Irgendwie ungerecht

von
Silke Gerber

Nachdem mein Sohn nach dem Studium nur viereinhalb Jahre gearbeitet hatte, wurde eine chronische Erkrankung diagnostiziert. Es war klar, dass die Krankheit leider schnell fortschreiten würde. Er arbeitete danach noch gut zweieinhalb Jahre in Vollzeit, danach, aufgrund der Erkrankung ein halbes Jahr in Teilzeit weiter. Dann war er ein halbes Jahr krankgeschrieben und stellte währenddessen einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente. Im Ganzen hat er also siebeneinhalb Jahre gearbeitet und Pflichtbeiträge bezahlt. Aber weil er sehr gut verdient hat, war das nicht wenig.

Der Tag, an dem die Klinik damals im Entlassungsbrief die Diagnose gestellt hat, ist jetzt für die Rentenversicherung der Eintritt der vollen Erwerbsminderung.
So hat er jetzt aber davor nur viereinhalb Jahre Pflichtbeiträge und bekommt keine Rente. Es wäre zwar sicher nicht viel nach so kurzer Zeit, aber es wurmt mich doch.

Als Einzelfall klingt das ja vielleicht gerecht, dass man nur Geld kriegt, wenn man genug Beiträge bezahlt hat. Aber es zahlen doch andere jahrzehntelang und sterben kurz vor dem Rentenalter. In meiner Familie kam das oft vor.

Ich frage mich jetzt auch, warum ist bei progredienten chronischen Erkrankungen schon der Tag der Diagnose gleichzeitig der Beginn der vollen Erwerbsminderung? Eigentlich hat er doch danach noch drei Jahre gearbeitet. Die Rentenversicherung ist doch nicht wie eine Lebensversicherung, wo man, wenn man schwere Krankheiten verschweigt, dann später kein Geld bekommt.

von
Barbara

Hallo,

ich bin Mutter und es tut mir sehr Leid! Waren Sie schon bei der Dt. Rentenversicherung um die Entgeldpunkte, etc. zusammenrechnen zu lassen?

Beginn der Krankheit = Beginn der Erwerbsminderung in einer Rentensache klingt für mich auch komisch. Aber ich bin hier auch nur am fragen.

Ich denke, die zu wenigen Jahre liegen eher daran, dass Teilzeit , Studium-, Schul- und nicht als volle, sondern nur als halbe Jahre, Bewertungspunkte berechnet werden. War er auch im Zivildienst oder Bundeswehr?

Ich bin gespannt, was die Experten antworten! Alles Gute ihrem Sohn und Ihnen auch!
Barbara

von
Sozialrechtler

Zitiert von: Silke Gerber

Nachdem mein Sohn nach dem Studium nur viereinhalb Jahre gearbeitet hatte, wurde eine chronische Erkrankung diagnostiziert. Es war klar, dass die Krankheit leider schnell fortschreiten würde. Er arbeitete danach noch gut zweieinhalb Jahre in Vollzeit, danach, aufgrund der Erkrankung ein halbes Jahr in Teilzeit weiter. Dann war er ein halbes Jahr krankgeschrieben und stellte währenddessen einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente. Im Ganzen hat er also siebeneinhalb Jahre gearbeitet und Pflichtbeiträge bezahlt. Aber weil er sehr gut verdient hat, war das nicht wenig.

Der Tag, an dem die Klinik damals im Entlassungsbrief die Diagnose gestellt hat, ist jetzt für die Rentenversicherung der Eintritt der vollen Erwerbsminderung.
So hat er jetzt aber davor nur viereinhalb Jahre Pflichtbeiträge und bekommt keine Rente. Es wäre zwar sicher nicht viel nach so kurzer Zeit, aber es wurmt mich doch.

Als Einzelfall klingt das ja vielleicht gerecht, dass man nur Geld kriegt, wenn man genug Beiträge bezahlt hat. Aber es zahlen doch andere jahrzehntelang und sterben kurz vor dem Rentenalter. In meiner Familie kam das oft vor.

Ich frage mich jetzt auch, warum ist bei progredienten chronischen Erkrankungen schon der Tag der Diagnose gleichzeitig der Beginn der vollen Erwerbsminderung? Eigentlich hat er doch danach noch drei Jahre gearbeitet. Die Rentenversicherung ist doch nicht wie eine Lebensversicherung, wo man, wenn man schwere Krankheiten verschweigt, dann später kein Geld bekommt.

Suchen Sie einen Rechtsanwalt oder eine Geschäftsstelle eines Sozialverbandes auf.

Die werden Ihnen bzw. Ihrem Sohn gegen die Willkür helfen.

von
chris

Da ist etwas gar nicht korrekt abgelaufen.

Eine volle Erwerbsminderung kann nicht rückwirkend festgestellt werden, wenn anschließend noch gearbeitet wurde. Das Datum der Prognose, dass einmal eine Erwerbsminderung eintreten wird, ist keineswegs relevant.

Es stimmt, dass eine sogenannte Wartezeit von mindestens fünf Jahren Pflichtbeitragszahlungen zur Rentenversicherung vor Eintritt der Erwerbsminderung notwendig sind, um Anspruch auf Erwerbsminderungsrente zu erhalten. Bei Ihrem Sohn müssen jedoch die Beiträge der gesamten Arbeitszeit bis zu seiner Krankmeldung anerkannt werden, direkt davor kann er höchstens ein halbes Jahr lang teilerwerbsgemeindert gewesen sein. Er hat also durchaus einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.

Ihr Sohn sollte unbedingt dem ablehnenden Rentenbescheid widersprechen.
Zudem wäre es ratsam den Versicherungsverlauf zu überprüfen.

Die Berechnung der Höhe der Erwerbsminderungsrente beruht übrigens nicht auf den Beitragsjahren, sondern auf dem letzten Bruttoeinkommen vor Eintritt der Erwerbsminderung.

von
:-(

oh Chris, so viel Müll in einer Antwort. Du solltes es mit Dieter Nuhr halten!

von
hegehosa

Guten Morgen,
sollte Ihr Sohn voll erwerbsgemindert sein, besteht die Möglichkeit, dass die allgemeine Wartezeit vorzeitig erfüllt ist.
Nach § 53 Abs. 2 SGB VI ist die allgemeine Wartezeit u.a. vorzeitig erfüllt, wenn der Versicherte vor Ablauf von 6 Jahren nach Beendigung einer Ausbildung (hierzu zählt auch ein Studium) voll erwerbsgemindert wurde und in den letzten 2 Jahren vorher mindestens 1 Jahr Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung gezahlt hat.

Nach Ihren Schilderungen könnten diese Voraussetzungen erfüllt sein. Gilt aber wie gesagt nur bei voller Erwerbsminderung.

von
...

Nehmen Sie den Bescheid und gehen Sie umgehend in eine Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung in Ihrer Nähe. Dort können Sie sich den Bescheid ausführlich erläutern lassen es kann geprüft werden, ob die bereits angesprochene vorzeitige Wartezeit erfüllt ist. In dem Fall kann der/die Berater/in auch direkt den Widerspruch mit einer entsprechenden Begründung aufnehmen.

Experten-Antwort

Gegen den Bescheid sollten Sie Widerspruch einlegen.

§ 53 Abs. 2 SGB VI:

"Die allgemeine Wartezeit ist auch vorzeitig erfüllt, wenn Versicherte vor Ablauf von sechs Jahren nach Beendigung einer Ausbildung voll erwerbsgemindert geworden oder gestorben sind und in den letzten zwei Jahren vorher mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit haben. Der Zeitraum von zwei Jahren vor Eintritt der vollen Erwerbsminderung oder des Todes verlängert sich um Zeiten einer schulischen Ausbildung nach Vollendung des 17. Lebensjahres bis zu sieben Jahren."

von
Volker

Ob die allgemeine Wartezeit wirklich nicht erfüllt wurde oder vorzeitige Waretzeit erfüllt ist, kann man anhand ihrer Angaben und ohne genaue Kenntnisse des Einzelfalles natürlich nicht sagen. Das ist reine Spekulation. Hier muss man die Unterlagen und bzw. Zeiten im Einzelnen sichten.

Wenn die RV aber eine Rente alleine aus versicherungstechnischen Gründen ablehnt, hat die RV dies genau geprüft und ist sich ihrer Sache auch sehr sicher...

Trotz alledem sollten Sie sich auf jeden Fall beraten lassen und eine unabhängige Zweitmeinung dazu einholen. Ob dies bei einer Beratungstelle der RV machbar wäre ??

Persönlich würde ich deshalb einen Fachanwalt für Sozialrecht zu Rate ziehen und mich auch gegeb. gleich gegenüber der RV vertreten lassen.

Was außerdem dringend noch einmal geklärt bzw. hinterfragt werden muss, ist der Tag der Eintritts der Erwerbsminderung. Hiervon hängt ja auch viel ab.

Natürlich liegt dies in der Entscheidung des med. Dienstes der RV diesen Tag zu bestimmen, aber in Frage stellen kann man den Tag in ihrem Falle schon. Es ist dann Sache des Anwaltes zu versuchen, das der Tag des Eintritts der EM verlegt wird.

Zumindest ein Widerspruchsverfahren ( wenn Sie sich noch in der Widerspruchsfrist befinden ) wird dazu notwendig sein. Womöglich danach sogar noch ein Verfahren vor dem Sozialgericht.

Einen Versuch ist es allemal wert. Es hängt ja viel davon ab.

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