störung liegt einfach nicht vor. Mein soziales Umfeld funktioniert. Ich habe einen Beruf, der mit der Krankheit sozusagen harmoniert (Sozialpädagogin). Und das Wichtigste: Meine Tochter kommt damit zurecht.

Ich lebe seit vierundzwanzig Jahren mit MS, zuerst in der schubförmigen Form. Glauben Sie mir, nach so langer Zeit kennt man die Krankheit und weiß, welche Medikamente helfen.
Erst habe ich als Basistherapie Imurek erhalten, es gab nicht viel anderes damals, später Rebif und dann Mitoxantron. Gegen die Spasmen nahm ich zuerst Carbamazepin und dann Baclofen.
Ein Medikament das extrem sedierend wirkt, mit hohem Suchtpotential wie Lorazepam, ist völlig unsinnig.

Die spastischen Lähmungen haben mit der Zeit zugenommen, es bildet sich inzwischen nichts mehr zurück. Dies ist meine erste Reha. Es war mit der Klinik schriftlich vereinbart, dass bei mir ganz bestimmte physiotherapeutische Maßnahmen durchgeführt werden sollten, darunter Bobath, sanftes Muskelaufbautraining und Rollstuhlsport.
Hier wurde mir dann mitgeteilt, dass das nicht angeboten wird, weil es dafür keine Nachfrage gibt.
Meiner Meinung nach sind die Klinik und das Personal gar nicht richtig auf körperliche Krankheiten eingerichtet.

Ich beklage mich nicht über das Tiefkühlessen oder dass ich nicht mit anderen Patienten abends heimlich in die Kneipe gehen kann, weil die Toiletten dort nicht rollstuhlgeeignet sind. Die Langeweile kann ich gut überleben. Meine Tochter hat mir vor der Abreise eine Menge Hörbücher auf meinen Laptop überspielt.

Aber ohne meine gewohnte Krankengymnastik, die ich sonst zweimal wöchentlich habe, verschlechtern sich die Spasmen und das kann doch nicht der Sinn einer Reha sein.

Lieber Krämers, ich hoffe, dass Sie Ihre Erkrankung in den Griff kriegen.

von Experte/in Experten-Antwort

Eine medizinische Wertung Ihres Sachverhaltes kann in diesem Forum nicht erfolgen. Bitte setzen Sie sich so schnell wie möglich telefonisch mit Ihrem Rentenversicherungsträger in Verbindung und verlangen den zuständigen Sachbearbeiter im Reha-Bereich. Die Telefonnummer müsste aus Ihrem Bescheid über die Bewilligung der Reha-Maßnahme ersichtlich sein. Da von Ihrer Seite bereits ein Schreiben vorliegt, muss man Ihnen bei dieser Problematik so schnell wie möglich weiterhelfen. Dies kann nur in Absprache mit dem Reha-Bereich beim Rentenversicherungsträger erfolgen.