Grundsicherung

von
m11one

Hallo.
Ich bin 32 Jahre
Schulentlassung 1993
Ausbildung zum Zahntechniker 1993-1997
Berufstätig 1997-2008

Ich habe von Geburt an eine Behinderung und habe einen Ausweiß mit aG und 100 %.
Trotz meiner Behinderung gebe ich jeden Tag das Beste bei der Arbeit, da ich nicht auf Staatskosten leben möchte. Solange ich gesundheitlich halbwegs in der Lage bin für mich selber zu sorgen werde ich das auch tun. Da es aber in unserer Branche immer schwieriger wird weiß ich nicht wie lange unsere Firma noch existiert.
Falls ich arbeitslos werden sollte, was steht mir nach dem ALG I an Geld zur verfügung?
Ich habe weder Erspartes (nur 2000.-)noch Eigentum. Keine Lebensversicherung oder ähnliches.
Ich wohne zwar im Haus meiner Eltern aber habe ich trotzdem Anspruch auf Wohnraum - und Strom/Heizkostenzuschuß??Falls ja, in was für einer Höhe??
Wie hoch wäre mein monatliches "Grundeinkommen " inkl Zuschüssen???
Ich hoffe zwar das ich noch lange Arbeiten kann, aber in der heutigen Zeit weiß man nie was passiert und ob mich mit meiner Erkrankung noch jemand einstellt falls ich meinen Arbeitsplatz verliere bin ich mir auch nicht sicher. Es wird ja leider immer schwieriger auf dem Arbeitsmarkt und für Behinderte sicher auch.
Ich bin dankbar für jede Antwort. Vielen Dank

von
Amadé

Vielleicht erst mal was Grundsätzliches:

Grundsicherungsleistungen sind Sozialleistungen, die nach dem Bedürftigkeitsprinzip gewährt werden. Das heißt im Klartext: die eigene Arbeitskraft, Einkommen und Vermögen, aber auch alle anderen Sozialleistungen nach dem Beitragssprinzip wie Gesetzliche Rente, Arbeitslosengeld (I), Krankengeld usw.) sind vorrangig in Anspruch zu nehmen.

Bevor Sie sich mit Grundsicherung beschäftigen sollten Sie unbedingt folgendes veranlassen und sich informieren:

1. Klärung Ihres Versicherungskontos, damit mögliche spätere Rentenansprüche - z.B. eine Erwerbsminderungsrente - auch in der optimalen Höhe gezahlt werden kann (achten Sie hier insbesondere auf die BESONDERE KENNZEICHNUNG der Berufsausbildungszeiten - sind auch die Zeiten schulischer Ausbildung nach Vollendung des 17. Lebensjahrs bereits im Versicherungsverlauf dokumentiert?)
2. Jedes Jahr flattert Ihnen eine Renteninformation ins Haus - was haben Sie denn da schon für Anwartschaften erworben?
3. Sobald Ihnen bekannt wird, dass Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren werden, müssen Sie sich UNVERZÜGLICH bei der Agentur für Arbeit melden und ALG beantragen. Vorsicht: Hier wird erst gekürzt und erst dann beraten und gezahlt. Schwerbehinderte schiebt man schon mal gerne ab. Lesen Sie sich unbedingt durch, was in den Paragraphen 13-17 SGB I steht !!!
4. Erkundigen Sie sich ggf. auch nach der Höhe Ihres Krankengeldanspruchs
5. Wenn Sie kein Ass im Sozialrecht sind, kümmern Sie sich rechtzeitig um Rat und Beistand. Treten Sie für wenig Geld in einen Sozialverband ein zum Beispiel den Sozialverband Deutschland oder VdK

http://www.sovd.de/sozialverband_deutschland.0.html

www.vdk.de

http://www.sozialgesetzbuch.de/gesetze/01/index.php?norm_ID=0100000

Grundzüge zu den Grundsicherungsleistungen können Sie in meinem folgenden Beitrag lesen.

http://www.ihre-vorsorge.de/Expertenforum-Thema.html?id=82743&dekade=8

Kaufen Sie - falls Sie doch auf Grundsicherungsleistungen angewiesen sein sollten den Ratgeber aus www.tacheles-sozialhilfe.de

Alles Gute!

von
m11one

Vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort.
Danke !!!

Experten-Antwort

Amadé hat ja schon recht ausführlich geantwortet.
Sollten Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren, haben Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld, sofern Sie bisher versichert waren in der Arbeitslosenversicherung. Die Höhe hängt ab von Ihrer zuvor geleisteten Beitragszahlung, also vom Verdienst. Ihre Behinderung oder die Wohnung bei den Eltern hat meines Wissens keinen Einfluss auf die Höhe dieses Arbeitslosengeldes I. Konkrete Auskunft dazu erhalten Sie bei der Agentur für Arbeit vor Ort.

Außerdem wird die Agentur versuchen, für Sie einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Gelingt das nicht, haben Sie nach Ende des Arbeitslosengeldes I Anspruch auf Arbeitslosengeld II, wenn Sie "bedürftig" sind. Nach Ihren Angaben müsste das wohl zutreffen. Der Regelsatz beträgt derzeit 345 Euro monatlich. Allerdings können Mehrbedarfe z. B. wegen Behinderung geltend gemacht werden. Übernommen werden ggf. auch Kosten für Wohnung, Heizung usw. Inwiefern Ihre Wohnsituation bei den Eltern hier eine Kostenerstattung zulässt, kann Ihnen verbindlich nur ein Mitarbeiter der ARGE sagen. Gleiches gilt für die Höhe der Zuschüsse.

von
Amadé

Gönnen wir dem guten Mann schlanke 2 EURO mehr!

Der Eckregelsatz beträgt seit dem 01.07.2007 = monatlich 347 EURO. Ab 01.07.2008 wird eine Anpassung - wie bei der Gesetzlichen Rentenversicherung - um vermutlich 1,1 vom Hundert erfolgen.