Jahrgang 1967 – Abbruch Gamnasium nach der 11. Klasse und im Anschluss 4 Jahre als arbeitssuchend gemeldet

von
Lola Lustig

Folgend ein Fallbeispiel:

Lola Lustig – Jahrgang 1967 – hat das Gymnasium nach der 11. Klasse als volljährige abgebrochen. Direkt im Anschluss war sie 4 Jahre beim Arbeitsamt als arbeitssuchend gemeldet. Vom Arbeitsamt hat sie jedoch keine Geldleistungen weil sie zuvor noch niemals gearbeitet hat. Geld erhielt sie in dieser Zeit ausschliesslich vom Sozialamt.

Frage:

Inwiefern werden derartige Zeiten bei der Berechnung der Rente berücksichtigt?

von
Erwin Lottemann

Zitiert von: Lola Lustig
Folgend ein Fallbeispiel:

Lola Lustig – Jahrgang 1967 – hat das Gymnasium nach der 11. Klasse als volljährige abgebrochen. Direkt im Anschluss war sie 4 Jahre beim Arbeitsamt als arbeitssuchend gemeldet. Vom Arbeitsamt hat sie jedoch keine Geldleistungen weil sie zuvor noch niemals gearbeitet hat. Geld erhielt sie in dieser Zeit ausschliesslich vom Sozialamt.

Frage:

Inwiefern werden derartige Zeiten bei der Berechnung der Rente berücksichtigt?

Wenn Sie die Antwort darauf bekommen, heißen Sie nicht mehr Lola Lustig

von
Trula Traurig

1) wird sich rentenrechtlich nicht auswirken - warum auch? Wenn eine junge Frau zwischen 18 und 22 hätte Rentenbeiträge haben wollen, hätte sie sich halt um Arbeit bemühen müssen und irgendwas arbeiten.

2) in der Praxis gibt es das nicht, dass jemand in diesem Alter von 1985 bis 1989 durchgehend ohne Leistung arbeitslos gemeldet war und es nicht gelungen ist irgendeinen Job zu finden.
Wenn, war die junge Dame Lola Lustig "4 Jahre auf Sozialhilfe" und das ist keine rentenrechtliche Zeit. Im Rentenfall wird sich der Künstername dann in Lola Unlustig o.ä. verändern.

3) ein erbärmlich schlecht konstruierter Testfall.

von
Berater

Wenn Sie beim Arbeitsamt gemeldet war, wird es sich um eine Anrechnungszeit handeln, wenn die Zeit vor dem vollendeten 25. Lebensjahr liegt. Diese kann dann für die Wartezeit von 35 Jahren angerechnet werden. Eine Bewertung für die Rentenhöhe erfolgt nicht.

Experten-Antwort

Hallo Lola Lustig,
Zeiten der schulischen Ausbildungszeiten ab dem 17. Lebensjahr und Zeiten der Meldung bei der Agentur für Arbeit ohne Leistungsbezug zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr sind grundsätzlich Anrechnungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Anrechnungszeiten sind Zeiten, in denen Versicherte
zwar keine Beiträge gezahlt haben (beitragsfreie Zeiten),
die aber dennoch für die Wartezeit von 35 Jahren, für
bestimmte Anspruchsprüfungen und für die Rentenberechnung berücksichtigt werden.

von
Lola Lustig

Zitiert von: Experte/in
Hallo Lola Lustig,
Zeiten der schulischen Ausbildungszeiten ab dem 17. Lebensjahr und Zeiten der Meldung bei der Agentur für Arbeit ohne Leistungsbezug zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr sind grundsätzlich Anrechnungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Anrechnungszeiten sind Zeiten, in denen Versicherte
zwar keine Beiträge gezahlt haben (beitragsfreie Zeiten),
die aber dennoch für die Wartezeit von 35 Jahren, für
bestimmte Anspruchsprüfungen und für die Rentenberechnung berücksichtigt werden.

Inwiefern würden denn diese 4 Jahre der Arbeitslosigkeit bei der Rentenberechnung miteinfliessen? Würde sich die Rente dadurch wesentlich erhöhen?

von
Jonny

Zitiert von: Lola Lustig
Zitiert von: Experte/in
Hallo Lola Lustig,
Zeiten der schulischen Ausbildungszeiten ab dem 17. Lebensjahr und Zeiten der Meldung bei der Agentur für Arbeit ohne Leistungsbezug zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr sind grundsätzlich Anrechnungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Anrechnungszeiten sind Zeiten, in denen Versicherte
zwar keine Beiträge gezahlt haben (beitragsfreie Zeiten),
die aber dennoch für die Wartezeit von 35 Jahren, für
bestimmte Anspruchsprüfungen und für die Rentenberechnung berücksichtigt werden.

Inwiefern würden denn diese 4 Jahre der Arbeitslosigkeit bei der Rentenberechnung miteinfliessen? Würde sich die Rente dadurch wesentlich erhöhen?

Sie würden dadurch „einfliessen“ in dem sie vom Gesamtzeitraum „abgesetzt“ werden!
Was verstehen Sie denn unter „wesentlich“? Wie hoch ist denn Rente ohne die „Erhöhung“?

Experten-Antwort

Guten Morgen Lola,
Zeiten der Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug erhalten keine direkten Entgeltpunkte zur Ermittlung des Monatsbetrags der Rente.
Die Anrechnungszeiten wegen Arbeitslosigkeit können sich aber bei der Bewertung weiterer Anrechnungszeiten ( z. B. Fachschulzeiten) indirekt auf die Rentenhöhe auswirken.

von
Lola Lustig

Zitiert von: Experte/in
Guten Morgen Lola,
Zeiten der Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug erhalten keine direkten Entgeltpunkte zur Ermittlung des Monatsbetrags der Rente.
Die Anrechnungszeiten wegen Arbeitslosigkeit können sich aber bei der Bewertung weiterer Anrechnungszeiten ( z. B. Fachschulzeiten) indirekt auf die Rentenhöhe auswirken.

Nachfolgend habe ich einmal die Erwerbsbiografie von Lola unter Berücksichtigung des Datenschutzes aufgeführt.
Würde sich dort die Arbeitslosigkeit von 1985-1989 in irgendeiner Form indirekt auf die Rentenhöhe auswirken?

bis 1985: Gymnasium (abgebrochen nach der 11. Klasse als volljährige)

1985-1989: Arbeitlos (ohne Geldleistungen vom Arbeitsamt sondern vom Sozialamt)

1989-1990: ABM (Arbeitsbeschaffungsmassnahme in Vollzeit vermittelt vom Arbeitsamt)

1990-1992: Arbeitslos (Geldleistungen vom Arbeitsamt)

1992-1994: Umschulung zur Tischlerin (finanziert vom Arbeitsamt)

1994-heute: Arbeit (Vollzeit)

von
senf-dazu

Zitiert von: Lola Lustig
...
Würde sich dort die Arbeitslosigkeit von 1985-1989 in irgendeiner Form indirekt auf die Rentenhöhe auswirken?

Wie die/der Expert*in schin schrieb, gibt es bei Anrechnungszeiten keine direkte Auswirkung auf die Rentenhöhe.
Es wird quasi im letzten Schritt der Rentenberechnung noch einmal geschaut, welche Anrechnungszeiten vorliegen und mit welchem Prozentsatz des Gesamtleistungswertes sie berwertet werden können. Ob und in welchem Maße sich dadurch die Rente erhöht, hängt also auch von Gesamtleistungswert (dem Durchschnitt des Versicherungslebens) ab,

Zitiert von: Lola Lustig

bis 1985: Gymnasium (abgebrochen nach der 11. Klasse als volljährige)

... Ausbildungszeit ab dem 17. Lebensjahr bis zum Ende der Schule zählt als Anrechnungszeit

Zitiert von: Lola Lustig

1985-1989: Arbeitlos (ohne Geldleistungen vom Arbeitsamt sondern vom Sozialamt)

Wenn eine Meldung beim Arbeitsamt vorlag (Nachweis?), dann zählt sies (wie schon oben erwähnt) auch als Anrechungszeit, vor dem 25. Lebensjahr muss durch diese Arbeitslosigkeit keie versicherte Beschäftigung unterbrochen werden. Geht diese Zeit über den 25. Geburtstag hinaus, ist nicht der gesamte Zeitraum als Anrechnungszeit zu betrachten.
Zitiert von: Lola Lustig

1989-1990: ABM (Arbeitsbeschaffungsmassnahme in Vollzeit vermittelt vom Arbeitsamt)

Dabei wird es vermutlich einen Lohn (und Beiträge zur Rentenversicherung) gegeben haben, insofern Beitragszeit, aber parallel zur Arbeitslosigkeit (Nachweis?), daher beitragsgeminderte Zeit, d.h. dass der vermutlich geringe Lohn sich nicht negativ auf den Gesamtleistungswert auswirkt.
Zitiert von: Lola Lustig

1990-1992: Arbeitslos (Geldleistungen vom Arbeitsamt)

Nachweis liegt vor? Auch hiervon wurden Rentenbeiträge gezahlt, die Bewertung unterscheidet sich wegen einer Gesetzesänderung je nach Jahr: 1990/91 Anrechnungszeit, 1992 Pflichtbeitragszeit
Zitiert von: Lola Lustig

1992-1994: Umschulung zur Tischlerin (finanziert vom Arbeitsamt)

Kann als Zeit der Arbeitslosigkeit oder Ausbildung parallel zu Beitragszeit (wurden Rentenbeiträge gezahlt?) bewertet werden, hängt von den Unterlagen dazu ab.
Zitiert von: Lola Lustig

1994-heute: Arbeit (Vollzeit)

Pflichtbeitragszeit

Wenn zu den ganzen Alo-Zeiten die passenden Nachweise (Schriftstücke der Agentur für Arbeit) vorliegen, dann kann das denke ich problemlos bearbeitet werden.
Wenn diese Zeiten nicht nachgewiesen werden können, handelt es sich möglicherweise um Lücken im Versicherungsverlauf, die dann den Gesamtleistungswert reduzieren können und dadurch zur geringeren Bewertung nachgewiesener Anrechnugszeiten führen können.
Reicht das als Info nun aus?

von
Thorsten Traurig

Zitiert von: senf-dazu
Zitiert von: Lola Lustig
...
Würde sich dort die Arbeitslosigkeit von 1985-1989 in irgendeiner Form indirekt auf die Rentenhöhe auswirken?

Wie die/der Expert*in schin schrieb, gibt es bei Anrechnungszeiten keine direkte Auswirkung auf die Rentenhöhe.
Es wird quasi im letzten Schritt der Rentenberechnung noch einmal geschaut, welche Anrechnungszeiten vorliegen und mit welchem Prozentsatz des Gesamtleistungswertes sie berwertet werden können. Ob und in welchem Maße sich dadurch die Rente erhöht, hängt also auch von Gesamtleistungswert (dem Durchschnitt des Versicherungslebens) ab,

Zitiert von: Lola Lustig

bis 1985: Gymnasium (abgebrochen nach der 11. Klasse als volljährige)

... Ausbildungszeit ab dem 17. Lebensjahr bis zum Ende der Schule zählt als Anrechnungszeit

Zitiert von: Lola Lustig

1985-1989: Arbeitlos (ohne Geldleistungen vom Arbeitsamt sondern vom Sozialamt)

Wenn eine Meldung beim Arbeitsamt vorlag (Nachweis?), dann zählt sies (wie schon oben erwähnt) auch als Anrechungszeit, vor dem 25. Lebensjahr muss durch diese Arbeitslosigkeit keie versicherte Beschäftigung unterbrochen werden. Geht diese Zeit über den 25. Geburtstag hinaus, ist nicht der gesamte Zeitraum als Anrechnungszeit zu betrachten.
Zitiert von: Lola Lustig

1989-1990: ABM (Arbeitsbeschaffungsmassnahme in Vollzeit vermittelt vom Arbeitsamt)

Dabei wird es vermutlich einen Lohn (und Beiträge zur Rentenversicherung) gegeben haben, insofern Beitragszeit, aber parallel zur Arbeitslosigkeit (Nachweis?), daher beitragsgeminderte Zeit, d.h. dass der vermutlich geringe Lohn sich nicht negativ auf den Gesamtleistungswert auswirkt.
Zitiert von: Lola Lustig

1990-1992: Arbeitslos (Geldleistungen vom Arbeitsamt)

Nachweis liegt vor? Auch hiervon wurden Rentenbeiträge gezahlt, die Bewertung unterscheidet sich wegen einer Gesetzesänderung je nach Jahr: 1990/91 Anrechnungszeit, 1992 Pflichtbeitragszeit
Zitiert von: Lola Lustig

1992-1994: Umschulung zur Tischlerin (finanziert vom Arbeitsamt)

Kann als Zeit der Arbeitslosigkeit oder Ausbildung parallel zu Beitragszeit (wurden Rentenbeiträge gezahlt?) bewertet werden, hängt von den Unterlagen dazu ab.
Zitiert von: Lola Lustig

1994-heute: Arbeit (Vollzeit)

Pflichtbeitragszeit

Wenn zu den ganzen Alo-Zeiten die passenden Nachweise (Schriftstücke der Agentur für Arbeit) vorliegen, dann kann das denke ich problemlos bearbeitet werden.
Wenn diese Zeiten nicht nachgewiesen werden können, handelt es sich möglicherweise um Lücken im Versicherungsverlauf, die dann den Gesamtleistungswert reduzieren können und dadurch zur geringeren Bewertung nachgewiesener Anrechnugszeiten führen können.
Reicht das als Info nun aus?

Damit dürfte die Prüfungsfrage beantwortet sein.

von
W°lfgang

Zitiert von: Thorsten Traurig
(...)

Nachgefragt:

Ist hier die reine Alo-Meldung nach Schulende ("ich geh da mal hin und melde mich für irgendwelche Arbeiten auf dem Arbeitsmarkt an") überhaupt Anrechnungszeit (da hier ohne Vor-Pflichtbeitragszeit) oder nur die spezielle Alo-Meldung zwecks _Ausbildungssuche_ zwischen 17.-25. Lbj. + das dann entsprechend auch nachzuweisen ist? ...und nur bei letzterem Sachverhalt als Anrechnungszeit mit den Folgewirkungen im VV zu erfassen wäre?

Hmm ...habe ich was verpasst, oder bin ich nicht mehr auf dem neuesten rechtlichen Stand?

Gruß
w.

von
Kuka

Zitiert von: W°lfgang
Zitiert von: Thorsten Traurig
(...)

Nachgefragt:

Ist hier die reine Alo-Meldung nach Schulende ("ich geh da mal hin und melde mich für irgendwelche Arbeiten auf dem Arbeitsmarkt an") überhaupt Anrechnungszeit (da hier ohne Vor-Pflichtbeitragszeit) oder nur die spezielle Alo-Meldung zwecks _Ausbildungssuche_ zwischen 17.-25. Lbj. + das dann entsprechend auch nachzuweisen ist? ...und nur bei letzterem Sachverhalt als Anrechnungszeit mit den Folgewirkungen im VV zu erfassen wäre?

Hmm ...habe ich was verpasst, oder bin ich nicht mehr auf dem neuesten rechtlichen Stand?

Gruß
w.

hmmmm W°olfgang,
was wäre mit der GRA zum § 58 SGB VI: Anrechnungszeiten Unterpunkt 3.5 Anschlusswahrende Tatbestände (Überbrückungstatbestände) Unterpunkt B) Arbeitslosigkeit (objektive/subjektive Arbeitslosigkeit im Sinne des §58 Abs.1 Satz 1 SGB III) ?

von
senf-dazu

Moin W°lfgang!

Meine Ansicht nach spielt hier der §58 (2) SGB VI i.V.m. dem Absatz 1 Nr. 3a eine Rolle.

Absatz 1 sagt "Anrechnungszeiten sind Zeiten, in denen Versicherte ...
3a. nach dem vollendeten 17. Lebensjahr mindestens einen Kalendermonat bei einer deutschen Agentur für Arbeit oder einem zugelassenen kommunalen Träger nach § 6a des Zweiten Buches als Ausbildungsuchende gemeldet waren, soweit die Zeiten nicht mit anderen rentenrechtlichen Zeiten belegt sind, ..."

und in Absatz 2 lese ich "Anrechnungszeiten nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 bis 3a liegen nur vor, wenn ... unterbrochen ist; dies gilt nicht für Zeiten nach Vollendung des 17. und vor Vollendung des 25. Lebensjahres."

Also sollte die fehlende Unterbrechung vor dem 25. Lebensjahr keine Rolle spielen.
Oder missverstehe ich das?

von
Lola Lustig

Wo müsste Lola Lustig die Zeiten im Formular V0410 eintragen?

Unter Punkt 4.1 oder Punkt 6 oder beiden Punkten?

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