Freiwillige Rentennachzahlung lohnt sich das?

von
JoJo

Ich kann für 23 Monate Studienzeit, die nicht mehr als Anrechenzeit berücksichtigt wird, einen Antrag stellen, dass ich freiwillig Beiträge nachzahlen darf.

Lohnt sich das? (bisher habe ich 180 Monate Beitragszeit und 96 Monate Anrechenzeit). Was kostet das, und kann man nachrechnen, was das bringt?

Offensichtlich darf man das nur bis zum 45 Lebensjahr machen. Da kann man noch nicht gut einschätzen, wie die Entwicklung (politisch/privat) bis zum Renteneintritt ist.

von
Tschacka

Hallo Jojo,

grundsätzlich möglich bis zum 45.Lj., das ist schonmal richtig.

Lohnt sich das?

23 x 79,60 EUR (derzeitger Mindestbeitrag) = 1830,80 EUR

Rentensteigerung hierdurch (nach heutiger Rechtslage)
ca. 8,- EUR (Brutto!)

Wenn Sie momentan versicherungspflichtig beschäftigt sind, dann werden Sie auch ohne zusätzliche freiwillige Beiträge höchstwahrscheinlich auf mindestens 35 Versicherungsjahre kommen. So dass ein vorzeitiger Rentenbezug mit Abschlag auch so möglich sein wird.

Wann sind Sie geboren?
Sind Sie versicherungspflichtig beschäftigt?

rechnen Sie einfach Ihre bisherigen Wartezeitmonate (müssten ja nach Ihren Angaben 276 sein) und die dazukommenden Zeiten (also ab 01.01.2009 bis zum 63.Lj.) hoch. Wenn Sie auf 420 Monate kommen, dann empfehle ich keine Nachzahlung, wegen der geringen Steigerung der Rente. Außerdem gibt es auch einen kleinen aber feinen Nachteil bei dieser Geschichte...

durch die nachgezahlten Beiträge (in der Regel sind es ja Mindestbeiträge) schrotten Sie sich Ihren Gesamtleistungswert. Will heißen Ihre Durchschnitt aus allen Beitragszeiten wird runtergehen.

Machen Sie doch mal einen Beratungstermin in einer Beratungsstelle aus und lassen sich das mal "fiktiv" ausrechnen. Da gab es schon die eine oder andere "böse" Überraschung ;-))

MfG
Tschacka

von
Amadé

Sie können von Ihrem Rentenversicherungsträger eine Probeberechnung anfordern, zum Beispiel eine mit dem Mindestbeitrag und eine andere mit dem Höchstbeitrag.

Mit folgendem müssen Sie unbedingt rechnen: Die Rente mit 67 ist noch nicht das letzte Wort der Politik. Sollte Ihre Gesundheit jedoch schwer angeschlagen sein und in naher Zukunft teilweise oder volle Erwerbsminderung drohen, kann die Geschichte durchaus lohnenswert sein. Die Deutsche Rentenversicherung kennt - anders als die privaten Versicherungsprovisionshaie- keine Gesundheitsprüfung.

Bevor Sie zum Überweisungsträger greifen, ist UNBEDINGT eine individuelle Beratung in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der DRV ratsam. Siehe unter "Service".

von
JoJo

ok, 8,- brutto monatlich aus 1.830,- lohnt sich eher nicht.

Das mit dem Gesamtleistungswert scheint ja eine unausgegohrene Sache zu sein, wenn freiwillige Beitragszahlung die Rente schmälert.

Könnte man denn evtl. mehr als den Minimalbeitrag zahlen wenn man sein Durchschnittswert nicht schrotten will?

Andererseits, ob ich in den nächsten 20 Jahren noch 144 Monate Beitragszeit zusammenbekomme kann ich jetzt noch nicht voraussehen.

Muss mich wohl mal beraten lassen.

Danke,
Jochen
Gruß,
Jochen

von
Amadé

Mit einer Beitragsentrichtung, die dem Durchschnitt Ihrer bisherigen Entgelte entspricht oder sogar darüber liegt, können Sie die Gesamtleistungsbewertung nicht "schrotten". Es wäre aber zu prüfen, ob dem finanziellen Aufwand auch der notwendige Ertrag gegenüber steht - daher Beratung und Probeberechnung!

Im Hinblick auf die Geamtleistungsbewertung ist äußerste Sorgfalt und Vorsicht geboten, wenn beabsichtigt ist, Beiträge VOR Vollendung des 17. Lebensjahres nachzuzahlen.

von
Maria

Könnte mir mal einer erklären, was es mit dem Gesamtleistungswert auf sich hat, wieso die Gefahr besteht, diesen "zu schrotten" und wofür dies von Bedeutung ist? Danke.

von
Amadé

...ich empfehle, die Erklärung im "Lexikon" auf dieser Seite unter "Service" zu lesen.

ff (fiel Fergnügen)

von
Wolfgang

Hallo Amadé, hallo Jojo,

>Sie können von Ihrem Rentenversicherungsträger eine Probeberechnung anfordern, zum Beispiel eine mit dem Mindestbeitrag und eine andere mit dem Höchstbeitrag.

Gute Idee (!) - nur so sehen Sie, wo die Auswirkungen sind. Der Mindestbeitrag ist eher uninteressant/nutzlos - der Höchstbeitrag 'kann' helfen ...aber auch nur wenn man die weitere Einkommensprognose gesichert kennt.

Rein vom Gefühl (und es wird in der Zukunft wohl nicht wieder zu Bewertungen von Schule/Studium kommen - woher nehmen, wenn die künftige 'Rentengarantie' allein schon einen nicht dauerhaft bezahlbaren Werterhalt/-zuwachs nach sich zieht) ...legen Sie jeden verfügbaren EURO nicht in der DRV an.

Gruß
w.

von
Tschacka

ich versuch's...

also Gesamtleistungswert gerechnet vom 17.Lj. - 67.Lj.
sind 600 Monate. (Hier sind berücksichtigt, die nachgezahlten freiw. Mindestbeiträgeiträge für 23 Monate ergeben ca. 0,2960 EP)
Entgeltpunkte in dieser Zeit (einfach mal angenommen) 45 "Stück"

Von den 600 belegungsfähigen Monaten werden dann beitragsfreie Zeiten abgezogen (hier nehmen wir jetzt einfach die 96 Monate für Schulausbildung)
verbleiben 504 Monate

EP 45 : 504 Monate = durchschnittl.Wert 0,0893 EP
(bitte, das ist echt vereinfacht dagestellt!)

jetzt das Beispiel ohne die nachgezahlten Mindestbeiträge...

600 weniger 23 (die sind je nun nicht da) minus 96 w.o.
verbleiben 481 Monate

Engeltpunkte angenommen 45 minus 0,2960 (fehlen ja)
verbleiben 44,7040 EP

44,7040 : 481 = 0,0929 durchschnittl. Wert!

ich hoffe das ist einigermaßen verständlich?

MfG
Tschacka

p.s. trotzdem wäre ne Beratung ratsam :)))

von Experte/in Experten-Antwort

Es hängt tatsächlich davon ab, ob die Wartezeit von 35 Jahren auch ohne die Zahlung dieser freiwilligen Beiträge erreicht wird und ob im Rahmen der Gesamtleistungsbewertung beitragsfreie Zeiten vorhanden sind, deren Bewertung sich im Falle der Entrichtung von Mindestbeiträgen verringern könnte. Extrem werden die Auswirkungen, wenn in relativ jungen Jahren Erwerbsminderung eintritt und die Zeit vom Eintritt der Erwerbsminderung bis zum sechzigsten Lebensjahr mit diesem Gesamtleistungswert hochgerechnet wird. Allerdings kann durch Zahlung von überdurchschnittlich hohen Beiträgen, z.B. Höchstbeiträgen, auch der Gesamtleistungswert günstig beeinflusst werden, was bei einer lang zu erwartenden Rentenbezugszeit unter Renditegesichtspunkten sich dann im Einzelfall durchaus rechnen kann.

von
Maria

Mit dem normalen Menschenverstand kommt man im Rentenrecht offenbar nicht weit. Wenn die Einzahlung zusätzlicher Rentenbeiträge in bestimmten Fällen (Vorhandensein sog. "beitragsfreier" aber rentensteigernder Zeiten) i.E. zu einer Verminderung der Rentenhöhe führen kann, ist etwas faul im Staate Dänemark.