Frage zum Forumthema "Berufsunfähigkeitsrente und Arbeitslos ohne Leistungsbezug" vom 16.04.

von
Norbert

Guten Tag!
Ich möchte nochmals an das diskutierte Thema anknüpfen und habe folgende Frage dazu:
da ich seit vielen Jahren arbeitssuchend beim AfA, ohne jedweden Leistungsbezug, bin wurde mir dieses Jahr angeboten, mich aus "Erleichterungsgründen für Arbeitnehmer über 58 Jahre" (bin Jahrgang 1946) aus der Verpflichtung des AfA zur Stellenvermittlung abzumelden und nur im 1-jährlichen Abstand meine persönlichen Verhältnisse beim AfA zu bestätigen.
Hiervon habe ich Abstand genommen, da ich die Gefahr sehe, daß bei Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit die Bedingungen zur Zahlung einer Arbeitsunfähigkeitsrente bis 65 nicht erfüllt werden, welche insbesondere den Zeitraum der letzten 5 Jahre vor Eintritt des Versicherungsfalles (Arbeitsuchend oder in Beschäftigung) fordert.

Heute melde ich mich alle 3 Monate per Fax, Telefon oder Email (mit teils erheblichen Schwierigkeiten der Kenntnisnahmenbestätigung) beim AfA und wurde dazu aufgefordert, die nächsten 8 Monate an einer 8-monatigen Unterweisung mit Namen "50+" bei der TERTIA teilzunehmen. Sowohl hier, als auch beim AfA ist ganz klar, dass alle Beteiligten dieser Maßnahme in keinem Fall vermittelbar sind. Also wird die "Unterrichtszeit" mit Allgemeinthemen gefüllt.
Nun zu meiner persönlichen Frage: unterschreibe ich die Erklärung zur Entbindung des AfA von ihrer Vermittlungsbemühung, können mir dann insbesondere im Hinblick auf evtl. Arbeitsunfähigkeitsrente Nachteile entstehen.
Natürlich hat man mir schon vor langem sehr Nähe gelegt, meinen Rentenanspruch einzureichen. Die Statistik würde dies besonders begrüßen.
Danke!

von
KSC

um Sie wirklich beraten zu können bräuchten wir Einblick ins Versicherungskonto.
Haben wir aber nicht, so dass es besser wäre das persönliche Gespräch bei einer Außenstelle zu suchen.

Rein theoretisch könnten Sie als Arbeitsloser ja die Bedingungen für die AR für Arbeitslose oder als knapp 63 jähriger die Bedingungen für die AR für langjährig Versicherte erfüllen.

Und dann käme es auf den Versicherungsschutz der EM rente vielleicht gar nicht an.

Viele Unsicherheiten- die online kaum klärbar sind.

Die Zeit zum Beratungsgespräch sollten Sie doch haben ;))??

von
Wolfgang

Hallo Norbert,

Sie fallen demnach noch in die alte 58er Regelung der Afa.

Wenn Sie wirklich an einer Vermittlung nicht mehr interessiert sind, sollten Sie das unterschreiben - Sie ersparen sich so Einiges. Da Sie zudem keine Leistungen mehr beziehen, ist - wie von KSC gesagt - zu hinterfragen, welchen Zweck Sie mit der Alo-Meldung verfolgen, statt schon die Altersrente in Anspruch zu nehmen (unterstellt, die Voraussetzungen liegen für Altersrente nach Arbeitslosigkeit vor). Das Warten auf eine höhere Rente bei sinkendem Abschlag lohnt nicht einen Monat.

Andernfalls haben Sie mit Unterschrift der Erklärung seitens der AfA Ruhe bis 65, die Alo-Zeiten werden weiterhin als Anrechnungszeiten im Rentenkonto berücksichtigt und sichern Ihnen auch den Anspruch auf die Rente wegen Erwerbsminderungsrente ('Arbeitsunfähigkeitsrente').

Gehen Sie - wie vorgeschlagen - möglichst bald zur nächsten Beratungsstelle.

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo Norbert,

da Sie bereits in diesem das 63. Lebensjahr vollenden werden, empfehle ich Ihnen, eine Altersrente in Anspruch zu nehmen. Es dürfte für Sie die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit bzw. die Altersrente für langjährig Versicherte in Frage kommen. Diese Renten hätten, sofern Sie diese mit dem Folgemonat des 63. Lebensjahres in Anspruch nehmen würden, einen Abschlag von 7,2 % zur Folge. Selbst mit Abschlägen bei der Rente, hätten Sie Vorteile zur bisherigen Situation, da Sie zur Zeit auf die Rente verzichten nur um den Anspruch auf eine eventuelle Erwerbsminderungsrente aufrecht zu erhalten. Es ist möglich, eine Altersrente, die noch mit Abschlägen behaftet ist, für 3 Monate rückwirkend zu beantragen.
Ich empfehle daher dringend einen Besuch bei einer Beratungsstelle der deutschen Rentenversicherung, um zu klären welche Altersrente zum jetzigen Zeitpunkt für Sie in Frage kommt.

von
Lucky

Ich empfehle unbedingt einen Rentenantrag (Altersrente..., was eben erfüllt und günstiger von den Abschlägen her ist). Die Münze hat doch zwei Seiten. Bitte mal hochrechnen, wie viel Geld man dem Staat/der Rentenkasse verschenkt, wenn man den Anspruch nicht geltend macht!

von
Norbert

Vielen herzlichen Dank für die zahlreichen Antworten.
Es ist mir bekannt, dass ich Anspruch auf die gesetzliche Altersrente, unter Berücksichtigung der jeweiligen Abschläge von 3,6% pro Jahr, habe. Auch meine Renteninfo ist lückenlos.
Es gibt jedoch Situationen, nach denen es nicht nur bei diesen Abschlägen bleibt, sondern zusätzliche Minusbeträge hinzukommen.
Ein Beispiel ist, daß ich bei meiner Frau mit familienversichert bin, ohne dafür einen zusätzlichen Krankenkassenbeitrag leisten zu müssen. Im Rentenfall jedoch würde dieses zusätzliche Einkommen nicht nur höhere Einkommensteuersteuer (gemeinsame Veranlagung) bedeuten, sondern auch einen von mir zu leistenden Krankenkassenbeitrag von rd. € 300,- pro Monat nachsichziehen.
Und bitte nicht als überheblich verstehen - ich bin auf die Rente zum jetzigen Zeitpunkt gottseidank nicht angewiesen. Es ist also selbstverständlich richtig sich mit spitzem Bleistift hinzusetzen und nachzurechnnen.
Möchte aber trotzdem nochmals, unter den genannten Gersichtspunkten, fragen, ob die Entlassung der AfA aus der Vermittlungsbearbeitung (siehe Eingangsfrage) Nachteile im Falle der Arbeitsunfähigkeit bringen kann. Leider gibt es hier eben die beiden unterschiedlichen Aussagen von ebenfalls kompetenten Stellen:
Nein - Sie sind ja noch weiter bei uns arbeitssuchend gemeldet (wer das sagt, ist wohl klar; und es wurde mir hinter vorgehaltener Hand auch gesagt, daß man dies begrüßen würde und man damit auch die Statistik bereinigen würde)
Ja - seitens der Beratung durch einen mir persönlich gut bekannten ehrenamtlichen Rentenberater, der auf die Einhaltung der gesetzlichen Bedingungen über die letzten 5 Jahre vor Eintritt des Krankheitsfalles hinweist, welche dann möglicherweise in Frage gestellt würde.

Vielleicht bin ich auch zu vorsichtig, aber eine unterschriebene Bestätigung gegenüber der AfA kann nicht mehr zurück genommen werden!
Sollte eine Antwort zu komplex oder zu wenig sicher sein, so würde ich mich bereits jetzt trotzdem für jede Mühe bedanken.

Experten-Antwort

Hallo Norbert,

Sie sind selbstverständlich nicht verpflichtet, einen Antrag auf Altersrente zu stellen. Sie sollten sich bei der Agentur für Arbeit jedoch erkundigen, ob Sie zum Personenkreis gehören, der die sogenannte 58er-Regelung in Anspruch nehmen kann. Diese Regelung ermöglicht Ihnen bei der Agentur für Arbeit weiterhin unter erleichterten Bedingungen als Arbeitsloser registriert zu sein. Für Sie bestünde dann keine Verpflichtung mehr, an Lehrgängen oder ähnlichen Massnahmen der Agentur für Arbeit teilzunehmen. Um den Erwerbsminderungsschutz aufrecht zu erhalten ist es erforderlich weiterhin Anrechnungszeiten nachzuweisen, was durch Zeiten der Meldung bei der Agentur für Arbeit sichergestellt ist.
Ggfls. sollten Sie mit der gesetzlichen Krankenkasse klären, ob Sie im Falle einer Rentengewährung pflichtversichert sein werden. Sollte dies der Fall sein, würden Sie 8,2 % der Bruttorente zur Krankenversicherung der Rentner zahlen.