Hinzuverdienst bei vorgezogener Altersrente

von
Sylvia Weinhold

Ein Selbständiger möchte nach dem 1.7.2017 die vorgezogene Altersrente beantragen und seine selbständige Tätigkeit auch danach in bescheidenem Umfang und ohne Mitarbeiter weiter fortführen. Die im Betrieb befindliche Immobilie sowie Gegenstände des Anlagevermögens will er zeitnah verkaufen. Der Verkaufserlös wird als sogenannter außerordentlicher Ertrag im Unternehmen erfasst und erhöht den Gewinn entsprechend. Wie verhält es sich in so einem Fall mit der Ermittlung des Hinzuverdienstes? Die Einkünfte aus der laufenden gewerblichen Tätigkeit werden zwar ab der Beantragung der Rente die Grenze von 6.300 Euro pro Jahr nicht übersteigen, der Betriebsgewinn aus dem Unternehmen wird aber wegen des Verkaufserlöses trotzdem deutlich höher sein. Über eine Antwort freue ich mich.

von
Buchhalter

Wenn angedacht ist, die Tätigkeit in bescheidenem Umfang weiterzuführen, warum wird dann die Betriebsaufgabe überhaupt ins Kalkül gezogen?
Was spricht dagegen den Termin erst nach der Regelaltersrente einzuplanen? Somit würde auch der zu erwartende Aufgabegewinn in die Zukunft verlagert werden.
Der Selbständige sollte sich dazu zweckmäßigerweise bei seinem Steuerberater eingehend beraten lassen.
Hilfsweise auch folgendes Urteil vom BFH (Urteil vom 11.5.2016 Az. X R 61/14) zu Gemüte führen.

von
Forumswächter

Zitiert von: Sylvia Weinhold
Wie verhält es sich in so einem Fall mit der Ermittlung des Hinzuverdienstes?

ergänzend zu Buchhalter:

Die Rentenversicherung schaut sich in erster Linie nur den Steuerbescheid des jeweiligen Jahres an. Maßgebend sind die dort ausgewiesenen 'Einkünfte aus dem Gewerbebetrieb/freiberuflichen Tätigkeit'. Wie diese dann zustande kommen, ist der Rentenversicherung - gelinde gesagt - egal.
Alles weitere sollten Sie mit dem Steuerberater/Finanzamt klären.

Experten-Antwort

Hallo, Sylvia,

grundsätzlich wird bei Selbständigen das Einkommen zugrunde gelegt, welches im Einkommensteuerbescheid unter „Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit“ ausgewiesen wird. 1/12 des Jahreseinkommens wird als Grundlage für das mtl. Einkommen gewertet. Eine Bescheinigung des Steuerberaters, in dem das Jahres-Einkommen differenziert auf die Monate eines Kalenderjahres aufgeteilt wird, ist ebenfalls möglich. Sofern also ab Rentenbeginn 01.07.2017 nur noch ein Einkommen aus einer selbständigen Tätigkeit vorliegt, welches nicht zum Überschreiten der Hinzuverdienstgrenzen führt, ist es möglich die zustehende Rente in voller Höhe zu beziehen. Wir empfehlen Ihnen eine Beratung bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung in Ihrer Nähe, ferner Rücksprache mit Ihrem Steuerberater.

von
Sylvia Weinhold

Vielen Dank für diesen wertvollen Hinweis. Ein Gespräch bei der Rentenberatungsstelle ist bereits terminiert.