Insolvenzgeld

von
Fred

Dass mein Arbeitgeber finanzielle Schwierigkeiten hat, war gerüchteweise schon länger bekannt.
Im März gabs schon kein Geld mehr. Seit letzter Woche läuft ein Insolvenzverfahren.
In der Betriebsversammlung wurde gesagt, dass das Arbeitsamt Insolvenzgeld zahlen würde.
Zählt das für meine 45 Jahre? Oder kann ich oder muss ich solange ich Insolvenzgeld erhalte selbst was zur Rentenversicherung einzahlen. Ich bin 58 Jahre alt.
Wenn die zahlen: wie viel?
Danke für Antworten.

von
PeterT

Zitiert von: Fred
Dass mein Arbeitgeber finanzielle Schwierigkeiten hat, war gerüchteweise schon länger bekannt.
Im März gabs schon kein Geld mehr. Seit letzter Woche läuft ein Insolvenzverfahren.
In der Betriebsversammlung wurde gesagt, dass das Arbeitsamt Insolvenzgeld zahlen würde.
Zählt das für meine 45 Jahre? Oder kann ich oder muss ich solange ich Insolvenzgeld erhalte selbst was zur Rentenversicherung einzahlen. Ich bin 58 Jahre alt.
Wenn die zahlen: wie viel?
Danke für Antworten.

Wenn das AA das Insolvenzgeld übernimmt, übernimmt es auch die Sozialversicherungen icl. Rentenkasse. Selber einzahlen musst du nicht. Auf die 45 Jahre wird es Zeitlich angerechnet.

Die Höhe des Insolvenzgeldes richtet sich in der Regel nach dem letzten Nettogehalt. Obergrenze ist allerdings die Beitragsbemessungsgrenze für das ALG1.
Gezahlt wird rückwirkend für max 3 Monate.

von
Viktoria

Zu den vorigen Ausführungen möchte ich noch hinzufügen: Insolvenzgeld wird nur auf Antrag des Arbeitnehmers gezahlt. Wichtig ist, dass die Antragstellung fristgerecht erfolgt, da eine verspätete Antragstellung den Anspruch auf Zahlung des Insolvenzgeldes verfallen lässt (Ausschlussfrist). Der Antrag ist innerhalb von zwei Monaten nach Eintritt des Insolvenzereignisses zu stellen.
Das heisst, dass das Insolvenzverfahren eröffnet bzw. mangels Masse abgewiesen wurde. Allein der Antrag auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist nicht relevant. Darüber hinaus spielt auch der Zeitpunkt der Betriebseinstellung eine Rolle. Wurde bereits und von wem gekündigt?
Wenn alle Voraussetzungen vorliegen und für März 2019 bereits keine Zahlung erfolgt ist, könnte bis einschließlich Mai 2019 Anspruch auf Insolvenzgeld bestehen.
Vorsorglich würde ich als Arbeitnehmer (Gläubiger) nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens alle offenen Forderungen an den Arbeitgeber beim Insolvenzverwalter zur Tabelle anmelden.

von
rosebud

[quote=319324]
Wenn das AA das Insolvenzgeld übernimmt, übernimmt es auch die Sozialversicherungen icl. Rentenkasse. Selber einzahlen musst du nicht. Auf die 45 Jahre wird es Zeitlich angerechnet.
[quote]

Insolvenzgeld ist nicht versicherungs- und beitragspflichtig, die Agentur für Arbeit übernimmt insofern auch nicht die RV-Beiträge.

Für die Zeit des Insolvenzgeldbezuges muss Ihr Arbeitgeber bzw. der Insolvenzverwalter eine Meldung zur Sozialversicherung mit dem zustehenden Arbeitsentgelt (auch wenn es nicht mehr gezahlt wurde) abgeben.

Experten-Antwort

Entgeltersatzleistungen wegen Arbeitslosigkeit (z.B. Arbeitslosengeld I oder Insolvenzgeld) in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn werden gem. § 51 Abs. 3a Satz 1 Nr. 3, zweiter Halbsatz SGB VI dann zur Wartezeit von 45 Jahren angerechnet, wenn die Arbeitslosigkeit durch eine Insolvenz bedingt ist.
Insolvenzgeld ist eine Pflichtbeitragszeit, von Ihnen ist während des Bezugs selbst nichts bei uns einzuzahlen.
Insolvenzgeld wird rückwirkend gezahlt. Sie erhalten einmalig Insolvenzgeld für den Lohn, der für die letzten 3 Monate Ihres Arbeitsverhältnisses vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens aussteht.
In der Regel erhalten Sie Insolvenzgeld in der Höhe des Nettoverdienstes. Es umfasst Festgehalt, beziehungsweise Festlohn und unter bestimmten Voraussetzungen auch Gehalts- oder Lohnanteile (zum Beispiel Provisionen, Überstundenvergütung oder Weihnachtsgeld). Für Besserverdienende gibt es Obergrenzen, die je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen.

von
rosebud

Zitiert von: Experte/in
Insolvenzgeld ist eine Pflichtbeitragszeit, von Ihnen ist während des Bezugs selbst nichts bei uns einzuzahlen.

Auszug aus der Gemeinsamen Rechtlichen Arbeitsanweisung zu § 14 SGB IV (INS):

"Insolvenzgeld wird für Zeiten der Beschäftigung gezahlt, in denen Anspruch auf Arbeitsentgelt bestand, der Arbeitgeber aber zahlungsunfähig war. Das Insolvenzgeld ist weder beitragspflichtiges Arbeitsentgelt im Sinne des § 14 SGB IV noch zählt es zu den Sozialleistungen des § 3 Satz 1 Nummer 3 SGB VI.

Das Insolvenzgeld ist zwar steuerfrei nach § 3 Nummer 2 EStG, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das Insolvenzgeld wird in der Höhe des Nettoarbeitsentgelts gezahlt. Der Bezug von Insolvenzgeld wird den Rentenversicherungsträgern nicht gemeldet."

von
Fred

Danke für die zahlreichen Antworten. Allerdings sind diese widersprüchlich. Manche Antworten behaupten, dass Insolvenzgeld nicht für die Rente zählt und andere sagene widerrum dass an die Rentenversicherung was gezahlt wird.
Was ist denn jetzt richtig?
Gibt es ein Gesetz wo das regelt?

von
Richtig lesen und verstehen

Zitiert von: Fred
Danke für die zahlreichen Antworten. Allerdings sind diese widersprüchlich. Manche Antworten behaupten, dass Insolvenzgeld nicht für die Rente zählt und andere sagene widerrum dass an die Rentenversicherung was gezahlt wird.
Was ist denn jetzt richtig?
Gibt es ein Gesetz wo das regelt?

Was hat denn der Experte geschrieben? Die Antwort ist doch eindeutig.

von
Fred

Zitiert von: Richtig lesen und verstehen
Zitiert von: Fred
Danke für die zahlreichen Antworten. Allerdings sind diese widersprüchlich. Manche Antworten behaupten, dass Insolvenzgeld nicht für die Rente zählt und andere sagene widerrum dass an die Rentenversicherung was gezahlt wird.
Was ist denn jetzt richtig?
Gibt es ein Gesetz wo das regelt?

Was hat denn der Experte geschrieben? Die Antwort ist doch eindeutig.

Die Antwort war für mich nicht eindeutig. Sie hat mich eher verunsichert. Der Experte nannte eine Sonderregelung die für die letzten 2 Jahre vor der Rente. Ich habe aber geschrieben dass ich erst 58 bin. Er sagte auch, dass das eine Beitragszeit sei aber keine Beiträge zu zahlen seien. Und dann war da noch die Antwort von rosebud, der dem Experten widersprochen hat es würde nichts an die Rentenversicherung gemeldet werden auch andere Antwortgeber wie PeterT haben nur die Zahlung eines Nettolohns bestätigt. Gibt es eine Stelle die mir verbindlich sagen kann, wie es wirklich ist?

von
Viktoria

Hallo Fred,
die Insolvenzgeldstelle bei der zuständigen Agentur für Arbeit dürfte der richtige Ansprechpartner sein.
Schönen Abend

von
rosebud

Der Arbeitgeber/Insolvenzverwalter meldet das "entgangene" Arbeitsentgelt, wie es ohne Insolvenzereignis geflossen wäre. Die RV-Beiträge zahlt in der Praxis infolge der Insolvenz tatsächlich niemand mehr, aber der betroffene Arbeitnehmer wird - aus dem Sozialstaatsgedanken heraus - so gestellt, als wären Lohn/Gehalt und Beiträge regulär gezahlt worden.

Im Versicherungsverlauf erscheint der Zeitraum als "normale" Pflichtbeitragszeit wegen versicherungspflichtiger Beschäftigung!