Hilfe - was kann ich tun ?

von
Ingo Kühn

Moin,
ich befinde mich z.Zt. in ReHa in der Marbachtalklink Bad Kissingen wegen psychosomatischen Kopfschmerzen.
Diese habe sich in den letzten Jahren gesteigert und so bin ich hier gelandet. Diese Klinik war nicht meine Wunschklinik, aber ich hab mich daeauf eingelassen...
Problem: ich bin nun seit gut einer Wocher hier, und merke wie es mir täglich schlechter geht. Die Kopfschmerzen sind wieder sehr stark geworden und auch meine gesamte Verfassung ist echt sehr schlecht. Ich weine viel und es geht mir echt beschissen. Leider finde ich hier echt niemandem den das interessiert. Ich dachte, daß vllt das Einzelgespräch mit dem Psychologen etwas linderung bringen würde, aber dieser geht nur stur nach seinem Plan. Keine Frage nach meinem Befinden und kaum ein Interesse an meiner Person. Alles sehr sehr oberflächlich und sehr unpersönlich. Ich hab 45min Einzelgespräch mit dem Psychologen in der Woche. Davon hat er ca. 35min selber geredet und ist nur sehr oberflächlich auf mich eingegangen. Alle weiteren Therapien sind Gruppensitzungen. Jeder in der Gruppe sagt durch die Blume "...was gehen mich deine Probleme an du bist mir fremd und ich hab selbst genug mit mir zu tun...".
Was ist denn das bitte für eine Hilfe hier. Ich bin geistig z.Zt. kaum auf der Höhe um dem ganzen Geschähen hier folgen zu können... dies hab ich sowohl der Oberärztin als auch dem Psychologen gesagt- ich wurde nur belächelt und alles ging seinen Gang weiter. Immer nur : "...schauen sie sich das doch erstmal an..." oder "...sie müssen sich auch öffnen..." WEM DENN ???
Ich hab das Gefühl ich rufe überall um hilfe aber niemand hört mich.
Wenn es so weiter geht, geht es mir hinterher schlechter als vorher ! aber jeder wird sagen :"... wieso du warst doch zur ReHa, du musst doch jetzt fit und gesund sein..."
was soll ich denn meinem Afbeitgeber erzählen wenn ich wieder wegen Kopfweh und Blackouts nicht arbeiten kann? Oder wenn ich nochmals eine andere Maßnahme bräuchte ??
HILFE !!! Bitte was kann ich tun ?? An wen kann ich mich wenden ??

Vg
Ingo

von
Nanu Aber

Hallo lieber Ingo,

ich habe keine Lösung, aber vielleicht einen Anfang...

Im Moment ist deine psychische Verfassung viel zu labil um dich jemanden zu öffnen und du fühlst dich (wie wahrscheinlich schon sehr oft in deinem Leben) "allein gelassen" mit deinen Ängsten und Schmerzen. Das ist nicht ironisch gemeint! So mein Eindruck.

Leide selber seit Jahren unter Migräne und weiß, was Kopfschmerzen sind. Ich möchte dir daher heute einen Tipp geben, der vielleicht etwas Reha-"Lust" macht...

Dein Arzt in der Klinik, soll dich mit Schmerzmitteln entsprechend einstellen, so dass du den Tag ohne Schmerzen beginnen kannst. Dann suchst du dir ein ruhiges Plätzchen und Frühstückst in aller Ruhe (Therapien würde ich einfach mal absagen für einen Tag). Kein Stress und möglichst allein. Nur für einen Tag...

Anschließend gehst du (sofern du das magst) ins Schwimmbad und drehst ein paar Runden. Vielleicht auch Tauchen und die Stille unter Wasser genießen. Danach warm anziehen und raus in den Wald, zum Spazieren. Wandern, Joggen etc. was immer du magst. Aber möglichst ohne Begleitung, da du "dich finden sollst"!

Dann Mittagessen und bissel Pause (vielleicht was Lesen). Nachmittags suche dir wieder ein ruhiges Plätzchen (Dachterasse oder so) und setz dir Kopfhörer mit leiser, ruhiger Musik auf und mach mal Nix. Nur in den Himmel schauen oder Augen zu und versuche mal die "innere Stille" zu finden. Vielleicht ein wenig Ti Chi (hab ich das richtig geschrieben?)

Dann Abendessen und dann ins Bett, aber kein TV, sondern wirklich nur Ruhe. Lesen, Rätseln oder so und früh Schlafen gehen.

Erst wenn du mit deiner inneren Unruhe "aufgeräumt" hast, kannst du anfangen zu "rehabilitieren". Vorher ist kein Platz in deiner Seele!

Das klingt jetzt villeicht alles ein wenig komisch für dich, aber ich glaube, es hilft. Jedenfalls wünsche ich es dir. Du darfst übrigens auch mal einen Tag Therapieplan aussetzen, wenn es dir nicht gut geht. Das ist kein Problem.

Alles alles Gute und versuch's mal...

MfG
Nanu Aber

von
Ingo Kühn

Dank dir für die schnelle Antwort. Schön das "Aussenstehnde" das so sehen können aber die Verantwortlichen hier nicht. Glaube du hast da recht mit dem was du sagst, nur denke ich das ein Tag dafür nicht gan ausreichen wird. Ich fühle mich auch ziemlich fehl am platz hier. Auch wenn es vllt komisch klingt, aber ich wäre lieber in ein Sanatorium gegangen. Das alles hier haut mich doch ziemlich aus der Bahn.
Ich weiss nur halt nicht wie meine Möglichkeiten aussehen. Halte das hier echt für verschwendete Zeit. Sicher gibt es viele Leute denen das hier viel bringt und die sich auch später besser fühlen wenn soe hier wieder raus sind, aber bei mir ist das halt nicht so. Mir bringt dieser Therapieplan nicht so viel und das ist schade. Muss halt nur die Verantwortluchen hier auch davon überzeugen ohne das mir Konsequenzen entstehen. Ist auch so schon schwer genug mit allem fertig zu werden wenn ich wieder zuhause bin und sagen muss das ich nicht geheilt bin. Die meisten werden das nicht verstehen (speziell wahrscheinlich der Arbeitgeber).

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Ingo!

Zunächst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass ich es schade finde, dass Sie das Gefühl haben, die Therapie in der Marbachtalklinik bringt Ihnen gesundheitlich nichts. Ob Ihnen der Aufenthalt in einem Sanatorium mehr bringen würde, kann von hier nicht beurteilt werden. Im Wesentlichen wird das jedoch an Ihrer Erwartungshaltung liegen und auch daran, ob Ihre Erwartungen in einem Sanatorium erfüllt werden bzw. erfüllt werden können. Dies kann von hier nicht beurteilt werden. Es wäre jedoch für Sie wünschenswert. Leider können die gesetzlichen Rentenversicherungsträger solche Sanatoriumsaufenthalte jedoch nicht finanzieren.

An dieser Stelle möchte ich jedoch noch auf die von Ihnen angesprochenen "Konsequenzen" zu sprechen kommen. Es gibt für Sie keine Konsequenzen. Sie fühlen sich in der Marbachtalklinik nicht wohl und haben das Gefühl, dass Ihnen die dort angewandten Therapieangebote gesundheitlich keine Besserung bringen. Das ist ein Fakt!. Also ist es aus Ihrer Sicht das Beste, die Rehabilitationsleistung abzubrechen. Wenn das Ihr Wunsch ist, dann machen Sie das auch. Rufen Sie dazu den Kostenträger der Rehabilitationsleistung (Ihren Rentenversicherungsträger bzw. Ihre Krankenkasse) an und teilen Ihnen mit, dass Sie beabsichtigen die Rehabilitationsleistung aus den von Ihnen bereits dargelegten Gründen abzubrechen. Anschließend setzen Sie Ihren behandelnden Rehabilitationsarzt von Ihrer Entscheidung in Kenntnis und reisen ab.

Das "Märchen", dass Ihnen in einem solchen Fall die Kosten der Rehabilitationsleistung aufgebürdet werden, ist definitiv FALSCH. Hier haben Sie nichts zu befürchten.

Sie sollten jedoch auf jeden Fall sicherstellen, dass Sie am Wohnort ärztliche bzw. psychologische Betreuung erhalten.

Für Ihre Gesundheit wünsche ich alles Gute.

Ihr Experte

von
Ingo Kühn

Ok und recht herzlichen Dank für ihre Antwort. Das ist ja schonmal beruhigend zu wissen. Würden im Falle eines Abbruchs auch keine Schwierigkeiten seitens der RV auf mich zu kommen bezüglich weiterer späterer Maßnahmen. Sprich gäbe es Probleme falls mal wieder eine ReHa oder ähnliches anfallen würden

Vg

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Ingo!

Auch für zukünftige Reha-Leistungen ergeben sich aus einem Abbruch direkte Konsequenzen. Sollten Sie einen erneuten Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation stellen, wird die Rentenversicherung diesen genauso behandeln, wie jeden anderen Reha-Antrag auch. Hier gibt es keine gesonderte Prüfung für Versicherte, die bereits eine Leistung zur medizinischen Rehabilitation abgebrochen haben. Es werden die medizinischen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen geprüft und wenn diese erfüllt sind, wird erneut eine Leistung bewilligt. Zu berücksichtigen sind jedoch die Ausschlussgründe. Hier insbesondere der § 12 Absatz 2 SGB VI, wonach eine Leistung nicht vor Ablauf von 4 Jahren erneut erbracht werden soll, es sei denn, sie ist aus medizinischen Gründen zwingend erforderlich. Sie sehen also, dass auch hier die medizinische Notwendigkeit im Vordergrund steht und hier bei der Rentenversicherung ganz vorurteilsfrei geprüft wird. Der Abbruch spielt hier keine Rolle.

Ihr Experte

von
Ingo Kühn

Vielen vielen dank