Hinzuverdienste nach Erreichen Regelaltersgrenze

von
easyjo

Ich beabsichtige zum 1.1.20 mehrere geringfügige Beschäftigungen aufzunehmen. Geb.Datum XX.03.1954. M.W. erreiche ich zum 1.11.19 die Regelaltersgrenze bei der ich unbeschränkt hinzuverdienen kann. Ab dem 1.1.20 beabsichtige ich bei verschiedenen Arbeitgebern Aushilfs-Beschäftigungsverhältnisse aufzunehmen die wie folgt vergütet werden: 300 €, 200 €, 150 €, 100 €, 100 € = mtl. in Summe 850 €.
Ich bin seit 1988 privat krankenversichert.
Meine Fragen:
1) bin ich sozialversicherungspflichtig?
2) muss ich ggf. - wenn ja wie - Formalien im Rahmen der Aushilfsarbeitsverträge beachten um die Sozialversicherungsfreiheit der genannten Beschäftigungsverhältnisse herzustellen?
3) gilt die 450 € Mini-Job Regelung ist die wegen der Gesamtsumme von 850 € "ausgehebelt"?
4) soweit möglich ergänzende Nachfrage: für höchstvergütete Tätigkeit die LSTKl. 3 und für alle anderen die LSTKl. 6? oder lohnsteuerpflichtig nur die über mtl. 450 €?
Herzlichen Dank!

von
Tippsi

Ihre Fragen werden ausführlich von der Minijob-Zentrale beantwortet.

https://www.minijob-zentrale.de/DE/05_multifunktionsleiste/03_service/03_broschueren/broschueren_gewerblich/node.html

Experten-Antwort

Hallo easyjo,

zu 1)
Aufgrund § 5 Abs. 4 S. 1 Nr. 1 SGB VI besteht bei Bezug einer Vollrenten wegen Alters nach Erreichen der Regelaltersgrenze in einer daneben ausgeübten Beschäftigung grundsätzlich Rentenversicherungsfreiheit. Auf diese Versicherungsfreiheit kann jedoch durch entsprechende Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber verzichtet werden. Der Verzicht kann nur mit Wirkung für die Zukunft erklärt werden und ist für die Dauer der Beschäftigung bindend. Wird keine Verzichtserklärung abgegeben, verbleibt es bei der Versicherungsfreiheit.

Hinsichtlich der übrigen Sozialversicherungszweige kann ich im Rahmen dieses Forums zur Rentenversicherung leider keine Auskunft geben. Diese Frage müssten Sie direkt mit den jeweiligen Trägern oder der für Sie zuständigen Einzugsstelle (gesetzliche Krankenkasse, die für den Einzug der Gesamtsozialversicherungsbeiträge zuständig ist) klären.

zu 2)

Siehe zu 1). Soweit Sie keinen Verzicht auf die Versicherungsfreiheit gegenüber dem Arbeitgeber erklären, verbleibt es bei der Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Rentenversicherung.

zu 3)
Da nach § 8 Abs. 2 SGB IV mehrere geringfügige Beschäftigungen zusammenzurechnen sind und diese in Ihrem Fall insgesamt die Grenzen der Geringfügigkeit (450 Euro mtl.) übersteigen, kommen die Regelungen zu geringfügigen Beschäftigungen hier nicht mehr zum Tragen.

zu 4)
Leider ist es mir im Rahmen dieses Forums zur Rentenversicherung und Alterssicherung nicht möglich, steuerrechtliche Fragen zu beantworten. Zur Klärung dieser Frage wenden Sie sich bitte direkt an Ihr zuständiges Finanzamt, einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein.