Freiwillige Rentenversicherung und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

von
Klaus

Hallo,
ich bin aktuell 40 Jahre alt und sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Kann ich während meiner Zeit als sozialversicherungspflichtig Beschäftigter freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung leisten um meinen kommenden Rentenanspruch entsprechend zu erhöhen?
Viele Grüße,
Klaus

von
Siehe hier

Ja, das geht. Mehr Informationen dazu erhalten Sie hier:

https://www.ihre-vorsorge.de/rente/gesetzliche-rente/freiwillige-rentenversicherung-kann-sich-lohnen.html

von
DRV

Zitiert von: Siehe hier
Ja, das geht. Mehr Informationen dazu erhalten Sie hier:

https://www.ihre-vorsorge.de/rente/gesetzliche-rente/freiwillige-rentenversicherung-kann-sich-lohnen.html

Dann erläutern Sie mir doch mal, wie ich neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung freiwillige Beiträge zahlen kann. Ich bin schon ganz neugierig. Ist mir nämlich neu.

von
suchenwi

Mir sind folgende Wege bekannt:
- bis Alter 40: Nachzahlung für das 17. Lebensjahr, wenn Schulbesuch
- nach Scheidung mit Versorgungsausgleich
- ab Alter 50: V0210, also Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitigem Bezug (63) für langjährig Versicherte
- bei Altersteilzeit kann der Arbeitgeber seine RV-Beiträge freiwillig aufstocken

von
Klaus

Eine Ergänzung, die ich vergessen hatte: Ändert sich etwas an der Rechtslage, wenn ich neben meiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auch noch freiberuflich tötig bin?

Viele Grüße,
Klaus

von
W°lfgang

Zitiert von: Klaus
Eine Ergänzung, die ich vergessen hatte: Ändert sich etwas an der Rechtslage, wenn ich neben meiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auch noch freiberuflich tötig bin?Viele Grüße,Klaus

Hallo Klaus,

NEIN,

die Bedingungen sind die selben/ausgehend von der weiterhin bestehenden SV-pflichtigen Beschäftigung:

-> parallel freiwillige Beitrags(nach)zahlungen sind nur für nicht anrechenbare Ausbildungszeiten bis Alter _45_ möglich,

-> Ausgleichszahlungen
- für abgezogene EP aus Versorgungsausgleich jederzeit,
- für erwartete Rentenminderung bei einer vorgezogen Altersrente = 'Einkauf' zusätzlicher EP, erst ab Alter 50.
Diese Rente/mit Abschlag, muss dann aber nicht zwingend auch beantragt werden, die zusätzlichen EP kommen auch bei jedem späteren Rentenbeginn ontop auf die jeweilige Altersrente bei späterem Rentenbeginn. Und – sollten Sie es selbst nicht erleben/die Auszahlungsphase mit dem zusätzlichen Rentenplus zu kurz sein/gar nicht erfolgt – kämen evtl. noch Waisen und eine Witwe/r in den 'Genuss' Ihrer Ausgleichszahlungen durch erhöhte Hinterbliebenenrentenleistungen.

Wie sagte doch einer meiner damalige Verwaltungs-Dozenten: "Praktisch denken - Särge schenken" ;-)

Gruß
w.

von
DRV

Dann halten wir mal fest. Freiwillige Beiträge können neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nur für die genannten Ausnahmen (Ausgleichszahlung für Abschläge, Schulzeiten vom 16. bis 17. Lebensjahr und Schul- und Studienzeiten, wenn mehr als 8 Jahre dieser Zeiten vorliegen) gezahlt werden.
Hat der Fragesteller das tatsächlich gemeint? Wenn er älter als 45 Jahre ist, bleibt auch nur noch die Ausgleichszahlung.

von
Siehe hier

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/national/selbstaendig_wie_rv_schuetzt_aktuell.pdf?__blob=publicationFile&v=6

von
W°lfgang

Zitiert von: DRV
Hat der Fragesteller das tatsächlich gemeint? Wenn er älter als 45 Jahre ist, bleibt auch nur noch die Ausgleichszahlung.

von @Klaus: "ich bin aktuell 40 Jahre alt"

...scheint nach (hier nicht verifizierter) Selbsteinschätzung weniger als 45 Jahre alt zu sein ;-)

Gruß
w.
PS: ja, ich lese auch im Einzellfall schon mal zu schnell über die dargestellten 'Fakten' hinweg ... *g

von
Klaus

Herzlichen Dank für die Informationen!

Schade, dass ich nicht 'einfach so' mehr Beitrag in die Rentenversicherung einzahlen kann um damit mein Rentenkonto aufzubessern.

Fragen habe ich noch zur anrechenbaren Schul- und Studienzeit:

- Kann ich da ggf. den Höchstsatz für diese Zeiten zahlen?
- Gibt es eine Begrenzung der Zeiten, die als Schul- und Studienzeiten berechnet werden, oder gilt die Faktizität der Länge meines Studiums?
- Und ich habe hier in einer anderen Frage gelesen, dass das höchstens bis 45 Jahre geht. Stimmt das?

Viele Grüße,
Klaus

Experten-Antwort

Hallo Klaus,
die „klassischen“ freiwilligen Beiträge, also dass Sie monatlich einen Betrag X in die Rentenkasse einzahlen, können Sie während einer Pflichtbeitragszahlung nicht leisten.
Sie können allerdings weitere Möglichkeiten ausloten.

Zum Beispiel, da Sie das 45. Lebensjahr noch nicht erreicht haben.
1. Möglichkeit:
Wie schon genannt freiwillige Beiträge in der Zeit vom 16. Bis 17. Lebensjahr, wenn Sie sich in Schulausbildung befanden.
2. Möglichkeit:
Wenn Sie mehr als 8 Jahre Schul- und Studienzeiten zurückgelegt haben, können Sie für die Zeiten, die die 8 Jahre übersteigen, freiwillige Beiträge einzahlen. Schul- und Studienzeiten zählen für die Rentenversicherung ab dem 17. Lebensjahr. Wenn Sie nun Beispielsweise ab dem 17. Lebensjahr ununterbrochen in der Schule und im Studium waren, dann haben Sie die 8 Jahre mit Erfüllung des 25. Lebensjahres erreicht und ab diesem Zeitpunkt dürfen Sie freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen.
Bei diesen beiden Möglichkeiten sollten Sie allerdings darauf achten, dass die Zahlung der freiwilligen Beiträge mit in die Berechnung der Gesamtleistungsbewertung für die Rentenberechnung einfließt. Als Gesamtleistungsbewertung versteht man vereinfacht gesagt die Bildung eines Durchschnittswertes aus all Ihren Rentenversicherungszeiten. Dieser Durchschnittswert wird beispielsweise für die Hochrechnung der fiktiven Renteneinzahlung bis zum derzeit 65. Lebensjahr und 8 Monaten für die Berechnung der Erwerbsminderungsrente verwandt. Wenn Sie nun den Mindestbeitrag einzahlen „drücken“ Sie Ihren Durchschnittswert nach unten und die Erwerbsminderungsrente kann sich negativ nach unten verschlechtern. Aus diesem Grund ist es wohl ratsamer einen höheren Betrag aufgrund dieser Rechtsgrundlage in die Rentenversicherung einzuzahlen.
Wie Eingangs beschrieben, können Sie diese beiden Möglichkeiten bis zum 45. Lebensjahr wahrnehmen und mit dem Vordruck V0080 beantragen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Ausgleichszahlung der Rentenminderung durch Versorgungsausgleich, welche immer eingezahlt werden kann. Diese Einzahlungen haben keinen Einfluss auf das oben beschriebene Problem der Gesamtleistungsbewertung. Die Beantragung dieser Möglichkeit erfolgt formlos beim zuständigen Rentenversicherungsträger.

Als letzte Möglichkeit ist noch die Ausgleichszahlung für Rentenminderungen durch eine vorzeitige Inanspruchnahme einer Rente mit Abschlag zu nennen. Diese können Sie erst ab dem 50. Lebensjahr in Anspruch nehmen. Hierbei erklären Sie der Rentenversicherung mit den Vordrucken V0210, V0211 und V0300, dass Sie die Rente beispielsweise mit 63 Jahren in Anspruch nehmen möchten und die Abschläge hierfür ausgleichen wollen. Sie müssen aber auch nicht nach derzeitiger Rechtslage zu diesem Zeitpunkt dann in Rente gehen. Ähnlich wie bei der Ausgleichszahlung für einen Versorgungsausgleich kommt hier das Problem der Gesamtleistungsbewertung nicht zum Tragen.

Als Faustformel kann noch genannt werden:
Für 100 Euro mehr Rente müssen Sie 25000 Euro in die Rentenversicherung einzahlen, welche Sie von der Steuer absetzen können. Die steuerlichen Aspekte lassen Sie sich aber bitte von einem Steuerberater erläutern.

Schlussendlich muss ich der Aussage von W°lfgang
„NEIN,
die Bedingungen sind die selben/ausgehend von der weiterhin bestehenden SV-pflichtigen Beschäftigung.“
Zum Teil widersprechen. Natürlich stimmt es, dass Sie weiterhin keine freiwilligen Beiträge zahlen dürfen, allerdings kommt es bei Ihrer freiberuflichen Tätigkeit darauf an, ob es sich hierbei um eine Tätigkeit handelt, die eigentlich versicherungspflichtig wäre. Dann müssten Sie nämlich für diese Tätigkeit Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen. Ist dies nicht der Fall, besteht noch die Möglichkeit diese freiberufliche Tätigkeit auf Antrag in die Versicherungspflicht zu überführen, wenn die freiberufliche Tätigkeit weniger als 5 Jahre besteht. Allerdings müssen Sie beachten, dass die Beitragszahlung nur bis maximal zu Beitragsbemessungsgrenze möglich ist. Liegen Sie also allein durch Ihr Gehalt bereits über monatlich derzeit 6700 Euro brutto, könnten Sie über diesen Weg keine zusätzlichen Beiträge einzahlen.
Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
W°lfgang

Zitiert von: Klaus
Fragen habe ich noch zur anrechenbaren Schul- und Studienzeit:
- Kann ich da ggf. den Höchstsatz für diese Zeiten zahlen?

Hallo Klaus,

Ja.

Aktuell 1.246,20 mtl.

Beachten Sie dazu auch die Ausführungen vom Experten-Team, wie sich kleine/große freiw. Beiträge in bestimmten Rentensituationen auswirken können. Max. Beitrag ist natürlich immer positiv.

Gruß
w.

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