Kein höherer Auszahlungsbetrag der Rente auch nach 25 Jahren

von
Wolfgang Adomeit

Meine Tante ist 1980, einen Monat vor Erreichen der Altersgrenze mit 60 in Rente gegangen und bezog Invalidenrente. Sie erhielt 610 Mark. Nach der Wende waren es 610 DM. Heute nach 25 Jahren beträgt ihre monatliche Rente 328 Euro, nun nach der Erhöhung in diesem Jahr 327 Euro.
Die Rentenversicherung Bund erklärte mir, dass dieses mit dem Auffüllungsbetrag zusammenhängt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand nach 25 Jahren noch immer den gleichen monatlichen Rentenbetrag erhält, wie zum Zeitpunkt der Wende. Sie hat in der DDR einen Anerkennung von 32 Berufsjahren gehabt. Sie hat, wie sie sagt, zum überwiegenden Teil gut verdient, 425 Mark im Monat. Allerdings war sie in den letzten Jahren vor Renteneintritt krank und hat nur Heimarbeit gemacht.
Ad

von
P.

Die Erklärung macht Sinn, den es findet eine Vergleichsberechnung statt.
Die Rente aus der DDR wird von der Höhe so lange weitergezahlt, bis die Zeiten nach dem BRD-Recht (Sozialgesetzbuch - Sechstes Buch) einen höheren Zahlbetrag ergeben würde.

von
Frage

Nur eine Frage:
Hat Ihre Tante je in die DRV EINGEZAHLT??
Nur "gut verdienen" in einem anderen Land reicht nicht.
Wie sagte schon Herr Blüm:
Jeder bekommt die Rente, für die er EINGEZAHLT hat.

von
Wolfgang Adomeit

Da meine Tante bereits im Juli 1984 in der früheren DDR verrentet wurde, hat sie keine Beiträge in die DRV geleistet.
Ihr Rentenbescheid ist ausgestellt von: Freier deutscher Gewerkschaftsbund und Verwaltung der Sozialversicherung. Der Rentenbescheid belief sich auf über 610 Mark.
Die jetzige Rente ist aufgesplittet in 170 Euro Rente und 167 Euro Auffüllbetrag. Bei einer Umstellung 1:1, wie es bei der Wende erfolgt ist, hätte die Rente deutlich höher als 170 Euro sein müssen, zumindest für mein naives Rentenverständnis und Auslegung der politischen Aussagen. Was der Auffüllbetrag in der derzeit gezahlten Rente zu suchen hat, und womit er begründet wird, weiß ich leider nicht.

von
Q.

Warum lesen Sie nicht den Beitrag von P. durch?

Zitiert von: Wolfgang Adomeit

Da meine Tante bereits im Juli 1984 in der früheren DDR verrentet wurde, hat sie keine Beiträge in die DRV geleistet.
Ihr Rentenbescheid ist ausgestellt von: Freier deutscher Gewerkschaftsbund und Verwaltung der Sozialversicherung. Der Rentenbescheid belief sich auf über 610 Mark.
Die jetzige Rente ist aufgesplittet in 170 Euro Rente und 167 Euro Auffüllbetrag. Bei einer Umstellung 1:1, wie es bei der Wende erfolgt ist, hätte die Rente deutlich höher als 170 Euro sein müssen, zumindest für mein naives Rentenverständnis und Auslegung der politischen Aussagen. Was der Auffüllbetrag in der derzeit gezahlten Rente zu suchen hat, und womit er begründet wird, weiß ich leider nicht.

Damit haben Sie doch schon die Antwort geliefert:

Ihre Oma hat vom FDGB eine Rente in Höhe von umgerechnet 610 M zugesprochen. Das ist ein Besitzschutz !!!!

Durch die Währungs- Wirtschafts- und Sozialunion wurde nämlich im Juni 1990 ausgesagt, dass Mark zu DM 1:1 umgetauscht wird.
Mit der Euro-Einführung gilt 1 DM = 1,95583 EUR

In der Summe 610 M = 610 DM = 311,88 EUR (passt ja in etwas (durch Rentenerhöhungen der letzten Jahren) mit Ihren angegebenen Werten (sofern der Ausgangswert stimmt).

Nach dem BRD-Recht hätte Ihr auf Grund der Versicherungszeiten nur eine Rente in Höhe von 170,- EUR zugestanden.
Weil aber durch Rechtsumstellungen niemand schlechter gestellt werden soll als vorher (siehe obiger Besitzschutz!!!) erhält sie zur Differenz den sogenannten Auffüllbetrag.

Fertig

Zitiert von: Wolfgang Adomeit

Sie hat, wie sie sagt, zum überwiegenden Teil gut verdient, 425 Mark im Monat.

Nein, das hat Sie nicht. Das ist noch nicht mal Durchschnitt.
'Gut verdient' wäre 600,- M im Monat zzgl. FZR von 600,- M zzgl. weiterer Überentgelte durch Sonder- und Zusatzversorgung.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Herr Adomeit, ohne den Bescheid der Deutschen Rentenversicherung (LVA/BfA), mit dem die Rente Ihrer Tante in das Recht der Bundesrepublik (SGB VI) überführt wurde ist eine verbindliche Antwort kaum möglich. Vermutlich handelt es sich um die Anwendung der Vorschriften des 307 b SGB VI. Das entspricht dann der Erklärung von „P.“. Die Rente wird solange nicht erhöht, bis die nach Bundesdeutschen Recht auf Basis der DDR-Zeiten berechnete Rente höher ist, als die nach DDR-Recht „umgerubelte“ Rente. Ich rate Ihnen zu einem Besuch einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung mit dem o.g. Bescheid.

von
Wolfgang Adomeit

Zunächst einmal vielen Dank für die Rückäußerungen!
Leider ist der Fall aus meiner Sicht nicht ganz so einfach. Zum einen ist meine Tante bereits 90, zum anderen wohnt sie fast 300 km von mir entfernt.
Habe am Telefon versucht, zu erfragen, ob sie einen Bescheid von BfA erhalten hat, in dem auf 307b SGB VI verwiesen wird. Diesen hat sie allerdings nicht gefunden.
Sie hat einen Rentenbescheid von dem Träger der Rentenversicherungüberleitungsanstalt Sozialversicherung gemäß 2. Rentenanpassungsverordnung erhalten. Danach beträgt die Invalidenaltersrente 579 Mark und der Sozialzuschlag 58 Mark. Somit betrug die Auszahlung gesamt zum 1.1. 1991 637 DM.
Von der BfA sind ihre persönlichen Entgeltspunkte wie folgt festgestellt worden: 0,2266 x 28 Arbeitsjahre = 6,3448. Als Gesamtdurchschnittseinkommen für 20 Jahre sind 156,903 ermittelt worden. Da sie in den Jahren zuvor deutlich mehr verdient hat, ist es für sie nachteilig, dass diese Jahre nicht berücksichtig wurden. Auch hat sie in den letzten Jahren aufgrund der Krankheit Heimarbeit gehabt, und in der Zeit deutlich weniger verdient. Allerdings hat sie über einige Jahre freiwillige Beiträge geleistet. Auch ist bei ihr, wie sie sagt, die Flucht im zweiten Weltkrieg nicht anerkannt worden, bei einer Freundin von ihr wurden hierfür 2 Jahre anerkannt.
Ich weiß, wenn die angeforderten Unterlagen bei der Rentenversicherung in Gera vorliegen, auf dem Computer waren die Details nicht einsehbar, werde ich das Gespräch mit der Rentenversicherung führen, doch bis dahin möcht ich zumindest etwas mehr Kenntnis haben als zur Zeit, deshalb bin ich für jeden Hinweis dankbar.
Sozialhilfe möchte meine Tante nicht beantragen, sie möchte nicht aus dem alten Siedlungshaus ausziehen.

von
V.

Wie heißt genau die Leistung, die Ihre Tante von der DRV erhält.

Wenn diese nicht als "Altersrente für ...." oder als "Regelaltersrente" bezeichnet wird, sollte Sie einen Antrag um Umwandlung in einer Altersrente mit Hilfe des R 110 stellen.

von
Wolfgang Adomeit

Habe noch einmal mit meiner Tante gesprochen. Das was sie gefunden hat, ist Folgendes:
Sie erhält eine Invalidenaltersrente.
Die Überleitung der DDR-Rente im Rahmen der Wende in Rente West erfolgte nicht gemäß 307 b SGB VI, sondern gemäß 307 SGB VI a, also pauschaliert.

von
s

dann sollten Sie wie oben beschrieben einen Antrag auf Umwandlung in eine Altersrente stellen.

von
Wolfgang Adomeit

Danke,

werden wir machen. Die Antworten waren sehr hilfreich.