Gutachter

von
Borneo

Hallo,

ich habe Erwerbsminderungsrente wegen erheblicher psychischer Probleme beantragt. Gestern stand der Gutachtertermin an. Ich musste um 14.30 Uhr da sein und war um genau 15.00 Uhr wieder draußen.

Ich bin total "platt". Wie kann sich ein Gutachter in einer halben Stunde ein Bild über einen Menschen machen, den er vorher noch nie gesehen hat?

Tut mir leid, das verstehe ich nicht, zumal er auch keinerlei Berichte von mir hatte (er wollte von mir den Rehabericht ausgehändigt haben, sprich diesen hatte er noch nicht).

Ist das die Regel??

fragt eine etwas "konfuse" Borneo

von
F U N

Hallo Borneo,
die Zeit jemanden zu beurteilen zu können hängt nicht davon ab, ob ich diesen Menschen 5 Minuten kenne oder ein halbes Jahr.

Diese Ärzte sind auf ihrem Gebiet Fachleute. Sie können sehr schnell unterscheiden ob jemand simuliert oder tatsächliche Probleme hat. Darüber hinaus ergänzt sicher auch noch der Entlassungsbericht der Reha das Bild.

In aller Regel erhalten die Gutachter aber auch Befundberichte ihrer behandelnden Ärzte, soweit sie diese von der Schweigepflicht entbunden haben.

Warten sie doch erst mal ab, wie die Entscheidung ausfällt. Sie haben immer die Möglichkeit des Widerspruchs und auch der Klageweg steht ihnen anschließend offen.

von
Aber klar

Da hatten Sie ja direkt noch Glück.Meine Gutachterin,eine Neurologin,sah mich genau 1 Minute.Sie sagte 3 Sätze:
Warum sind Sie hier?
Ziehen Sie ihre Hose aus.
Dann einmal mit dem Rädchen beide Beina auf und ab.
Sie können sich wieder anziehen.
Auf ihr Erste Frage konnte ich natürlich keine Antwort geben,denn da wars schon vorbei.
Die MTA machte dann noch EEG.Von Frau Dr.war nichts mehr zu sehen.
Natürlich war ich dann laut Gutachten voll Erwerbsfähig.
Erst in einer 6 wöchigen Reha wurde dann meine volle EM unbefristet festgestellt.
Die DRV sollte sich einmal beuzüglich Qualitätsicherung ihrer Gutachter Gedanken machen.
Solche Koryphäen kosten unnötig Zeit und Geld.

von
Auskenner

Warten Sie doch erstmal ab wie das Gutachten überhaupt ausfällt.

Vielleicht hat der Gutachter ihre Erkrankungen ja gleich richtig erkannt und darum war für ihn die Sachlage recht schnell klar und hat die Rente befürwortet.

Es gibt psychiatrische Erkrankungen wie z.B. eine sehr schwere Depression, die man recht schnell als Facharzt erkennt.

Da bedarf es dann nicht mehr langer Untersuchungen.

von
Borneo

Hallo,
danke für die Antworten.

Natürlich warte ich jetzt ab. Ich wollte mit meinem Beitrag auch keine Wertung, ob ich eine Rente beziehen werde oder nicht.

Ich war nur so "baff" über die Kürze der Untersuchung (hatte mit zwei, drei Stunden gerechnet) und wollte wissen, ob das die Regel ist.

Und ich bin immer noch der Meinung, daß sich auch ein Fachmann in dieser kurzen Zeit keine Meinung bilden kann.

Wenn denn tatsächlich nach Aktenlage entschieden wird, hätte ich nicht zum Gutachter gehen müssen, das hätte die DRV dann auch so tun können, meine Meinung.

Trotzdem danke ich für die Antworten.

Grüsse

von
Auskenner

30 Minuten für eine psychiatrische Untersuchung und daraufhin Abgabe eines ordentlichen, fehlerfreien, korrekten und vollständigen sozial-medizinischen Gutachtens sind in der Regel nicht ausreichend !

Sollte ihnen aufgrund des Gutachten jetzt die Rente abgelehnt werden, sollten Sie diese kurze und nicht ausreichende Untersuchungszeit mit in der Widerspruchsbegründung aufführen.

Prüfen Sie das Gutachten weiterhin genau auf Fehler und Vollständigkeit .

Sollten sich aus ihrer Sicht dann hier
" Ungereimtheiten " ergeben, müssen Sie umgehend diesem Gutachten gegenüber der RV sofort schriftlich wiedersprechen und eine Richtigstellung abgeben.

An ihrer Stelle würde ich mir jetzt bereits ein genaues Gedächtnis-Protokoll über den exakten Zeitablauf und die Untersuchung an sich anfertigen, um dies event. dann später entsprechend verwenden zu können.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Borneo,

"Abwarten" ist im Moment auf jeden Fall die richtige Option. Sollte es jedoch zur Ablehnung kommen, würde ich Ihnen auch empfehlen, im Widerspruch die zu kurze Begutachtung geltend zu machen. User "Auskenner" hat in seinem Post vom 29.10. schon ein paar hilfreiche Tipps gegeben...

von
Auskenner

Ein bundesweit bekannter Prof. Dr. med. - ehemaliger Direktor einer großen Universitätsklinik sowie Leiter der dortigen Psychiatrie und Autor einer Vielzahl von Fach- und sowie Lehrbüchern der Psychiatrie hat bei einem Vortrag - wo ich persönlich anwesend war -folgende Ausage getroffen, die in etwa ( ist schon einige Jahre her ) so lautete :

" Ich benötige ca. 30 Minuten um mir einen ersten Eindruck vom Patienten zu verschaffen und dann noch einmal weitere ca. 60 Minuten um eine klare Diagnose seiner Erkrankungen zu stellen "

Insofern war der den User @Borneo begutachtende Arzt
offensichtlich ein Genie und eine außerordentliche Koryphäe zugleich oder eben ein ....

von
lolli

" Ich benötige ca. 30 Minuten um mir einen ersten Eindruck vom Patienten zu verschaffen und dann noch einmal weitere ca. 60 Minuten um eine klare Diagnose seiner Erkrankungen zu stellen "

Klingt schlüssig. Und ich hatte schon gedacht, "mein" Gutachter war furchtbar schnell, weil es statt der bei der Terminabsprache angekündigten 3 dann nur 1,5 Stunden waren (bekam übrigens auf Anhieb volle EM-Rente).