Gesamtleistungsbewertung bei Folgerente

von
KH

Angenommen, eine Person erhält im 60.-63. Lebensjahr eine volle Erwerbsminderungsrente (Zugangsfaktor 0,892), arbeitet anschließend ein Jahr und geht nach Vollendung des 64. Lebensjahres in Altersrente (Zugangsfaktor 0,964). Berechnet werden soll die Altersrente.

Wie werden nun beitragsfreie Zeiten, die vor dem Einstieg in die Erwerbsminderungsrente liegen, berücksichtigt?

1.) Werden sie neu berechnet, da sich aufgrund der Zeit zwischen den Renten der Gesamtleistungswert geändert hat, oder wird der Wert der Gesamtleistungsbewertung aus der Erwerbsminderungsrente verwendet?

2.) Erhalten die Entgeltpunkte aus der Gesamtleistungsbewertung den Zugangsfaktor aus der Altersrente oder aus der Erwerbsminderungsrente (letzteres nach §77 Absatz 3)?

von Experte/in Experten-Antwort

Eine Erhöhung des bisherigen Zugangsfaktors setzt voraus, dass Entgeltpunkte während des für sie maßgebenden Verminderungszeitraumes nicht mehr in Anspruch genommen wurden. Da aber die Rente wegen Erwerbsminderung bis zur Vollendung des 63. Lebensjahres in Anspruch genommen wurden kann keine Erhöhung des Zugangsfaktors erfolgen.

von
KH

Wie werden die Punkte für die Gesamtleistungsbewertung berechnet (siehe Frage 1) und welchen Zugangsfaktor erhalten sie anschließend konkret?

von
Hans

Zitiert von:
1.) Werden sie neu berechnet, da sich aufgrund der Zeit zwischen den Renten der Gesamtleistungswert geändert hat, oder wird der Wert der Gesamtleistungsbewertung aus der Erwerbsminderungsrente verwendet?

Die Gesamtleistungsbewertung (Grund- und Vergleichsbewertung) wird natürlich nach aktuellem Rentenrecht neu berechnet und nicht von der Vorrente übernommen.

Mit dem Wert der Gesamtleistungsbewertung werden dann die Entgeltpunkte für beitragsfreie Zeiten und Zuschläge für beitragsgeminderten Zeiten ermittelt.

Zitiert von:
2.) Erhalten die Entgeltpunkte aus der Gesamtleistungsbewertung den Zugangsfaktor aus der Altersrente oder aus der Erwerbsminderungsrente (letzteres nach §77 Absatz 3)?

Die Entgeltpunkte, die in der Vorrente bereits berücksichtigt wurden, behalten den bisherigen Zugangsfaktor, hier also 10,8% Rentenminderung. Die Entgeltpunkte, die noch nicht berücksichtigt wurden, erhalten den neuen Zugangsfaktor, hier also 3,6% Rentenminderung.

Eine Ausnahme gibt es nur, wenn die Vorrente im sog. Verminderungszeitraum zwischen dem 60. und 63. Lebensjahr nicht in Anspruch genommen worden wäre oder zwischen den beiden Renten mindestens zwei Jahre liegen. Dies ist hier jedoch nicht der Fall. Bei der Bestimmung des Zugangsfaktors bei einer Rentenlücke größer als zwei Jahre ist zusätzlich das zur Zeit beim BSG abhängige Verfahren abzuwarten.

von
KH

Danke schon mal für die Antwort. Zu Punkt 2 habe ich allerdings noch eine Nachfrage:

Gelten für die Punkte, die auf die beitragsfreien Zeiten verteilt werden, der Zugangsfaktor für die alte oder neue Rente? Denn einerseits sind die Punkte laut Antwort 1 neu berechnet worden, andererseits waren diese Zeiten ja schon Bestandteil der vorhergehenden Rente (mit anderen Werten).

von
Hans

Es ist vollkommen unerheblich, ob es sich um Entgeltpunkte aus beitrags-, beitragsfreien- oder beitragsgeminderten Zeiten handelt, es kommt nur auf die Gesamthöhe aller Entgeltpunkte an.

1. Beispiel:
Die volle Erwerbsminderungerente wurde aus insgesamt 40 Entgeltpunkten berechnet, die mit dem Zugangsfaktor 0,892 vervielfältigt wurden.
Bei der folgenden Altersrente werden insgesamt 41 Entgeltpunkte ermittelt. davon behalten 40 Entgeltpunkte den alten Zugangsfaktor 0,892 und 1 Entgeltpunkt erhält den neuen Zugangsfaktor 0,964. Wie viele Entgeltpunkte dabei auf die beitragsfreien Zeiten entfallen ist völlig egal.

2. Beispiel:
Die volle Erwerbsminderungerente wurde aus insgesamt 40 Entgeltpunkten berechnet, die mit dem Zugangsfaktor 0,892 vervielfältigt wurden.
Bei der folgenden Altersrente werden insgesamt nur 39 Entgeltpunkte ermittelt. Diese Entgeltpunkte erhalten den alten Zugangsfaktor von 0,892, für den neuen Zugangsfaktor 0,964 sind gar keine Entgeltpunkte vorhanden. Die Rente wird aufgrund des Besitzschutzes in bisheriger Höhe gezahlt.

von
KH

Mal sehen, ob ich das richtig verstanden habe:

Angenommen, eine Person erhält eine volle Erwerbsminderungsrente aus 40 EP mit Faktor 0,892. Danach arbeitet sie für 1 EP und geht anschließend mit Faktor 0,964 in Altersrente.

a) Nach neuer Berechnung ergibt sich für den Zeitraum, auf dem die EM-Rente basiert, eine Gesamtsumme von 41 EP. Für die Altersrente stehen nun zur Verfügung:
40 EP * 0,892 + 1 EP * 0,964 (aus dem ursprünglichen Zeitraum) + 1 EP * 0,964 (die danach geleistete Arbeit).

b) Nach neuer Berechnung ergibt sich für den Zeitraum, auf dem die EM-Rente basiert, eine Gesamtsumme von 39 EP. Für die Altersrente stehen nun zur Verfügung:
39 EP * 0,892 (aus dem ursprünglichen Zeitraum) + 1 EP * 0,964 (die danach geleistete Arbeit).

c) Generell gesprochen: ergibt sich für einen Zeitraum, der bereits Grundlage einer früheren Rente war, nach neuer Berechnung ein höherer Wert, dann werden die überzähligen Punkte mit dem Zugangsfaktor für die höhere Rente berechnet.

Sind a)-c) soweit richtig?

von
KH

Kann jemand bestätigen, ob die Annahmen aus dem letzten Beitrag zutreffen?