Freiwillig zum Gutachter und raus aus der Rente

von
Rehainteressent

Ich beziehe zur Zeit eine volle EM-Rente, die unbefristet ist. Da ich mich selber nicht mehr für voll erwerbsgemindert halte, stellt sich die Frage wie ich aus der Rente wieder rauskomme.

Eine Möglichkeit ist es, einen Antrag auf berufliche Rehabilitation zu stellen. Dies kann ich jederzeit machen, dafür brauche ich keine Ärzte oder Gutachter. Der Haken dabei ist, dass ein solcher Antrag nur Sinn macht, wenn ich auch einen ärztlichen Befundbericht beibringen kann, der meine Arbeitsfähigkeit wieder feststellt.

Da meine Ärztin sich schwer damit tut, jetzt nach 1 1/2 Jahren unbefristeter Verrentung und 6 Jahren Rentenbezug mich wieder für arbeitsfähig zu erklären, stelle ich mir die Frage, wie ich eine Begutachtung meiner Arbeitsfähigkeit in die Wege leiten kann.

Meine Frage ist also : sollte ich zuerst einen Antrag auf medizinische Rehabilitation stellen und meine Ärztin motivieren, dies zu befürworten ? Oder gibt es auch die Möglichkeit, dem Antrag auf berufliche Rehabilitation einfach einen Selbsteinschätzungsbogen beizulegen und die Bitte zu äußern, durch einen Gutachter der DRV begutachtet zu werden ?

Was macht hier am ehesten Sinn, um eine berufliche Reha auf den Weg zu bringen ?

Experten-Antwort

Wenn Sie nach Feststellung des Rentenversicherungsträgers auf Dauer voll erwerbsgemindert sind, brauchen sie schon medizinische Befunde, die belegen, dass Ihre Erwerbsfähigkeit (teilweise) wiederhergestellt wurde. Ansonsten brauchen Sie auch keinen Antrag auf berufliche Rehabilitation stellen. Denn Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation werden nur bewilligt, wenn Sie durch diese Maßnahmen voraussichtlich wieder dauerhaft in das Erwerbsleben eingegliedert werden können. Das ist bei voller Erwerbsminderung auf Dauer nicht möglich. Der Rentenversicherungsträger wird aber nicht allein anlässlich der Selbsteinschätzung eines medizinischen Laien ein erneutes Begutachtungsverfahren einleiten.

Wenn Sie der Meinung sind, nicht mehr voll erwerbsgemindert zu sein, können Sie auch einfach wieder eine Arbeit aufnehmen, die Sie sich zutrauen. Sie können also einfach "testen", ob Ihre Selbsteinschätzung richtig ist.

Können Sie sodann die gewählte Tätigkeit wieder dauerhaft mindestens 3 Stunden täglich ausüben, kann der Rentenversicherungsträger die tatsächliche Ausübung zum Anlass nehmen, das bisher festgestellte Leistungsvermögen und damit Ihren Rentenanspruch nochmals zu überprüfen.

von
Schorsch

Sie dürfen der DRV auch schriftlich mitteilen, dass Sie keine Rente mehr benötigen und daher auf weitere Rentenzahlungen verzichten wollen.

Es wird nämlich niemand dazu gezwungen, gegen seinen Willen Rente zu beziehen.

Problematisch würde es allerdings werden, wenn Sie staatliche Fürsorgeleistungen wie Alg2 oder Sozialgeld beantragen, da Renten vorrangig in Anspruch genommen werden müssen.

Dass viele Leute hart um ihre Rentenansprüche kämpfen, liest man hier fast täglich.
Aber dass jemand danach fragt, wie er seine Rente wieder los wird, erlebe ich heute zum ersten Mal. ;-)

von
Cassandra

Genau, sofern Sie keine Leistungen von anderen Stellen beziehen (wollen) , verzichten Sie einfach auf die Rente.
Ich an Ihrer Stelle, würde mir einen Job suchen und anfangen zu arbeiten. Die Rente wird unter Berücksichtigung des Verdienstes weiter gezahlt und Sie können erstmal testen, ob Ihnen das tägliche Arbeiten wirklich bekommt.

Experten-Antwort

Zitiert von: Schorsch

Sie dürfen der DRV auch schriftlich mitteilen, dass Sie keine Rente mehr benötigen und daher auf weitere Rentenzahlungen verzichten wollen.

Bei einem Verzicht sind Sie aber nicht wirklich "raus" aus der Rente. Denn ein Verzicht bewirkt nur, dass die Rente nicht mehr laufend gezahlt wird, d. h. sie erhalten kein Geld mehr. Der Rentenanspruch bleibt jedoch bestehen. Sie bleiben dann also EM-Rentner und können den Verzicht jederzeit mit Wirkung für die Zukunft rückgängig machen und sich die Rente wieder auszahlen lassen.

von
Rehainteressent

Ein Nachtrag zur Klarstellung : die Rente habe ich in den zurückliegenden fast 6 Jahren deshalb bezogen, weil mir aus gesundheitlichen Gründen nichts anderes übrig blieb.

Dass ich wieder vollständig genesen bin, kann ich als medizinischer Laie (siehe Experten-Antwort) natürlich nicht auf dem Niveau eines Gutachters beurteilen, aber ich kann sehr wohl sehen, dass ich wieder einen geregelten Tagesablauf schaffe, wieder neue Kontakte knüpfen kann und auch (bitte nicht lachen) auch wieder auf Wettkampf-Niveau Schach spielen kann. Dies tue ich zum Testen meiner geistigen Leistungsfähigkeit.

Was ich sehe ist, dass die Gründe für die Verrentung (psychische Erkrankung) sich durch die richtige Einstellung mit Medikamenten und ein belastbares soziales Umfeld in den Griff bekommen lassen.

Lange Rede kurzer Sinn : ich möchte den mir möglichen Beitrag zum Gemeinwesen leisten, dies geht aber nunmal am Besten durch bezahlte Arbeit. Was ich jetzt tun werde, ist in meiner Umgebung nach Aushilfstätigkeiten Ausschau halten und - sofern man mich lässt - diese auch wahrnehmen.

Meine noch zögerliche Ärztin muss ich eben Schritt für Schritt überzeugen, dass sie irgendwann (hoffentlich bald) was Positives über mich schreibt.

von
Herz1952

Bedenken Sie bitte, dass eine psychische Erkrankung keine Geisteskrankheit ist. Ihre kognitiven Fähigkeiten können daher ausgezeichnet sein. Es wird fachlich unterschieden zwischen geistiger, seelischer und körperlicher Behinderung (Wortlaut einer Ablehnungsbescheinigung einer KK-Rehe durch die DRV). Psychisch Kranke oder auch Depressive müssen nicht auch geistig behindert sein. Dies wird oft über eine Kamm geschert. Aber niemand ist schuld an seinen geistigen, seelischen oder körperlichen Gebrechen.

Alles Gute

In der Arbeitswelt zeigt sich dann wie belastbar Sie sind. Empfehlung: insbesondere den ersten Expertenbeitrag berücksichtigen.

Psychische Krankheiten verlaufen oft "wellenförmig", ich wünsche Ihnen, dass Sie weiterhin auf der Erfolgswelle bleiben.

Sie sind der Gesellschaft nichts schuldig. Wenn Sie auf Kosten der Rentenzahlung arbeiten, leisten Sie auch schon Ihren Beitrag für das "Gemeinwesen" (Teilkürzung der Rente durch Arbeit).