Hinzuverdienstgrenze

von
LenaLeenchen

Hallo:o)
Ich beziehe eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Mitte Januar habe ich am 15.01. einen Minijob aufgenommen. Laut der Entgeltabrechnung habe ich für den halben Monat 198,33 Euro verdient ( was ich NICHT verdient habe ). Auf meine Anfrage beim Arbeitgeber wurde mir geantwortet, ich könne als Rentner 400 Euro im Monat zuverdienen und so werde ich auch abgerechnet, da Kollegen als Harz4 Empfänger nur 100 Euro dazuverdienen können. Ihr "Mehrgehalt" kann nicht offiziell angegeben werden und wird nun zum Teil auch über mich abgerechnet. Das ich das nicht "OK" finde, versteht sich von selbst. Nur habe ich Angst, meinen Arbeitsplatz zu verlieren, ich brauche jeden Cent, den ich dazu verdienen kann. Auf der anderen Seite ist dies Betrug. In Bezug auf die Hinzuverdienstgrenze kann mir nichts passieren. Wie steht es jedoch mit den Stunden aus, die ich für 400 Euro geleistet haben müsste. Meine Information ist, dass ich als Erwerbsunfähiger nicht mehr als 3 Stunden am Tag arbeiten dürfte. Um 400 Euro zu verdienen müsste ich bei 5 Euro Stundenlohn ca 27 Tage a 3Stunden gearbeitet haben. Was soll ich bitte nun der Rentenstelle in Bezug auf die Arbeitsaufnahme mitteilen. Für einen Rat wäre ich sehr dankbar. Ich hoffe, ich habe mein Problem verständlich geschildert.

von
Rosanna

Hallo Lena Leenchen,

das ist ja die absolute Frechheit, mal abgesehen vom Betrug, was Ihr Arbeitgeber da anstellt! Sowas habe ich noch nie gehört.

Ich möchte Ihnen nur 1 Tipp geben: Suchen Sie sich schleunigst eine andere Arbeitsstelle und zeigen diesen Arbeitgeber an.

Auf Minijobbasis gibt es sicherlich noch einige andere Arbeitsangebote, wo alles fair und gesetzlich richtig abläuft. Sie würden bei der jetzigen Arbeitsstelle auf Dauer bestimmt nicht glücklich!!!

MfG Rosanna

von
Rosanna

Noch was: Sofern Sie diesen betrügerischen Arbeitgeber wirklich verlassen wollen, können Sie der DRV den Sachverhalt so schildern wie hier. Und am besten gleich noch darauf hinweisen, dass eine Betriebsprüfung vielleicht ganz angebracht wäre!

Sonst macht der Arb.Geber seine "Trixereien" beim nächsten "ehrlichen" Arbeitnehmer genauso wieder.

von
Vorsicht

Außerdem liegt und lag die Hinzuverdienstgrenze - vorbehaltlich der in Kürze möglichen Verkündung der rückwirkenden Änderung auf 400 Eur - im Januar noch bei 355 Eur.

von
LenaLeenchen

Ja Rosanna.. dies ist wirklich eine Frechheit und ich fühle mich nicht wohl dabei. Nur leider wohne ich in einer relativ kleinen Stadt und bin von Beruf her Hotelfachfrau. Hier kennt sich jeder Gastronom oder Hotelleriebetreiber. Es ist hier gängige Praxis so zu handeln, da wir ausser den paar Einwohnern auch noch ca 3000 Studenten haben, die mit Kusshand jeden Job auch für 3Euro die Stunde machen (Kann ich sogar verstehen, wie soll man bitte mit 600Euro Bafög Miete zahlen und noch überleben). Sollte ich dieses Spiel nicht mitmachen oder sogar eine Betriebsprüfung veranlassen, finde ich in diesem Nest überhaupt keine Arbeit mehr. Kleinbetriebe sind aufgrund der enormen Abgaben ja sogar meisst gezwungen zu betrügen. Dies soll keine Entschuldigung sein, es ist nur irgendwie nachzuvollziehen. Ich kann von meiner kleinen Rente aber auch nicht leben und bin gezwungen arbeiten zu gehen. Aufgrund der Studenten haben sich die Mieten hier ins Utopische entwickelt. für eine 2-Raumwohnung zahlt man locker 600 Euro. Und wie gesagt, ist ein Arbeitgeberwechsel sinnlos, da dies fast alle so machen. So ist man als kleiner Arbeitgeber gezwungen dies mitzumachen. Aber darf ich überhaupt als Erwerbsunfähigkeitsrentner so viele Stunden arbeiten, auch wenn ich nur 355 Euro "offiziell" verdienen würde? Auch das wären ja 71 Stunden im Monat. Wenn es stimmt, dass ich nicht mehr als 3Stunden am Tag arbeiten darf... würde ich so auch auf fast 24 Tage im Monat a 3 Stunden kommen. Wie sieht die Regelung der Höchstarbeitszeiten aus?

von
Rosanna

Bei der DRV, in der in tätig bin, erhielten wir gestern von der Grundsatzabteilung die geänderte Hinzuverdienstgrenze von 400,- € ab 01/2008 kommentarlos zugesandt.
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Aber das ist hier ja nicht das eigentliche Problem. Im Januar 2008 lag L.L. ja sogar mit ihrem Verdienst unter 355,- €.

Die ganze Betrügerei des Arbeitgebers zieht ja einen Rattenschwanz nach sich.

Der Hartz-IV-Leistungsträger wird betrogen, wenn das korrekte Entgelt nicht angegeben wird, den Hartz-IV-Empfänger erwartet ein bitterböses Erwachen, wenn der Betrug herauskommt (wird wie Schwarzarbeit bestraft!). Und für L.L. stimmen die Abgaben nicht (RV, Pauschalsteuer etc.), das kann sogar - rein theoretisch - Ärger mit dem Finanzamt geben.

Also ICH würde mich dem ganzen Ärger nicht aussetzen, für die paar Euros, die unter dem Strich für SIE dabei rauskommen.

MfG Rosanna.

von
Rosanna

Hallo L.L.,

ich nehme mal an, dass es sich bei der vollen EM-Rente NICHT um eine "Arbeitsmarktrente" handelt (dann müßte im Rentenbescheid stehen: Rente wird nicht nur aus medizinischen Gründen gewährt; dann ist es sowieso eine Zeitrente!), dürfen Sie nur höchstens 3 Stunden täglich arbeiten. Und natürlich muss die Hinzuverdienstgrenze eingehalten werden. Denn bei einer vollen EM-Rente liegt das LV bei höchstens 3 Std.

Falls es eine DAUERRENTE ist und diese ist sehr niedrig, haben Sie auch die Möglichkeit, Grundsicherungsleistungen zu beantragen. Stellen Sie ggfls. den Antrag umgehend beim Landratsamt - GruSi-Amt, denn Grundsicherungsleistungen werden frühestens ab der Antragstellung gezahlt.

Noch eine persönliche Anmerkung: Sie müssen über die ganze Angelegenheit natürlich selbst entscheiden.
Aber: Gibt es in Ihrem Ort denn keine anderen Arbeitsstellen außerhalb der Gastronomie, z.B. als Reinigungskraft, Auffüllen von Regalen im Supermarkt, Kurierfahrten, etc. etc.?? Ich würde mich bei diesem oder jedem anderen Arbeitgeber, der es genauso handhabt, jedenfalls nicht wohl fühlen.
WENN einmal eine Überprüfung stattfindet, hängen Sie auf jeden Fall auch mit drin.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und die richtige Entscheidung.

MfG Rosanna.

von
Rosanna

"Kleinbetriebe sind aufgrund der enormen Abgaben ja sogar meisst gezwungen zu betrügen. Dies soll keine Entschuldigung sein, es ist nur irgendwie nachzuvollziehen." -

L.L., selbst WENN dem so wäre (bei Minijobbern sind die Abgaben aber bestimmt nicht so hoch, dass man betrügen muß!):

Ihr jetziger Arb.Geber zahlt doch aber dem Hartz-IV-Empfänger MEHR als 100,- €, weil dies sonst für den Hartz-IV-Empfänger schädlich wäre! Und schreibt den Mehrverdienst DER ANDEREN Ihnen zu! WO hat denn der ARBEITGEBER jetzt irgendwo gespart???
Denn für Sie muss er bei einem "fiktiven" Verdienst von z.B. 400,- € doch die Abgaben AUCH zahlen. Verstehen Sie, dass Sie nur für Andere (hier: Hartz-IV-Empfänger) in Teufels Küche kommen können?

Und bei allem Verständnis: ich kenne mich auch in der Gastronomie sehr gut aus. Ich habe früher sehr viel Wirte kennengelernt. Nur sehr Wenige haben es mit den Gesetzen so genau genommen... bis das große Erwachen kam (z.B. bei Betriebsprüfungen). Und nachfolgend das Gejammer.

Das war´s jetzt aber von mir zu diesem Thema.
Schönen Tag noch.

von
LenaLeenchen

Ich danke für die Antworten. Ja, ich denke, ich muss wohl auch diesen Job aufgeben. Den letzten hab ich schon beim Einarbeitungstag hingeworfen, weil bei Personen, wo man sicher war, dass die keine Rechnung für das Finanzamt brauchen, sämtlicher Verzehr und Übernachtung in eine Schwarzkasse gebont worden ist.Den eventuellen Ärger und mein permantent schlechtes Gewissen ist das alles nicht wert. Und rein rechnerisch wäre es ja eh nicht hingekommen. Aber dennoch wird sich ein anderer finden. Wenn ich den Mut hätte, würde ich die Unternehmer anzeigen. Ich hab Ihn leider nicht. Ein herzliches Danke und freundliche Grüsse.

Experten-Antwort

Hallo Lena-Leenchen,

den Ausführungen von Rosanna kann ich mich nur anschließen. Sie sollten sich in diese offensichtlich betrügerischen Handlungen nicht hineinziehen lassen. Auch ich wünsche Ihnen den Mut zur richtigen Entscheidung. Ggf könnten Sie wenigstens Ihren Rentenversicherungsträger über die tatsächlich erhaltenen Entgelte und die Ursachen für die Diskrepanz zum gemeldeten Entgelt informieren.

von
Rosanna

Antwort der Experten:

"Ggf. könnten Sie wenigstens Ihren Rentenversicherungsträger über die tatsächlich erhaltenen Entgelte und die Ursachen für die Diskrepanz zum gemeldeten Entgelt informieren."
Dem stimme ich voll und ganz zu! Dann brauchen Sie auch keine Anzeige erstatten. "Normalerweise" wird die DRV dann schon hellhörig werden.

MfG Rosanna