Freiwillige RV-Beiträge notwendig und möglich?

von
michim1972

Nach 25 Jahren (seit 1989) lückenloser Beitragszahlungen in die Rentenversicherung bei der DRV Bund falle ich Mitte Oktober 2014 wegen langjähriger Erkrankung leider (nach der Aussteuerung aus dem Krankengeld auch) aus dem Arbeitslosengeld1-Bezug, d.h. bis auf weiteres (ALGII bzw Hartz4 bzw Grundsicherung bekomme ich erstmal nicht, da ich zuviel Kapitalvermögen habe) habe ich keine Einkünfte und damit auch keine RV-Beitragseinzahlungen.
Kann man sich, ähnlich wie bei der Krankenversicherung, freiwillig selbst versichern, indem man minimale eigene Beiträge einzahlt? Ist das überhaupt nötig und sinnvoll? Ich will damit beitragslose Zeiten verhindern, die wohl meiner Meinung nach auf meine spätere Rente oder EU-Rente drückt...

von
Schießl Konrad abgekürzt Schiko..

Zitiert von: michim1972

Nach 25 Jahren (seit 1989) lückenloser Beitragszahlungen in die Rentenversicherung bei der DRV Bund falle ich Mitte Oktober 2014 wegen langjähriger Erkrankung leider (nach der Aussteuerung aus dem Krankengeld auch) aus dem Arbeitslosengeld1-Bezug, d.h. bis auf weiteres (ALGII bzw Hartz4 bzw Grundsicherung bekomme ich erstmal nicht, da ich zuviel Kapitalvermögen habe) habe ich keine Einkünfte und damit auch keine RV-Beitragseinzahlungen.
Kann man sich, ähnlich wie bei der Krankenversicherung, freiwillig selbst versichern, indem man minimale eigene Beiträge einzahlt? Ist das überhaupt nötig und sinnvoll? Ich will damit beitragslose Zeiten verhindern, die wohl meiner Meinung nach auf meine spätere Rente oder EU-Rente drückt...

Ich meine , kann man. Der Mindestbeitrag
beträgt monatlich 85,05 ( 18,9% aus 450).

Davon ausgehend, wenn 34857 Durchschnittsverdienst im Jahr 28,61 derzeit
Rente bringen für 6.587,97 Jahresbeitrag
sind dies bei ( 85,05 x 12) 1020,60-
28,61 : 6587,97 x 1020,60 Euro 4,43 Rente.

Anders gerechnet 34857 zu 5400.
Euro 28,61 : 34857 x 5400 ebenfalls 4,43.

Der Versicherten Berater wird wohl dadurch
wieder verwirrt sein, bin aber sicher, meine Fehler aufdecken.

MfG.

von
Matze72

Eine freiwillige Beitragszahlung ist in der von Ihnen geschilderten Konstellation ab Beginn des Monats, der dem Wegfall des ALG I folgt, möglich.
Der monatliche Mindestbeiträge beträgt derzeit ca. 85 EUR.
Die (richtige) Frage natürlich lautet, ob das auch notwendig ist.

1.1) Wenn Sie die Zeiten mit Beiträgen belegen, können Sie dadurch u.a. auch die Wartezeit von 35 Jahren bzw. 45 Jahren erfüllen (= Altersrente für schwerbehinderte Menschen, Altersrente für langjährig Versicherte, Altersrente für besonders langjährig Versicherte [sog. Rente mit 63+]).
1.2) Natürlich hat das auch auf die Rentenhöhe Auswirkungen, da dadurch Entgeltpunkte erworben werden, wobei der Zahlung des Mindestbeitrages nur minimale Auswirkungen hat.
Zum Vergleich: Sie bekommen dabei die gleichen Anwartschaften, als würden Sie eine rv-pflichtige Beschäftigung in Höhe von mtl. 450,- EUR ausüben (und das ist [rentenrechtlich]wirklich nicht viel].

2.1) Das andere ist der Anspruch auf die Erwerbsminderungsrenten.
Für einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente ist es u.a. erforderlich, dass sie in den letzten 5 Jahren vor dem Leistungsfall einer EM-Rente mindestes 3 Jahre PFLICHTbeiträge haben müssen.
FREIWILLIGE Beiträge sind keine PFLICHTbeiträge (§ 241 Abs. 2 SGB VI greift hier nicht).
Insofern können Sie, wenn Sie mehr als zwei Jahre keine Pflichtbeiträge (z.B. aus einer Beschäftigung, Krankengeld, Arbeitslosengeld, Verzicht auf Versicherungsfreiheit bei einem Minijob) eingezahlt haben, Probleme bekommen.
Insofern empfehle ich, dass sie sich trotzdem alo melden, da diese als sogenannte Anrechnungszeit (AZ= beitragsfreie Zeit) in Ihrem Versicherungsverlauf hinterlegt wird. Der Vorteil darin besteht, dass wenn sie die "3 in 5" nicht erfüllt haben, die Zeiten der AZ in dem 5 Jahreszeitraum als Verlängerungstatbestand gelten und somit der 5 Jahreszeitraum um die entsprechende Zeit der AZ weiter in die Vergangenheit gelegt wird. Dadurch erweitert sich der 5 JAhres-Zeitraum soweit, dass Sie dennoch die drei JAhre mit Pflichtbeiträgen voll bekommen (können).
Dabei macht es im Übrigen keinen Unterschied, ob Sie Alg II tatsächlich beziehen oder nur deshalb nicht beziehen, weil Ihr sonstoges Einkommen zu hoch ist.

[wenn das abstrakt zu kompliziert beschrieben ist, kann ich Ihnen auf NAchfrage auch zwei Beispiele darstellen]

2.2) Freiwillige Beitäge können Sie trotz alo-Meldung dennoch zahlen (zählen aber nicht bei der Wartezeit von 45 Jahren mit, wenn diese Konstellation AZ wegen Alo + Freiwillige Beiträge zwei Jahre vor dem Beginn der Rente für besonders langjährig Versicherte liegen)

3.) Vielmehr aber stellt sich für mich die Frage: Wenn das Krankengeld ausgesteuert wurde UND das ALG ausgesteuert wurde, scheinen Sie ja gesundheitlich nicht besonders fit zu sein. Warum haben Sie bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Antrag auf Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit gestellt?

von
Schießl Konrad

Zolle Ihnen großen Respekt für diie ausführlichen und
umfangreichen Darstellungen. So ist es richtig und wichtig , so erfährt der Anfragende
wo es langt geht, Bravo!

MfG.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo michim 1972,

in Ihrem Fall ist es notwendig, den Erwerbsminderungsschutz weiterhin aufrecht zu erhalten, um im Falle einer Erwerbsminderung auch die Voraussetzungen für die Rente wegen Erwerbsminderung zu erfüllen. Dies können Sie nur mit der Zahlung von Pflichtbeiträgen erreichen, freiwillige Beiträge erfüllen hierbei nicht den gewünschten Effekt.

Es müssen in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens 36 Monate Pflichtbeitragszahlung nachgewiesen werden. Der 5-Jahreszeitraum verlängert sich allerdings um die darin enthaltenen Anrechnungszeiten z.B. wegen Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Daher ist es empfehlenswert, sich zumindest arbeitslos zu melden, um damit sicherzustellen, dass diese Zeiten beim Rentenversicherungsträger dokumentiert werden können.

Für die rentenrechtlichen Zeiten bei der Wartezeit von 35 Jahren zählen Zeiten der Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug mit, wirken sich aber nicht rentensteigernd aus. Für die Wartezeit von 45 Jahren bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte werden beitragsfreie Zeiten generell nicht angerechnet. Freiwillige Beiträge werden nur dann mitgezählt, wenn der Betreffende mindestens 18 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt hat.