Freiwillige Beiträge für die Zukunft zahlen?

von
Merlin

ich bin 60 Jahre und erhalte noch bis 31.12.2017 ALG I.

Ist es zulässig in den Jahren 2016 und 2017 freiwillige RV-Beiträge für die Zeit ab 2018 und 2019 zu zahlen, da ich am 01.07.2020 die abschlagsfreie Rente mit 63 erhalte. Aufgrund des Progressionsvorbehaltes würden 2016 und 2017 ohne diese Beiträge hohe Steuernachzahlungen anfallen.

von
Schlaubi123

Nein. Man kann keine Beiträge für die Zukunft zahlen, da die Beitragshöhe erst mit den Zahlen für das jeweilige Jahr festgelegt werden kann. Niemand weis jetzt, wie hoch der Mindestbeitrag für 2018 sein wird.

von
Herz1952

Außerdem amortisieren sich die "Zusatzbeiträge" (falls überhaupt möglich), erst in ca. 21 Jahren.

Auch der Progressionsvorbehalt vermindert sich meistens nicht durch Vorsorgeaufwendungen, weil in der Regel die Höchstbeiträge allgemein schon ausgeschöpft sind. Dies gilt auch für "normale" Einkommen.

von
Herz1952

Keine Sorge wegen der Steuernachzahlungen. Es werden lediglich die höheren Prozentsätze (stufenweise) auf das verminderte Einkommen angewendet.

von
Klugpuper

Also falls W*lfgang am 03.08. um 20.10 recht hatte, dann gibt es noch Möglichkeiten steuermindernd Beiträge zu zahlen.
Vgl. "Abkauf von Rentenabschlägen"
Ob das wirklich so geht, würde mich aber auch interessieren.

von
KSC

Ja, W*lfgang hat da Recht.

Abschläge kann man gem. § 187a SGB VI durch Zahlung von Beiträgen ausgleichen / mindern. Siehe hier beispielsweise die entsprechende Frage im Forum vom 24.08.16. Auch die Forensuche liefert da sicher jede Menge Infos.

Und solche Beiträge können sich auch als Vorsorgeaufwand steuermindernd auswirken, das ist jedoch wiederum kein Rententhema aber auch dazu findet man - sofern man googelt - massig Tipps und Hinweise ( auch bei Focus, Finanztest und Co).

Aber das ist eben eine andere Baustelle als die Frage von Merlin nach "normaler" freiwilliger Versicherung......:) - zwar ein interessanter Nebenaspekt, aber nicht zwingend eine notwendige Antwort zur von Merlin aufgeworfenen Frage. Außerdem will Merlin ja abschlagsfrei in Rente gehen und hat somit gar keine Abschläge, die er gem. § 187a SGB VI ausgleichen müsste.

(Könnte das natürlich trotzdem machen, weil es im Endeffekt nicht darauf ankommt ob er später mal ne Rente mit ohne ohne Abschlag beantragt).

von
Herz1952

Steuermindernd wirken sich die Beiträge während des ALG 1 Bezuges wohl nicht aus.

Beispiel: Wenn Sie das ganze Jahr nur ALG 1 beziehen, zahlen Sie so wie so keine Steuern. Haben Sie angenommen 3 Monate Arbeitsentgeltbezug und den Rest ALG 1 wirkt es sich auch so gut wie nicht aus, das die 3 Monate schon mit dem Jahressteuersatz geteilt durch 12 berechnet sind und auch eine Vorsorgepauschale eingerechnet ist. Diese ist schon um so höher, je höher der Verdienst ist, und es bleibt nur - wenn überhaupt - noch ein kleiner steuermindernder Rest übrig.

Es kann eigentlich nur bei monatlichen schwankenden Einkünften eine eigentlich nur relativ kleine Nachzahlung geben. Vielleicht sogar eine kleine Erstattung, wenn ein paar "kleine" Monate dabei sind, da bei den großen Monatsverdiensten schon höhere Prozentsätze zugrunde liegen.

Fast noch komplizierter als Rentenversicherung (smile). Aber eine kostenlose Auskunft darüber kann Ihnen auch die Service-Stelle Ihres Finanzamtes geben.

von
GroKo

Zitiert von: Herz1952

Steuermindernd wirken sich die Beiträge während des ALG 1 Bezuges wohl nicht aus.

Beispiel: Wenn Sie das ganze Jahr nur ALG 1 beziehen, zahlen Sie so wie so keine Steuern. Haben Sie angenommen 3 Monate Arbeitsentgeltbezug und den Rest ALG 1 wirkt es sich auch so gut wie nicht aus, das die 3 Monate schon mit dem Jahressteuersatz geteilt durch 12 berechnet sind und auch eine Vorsorgepauschale eingerechnet ist. Diese ist schon um so höher, je höher der Verdienst ist, und es bleibt nur - wenn überhaupt - noch ein kleiner steuermindernder Rest übrig.

Es kann eigentlich nur bei monatlichen schwankenden Einkünften eine eigentlich nur relativ kleine Nachzahlung geben. Vielleicht sogar eine kleine Erstattung, wenn ein paar "kleine" Monate dabei sind, da bei den großen Monatsverdiensten schon höhere Prozentsätze zugrunde liegen.

Fast noch komplizierter als Rentenversicherung (smile). Aber eine kostenlose Auskunft darüber kann Ihnen auch die Service-Stelle Ihres Finanzamtes geben.


Wie immer hast Du die Frage nicht im mindesten verstanden.

von
Herz1952

Groko,

ich verstehe eben mehr, als nur das mindeste (smile).

von
GroKo

Zitiert von: Herz1952

Groko,

ich verstehe eben mehr, als nur das mindeste (smile).


Glaube kann Berge versetzen aber bei Dir ist auch das hoffnungslos.

von
****

Hallo Merlin,
da das Thema sehr komplex ist sollten sie umgehend einen Beratungstermin in der nächsten A+B Stelle vereinbaren und dort folgendes beantragen:
1. Rentenauskunft für langjährig Versichert 63 Lj mit Abschlag
2. Rentenauskunft für besonders langjährig Versicherte 63 + X Mo.
3. Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum Ausgleich einer Rentenminderung (§187a SGB 6).

Erst wenn sie diese Informationen haben und auch die Steuerrechtliche Seite geklärt haben, können sie die weitere Vorgehensweise entscheiden.
In der Regel lohnt es sich nicht den Rentenbeginn zu verschieben wenn sie ab 63 kein Einkommen mehr haben und sich u.U. noch freiwillig Krankenversichern müssen und ggf. auch noch Anspruch auf eine Betriebsrente besteht.

Experten-Antwort

Eine Zahlung von freiwilligen Beiträgen ist immer nur für das laufende Kalenderjahr bis spätestens zum 31.03. des Folgejahres möglich.

Für zukünftige Kalenderjahre ist eine freiwillige Beitragszahlung nicht möglich. Eine Zahlung von freiwilligen Beiträgen für zukünftige Jahre ist deshalb nicht möglich, da die Bemessungswerte (Mindestbeitragshöhe, Rentenversicherungsbeitragssatz etc.) nur für das aktuelle Kalenderjahr bekannt sind.

In den Forumsbeiträgen zu Ihrer Frage wurden bereits zwei Sachverhalte angesprochen, zu denen ich hier kurz Stellung nehmen will:

Man muss grundsätzlich unterscheiden zwischen der Zahlung von freiwilligen Beiträgen für das laufende Kalenderjahr (um z.B. die 45 jährige Wartezeit zu erfüllen) und der Möglichkeit einmalig (ggf. auch in Teilzahlungen) Beiträge zum Ausgleich von Rentenabschlägen zu zahlen.

Zur freiwilligen Beitragszahlung:

Versicherte die bereits 18 Jahre mit Pflichtbeiträgen zur Rentenversicherung gezahlt haben, können auch mit freiwilligen Beiträgen die 45 jährige Wartezeit erfüllen. Dies kann es durchaus sehr lohnenswert machen freiwillige Mindestbeiträge einzuzahlen um die 45 jährige Wartezeit zu erfüllen und kurze Zeit nach dem 63. Lebensjahr die ungekürzte Altersrente für besonders langjährige Versicherte beziehen zu können.

Wichtig ist hierbei: In den letzten zwei Jahren vor Beginn der Altersrente für besonders langjährig Versicherte führt eine Arbeitslosenmeldung dazu, dass zeitgleich gezahlte freiwillige Beiträge nicht auf die 45 jährige Wartezeit angerechnet werden können. In Ihrem Fall dürfen Sie sich also ab dem 01.07.2018 nicht mehr arbeitslos melden, sonst zählen die freiwilligen Beiträge die Sie für die Zeit ab dem 01.07.2018 zahlen nicht mehr auf die 45 jährige Wartezeit.

Beiträge zum Ausgleich von Rentenabschlägen:

Versicherte können ab dem 55. Lebensjahr eine Auskunft darüber beantragen, wie hoch der Abschlag in einer vorgezogenen Altersrente wäre und was Sie zahlen müssten, um diesen Abschlag auszugleichen. Die Wartezeit von 35 Jahren muss zum Zeitpunkt des Antrages aber schon erfüllt sein. Auf diesen Antrag hin berechnet der Rentenversicherungsträger, wie hoch der Ausgleichsbetrag ist und die Versicherte können dann, ggf. in Teilzahlungen Beiträge einzahlen um diesen Abschlag wieder auszugleichen. Teilzahlungen können deshalb sinnvoll sein, um über mehrere Jahre hinweg die möglichen Steuerlichen Abzüge geltend machen zu können.

Welche Beitragszahlung sinnvoll ist, muss jeder Versicherte für sich entscheiden.

Ausdrücklich warne ich vor bereits in diesem Forum erwähnten pauschalen Äußerungen diese Beitragszahlungen würden sich grundsätzlich nicht lohnen. Sie sind in dieser Allgemeinheit schlicht FALSCH!

Wenn z.B. jemand mit Jahrgang 1955 die Abschlagsbehaftete Altersrente für langjährig Versicherte mit 63 Jahren mit 9,9 % in Anspruch nimmt, so hat er so viele Abschläge, dass er bereits innerhalb von ca. 5 Jahren alle "Verluste" (Freiwillige Beiträge für 6 Monate, Nicht-Inanspruchnahme der Rente von 63. Lebensjahr bis 63 Lj.+ 6 Monate und freiwilliger Krankenversicherungsbeitrag) durch die dann höhere abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährige Versicherte wieder hereingeholt hat. Vor allgemeinen Stellungnahmen ohne Kenntnis des konkreten Sachverhaltes warne ich daher explizit.

Auch habe ich schon mit Steuerberatern gesprochen, die die Zahlung von Beiträgen zum Ausgleich der Rentenminderungen für eine durchaus gute Option hielten.

Die Zeitschrift Finanztest hat in einer erst vor wenigen Monaten erschienen Ausgabe diese Ausgleichszahlungen als eine mögliche Option ausgewiesen.

In einer Beratung in einer unserer Dienststellen können wir Ihnen die für Ihre individuelle Entscheidung notwendigen Informationen (Rentenhöhe, Beitragsaufwand etc.) mitteilen.

Bei Interesse vereinbaren Sie einen Termin.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.08.2016, 12:03 Uhr]

von
Vorsicht

Stimme der Expertenantwort zu. Ergänzen möchte ich noch, dass selbst wenn man dann (Teil)Zahlungen zum Ausgleich eines Abschlags von z.B 9,9 % (Jahrgang 1955) vorgenommen hat und dann doch nicht mit 63 in Rente geht, sondern mit 63 und 6 Monaten die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte (45 Jahre) in Anspruch nimmt, die Beiträge nicht umsonst gezahlt wurden, sondern die Rente eben entsprechend und sehr lukrativ erhöhen.

Die Altersgrenze 55.Lj. zur Einholung einer Auskunft über die Höhe der Ausgleichszahlung zum gewünschten Rentenbeginn ist nicht so starr, wie es klingt. In begründeten Fällen bekommt man diese Auskunft auch schon mit zB.50. Die RV sieht das nach meiner Erfahrung nicht so starr. Es kommt natürlich auch auf die Begründung an.

Abschliessend sei gesagt: Die Ausgleichzahlungen sind sehr interessant im Hinblick auf die Rendite, dazu die immensen und von Jahr zu Jahr steigenden Steuerfreistellungen (aktuell 82%) dadurch. Letztlich gibt der Markt aktuell NICHTS besseres her, wenn man sicher fürs Alter vorsorgen möchte und nicht mehr 30 Jahre Anlagehorizont hat. Siehe auch die angesprochene Finanztestausgabe vor kurzem.