Gründe gegen eine Erwerbsminderungsrente?

von
katerchen

Ich arbeite bisher behinderungsbedingt seit Jahren an 2 Arbeitstagen nur ca. 10 Std. pro Woche und verdiene etwa 600 Euro. Die Stundenanzahl wird sich bei mir nie mehr erhöhen, eher im Laufe der Jahre noch vermindern. Leider habe ich eine mündliche Auskunft nicht ganz verstanden, warum man mir von einer Ew-rente abrät: meine jährliche Rentenauskunft gibt an, dass mir 140 Euro teilw. Ew-Rente (bei 3-6 Std. Arbeit) zustehen würde, und mein gegenwärtiges Gehalt liegt doch unter der Grenze der zulässigen Höhe von 880 Euro!Deshalb hier nochmals nachgefragt: gibt es Schwiergigkeiten mit dem Arbeitgeber, wenn ich einen Rentenantrag stelle, ist die Rente befristet, kann der Arbeitgeber dann kündigen, oder was sonst spricht dagegen?
Danke!

von
floh

Hallo Katerchen,

grundsätzlich kann jeder einen Antrag auf EM-Rente stellen, Inwieweit dieser bewilligt wird, bliebe abzuwarten.
Eine Schwerbehinderung alleine, berechtigt noch keine EM-Rente.
Aber wenn sie aus gesundheitlichen Gründen eh nur noch 10 Std. /wöchentlich arbeitsfähig sind, könnte es hier sogar eine Rente wegen voller Erwerbsminderung geben.
Bei einer vollen EM-Rente ist ein Zuverdienst von höhstens 400 € zulässig.
2x jährlich darf man das doppelte dazuverdienen. Wäre dann wenn z.B. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gezahlt würde.
Der AG kann bei einer Bewilligung einer EM-Rente das Arbeitsverhältnis ruhend stellen. Hier ist zuvor zu gucken, ob es da tarifvertragliche Regelungen gibt.
Bei Bewilligung der Rente, müsste dann ein Antrag auf Weiterbeschäftigung während des Rentenbezuges beim AG gestellt werden. Vllt. klappt auch eine vorherige Absprache mit dem AG, was schriftlich festgehalten wird.

Also ein Antrag stellen sehe ich hier nicht als verkehrt an.
Viel Erfolg!!!

von
Klemens

Was bei ihnen gegen einen EM-Antrag spricht kann ich auch nicht erkennen.

Wenn Sie einen EM-Antrag stellen ( was Sie immer und zu jeder Zeit machen können ), entscheidet die Rentenversicherung nach gründlicher Prüfung ihres Gesundheitszustandes und damit ihrer Erwerbsfähigkeit ob eine EM-Rente genehmigt wird oder nicht.

Dies könnte eine volle EM-Rente sein ( unter 3 Stunden erwerbsfähig pro Tag ) oder eine teilweise EM-Rente ( über 3 bis unter 6 Std. pro Tag ).

Bei einer vollen EM-Rente dürfen Sie nur bis zu 400 Euro pro Monat ( 2x pro Jahr dürfen Sie diese Grenze um das doppel überschreiten ) hinzuverdienen. Verdienen Sie mehr würde ihnen die EM-Rente entsprechend gekürzt oder im schlimmsten Fall wieder ganz entzogen oder zumindest auf eine teilweise EM-Rente herab gestuft werden.

Bei einer teilweisen EM-Rente gibt es für Sie dann eine ganz individuelle Hinzuverdienstgrenze die dann erst von der RV errechnet werden muss und ihnen im Rentenbescheid dann mitgeteilt wird. Hierzu wird ihr Jahresverdienst der letzten 3 Kalenderjahre herangezogen. Mindestens beträgt die Hinzuverdienstgrenze aber wie Sie richtig schreiben derzeit 881 Euro.

Aber aussuchen welche EM-Rente Sie bekommen oder auch später eine auswählen können Sie nicht !

Sie müssen sich dann strikt an die Regeln hinsichtlich der Arbeitszeit und den Hinzuverdienstgrenzen halten oder Sie gefährden diese Rente.

Wenn Sie eine Schwerbehinderung haben hat diese aber keine Bedeutung für die Zuerkennung einer EM-Rente !

Auch hat ihrer aktuelle Arbeitszeit keinen Einfluss auf die Entscheidung der RV zu ihrer EM-Rente. Nur weil Sie derzeit 10 Stunden pro Woche arbeiten und selbst meinen Sie könnten nicht länger arbeiten, muss sich die RV noch lange nicht und schon gar nicht zwangsläufig ihrer Einschätzung der Erewerbsfähigkeit anschließen und deshalb einer eine EM-Rente genehmigen. Das wird wie gesagt komplett alles auf den Prüfstein gestellt und dann entschieden. Da haben sich schon viele Leute gewundert, wie konträr die RV der eigenen Einschätzung der Arbeits/Erwerbsfähigkeit entgegensteht....

Ihr Arbeitgeber kann ihnen - unter Einhaltung der Kündigungsfrist - immer kündigen. Auch als Schwerbehinderter ist eine Kündigung immer möglich , nur muss der AG dann zwingend vor der Kündigung die Gehmigung zur Kündigung vom zuständigen Intergrationsamt einholen. Diese wird aber in fast allen Fällen problemlos erteilt...

Die Zuerkennung einer EM-Rente hat auch mit dem Arbeitsverhältnis erst einmal und grundsätzlich nichts zu tun.

Nur wenn dazu eine entsprechende Regelung in ihrem persönlichem Arbeitsvertrag und/oder dem Tarifvertrag existiert wäre dies der Fall.

Diese Regelung könnte eine Kündigung vorsehen oder das das Arbeitsverhältnis für die Laufzeit der EM-Rente ruhend gestellt wird. Fragen Sie dazu eventuell ihren Betriebsrat oder Personalrat.

EM-Renten werden meistens erst einmal befristet gezahlt und nur in Ausnahmefällen gleich von Anfang an unbefristet - also auf Dauer. Im weiteren Verlauf der Berentung und bei einem späterem Verlängerungsantrag besteht aber immer die Möglichkeit, das dann die EM-Rente unbefristet gezahlt wird. Dies wird aber nur dann der Fall sein, wenn die RV bei ihnen eine Besserung der Erwersbfähigkeit als völlig ausgeschlossen ansieht.

von
KSC

Wenn Sie die teilweise Rente bekämen, haben Sie die 140 € Rente plus 600 € Lohn, somit mehr Geld als heute.

Wenn Sie hingegen die volle Rente bekämen, also 280 €, und noch 400 € hinzuverdienen, gewinnen Sie nicht viel (Summe 68O €).
Wenn Ihr Arbeitsverhältnis bei voller EM enden würde (könnte so geregelt sein- ist aber Tarif / Arbeitsrecht und nicht Rentenrecht), würden Sie mit 280 € dastehen, wenn Sie keinen 400 € Job mehr finden würden.
In so einem Fall könnte sich der Rentenantrag tatsächlich zum Eigentor entwickeln.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo katerchen,

Gründe, die gegen die Beantragung einer Erwerbsminderungsrente sprechen könnten, ergeben sich aus meiner Sicht höchstens aus den für Sie geltenden arbeits- und/oder tarifvertraglichen Regelungen. Hierzu kann ich im Rahmen dieses Forums allerdings leider keine näheren Informationen geben (bezüglich der rentenrechtlichen Regelungen verweise ich auf die bereits eingestellten Beiträge der anderen User). Sie sollten sich daher mit Ihrer Frage an Ihren Betriebs-/Personalrat, Ihre Gewerkschaft oder ggf. auch direkt an Ihren Arbeitgeber wenden.