Fragebogen

von
Gudrun

Hallo,

ich hab mir bei Glatteis im Februar den Oberarm gebrochen, der genagelt wurde. War zwei Wochen im Krankenhaus. Bin seit Donnerstag endlich in der Reha zur Schultermobilisation. Der Arzt hat mir einen Fragebogen in die Hand gedrückt. Gefragt wird nach allen bisherigen Krankheiten, auch den von Familienangehörigen, nach dem Arbeitsplatz, den Kollegen, den Belastungen und Problemen da etc. . Auf meine Frage hin, was das soll, sagte der Arzt, dass die DRV das verlangt und er die Angaben braucht, um ein sozialmedizinisches Gutachten für die DRV und KK zu erstellen.

Stimmt es, dass die DRV wegen so einer Lappalie meine ganze Krankengeschichte und ein sozialmedizinisches Gutachten braucht?

von
Meier

Ja.

Das ist eine reine Routineabfrage der DRV die jeder ausfüllen muß.

Auch wird in jeder Reha, wo der Kostenträger die DRV ist, automatisch immer auch eine sozial-medizinsiche Prognose über sie erstellt.

Ob es sich letztlich wirklich nur um eine Lapallie oder mehr handelt, spielt dabei keine Rolle.

Niemand weiß ja wie sich letzlich die ganze Erkrankung auf Dauer und vor allem später mal noch entwickeln wird.

Also ob es z.b. dann irgend wann mal zu der Frage hinsichtlich einer Erwerbsminderrung kommen wird oder nicht.

Darum wollen die heute möglichst schon viel zu ihren Erkrankungen wissen und fragen eben eine Anamnese ab.

Außedem haben Sie doch jetzt über Ostern genug " Freitzeit " in der Reha - da läuft doch wenig bis nichts - und da sollten die 10 Minuten für den Fragebogen auch im eingenen Interesse doch auch wohl übrig sein.....

von
Gudrun

Danke für die Antwort.

Aber was hat z.B. der Oberschenkelhalsbruch meines Vaters, die Herzrhythmusstörungen meiner Mutter und der Unterarmbruch meines Bruders mit 19 mit meinem Oberarmbruch bei Glatteis zu tun?

Was verbindet denn medizinisch meine Allergie gegen Erlenpollen und eine Bauchop als Baby wegen eines Darmverschlusses mit meiner OP am Arm?

Gibt es denn überhaupt eine Rechtsgrundlage für das, was die DRV da macht?

Von wegen Freizeit, wir mußten heute ganz schön ran, bis an die Schmerzgrenze: Bewegungsschiene, KG und Bewegungsbad. Das schlaucht ganz schön.

Ostergruß

Gudrun

von
Meier

Sie dürfen doch nicht alle Fragen in em Fragebogen nur auf IHRE individuelle Erkrankung und auf sich beziehen.

Das ist ein allgemein gültiger Fragebogen ( für ALLE Patienten mit ALLEN erdenklichen Erkrankungen und damit Fragen ) und nicht nur für Sie.

Darum kommen eben nicht alle Fragen für Sie in Frage oder ihnen " komisch " vor - aber für andere eben nicht !

Außerdem sind für med. Laien eben nicht alle Fragen nachvollziehbar.

Wenn Sie partout den Fragebogen nicht oder nicht komplett ausfüllen wollen , lassen Sie es doch einfach.

Beantworten Sie die Fragen die SIE wollen und können und gut ist.

Wenn die DRV oder die Ärzte in der Klinik das nicht so akzeptieren, werden Sie von denen schon Bescheid bekommen.

Ob es sich aber loihnt wenn so einer " Lapallie " jetzt event. Theater und Ärger mit der Klinik anzufangen , müssen Sie ja selbst wissen...

Es sind auch ihre Nerven die dabei strapaziert werden.

Schöne Ostern.

von
Schade

In der Zeit, in der Sie hier im Forum surfen, hätten Sie das Ding bestimmt auch ausgefüllt.

Und wie Meier schon sagte: wenn Sie irgendein Problem mit irgendeiner Frage haben, lassen Sie die doch einfach unbeantwortet oder werfen den ganzen Bogen in den Müll.

Nur bedenken Sie, ob es sich lohnt, wegen so einer Lappalie einen Aufstand zu machen....

von
Keine Angst

Nun machen Sie dem armen Glatteisopfer auch noch unnötig Angst. Gudrun hat sicher genug damit zu tun, ihre Schmerzen in den Griff zu kriegen und sich an den Klinikablauf zu gewöhnen.

Was bei der ganzen Fragebogenaktion fehlt, ist die Rechtsgrundlage, denn zur Behandlung einer Humerusfraktur und deren Folgen braucht der Arzt nur die Rötgenbilder, den Op-Bericht, die Ergebnisse seiner ärztlichen Untersuchungen und die Angaben der Therapeuten.

Der Rest ist komplett überflüssige Bürokratie und Geldverschwendung der Versicherten.

wünsche
angstfreie Ostern

Experten-Antwort

Der Fragebogen ist dazu da um weiterführende Maßnahmen zu prüfen (evtl. Rente).
§ 62 SGB I:
Diese Mitwirkungspflicht gilt wieder für den, der Sozialleistungen beantragt oder erhält.
Ärztliche und psychologische Untersuchungsmaßnahmen sind zu dulden. Dies bedeutet, dass die zu untersuchende Person die notwendigen Handlungen des Arztes oder des ärztlichen Hilfspersonals (z. B. Messen des Blutdruckes, Abtasten, Abhören etc.) erdulden muss. Die zu untersuchende Person ist aber auch zur aktiven Mitwirkung bei der Untersuchung verpflichtet, soweit dies zur Erzielung des Untersuchungsergebnisses erforderlich ist (z. B. Ausführen bestimmter Bewegungen, aber auch die Einnahme eines Kontrastmittels fällt hierunter). Die gleichen Grundsätze gelten für psychologische Untersuchungen.

von
Mitleser

Sehr geehrter Experte, ich verstehe Ihre Antwort nicht, denn der § 62 SGB I lautet:

§ 62
Untersuchungen

Wer Sozialleistungen beantragt oder erhält, soll sich auf Verlangen des zuständigen Leistungsträgers ärztlichen und psychologischen Untersuchungsmaßnahmen unterziehen, soweit diese für die Entscheidung über die Leistung erforderlich sind.

Die Leistung Reha (Schultermobilisation nach Armbruch) wurde doch bewilligt. Wo geht es also um eine ERFORDERLICHE Untersuchung?

Experten-Antwort

Das Ausfüllen eines ärztlichen Fragebogens ist eine weitere ärztliche Untersuchung für den weiteren Werdegang (evtl. Rente).

von
Gudrun

Lieber Experte,

ich möchte, dass mein Arm und Schultergelenk bestmöglich behandelt werden. Dazu bin ich hier in der Reha, aber doch nicht zur Begutachtung wegen Rente.

Es ist m.W. extrem unwahrscheinlich, und das haben mir auch die Ärzte im Krankenhaus vor der OP gesagt, dass eine dauerhafte Beeinträchtigung bleiben wird.

Was möchte die DRV mit dem Fragebogen und dem sozialmedizinischen Gutachten, denn Rente oder Schwebehinderung sind ausgeschlossen?

Experten-Antwort

Der Fragebogen wurde Ihnen vermutlich deshalb ausgehändigt, damit der Rentenversicherungsträger anhand des Reha-Entlassungsberichtes beurteilen kann, ob ein Verfahren der (per Gesetz möglichen) Umdeutung des Reha-Antrages in einen Erwerbsminderungsrentenantragin Gang zu setzen ist.

von
Gudrun

Lieber Experte,

danke für die Antworten, aber der Arzt hat mir heute gesagt, dass er zur Behandlung die Antworten nicht braucht, sondern die DRV die routinemäßig haben will. Dann hat er noch was von pehr und Qualitätsprüfung oder so gesagt, was ich aber nicht verstanden habe.

Ist jetzt der Arzt in der Reha gleichzeitig Gutachter für den Fall der Fälle?

Und wieso wird mir nicht gesagt, wozu die Antworten benötigt werden und aufgrund welcher Rechtsvorschrift ich ggfs. antworten muß. Googeln mit 'daten freiwillig sgb' ergab:
http://gesetze.bmas.de/Gesetze/sgb10/sgb10x067a.htm und den § 67a SGB X.

Ein Hinweis, wie er da gefordert wird, ist nicht im Fragebogen. Will man die Patienten täuschen?

Experten-Antwort

Für "den Fall der Fälle" wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der behandelnde Reha-Arzt nicht der zuständige Gutachter sein.
Soweit ich den Sachverhalt richtig verstanden habe, kann ich folgendes Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung erläutern:

Wenn eine stationäre Reha-Maßnahme beendet wird, wird ein sogenannter Entlassungsbericht gefertigt, in dem die wichtigen Punkte in schriftlicher Form festgehalten werden.
Mit diesem Abschlussbericht geben aber auch die Ärzte eine Einschätzung hinsichtlich Ihres zum Zeitpunkt der Entlassung bestehenden Leistungsvermögens ab.
In § 116 SGB VI ist nämlich geregelt, dass eine Reha-Antrag als Antrag auf Gewährung einer Rente wegen Erwerbsminderung gewertet werden kann, wenn voraussichtlich die Voraussetzungen für die Gewährung einer Erwerbsminderung vorliegen. Das diese Möglichkeit besteht hat den Hintergrund, dass Sie bzw. die Versicherten bei der Reha-Antragstellung noch nicht unbedingt wissen oder absehen konnten, dass sie auch nach Beendigung der Reha derart in ihrem Leistungsvermögen eingeschränkt sein werden. Somit soll vermieden werden, dass sie etwaige wichtige Antragsfristen versäumen, die zur Ermittlung des Rentenbeginns einer Erwerbsminderungsrente zu beachten sind.
Je nach Einschätzung des Reha-Arztes kann somit anhand des Entlassungsberichtes der Rentenversicherungsträger entscheiden, ob die erforderlichen Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente vorliegen und ob weitere Schritte eingeleitet werden sollen. In diesem Fall käme dann der Rentenversicherungsträger auf Sie zu und würde Sie über die rechtliche Seite und die Möglichkeiten aufklären.
Die Rentenversicherungsträger entscheiden über die Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen jedoch in sogenannter "freier Beweiswürdigung", d.h. nach eigenständiger Auswertung der Unterlagen. Der Hinweis des Reha-Arztes ist daher "nur" ein Punkt, dem der Rentenversicherungsträger jedoch nicht unbedingt folgen muss, da auch der Reha-Arzt nur einen Teilaspekt zum insgesamt zu bewertenden Sachverhalt beitragen kann.

Am Rande sei erwähnt, dass Ihre Krankenkasse insofern nicht den "vollständigen" Entlassungsbericht erhält, da die Einschätzung der Ärzte der Reha-Klinik bzgl. Ihres Leistungsvermögens nur der Rentenversicherungsträger und nicht die Krankenkasse erhält.

von
Mitleser

Sehr geehrter Experte,

der Fragebogen soll doch zu Beginn der Behandlung ausgefüllt werden, obwohl doch gar nicht zur Behandlung erforderlich.

Wie das Ergebnis der Behandlung aussehen wird, steht doch erst in ca. zwei Wochen fest. Also warum bereits jetzt einen Fragebogen ausfüllen?

Experten-Antwort

Gleichwohl zur Behandlung während der Reha gewiß nicht sämtliche Punkte erforderlich sind, hat der Reha-Arzt jedoch bei Abschluss einer jeden Reha den Entlassungsbericht zu fertigen.
Damit sich auch der Rentenversicherungsträger ein Bild über das Leistungsvermögen machen kann, sind (so sensibel dieses Thema auch zur Zeit aufgrund immer neuer Meldungen zum Thema "Datenschutz" und "Vorratsdatenspeicherung" sein mag), über das eigentliche akute Krankheitsbild als solches, weitere Informationen bzw. Angaben des Versicherten hinsichtlich der Vorerkrankungen, seines beruflichen Werdeganges, der Familienanamnese usw. unabdingbar.
Da der beschriebene Fragebogen gleich zu Beginn ausgehändigt wurde, kann ich nur mutmaßen, dass dies deshalb so gehandhabt wurde, da die Beantwortung durch die Patienten einen gewissen Vorlauf benötigt und damit die Patienten nicht "überrumpelt" werden, indem sämtliche Fragen im Schnellverfahren während der Abschlussuntersuchung von den Versicherten beantwortet werden müssen. Bei der einen oder anderen Frage muss der Patient auch Zeit haben, um sich an bestimmte Sachverhalte erinnern zu können.

von
Mitleser

Sehr geehrter Experte,

was Sie schreiben ist bei einem Oberarmbruch nicht nachvollziehbar. Was hat die Familienkrankengeschichte mit der Leistungsfähigkeit zu tun?

Auch haben Sie nicht Gudruns Frage beantwortet, warum im Fragebogen der gesetzlich geforderte Hinweis nach § 67a SGB X fehlt. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Patienten in der Tat überrumpelt werden sollen.

Experten-Antwort

Auch ein Oberarmbruch kann aus medizinsicher Sicht (im Zusammenspiel von etwaigen bleibenden Dauerschädigungen und der jeweiligen beruflichen Tätigkeit) Einfluss auf die späterer Leistungsfähigkeit des Patienten/Versicherten haben.
Immerhin ist aufgrund dieses Bruches eine Reha-Maßnahme erforderlich, sodass ich von einem komplizierteren med. Sachverhalt ausgehe.
Ich kann da aber an dieser Stelle lediglich Vermutungen anstellen und möchte mich daher als Nicht-Mediziner allzu sehr vorwagen.
In diesem Forum kann ich daher (wie bereits erwähnt) nur das Grundprinzip erläutern und dies daher auf die mir von den Fragestellern vorgegebenen Informationen übertragen.
Im Einzelfall ist (wie evtl. auch hier) sicherlich genauer beim behandelnden Personal/beim Arzt und ggf. auch beim Kostenträger nachzufragen.
Sicherlich mögen zudem einige Vorerkrankungen mit dem speziellen Folgen des Oberarmbruches direkt in keinem Zusammenhang stehen. Bei der Beurteilung, ob eine Erwerbsminderung besteht bzw. bestehen könnte, sind jedoch häufig nicht die einzelnen (wie hier physischen, aber in machen Fällen auch psychischen) Krankheiten oder Verletzungen für sich allein, sondern u.U. zusammen mit weiteren Krankheiten (und hier ggf. mit dem entsprechenden famliären Hintergrund) zu prüfen.
Nach § 17 SGB I sind Leistungsträger verpflichtet, darauf hinzuwirken, dass jeder Berechtigte die ihm zustehenden Sozialleistungen in zeitgemäßer Weise, umfassend und zügig erhält und nach Abs. 1 Nr. 3 dieser gesetzlichen Vorschrift der Zugang zu den Sozialleistungen möglichst einfach gestaltet wird, inbesondere durch Verwendung allgemein verständlicher (Antrags-)Vordrucke.
Nach den §§ 20 und 21 SGB X ermitteln die Sozialleistungsträger die Sachverhalte von Amts wegen und bestimmen Art und Umfang der Ermittlung und bedient sich der Beweismittel, die sie nach pflichtgemäßen Ermessen zur Ermittlung des Sachverhaltes für erforderlich hält. Dabei soll der Versicherte mitwirken.
Nun könnte man sicherlich über den einen oder anderen Sachverhalt diskutieren. Jedoch bleibt dass Prinzip, dass zur schnellstmöglichen Ermittlung und Bewertung des Sachverhaltes von den Sozialleistungsträgern Vordrucke verwendet werden, auch wenn dabei nicht immer alle Fragen genau zu dem zu prüfenden Sachverhalt passen. Verschiedenste Vordrucke für sämtliche möglichen Sachverhalte zu entwerfen, würde jedoch wiederum nicht mit der Verpflichtung zur umfassenden und vor allem zügigen abschließenden Bearbeitung/Beurteilung harmonieren.
Dem Reha-Arzt umfassend "freie Hand" zu lassen, wäre evtl. auch keine glückliche Lösung, insofern dieser kein Mitarbeiter des jeweils zuständigen Rentenversicherungsträgers ist, er zudem vermutlich "nur" für seinen Fachbereich zuständig ist, während die Rentenversicherungsträger in freier Beweiswürdigung umfassend zu bewerten haben.

Wenn sich ein Patient nicht sicher ist und daher die Angaben (die nicht zur unmittelbaren Behandlung erforderlich sind) verweigert, kann man ihn letztlich nicht zwingen. Im Falle später geltend zu machender weiterer Ansprüche müssten dann aber aufgrund der o.g. Vorschriften sowie der §§ 60 ff. SGB I die Angaben vom Versicherten nachgereicht werden.

von
Gudrun

Lieber Experte,

recht herzlichen Dank für Ihre Mühe. Dank auch an Mitleser für seine kritischen Fragen. Aber jetzt bin ich richtig mißtrauisch geworden. Der Armbruch ist unkompliziert und ist wie alle derartigen Brüche der besseren Ergebnisse wegen genagelt wurden. Die Reha ist deswegen notwendig, weil wegen der notwendigen zwei bis vierwöchigen Ruhigstellung des Arms das Schultergelenk trotz passiver Physiotherapie wegen des Blutergusses durch den Bruch und die OP etc. einrostet und mit intensiver täglicher aktiver Physiotherapie wieder ganz beweglich gemacht werden muß. So hat es mir der Operateur erklärt. Da ist also nichts kompliziert. Am Tag stehen hier 2 bis drei Stunden Therapie auf dem Plan. Ambulant geht sowas nicht.

Kann man denn nicht seitens der DRV erst mal abwarten, was denn das alles bringt? Reicht doch, wenn man nach der Reha den Patienten fragt, ob er erwerbsgemindert ist, also seinen Job nicht mehr ausüben wird können. Aber einfach so drauflosforschen, alle ausnahmslos über einen Kamm scheren, für den Fall, es könnte ja sein, im Interesse einer schnellen Abwicklung müssen wir ... ?

Darüber zu schweigen, dass ein Verwaltungsverfahren läuft, und dann noch nicht einmal entsprechnd § 67a SGB X belehren, welche Rechtsvorschrift einen verpflichtet Auskünfte zu erteilen und die Krankheiten von lieben Verwandten zu nennen.

Das alles macht richtig mißtrauisch.
Wer kriegt denn eigentlich bei der DRV das alles zu sehen, wenn ich das dem behandelnden Arzt erzähle?