Je später in Rente um so mehr Steuern muß man zahlen ?

von
Markus Wolf

Hallo !
Heute haben wir über Mittag über die Rente gesprochen.
So mancher entpuppte sich als Experte.
Stimmt es, daß seit 2005 der Satz der von der Rente versteuert werden muß, jährlich um 2% steigt ?
Also im Umkehrschluß, je später man in Rente geht um so mehr wird von der Rente steuerpflichtig ?
Gibt es da eine Tabelle, ab wann dann die ganze Rente zu 100% versteuert werden muß ?

Danke.
Markus Wolf

von
Markus Wolf

Noch etwas eingefallen.
Dann wurde auch noch gesagt, daß der steuerliche Altersentlastungsbetrag genau so jährlich reduziert wird und in einigen Jahren bei Null sein soll.
Stimmt das auch ?

von
Manfred D.l

Wenn du bei Google ein paar geeignete Stichworte eingibst, wirst du schnell fündig.

von
Herz1952

Hallo Markus Wolf,

am besten bei Wikipedia nachsehen unter dem Stichwort "Rentenbesteuerung". Dort sind die Stufen beschrieben.

Hinweis: Der Freibetrag in Euro ändert sich nach dem Rentenbezug nicht. Erhöhungen werden dem zu versteuernden Rentenbetrag zugeschlagen.

Es gibt auch ein Stichwort Steuerentlastungsbetrag mit Hinweis auf eine Tabelle im Einkommensteuergesetz.

Herz1952

von
Markus Wolf

Danke, ja ich habe was gefunden und es stimmt tatsächlich was mein Kollege sagte.

http://helfer-in-steuersachen.de/index.php/steuertipps/89-teil-07/371-tipp-847-2-je-früher-in-rente,-desto-niedriger-die-steuer.html

Da schneidet man sich ja ins eigene Fleisch, wenn man später in Rente geht.
Frühestmöglicher Termin ist somit am günstigsten.
2% Steuern pro Jahr mehr Steuern und noch weniger Altersentlastungsfreibetrag, so einen Zinssatz bekommt man heute nirgendwo mehr.

von
Herz1952

Hallo Markus,

der Haken: Prozentual gesehen wir der zu versteuernde Betrag höher, der Freibetrag niedriger.

Der Freibetrag in E U R O bleibt gleich und erhöht sich somit nicht.

Es sind auch nicht 2 % weniger Steuern, sondern 2 % am Anfang weniger zu versteuern. Solange man unter dem Gesamt Steuer-Freibetrag bleibt, hat es gar keine Auswirkung, darüber wirkt wahrscheinlich der Entlastungs-Freibetrag dagegen.

Russische Rubel werden z. Zt. höher verzinst. Nur rollt der Rubel runter.

Herz1952

von
Höret, höret

Und die jährlichen Rentenanpassungen sind aber wie Neurenten zu behandeln.

Was bedeudet, daß dann auch zunehmend die jährlichen Rentenanpassungen (so mickrig sie auch ausfallen) für die Poltiker linke Tasche/rechte Tasche-Geschäfte sind.

von
W*lfgang

Zitiert von: Markus Wolf
Da schneidet man sich ja ins eigene Fleisch, wenn man später in Rente geht.
Markus Wolf,

wenn man mal weiter drüber nachdenkt, ist das Quatsch.

1. Weitere Beitragszeiten erhöhen den Rentenanspruch.

2. Späterer Rentenbeginn heißt weniger/kein Abschlag.

3. Bis Rentenbeginn noch volle Kohle vom Arbeitgeber, statt 'etwas' kleinere Rente.

...in der Summe dieser 'zusätzlichen Einkünfte/später höhere Rente' schluckt das das Finanzamt mit später erhöhtem steuerpflichtigem Rententeil niemals weg. Fragen Sie Ihre 'Experten', die kennen sich ja aus ...und gehen lieber früher mit vielleicht 1500 EUR Rente nach Haus, als 3000 EUR vom Arbeitgeber noch länger mitzunehmen - nur um Steuern zu sparen ;-)

Gruß
w.

von Experte/in Experten-Antwort

Seit dem 1.1.2005 ist die steuerrechtliche Behandlung von Aufwendungen für die Altersvorsorge einerseits - also z.B. der Rentenversicherungsbeiträge - und der sich daraus ergebenden Alterseinkünfte andererseits - hier insbesondere der Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung - neu geregelt worden. Beitragszahler können ihre Rentenversicherungsbeiträge als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag absetzen, zunächst anteilig und ab 2025 voll. Dies führt im Laufe der Jahre zu einer steigenden Entlastung der Beitragszahler. Im Gegenzug werden Renten in Abhängigkeit vom Jahr des Rentenbeginns stärker und ab dem Rentenzugang 2040 voll steuerpflichtig.

Rentnerinnen und Rentner müssen einen vom Jahr des Beginns der Rente abhängigen Prozentsatz ihrer Bruttorente (vor Abzug von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung) als steuerpflichtiges Einkommen ansetzen (z.B. 2014: 68%). Der verbleibende Betrag ist der steuerfreie Teil der Rente (2014: 32%) und wird ab dem Folgejahr des Rentenbeginns für die gesamte Laufzeit der Rente festgeschrieben. Die Beträge, um die sich danach die Rente infolge einer gesetzlichen Rentenanpassung erhöht, werden in voller Höhe dem steuerpflichtigen Betrag zugerechnet. Für Rentenbezieher (am 31.12.2004) gilt ungeachtet ihres bisherigen Ertragsanteil ab 2005 dauerhaft ein Besteuerungsanteil von 50%.

Der Besteuerungsanteil beträgt für Renten mit Rentenbeginn 2005 (bzw. vor 2005) 50% und steigt bis zum Jahr 2020 jährlich um 2%, ab 2020 steigt der Prozentsatz jährlich um 1%. Bei Rentenbeginn im Jahre 2040 ist der Besteuerungsanteil von 100% erreicht.

Weitere Infos dazu finden Sie auch in unserer Broschüre "Versicherte und Rentner: Informationen zum Steuerrecht":
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/
5_Services/03_broschueren_und_mehr/01_broschueren/01_national/
versicherte_und_rentner_info_zum_steuerrecht.pdf?__blob=publicationFile&v=21

Auf Seite 8 der Broschüre finden Sie die steuerliche Entlastung der Arbeitnehmerbeiträge zur Rentenversicherung und auf Seite 20 die Prozentsätze zur Besteuerung von gesetzlichen Renten.

Der Altersentlastungsbetrag wird ab 2005 Jahr für Jahr bis 2040 schrittweise von 40% auf 0% abgebaut. Die Tabelle dazu finden Sie in der oben genannten Broschüre auf Seite 30.

von
Zukunftsrat

Zitiert von: Markus Wolf

Der Besteuerungsanteil beträgt für Renten mit Rentenbeginn 2005 (bzw. vor 2005) 50% und steigt bis zum Jahr 2020 jährlich um 2%, ab 2020 steigt der Prozentsatz jährlich um 1%. Bei Rentenbeginn im Jahre 2040 ist der Besteuerungsanteil von 100% erreicht.

Das ist zwar nicht neu, sondern seit 2005 so im Gesetz.

Im Umkehrschluss heißt das natürlich für alle Jahrgang 1973 und jünger, d.h. Renteneintritt mit 67 ab 2040, dass alle Rentenbestandteile zu 100% steuerpflichtig sein werden.

Die Neuordnung der Rentenbesteuerung 2005 mit Einführung der o.g. "nachgelagerten Besteuerung" war aufgrund von Urteilen des Bundesverfassungsgerichts notwendig geworden, u.a. war zuvor eine eventuelle Doppelbesteuerung in der Beitragszeit und der Rentenbezugszeit bemängelt worden.

Dieses Problem hat der Gesetzgeber 2005 leider nicht gelöst, sondern für die Generation ab den Siebziger Jahrgängen noch verschärft. Denn diese Generation darf heute im Erwebsleben eben gerade NICHT 100% der Rentenbeiträge von der Steuer absetzen, sondern derzeit irgendwas zwischen 70 und 80%, erst ab 2025 darf alles abgesetzt werden.

Was für diese Generation unweigerlich wiederum zu einer verfassungswidrigen Doppelbesteuerung führt.

Die höchstrichterlichen Urteile bisher (ja, ein paar haben sich schon beschwert) sagen, dass in der Beitragszahlung ja noch keine Doppelbesteuerung vorliegen kann (richtig, eh klar!) und dass früher oder später (so ab ca. 2030) mit Klagen der dann rentenbeziehenden, doppelt besteuerten Betroffenen zu rechnen sein wird.

Schade, dass der Gesetzgeber die Betroffenen in Gerichtsverfahren bis vors Verfassungsgericht zwingt. Mit einem Gesetz, das vor offensichtlichen Denkfehlern nur so strotzt.

von
Freddy

Folgenden Hinweis habe ich bei Steuertipps gefunden:
"Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die Bewilligung einer Rente, sollten Sie auch dann einen Antrag stellen, wenn klar ist, dass Sie wegen Ihrer anzurechnenden Einkünfte derzeit keinen Euro erhalten. Denn mit der Bewilligung der Rente sichern Sie sich den früheren Rentenbeginn und damit auch den günstigeren Besteuerungsanteil, falls Sie später aus dieser Rente doch Zahlungen erhalten."
Frage an die Rentenversicherung:
1. Ich habe Anspruch auf die Rente mit 63 ab 11/2015 (45 VS Jahre). Kann ich den Rentenantrag stellen obwohl ich voll weiter arbeiten und dann 0€ Rente erhalten würde?
2. Werden dann vom meinem Lohn weiter Rentenbeiträge eingezahlt, die sich auf meine Entgeltpunkte auswirken?