Faustformel für Anteil priv. Alterv. am Einkommen

von
Ratsuchender

Sehr geehrte Teilnehmer,
gibt es eine Faustformel für den Anteil des Netto bzw. Bruttoeinkommes das man für die private Altersvorsorge verwenden sollte? Danke

von
leser

Mindestens 10% vom Nettoeinkommen. Es sollte aber möglichst mehr sein...

von
Apokalypse des Sozialstaats

Nicht nur für die Altersversorgung ist vorzusorgen.

Meinen Sie im Ernst, dass Kranken- und Pflegeversicherung in der kommenden GRD (Greisenrepublik Deutschland) das gleiche kosten werden wie heute bzw. noch die selben Leistungen wie heute erbracht werden können?

Folgendes gebe ich zu bedenken:

http://www.ksta.de/html/artikel/1162473283964.shtml

Wenn die Riester-Zulage oder Ulla-Schmidt Zulage in der Kranken- und Pflegeversicherung eingeführt wird, werden Sie merken, das Ende des Sozialstaats ist nahe.

Ihr

Amadé

von
Klarsteller

Amadé wollte damit sagen, dass Sie sich besser schon mal eine Zyankali-Kapsel oder einen Strick besorgen sollten !

(Genießen Sie die paar Jährchen noch in vollen Zügen, bevor uns das Licht aus geht !)

Alles Gute !!!

von
Ratsuchender

Danke, können Sie mir noch die Quellen, bzw. weitere Informationsmöglichkeiten nennen?

von
Unbekannt

Hallo Ratsuchender,

was nützen uns denn Faustformeln? Garnichts.

Sie sollten einen Kassensturz machen und schauen, wieviel Geld Sie im Monat übrig haben könnten für die Altersvorsorge. Danach sollten Sie anhand der Renteninformation versuchen zu kalkulieren, wie hoch Ihre Versorgungslücke zu Ihrem heutigen Einkommen ist. Vergessen Sie dabei bitte aber nicht die Inflation zu berücksichtigen. Die Werte auf der Renteninformation, sind die Kaufkräfte von heute. Auf der Rückseite der Renteninformation finden Sie eine Prognose über den Verlust des Geldes. Also diesen bitte auch miteinplanen.

Wenn Sie das gemacht haben, wissen Sie zumindest Ansatzweise, wie groß die Lücke ist. Danach müssen Sie sich auf den Weg machen, um entsprechende Produkte zu finden.

von
es war einmal ein "Bernhard", der konnte rechnen...

Ein Beitrag von einem user, der rechnen kann:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=30228&dekade=1

Zur Verlässlichkeit der Aussagekraft einer "Renteninformation" nur soviel als Antwort:

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=52136&dekade=1

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=52196&dekade=1

Sie sehen, die Rentenauskunft ist ein extrem schwaches Fundament.

Es grüßt Sie Ihr

Amadé

Experten-Antwort

Dem Beitrag des Unbekannten vom 22.09.2007, 15:24 Uhr stimmen wir voll und ganz zu. Da die Versorgungslücke im Alter bei jedem anders aussehen wird, kann nur eine individuelle Planung im Einzelfall zu einem sinnvollen Ergebnis führen. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass durch den Eintritt in die nachgelagerte Besteuerung die gesparten steuerlichen Aufwendungen bei den Beiträgen zur Rentenversicherung für die private Altersvorsorge aufgewendet werden sollten. Sollten Sie nähere Informationen wünschen, wie z.B. Ihr Kassensturz durchgeführt werden soll, so gibt es zur Zeit die Möglichkeit bei den Volkshochschulen Altersvorsorgekurse zu belegen. In sechs Doppelstunden erfahren Sie alles um Ihre Altersvorsorge mit der größt möglichen Sorgfalt planen zu können.

von
Maria L.

Ich bin nicht so gut im Rechnen wie Bernhard, aber zur Abschätzung der Versorgungslücke würde ich etwa wie folgt vorgehen.

• Man nehme aus der Renteninformation die Monatsrente, die man heute schon erreicht hat (die ist ziemlich sicher, jedenfalls sofern die enthaltenen Entgeltpunkte auf eigener Beitragszahlung beruhen) und die Monatsrente, die man laut Hochrechnung bei Renteneintrittsalter erreicht haben wird (das ist eine Prognose mit einigen Unwägbarkeiten). Wer für sich das Risiko sieht, vor der Rente einige Jahre arbeitslos zu sein, sollte dann als realistischen Wert irgendetwas zwischen den beiden Zahlen nehmen. Wer glaubt, noch große Gehaltssteigerungen (höher als die Inflation) vor sich zu haben, kann einen höheren Wert nehmen. Die Prognose beruht meines Wissens auf dem Durchschnittsverdienst der letzten 5 Jahre, da weiß man selber besser, wie diese 5 Jahre einzuordnen sind und wie man seine eigene berufliche Zukunft abschätzt.

• Als nächstes müßte man von dem ermittelten Monatsrentenwert die Inflation abwerten und die zukünftigen Rentensteigerungen (wir wissen ja, wie toll diese in den letzten Jahren ausgefallen sind) aufwerten. Ich würde davon ausgehen, daß in den nächsten Jahrzehnten die Rentensteigerungen geringer ausfallen als die Inflation, also müßte man vielleicht mind. ein paar Prozentpunkte für den schleichenden Inflationsverzehr der zukünftigen Renten abziehen, z.B. 10%. Damit hat man dann die Kaufkraft der zukünftigen Bruttorente abgeschätzt.

• Von dieser Brutto-Rente gehen jetzt noch Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge ab. Derzeit muß von der gesetzlichen Rente nur der halbe Beitragssatz bezahlt werden, aber ob das so bleibt? Ich würde vorsichtshalber mit dem vollen Beitragssatz rechnen (wie heute schon auf alle Betriebsrenten), der in den nächsten Jahren sicher weiter steigen wird. Also mind. 15%, eher vielleicht 20% hierfür rechnen.

• Dann muß die Rente zukünftig auch noch versteuert werden. Der Besteuerungsanteil richtet sich nach dem Renteneintrittsjahr. Es gibt immerhin noch ein steuerfreies Existenzminimum von derzeit 7664 € im Jahr (hoffentlich wird das zukünftig auch entsprechend der Inflation angehoben, wieso erfolgt das eigentlich nicht automatisch jedes Jahr?), und KV- und PV-Beiträge dürften steuerfrei sein. Aber darüber schlägt die Steuer zukünftig zu (sehr viele Abzugsmöglichkeiten dürfte man als Rentner wohl nicht mehr haben).

• Nach Abzug auch der geschätzten Steuer hat man ungefähr den Nettobetrag der zukünftigen Rente und kann die klaffende Lücke zum aktuellen Nettoeinkommen bewundern.

In dieser Abschätzung stecken viele Unwägbarkeiten. Noch gar nicht berücksichtigt ist die Wirkung von möglichen zukünftigen Rentenreformen, die das Niveau noch weiter drücken könnten. Auch nicht berücksichtigt sind Rentenabschläge, wenn man vor dem offiziellen Renteneintrittsalter in Rente gehen will oder muß (etwa durch Arbeitsagentur erzwungen). Mein persönliches "best case" - Szenario ist, daß ich in heutiger Kaufkraft netto ca. 85% der Rente erhalte, die mir die Renteninfo prognostiziert (wohlgemerkt die niedrigste Zahl der Renteninfo, nicht die mit 1,5% oder 2,5% aufgewertete), mein "worst case" - Szenario ist netto etwa 50% der Prognose. Es hängt natürlich auch davon ab, wie viele Jahre man bis zur Rente noch hat und wie stark Inflation und Rentenreformen noch zuschlagen können. Es könnte ja auch passieren, daß wir einen dramatischen Wirtschaftsaufschwung bekommen, die Staatsverschuldung in Nullkommanichts abzahlen und schöne Rentensteigerungen für die immer mehr werdenden Rentner zahlen können - aber ich glaube nicht daran.

Bernhard hat hier mal überzeugend dargestellt, daß es prinzipiell nicht möglich ist, die zu erwartenden Versorgungslücken mit gering-rentierlichen Sparformen aufzufüllen. Man müßte dann einen viel zu großen Anteil seines Einkommens sparen.

Für mich habe ich z.B. abschätzt, daß auch 10% meines jetzigen Nettoeinkommens, in Riesterrenten angelegt, nur ein Tropfen auf den heißen Stein wären. Mindestens 10% des Nettoeinkommens (besser wäre noch des Bruttoeinkommens, aber wer schafft das schon) zu sparen ist sinnvoll, aber die Rendite der Anlage muß mindestens 8-10% betragen (nach Steuern), wenn man die Versorgungslücke damit wirklich füllen will (zu der Meinung bin ich gelangt, nachdem ich für meine Situation ein bißchen herumgerechnet habe). Und das geht mit keiner staatlich geförderten Vorsorge. Auch in den Medien oft präsente Rentenexperten wie Rürup, Raffelhüschen, Sinn etc. empfehlen meines Wissens so 8-10% Sparbetrag (des Bruttoeinkommens). Leider habe ich noch wenig von diesen Rentenexperten dazu gehört, daß die niedrigverzinsten Riesterverträge etc. keineswegs ausreichen.

von
Maria L.

Die verschiedenen Finanzrechner auf dieser Seite helfen bei der Berechnung der Versorgungslücke und der notwendigen Vorsorge. Wenn man in der Rentenphase von einer Anlage mit nur 4% Verzinsung (nach Steuern) ausgeht und das Geld etwa 30 Jahre reichen soll (wir werden ja durchschnittlich immer älter, bis 95 oder 97 sollte es schon reichen), dann kann man bei einem Kapital von beispielsweise 150.000 € monatlich 720 € entnehmen (berechnet mit dem Vermögensverzehrrechner und ein bißchen Ausprobieren der eingesetzten Zahlen).

Man braucht verhältnismäßig riesig aussehende Summen. Meine Faustregel für die Inflation: Bei mäßiger Inflation (wie wir derzeit haben) halbiert sich etwa alle 30 Jahre der Wert des Geldes. 150.000 € im Jahr 2037 entsprechen bei 2,3% Inflation noch rund 75.800 € des heutigen Kaufwerts, 720 € entsprechen rund 365 €.

Also Beispiel: angenommen, die ausgerechnete Versorgungslücke beträgt 365 € in heutigem Kaufwert. Ferner angenommen, die Rente soll in 30 Jahren beginnen. Dann braucht man in 30 Jahren 150.000 €.

Um in 30 Jahren 150.000 € angespart zu haben, braucht man bei 8% Verzinsung einen monatlichen Sparbetrag von ca. 100 € (berechnet mit dem Zielsparrechner). Wenn die Anlage (nach Steuern!) nur 4% abwirft, braucht man schon ca. 216 €, bei nur 2 % Rendite (in diesem Bereich sollen dem Hören-Sagen nach viele Riesterverträge liegen) braucht man etwa 304 € Sparbetrag. Wer beim Verzehr der 150.000 € nicht 4%, sondern auch nur 2% erwirtschaftet, kann statt 720€ (heutiger Wert 365€) nur etwa 555 € (heutiger Wert 281€) monatlich entnehmen, damit es für etwa 30 Jahre Rente reicht.

Bei niedrigverzinsten Anlagen müßte man also 30 Jahre lang 304 € sparen, um dann nur 281 € in heutigem Wert herauszubekommen. Meine Faustregel für eine normal-miese Anlage: man bekommt etwa das an Monatsrente raus, was man vorher im Monat gespart hat, wenn Anspar- und Entnahmephase etwa gleich lang sind. Wenn man eine deutlich höhere Monatsrente für das erhalten will, was man sich heute abzwacken kann, muß die Anlage besser rentierlich sein.

Die ganze Diskussion um die private Altersvorsorge läßt das m.E. zu sehr außer Betracht. Es geht nicht nur darum, wie viel man spart, sondern auch, wie man das Geld spart und wie man es anlegt. Und da werden wir vom Staat eben leider sehr alleingelassen. Die staatlich geförderten Produkte taugen in dieser Hinsicht nicht viel.