Habe ich Chance auf Erwerbsminderungsrente?

von
DieKleine

Hallo an alle.

Ich bin gerade mal 24 Jahre jung und habe 2 abgeschlossene Ausbildungen. Aufgrund einer Behinderung habe ich 2 Jahre umgeschult und mit sehr viel persönlichem Elan und Engagement einen nahtlosen Übergang in eine Vollzeitbeschäftigung gefunden. Ich habe einen GdB von 100 mit Merkzeichen G, BL, H, B, RF. Also eine ziemlich heftige Sache. Ich arbeite Vollzeit seit 1,5 Jahren und kann nicht mehr. Ich verdiene sehr schlecht, jedem Hartz4-Empfänger geht es um einiges besser. Ich möchte nicht aufhören zu arbeiten, keines falls! Ich möchte sogerne auf 30 Stunden reduzieren aber ohne Gehaltseinbuße, da ich mir sonst die Wohnung nicht mehr Leisten kann. Ich verdiene knapp 1300,- netto und meine Wohnung kostet 750,- Warm (2 Zimmer). Strom sowie Kabelgebühren und Telefon sind noch nicht weggerechnet. Aufstocken mit Wohngeld kann ich nicht, da ich über 1400,- Brutto verdiene. Meinetwegen verdiene ich noch weniger und muss mir noch mehr Geld für Sachen wie mal eine neue Waschmaschine vom Mund wegsparen. Ich kann psychisch nicht mehr, ich bin nur noch fertig und aufgequollen, mein Job ist alles andere als angenehm ... Habe ich wenigstens eine Chance, die Stunden ohne große Einbußen zu reduzieren? Ich kann mit meinem Chef nicht reden - nur die kleinste Anspielung auf Verbesserung der Arbeitsabläufe oder auch der Versuch, ihm nahezubringen, dass es mir absolut nicht gut geht, wird sofort mit einem Satz a lá "Sei froh, dass du eine Arbeit hast" abgewimmelt. Wie schlecht es mir dabei geht und der Beruf in keinster Weise in Relation zum Gehalt steht, wird absolut ignoriert ... Bitte gebt mir einen Rat, ich halte es nicht mehr lange aus. Die Depression wird immer stärker. Liebe Grüße

von
KSC

Sie können Ihre Arbeitszeit jederzeit reduzieren, aber ohne Gehaltseinbuße wird das kaum funktionieren.
Ausnahme: Sie finden einen Job, bei dem Sie in 30 Stunden genausoviel verdienen wie heute.

Was erwarten Sie, wenn Sie Ihrem Chef sagen, dass es Ihnen nicht gut geht?
Dass er Ihnen Arbeit abnimmt? Dass er Ihnen Arbeitsstunden schenkt und diese bezahlt?
Wenn Sie überfordert sind müssen Sie langfristig einen weniger belastenden Job suchen.

von
Alltagbegleiter

Mit dem Merkzeichen Bl haben Sie doch Anspruch auf Blindengeld.
Da Sie dies bei der Aufzählung Ihrer Finanzen nicht erwähnen – könnte es sein, dass Sie es nicht beantragt haben?

Die Höhe des Blindengeldes ist regional unterschiedlich: In Hamburg sind es monatlich 667,- Euro, in Niedersachsen nur ca. 320,- Euro…

Wenden Sie sich doch an den Blindenverein in Ihrer Region, dort wird man Sie diesbezüglich beraten.

Hier die Website des deutschen Blindenvereins :

http://www.dbsv.org/

Wenn die Arbeitsbedingungen an Ihrem Arbeitsplatz auch sozusagen „objektiv betrachtet“ unzumutbar und krankmachend sind, wenn es beispielsweise Verstöße gegen die Arbeitszeitenregelung etc. gibt, sollten Sie sich an das Integrationsamt wenden.

Für den Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente ist eine bestimmte Vorversicherungszeit bei der Rentenversicherung notwendig.

Es sieht so aus, als könnte das bei Ihnen knapp werden. Von der Ausbildungszeit können insgesamt nur drei Jahre angerechnet werden. Zusammen mit den eineinhalb Jahren der Berufstätigkeit dürfte das leider nicht ausreichen.

Davon abgesehen läge eine Erwerbsminderungsrente natürlich beträchtlich unterhalb Ihres jetzigen Einkommens. Dann träfe Ihr Vergleich mit dem Bezug von Hartz VI wirklich zu.

Zum Anderen:
Ob Sie aus medizinischen Gründen eventuell Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben könnten, lässt sich schwer beurteilen.
Aus der Aufzählung ihrer Merkzeichen kann man lediglich dem Bl entnehmen, dass Sie blind sind. Die anderen Merkzeichen B,G,H,RF gibt es dann ja automatisch.

Das allein würde nicht ausreichen. Falls Ihr „nicht mehr können“ das Zeichen einer psychischen Erkrankung ist, sähe die Sache eventuell anders aus.

Diese Dinge sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Es macht den Eindruck, dass Sie eher eine Reha brauchen, als eine Rente.

von
DieKleine

Zitiert von: KSC

Sie können Ihre Arbeitszeit jederzeit reduzieren, aber ohne Gehaltseinbuße wird das kaum funktionieren.
Ausnahme: Sie finden einen Job, bei dem Sie in 30 Stunden genausoviel verdienen wie heute.

Was erwarten Sie, wenn Sie Ihrem Chef sagen, dass es Ihnen nicht gut geht?
Dass er Ihnen Arbeit abnimmt? Dass er Ihnen Arbeitsstunden schenkt und diese bezahlt?
Wenn Sie überfordert sind müssen Sie langfristig einen weniger belastenden Job suchen.

Hallo,

vielen Dank für Ihr Feedback. Gerne würde ich einen anderen Job annehmen - wenn nicht sogar in meine alte Branche zurück. Nur was haben Blinde für eine andere Chance, als in Callcentern zu arbeiten? Leider keine. Lediglich Studenten, die wenige Stunden in der Woche eine Serviceline besetzen und Hausfrauen, die diesen Job auch nur auf 400,- - Basis machen, wissen, wie hart es ist. Noch dazu mit Power-Dialer. Dies bedeutet, man kann nach einem anstrengenden Gespräch mit sehr erregten, verärgerten Menschen nicht mal durchatmen, schon ist der nächste in der Leitung. Das ist automatisiert.
Das ist nur ein Versuch, Ihnen die Sache etwas zum besseren Verständnis näher zu bringen. Aber natürlich respektiere ich Ihr Feedback vollkommen. Danke nochmals dafür. Liebe Grüße

von
Otto N.

Zitiert von: DieKleine

Ich verdiene sehr schlecht, jedem Hartz4-Empfänger geht es um einiges besser.

Ich verdiene knapp 1300,- netto und meine Wohnung kostet 750,- Warm (2 Zimmer). Strom sowie Kabelgebühren und Telefon sind noch nicht weggerechnet.

Aufstocken mit Wohngeld kann ich nicht, da ich über 1400,- Brutto verdiene.

Als Hartz 4-Empfängerin würden Sie 382 Euro Regelsatz bekommen, zzgl. der Kosten für eine ANGEMESSENE Wohnung nebst Heizung und Nebenkosten.

Das ergibt in der Summe noch nicht eimal 700 Euro, also die Hälfte von dem, was Sie netto verdienen.

Ihre Behauptung, dass es "JEDEM Hartz_4-Empfänger besser geht als Ihnen", ist somit an Zynismus nicht mehr zu überbieten!

Außerdem kann jeder bedürftige Arbeitnehmer ergänzende Hartz_4 -Leistungen beantragen und hat aufgrund der erwerbstätigen-Freibeträge IMMER mehr Geld zur Verfügung, als ein "Nur-Hartz_4-Bezieher"!

Bitte denken Sie künftig besser nach, bevor Sie eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal verunglimpfen.

DANKE !!

von
DieKleine

Zitiert von: Alltagbegleiter

Mit dem Merkzeichen Bl haben Sie doch Anspruch auf Blindengeld.
Da Sie dies bei der Aufzählung Ihrer Finanzen nicht erwähnen – könnte es sein, dass Sie es nicht beantragt haben?

Die Höhe des Blindengeldes ist regional unterschiedlich: In Hamburg sind es monatlich 667,- Euro, in Niedersachsen nur ca. 320,- Euro…

Wenden Sie sich doch an den Blindenverein in Ihrer Region, dort wird man Sie diesbezüglich beraten.

Hier die Website des deutschen Blindenvereins :

http://www.dbsv.org/

Wenn die Arbeitsbedingungen an Ihrem Arbeitsplatz auch sozusagen „objektiv betrachtet“ unzumutbar und krankmachend sind, wenn es beispielsweise Verstöße gegen die Arbeitszeitenregelung etc. gibt, sollten Sie sich an das Integrationsamt wenden.

Für den Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente ist eine bestimmte Vorversicherungszeit bei der Rentenversicherung notwendig.

Es sieht so aus, als könnte das bei Ihnen knapp werden. Von der Ausbildungszeit können insgesamt nur drei Jahre angerechnet werden. Zusammen mit den eineinhalb Jahren der Berufstätigkeit dürfte das leider nicht ausreichen.

Davon abgesehen läge eine Erwerbsminderungsrente natürlich beträchtlich unterhalb Ihres jetzigen Einkommens. Dann träfe Ihr Vergleich mit dem Bezug von Hartz VI wirklich zu.

Zum Anderen:
Ob Sie aus medizinischen Gründen eventuell Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben könnten, lässt sich schwer beurteilen.
Aus der Aufzählung ihrer Merkzeichen kann man lediglich dem Bl entnehmen, dass Sie blind sind. Die anderen Merkzeichen B,G,H,RF gibt es dann ja automatisch.

Das allein würde nicht ausreichen. Falls Ihr „nicht mehr können“ das Zeichen einer psychischen Erkrankung ist, sähe die Sache eventuell anders aus.

Diese Dinge sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Es macht den Eindruck, dass Sie eher eine Reha brauchen, als eine Rente.

Hallo,
auch bei Ihnen bedanke ich mich für Ihr Feedback. Ja, ich erhalte 389 Euro Blindengeld monatlich, davon finanziere ich jedoch meine Taxikosten in Höhe von 25 die Woche (ich fahre ausschließlich mit ÖPVN zur Arbeit, jedoch besuche ich 1x die Woche eine Selbsthilfegruppe mit Stammtisch, daher habe ich mtl Taxikosten von 100,- und ca 1x im Monat eine Arztfahrt in unterschiedlicher Höhe) und von dem Rest zahle ich in Raten mein Lesegerät sowie meine Vergrößerungssoftware für den Laptop ab. Das Blindengeld ist zwar nice-to-have, aber es ist für die nächsten 9 Monate nicht greifbar - da es ja sofort abgezogen wird. Zudem bräuchte ich mittlerweile eine kostenaufwändiges Update fürs Handy, auch das ist erst mitte nächsten Jahres möglich. Mal ganz abgesehen davon, dass ich seit Arbeitsaufnahme in einer halb-leeren Wohnung sitze, da ich es nicht schaffe, mir monatlich Geld für einen Schuhschrank, eine Garderobe und ein Sideboard wegzusparen. Jeden Monat denke ich wieder, dass im Folgemonat besser wird und ich ein 100Euro-Polster schaffe. Doch jeder weiß: Es is IMMER irgendetwas. Waschmaschine-Wartungskosten über kaputten Wasserkocher bis hin zur Taschenlampe. Alles wichtige Dinge und jeden Monat geht etwas kaputt.
Was die Psyche angeht: Bereits 2011 wurde eine Therapie mit Psychopharmaka begonnen, da ich auch in der Umschulung teilweise extrem litt. Nicht wegen direkter Überforderung. Es ist eher die absolut quälende Müdigkeit, die schon nach dem Aufstehen eintritt und der ständige Kampf, nicht einzuschlafen. Der Gang an der Hauptstraße, die Busse, der viele Straßenverkehr, die Konzentration schon morgens saugt mich dermaßen aus, dass ich mich absolut erschöpft fühle, ohne überhaupt den PC in der Firma hochgefahren zu haben. Nach 4 Monaten brach die medikamentöse Therapie ab, ohne jegliche Entzugserscheinungen. Es half nichts und machte exakt 0 Unterschied. Ich würde mich nicht als labil oder sogar selbstmordgefährdet bezeichnen, eher als absolut erschöpft und kaum noch belastbar. Jahrelanges tägliches Zähne zusammenbeißen, ständig am Minimum leben und keine 6 Stunden Schlaf am Tag, der ständige Druck, alles schaffen zu müssen. Ich kenne niemanden, weder in einem Blindenforum noch am Stammtisch, der noch arbeitet. Sie sind alle berentet - erst seit 3 Monaten denke ich im stillen darüber nach, ob ich diese Richtung eingehen soll. Ich möchte weiterhin arbeiten, nur nicht mehr soviel. Ich schaffe in meiner 42-Stunden Woche meinen Haushalt nicht mehr, dabei habe ich lediglich 55qm aber ich brauche für alles doppelt so lange als früher, egal wie mich anstrenge...
Wie gesagt, ich habe ja 2 abgeschlossene Ausbildungen und bis auf 9 Monate (Zeitraum zwischen Vertragsauslauf und Feststellung des GdB und Umschulungsbeginn) keine Lücken im Lebenslauf von 2006 bis heute.
Ich möchte nicht wegen der Psyche die Stunden reduzieren und als eine Frau hingestellt wird, die plötzlich an der verhöhnten Volkskrankheit Burn-Out leidet. Es kann schon sein, dass ich mit allem überfordert bin, da ich Arbeit, Haushalt unter diesen Umständen komplett alleine meistern muss, meine Familie wohnt in 40KM Entfernung auf dem Land. Ich wäre sehr glücklich, könnte ich doch nur bei meinen Eltern sein und hätte ich wie jeder Hartz4-Empfänger 384 Euro nur zum Essen, Trinken und Leben. Das hatte ich noch nie! Die Grundsicherung dürfte ja nicht viel darunter liegen, oder? Noch dazu sind Kosten für teure Elektrogeräte nicht vom Mund wegzusparen sondern vom Sozialamt zu übernehmen. Natürlich keine guten Sachen, aber jetzt kann ich mir ja auch nur die rationalsten Dinge leisten, das wäre also kein Abschlag.
Vielen Dank für Ihren Post.

von
DieKleine

Zitiert von: Otto N.

Zitiert von: DieKleine

Ich verdiene sehr schlecht, jedem Hartz4-Empfänger geht es um einiges besser.

Ich verdiene knapp 1300,- netto und meine Wohnung kostet 750,- Warm (2 Zimmer). Strom sowie Kabelgebühren und Telefon sind noch nicht weggerechnet.

Aufstocken mit Wohngeld kann ich nicht, da ich über 1400,- Brutto verdiene.

Als Hartz 4-Empfängerin würden Sie 382 Euro Regelsatz bekommen, zzgl. der Kosten für eine ANGEMESSENE Wohnung nebst Heizung und Nebenkosten.

Das ergibt in der Summe noch nicht eimal 700 Euro, also die Hälfte von dem, was Sie netto verdienen.

Ihre Behauptung, dass es "JEDEM Hartz_4-Empfänger besser geht als Ihnen", ist somit an Zynismus nicht mehr zu überbieten!

Außerdem kann jeder bedürftige Arbeitnehmer ergänzende Hartz_4 -Leistungen beantragen und hat aufgrund der erwerbstätigen-Freibeträge IMMER mehr Geld zur Verfügung, als ein "Nur-Hartz_4-Bezieher"!

Bitte denken Sie künftig besser nach, bevor Sie eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal verunglimpfen.

DANKE !!

Bitte fühlen Sie sich nicht angegriffen. Mir war klar, dass bezüglich der Wohnung noch eine Anmerkung kommt. Gerne erläutere ich es:
Wie gesagt, 1300 Euro ist der Verdienst. 750,- gehen für eine 55qm-Wohnung weg! Das ist für unsere Stadt leider noch eine günstige Wohnung. Ich müsste nicht in der teuren Stadt wohnen, wenn ich nicht arbeiten würde! Die Firma ist nunmal in der Stadt und ich bin auf den ÖPNV angewiesen und selbst hier fahre ich noch 25 Minuten zur Haltestelle. Bleiben mir also noch exakt 550 Euro im Monat - davon gehen Kosten und Gebühren weg, die weder ein Grundsicherungsempfänger noch ein Hartz4-Bezieher zahlen muss. Fangen wir bei der GEZ an. Nur ein Drittelbeitrag, für besagte Gruppe entfällt dieser komplett. Verhütungsmittel für die Frau, in meinem Fall 45 Euro im Monat gehen weg. Auch diese werden für Hartzer und Grundsicherungsemfpänger zu 100% übernommen. Dann: Ich bekomme keine Essensgutscheine oder Ermäßigungen beim Einkaufen. Trotz Sparen und Preisvergleiche brauche ich im Monat 250.- für Getränke und Lebensmittel. 45 Euro Strom mtl gehen auch noch weg. Zudem zwischen 15 und 20 Euro fürs Handy. Dann noch 21,90 für Internet und 17,90 für Kabel-Deutschland Basispaket, sie befreien oder ermäßigen mir keinen Cent. Tja und auch Kontaktlinsen brauche ich - werden nicht bezuschusst. Genausowenig wie meine mittlerweile viel zu schwache Brille. Denn dafür ist das Blindengeld ja da... Das wie oben beschrieben die nächsten 9 Monate nicht effektiv greifbar ist. Ach, rechnen Sie selbst. Möbelgutscheine bekomm ich übrigens auch nicht, meine Wohnung ist immer noch halb leer. Es fehlt sogar der Schlafzimmervorhang ... Können Sie sich mittlerweile im entferntesten vorstellen, was mir bleibt? Gerne fahre ich weiter fort. Der Vergleich ist kein Zynismus sondern bittere Realität einer Vollzeitarbeitenden Schwerstbehinderten ...

von
Meteor

Kleine Anmerkung,eine Wohnung für 750 € ist selbst für Menschen mit Ihren Einschränkungen bei Alg II oder der Grundsicherung weit über der Angemessenheits Richtlinie.
Wie diese Richtlinie für Ihre Stadt aussieht,können Sie hier entnehen:

http://www.harald-thome.de/oertliche-richtlinien.html

Alles was darüber liegt müssten Sie dann von Ihrem knappen Regelsatz bezahlen.
Soviel zu Ihrem Vergleich mit Hartz IV Empfängern.

von
DieKleine

Zitiert von: Meteor

Kleine Anmerkung,eine Wohnung für 750 € ist selbst für Menschen mit Ihren Einschränkungen bei Alg II oder der Grundsicherung weit über der Angemessenheits Richtlinie.
Wie diese Richtlinie für Ihre Stadt aussieht,können Sie hier entnehen:

http://www.harald-thome.de/oertliche-richtlinien.html

Alles was darüber liegt müssten Sie dann von Ihrem knappen Regelsatz bezahlen.
Soviel zu Ihrem Vergleich mit Hartz IV Empfängern.

Hallo,
da ich über 1400 Brutto verdiene, steht mit weder Wohngeld noch ein Wohnberechtigungsschein zu. Meine Wohnung ist schlicht, nichts besonderes! Als Hartzerin oder Grundsicherungsempfängerin bekäme ich ja eine Sozialwohnung, das bekommt man hier mit 1800 Brutto nicht! Ich habe während der Umschulungszeit auf 12qm im unsolierten Dachgeschoss gewohnt - mit lauter Asylern im Haus! Also bitte ...

von
Anna

Sie geben hier sehr viel von sich preis um Ihre Situation zu erklären.....
Ob Ihnen dies im DRV-Forum zu umsetzbaren Ratschlägen verhilft?

Offenbar haben Sie über die DRV-Themen hinaus Kommunikationsbedarf zu Ihrer gesamten Lebenssituation.

Ich denke daher, dass auch Sie im Forum:
http://www.krank-ohne-rente.de
partizipieren könnten.
Dort werden Sie wertschätzende Unterstützung in jeder Lebenslage bekommen denn in diesem Forum haben sich Menschen gefunden, die ähnliche Baustellen und Schiksale zu verarbeiten haben.
Schauen Sie mal ob Ihnen die Gemeinschaft dort gut tun kann.

Bezügl. Ihrer Schilderung der Erschöpfungssymptome möchte ich Ihnen raten die Schilddrüsenwerte aktuell bestimmen zu lassen.
Falls nicht schon geschehen sollten Sie auf die Kontrolle der freien Werte und der Antikörper bestehen.
Meist wird nur der günstige "TSH" abgenommen - dies reicht jedoch nicht aus um die häufig vorkommende AIT (Autoimmunthyreoiditis) auszuschliessen.

Alles Gute für Sie!

von
Alltagsbegleiter

Dass Sie die unbefriedigende Arbeit im Callcenter mehr und mehr zermürbt, macht den täglichen Weg zur Arbeit selbstverständlich noch anstrengender.
Zumindest eine befristete Krankschreibung sollte Ihr Arzt Ihnen zubilligen.

Wie Anna ja schreibt, könnte Ihre Dauererschöpfung und Niedergeschlagenheit in der Tat mit einer Schilddrüsenunterfunktion zusammenhängen. Sie beschreiben sich selbst ja auch als „aufgequollen“. Lassen Sie das besser abchecken.

Leider kann Ihnen das Forum hier nicht helfen, einen geeigneteren Arbeitsplatz zu finden. Sie haben schon Recht, viele Blinde, auch mit hochqualifizierender Berufsausbildung, finden keinen Job. Das gilt allerdings bei der allgemeinen Wirtschaftslage zurzeit auch für Sehende, die dann für ein Drittel ihres früheren Gehaltes für Zeitarbeitsfirmen arbeiten müssen.

Und natürlich haben Sie weitaus mehr Ausgaben als ein Sehender in ähnlicher Lebenslage.

Einige Ihrer Mehraufwendungen können aber auch, unabhängig vom Blindengeldbezug, von Ihrer Krankenversicherung übernommen werden.

So bin ich etwas irritiert, dass Sie Ihr Lesesystem selbst gekauft haben. Üblicherweise werden die Kosten dafür von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen und Sie haben lediglich 10,- Euro Rezeptgebühr zu tragen.

Das gleiche gilt für den Einkaufsfuchs, ein Farberkennungsgerät, den Daisyplayer, eine Braillezeile usw.

Bei einem Sehrest von 2% zahlt die Krankenversicherung auch die Sehhilfe, zum Beispiel eine Lupenbrille. Wenn Ihre Krankenversicherung behauptet, dass alles müssten Sie vom Blindengeld finanzieren, so hat man Sie dort belogen.

Man muss allerdings schon Druck machen und auf seinem Recht bestehen. Auch hierbei kann Ihnen der Blindenverein helfen. Ich nehme an, auch bei Ihrem Stammtisch dürften sich einige Ihrer Freunde mit diesen Dingen auskennen.

Bitte geben Sie nicht so schnell auf. Suchen Sie sich unbedingt Rat und Unterstützung im wahren Leben und nicht allein im Internet.

P.S.
Glauben Sie nicht alles, was in den Medien über Hartz VI berichtet wird.
Viele der dort genannten Extraleistungen existieren nicht wirklich.
Essensgutscheine bekommen AlG II – Bezieher nur ausnahmsweise, wenn man Ihnen nämlich die komplette Leistung gestrichen hat und zudem Kinder im Haushalt leben.
Ermäßigungen beim Einkauf im Supermarkt gibt es nicht. Erwachsene Hartz VI-Bezieher haben übrigens durchschnittlich monatlich halb soviel Geld für Lebensmittel und Getränke zur Verfügung, als Sie ausgeben.

Verhütungsmittel für über Zwanzigjährige werden oftmals nur nach langem juristischen Streit mit den Jobcentern übernommen.
Möbel und Haustextilien müssen generell aus dem Regelsatz bezahlt werden, das gleiche gilt für Elektrizität, Telefon und Internet, Kabelanschluss, Sehhilfen, Zahnersatz usw.

von
Otto N.

Zitiert von: DieKleine

Bleiben mir also noch exakt 550 Euro im Monat - davon gehen Kosten und Gebühren weg, die weder ein Grundsicherungsempfänger noch ein Hartz4-Bezieher zahlen muss. Fangen wir bei der GEZ an. Nur ein Drittelbeitrag, für besagte Gruppe entfällt dieser komplett. Verhütungsmittel für die Frau, in meinem Fall 45 Euro im Monat gehen weg. Auch diese werden für Hartzer und Grundsicherungsemfpänger zu 100% übernommen. Dann: Ich bekomme keine Essensgutscheine oder Ermäßigungen beim Einkaufen. Trotz Sparen und Preisvergleiche brauche ich im Monat 250.- für Getränke und Lebensmittel. 45 Euro Strom mtl gehen auch noch weg. Zudem zwischen 15 und 20 Euro fürs Handy. Dann noch 21,90 für Internet und 17,90 für Kabel-Deutschland Basispaket, sie befreien oder ermäßigen mir keinen Cent. Tja und auch Kontaktlinsen brauche ich - werden nicht bezuschusst. Genausowenig wie meine mittlerweile viel zu schwache Brille. Denn dafür ist das Blindengeld ja da... Das wie oben beschrieben die nächsten 9 Monate nicht effektiv greifbar ist. Ach, rechnen Sie selbst. Möbelgutscheine bekomm ich übrigens auch nicht, meine Wohnung ist immer noch halb leer. Es fehlt sogar der Schlafzimmervorhang ... Können Sie sich mittlerweile im entferntesten vorstellen, was mir bleibt? Gerne fahre ich weiter fort. Der Vergleich ist kein Zynismus sondern bittere Realität einer Vollzeitarbeitenden Schwerstbehinderten ...

Fangen wir bei der GEZ, die es übrigens seit einiger Zeit gar nicht mehr gibt, an.

Rundfunkgebühren werden Hartz 4-Empfängern tatsächlich erlassen.

Verhütungsmittel werden jedoch NICHT vom Staat übernommen, ebensowenig Handy-Kosten, Internet und Kabel-Gebühren. Dafür ist eine Pauschale in den Regelsätzen eingerechnet, die nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten abdeckt.

Sehhilfen bekommen Hartz 4-Empfänger auch nicht gratis, Essensgutscheine gibt es nur dann, wenn einem Leistungsbezieher sämtliche Geldleistungen gestrichen wurden, Schlafzimmervorhänge müssen ebenfalls vom Regelsatz bezahlt werden.

Und für Lebensmittel stehen einem Hartz 4-Empfänger ganze 130 Euro/Monat zur Verfügung, die ebenfalls im Regelsatz enthalten sind.
(Wenn Sie tatsächlich 250 Euro benötigen, leben Sie ganz schön üppig. Das sage ich Ihnen als NICHT-Hartz 4-Empfänger, der locker mit 150 Euro pro Monat für Lebensmittel auskommt!)

Für Haushaltsstrom sind im Regelsatz etwa 30 Euro/Monat EINGERECHNET. Auch dafür gibt es nichts extra!

Es bleibt also dabei, dass Sie ein doppelt so hohes Einkommen haben wie ein Hartz 4-Empfänger, der null Ahnung von Hartz 4 hat und auf recht hohem Niveau jammert!

Warum kündigen Sie nicht einfach Ihren Arbeitsvertrag und beantragen selbst Hartz_4? Dann erfahren Sie höchst persönlich, wie "komfortabel" Hartz_4 tatsächlich ist!

Es ist einfach nur erschreckend, wie schlecht Sie über bedürftige Menschen informiert sind, trotz allem Verständnis für Ihre Behinderungen.

Aber man muß natürlich auch Ihr junges Alter berücksichtigen......

Experten-Antwort

1. Ob ein Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung besteht kann nur in einem Verwaltungsverfahren geklärt werden.
Dazu müßten Sie einen Antrag auf die o.g. Rente beim zuständigen Versicherungsamt (untergeordnet bei der Stadtverwaltung) stellen.
2. In diesem Verfahren wird geklärt, ob die versicherungsrechtlichen und medizinischen Voraussetzungen vorliegen.
Ist die Mindestversicherungszeit von 60 Kalendermonaten nicht erfüllt, wird von Amts wegen geprüft, ob die Voraussetzungen im Rahmen der Wartezeitfiktion erfüllt sind.
3. Sollten die Voraussetzungen für eine Rentengewährung vorliegen, aber eine Rente unter dem Grundsicherungsnineau geleistet wird - ist zu prüfen, ob weitere Leistungen vom Grundsicherungsamt (Stadtverwaltung) geleistet werden können.

von
B´son

Zitiert von: Alltagbegleiter

Für den Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente ist eine bestimmte Vorversicherungszeit bei der Rentenversicherung notwendig.

Es sieht so aus, als könnte das bei Ihnen knapp werden. Von der Ausbildungszeit können insgesamt nur drei Jahre angerechnet werden. Zusammen mit den eineinhalb Jahren der Berufstätigkeit dürfte das leider nicht ausreichen.


Hallo Alltagsbegleiter,
ich muss ihre Aussage da etwas korrigieren :

Für die Prüfung der versicherungsrechtlichen Vorausetzungen für eine EM-Rente gibt es KEINE Begrenzung der Anrechnung von Berufsausbildungszeiten.

Was sie meinen ist sicherlich die Höherbewertung von Ausbildungszeiten, diese ist nämlich auf max. 3 Jahre begrenzt, hat aber mit der EM nichts zu tun ;-)