Hinterbliebenenrente-altes oder neues Recht

von
Unwissender

Guten Tag,

zurzeit kläre ich gerade die Rentenangelegenheiten meiner Schwiegereltern (74).
Bei der regionalen Rentenstelle hat man mich gefragt, ob im Falle des Versterbens einer Person für die Hinterbliebenenrente das "alte" oder "neue" Recht gewählt wurde. Das konnte ich nicht beantworten. Im Computer der Rentenversicherung ließ sich nichts finden. Meine Schwierge-reltern konnten mir nicht sagen, ob sie etwas unterschrieben hätte oder ob sie jemals altes oder neues Recht gewählt hätten. In den Rentenunterlagen findet sich nichts.
Wie und wo kann ich hier ein Klärung erhalten? Immerhin geht es ja wohl um ca. 130,00 € monatliche Differenz.
Info wäre nett.

von
Schiko.,

Nur weil ich rein zufällig auch schon beinahe 74 bin,
mische ich mich ein. Als ich mit 63 in rente ging
wurden mir auch regional solche fragen nicht gestellt.

Wäre ja auch schlimm, umgekehrt müssen doch sie
von der fachbehörde aufgeklärt werden.
Vom alter her und auch schon verheiratet sein 1957
weiß ich, meine frau erhält mal von meiner rente 60%
überwiesen.

Rentensplitting kann ja wohl nicht gemeint sein, dies
ist in der regel für jüngere ehepartner geeignet.

Mit freundlichen Grüßen.

von
Heinz

Es gibt drei verschiedene Hinterbliebenrentenrechte:

A: "Uraltrecht": Es konnte bis 1988 eine Erklärung gegenüber dem Rentenversicherungsträger abgegeben werden, dass das bis 1986 gültige Hinterbliebenenrecht weiterhin gelten soll. Die Erklärung konnte abgegeben werden, wenn beide Ehegatten bis 1936 geboren waren. --> Die große Witwen-/Witwerrente beträgt 60% einer Vollrente. Es gibt keine Einkommensanrechnung. Witwerrenten gibt es nur unter erschwerten Bedingungen.

B: "altes Recht": Mindestens ein Ehegatte ist vor dem 02.01.1962 geboren und die Eheschließung war vor dem 01.01.2002. --> Die große Witwen-/Witwerrente beträgt 60% einer Vollrente. Es gibt eine Einkommensanrechnung, bei der nur bestimmte Einkommensarten berücksichtigt werden. Es gibt keine erschwerte Bedingungen für Witwerrenten.

C: "neues Recht" --> Die große Witwen-/Witwerrente beträgt 55% einer Vollrente zzgl. eines Kinderzuschlags. Es gibt eine Einkommensanrechnung, bei der alle Einkommensarten berücksichtigt werden. Es gibt keine erschwerte Bedingungen für Witwerrenten. Die kleine Witwen-/Witwerrente ist auf 2 Jahre nach dem Tod begrenzt.

von
KSC

Ergänzung zu Heinz:

das beschriebene "Uraltrecht" konnte wie Heinz richtig sagt durch Erklärung beibehalten werden.
Wenn weder die Rentenstelle was von einer solchen Erklärung weiß, d.h. diese nicht im Versicherungskonto gespeichert ist und Sie davon auch nichts wissen, wurde diese Erklärung damals vor 20 Jahren wahrscheinlich auch nicht abgegeben(war ja auch in vielen Fällen nicht notwendig).

Somit gilt das unter B beschriebene Recht, dass der überlebende Ehegatte 60 % Hinterbliebenenrente mit Einkommensanrechnung erhält.

Das unter C beschriebene konnte nicht durch Erklärung gewählt werden.

Experten-Antwort

Den Ausführungen von Heinz und KSC ist nichts Wesentliches mehr hinzu zu fügen.

Angemerkt werden kann, dass im Falle einer Beantragung einer Witwen- bzw. Witwerrente im Antragsformular gefragt wird, ob die Ehegatten - sofern Beide vor dem 01.01.1936 geboren und die Ehe vor dem 01.01.1986 geschlossen wurde - gegenüber dem Rentenversicherungsträger / Unfallversicherungsträger eine gemeinsame Erklärung abgegeben haben, wo nach die am 31.12.1985 geltenden Rechtsvorschriften für Renten an Witwen, Witwer und frühere Ehegatten weiterhin anzuwenden sind.