Kinder-Reha - Antrag völlig verschleppt

von
junimond

Ich habe einen 4jährigen Sohn, der von einer Chronifizierung von Bronchitis bedroht ist. Alle Ärzte, Hausarzt, Kinderarzt, Osteopath, Homöopath, sind der Meinung, ihm würde ein Seeaufenthalt am besten tun. Anfang des Jahres habe ich deshalb einen Antrag auf Reha gestellt. Durch Widerspruch und unglaublich lange Bearbeitungszeiten ist es nun August und ich weiß immer noch nicht, ob ich mit ihm auf Kur kann.
Bei meinem Antrag habe ich bereits hinzugefügt, dass ich noch ein Kind (8Jahre alt) habe, das, weil hochbegabt und gerade eine Klasse übersprungen, auf keinen Fall in der Schule fehlen darf, weswegen uns als Termin nur die Sommerferien bleiben. Da ich alleinerziehend bin kann das ältere Kind auch nicht beim Vater bleiben, Oma und Opa sind zu weit weg und zu alt, um den Jungen ausreichend zu betreuen. Mal abgesehen davon, wie belastend eine Trennung von seiner Kernfamilie für ihn wahrscheinlich wäre.
Nun ist es schon Sommer. Die Ferien sind noch 5 Wochen und ich habe keinen Bescheid. Bei allen Anrufen in der Rentenversicherung wurde ich mit "da kann ich Ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht helfen" oder "diese Entscheidung treffe ich nicht" oder "Ihre Unterlagen sind unterwegs" zu beruhigen versucht.
Was mir aber bleibt ist ein Kind, das diesen Sommer nicht ans Meer kann und weiter hustet, rotzt und nachts nicht schlafen kann. Jetzt reagiert auch noch seine Haut. Gestern sagte er, "Mama, jetzt habe ich so tapfer immer meine Medizinen genommen und es hilft gar nicht".
Ihm und mir ist es nicht verständlich zu machen, dass er aufgrund bürokratischer Prozesse weiterhin mit einer mangelhaften Gesundheit leben muss.
Ich bin verzweifelt und stinksauer.
Ich muss doch beiden Kinder gerecht werden und habe alles in meiner Macht stehende getan und werde nur hingehalten.
Bei Anrufen in der Hotline bekommen ich niemand zu sprechen, der wirklichen Kontakt zu meinem Fall hat. Daher wünsche ich mir in diesem Forum Hilfe, was ich jetzt noch tun kann, damit mein Kind endlich ans Meer kann. (Könnte ich es mir leisten, mit ihm zu fahren wäre ich schon weg!)

Danke für jeden hilfreichen Tipp.

Experten-Antwort

Schade, dass Sie und Ihre Familie diese Erfahrungen machen müssen. Weil Sie auf "normalem" Wege ja offensichtlich nicht weiterkommen, sollten Sie überlegen, ob Sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen (schriftlich, per Übergabeeinschreiben evtl. sogar mit Rückschein) an den Rentenversicherungsträger. - Außerdem sollten Sie umgehend einen Antrag auf "Haushaltshilfe" stellen. Dann wäre es ggf. möglich, dass auch Ihr älteres Kind mitgenommen werden kann und in der Klinik am Unterricht teilnehmen kann (das müsste aber vorher alles geklärt und bewilligt sein). Die andere Möglichkeit im Rahmen der Haushaltshilfe wäre, dass Ihr älteres Kind zu Hause oder in einer anderen Familie bleibt und weiter in die gewohnte Schule geht. Zumindest wäre dann kein weiterer Wechsel und Kosten könnten übernommen werden. - Alles Gute!
Nachtrag: Der von Detlef empfohlene Anwalt kostet, leider.

von
Detlef

Kann Ihnen nur dringend
empfehlen s o f o r t zu einem
Fachanwalt für Sozialrecht zu
gehen. Er wird event. Untätigkeitsklage erheben. Dann müssen sich die Herrschaften der DRV bewegen !
Was anderes hilft - leider -nicht.
Verscheppen der Anträge, keine konkreten Auskünfte geben , neue Gutachten erstellen lassen - Dies alles
hat Methode und soll Sie zur Aufgabe Ihres berechtigten Anliegens bringen.

von
Detlef

Das ist ja ein Ding.
Der Experte der DRV empfiehlt gegen die eigene Behörd eine Dienstaufsichtsbeschwerde
einzuleiten.
Also Respekt Herr Experte.
Mit dieser - ehrlichen - Antwort hätte ich jetzt nicht gerechnet. Dazu mal ein Lob !
Ein gutes Licht auf die Arbeit der DRV wirft Ihre Empfehlung jedoch nicht....

von
§ XYZ

Hallo,

auch auf die Gefahrhin,daß ich mich mal wieder in die Nesseln setze möchte ich hierzu folgendes bemerken.
Ob es sich hier um einen echten Experten handelt ist mal dahingestellt.Sein Rat aber sehr gut.Aber leider auch wieder langwierig.
Als die DRV noch LVA hieß kamen als von einer Zeitung mit recht großen Buchstaben hier Briefe an die lautete:"B... kämpft für Sie."Wenn solch ein Brief dann auf dem Tisch lag,rannten die Beamten so schnell über den Gang,daß es nach Gummi von den Sohlen ihrer Schuhe roch.Gut manchmal war s auch ein Angestellter.
Wenn man den Beitrag von Junimond liest,erkennt man doch wieder stark was Dienstleistung einer Behörde an seinem Kunden bedeutet.Wir wissen alles der Kunde gar nichts.Wir sind das Gesetz.Sei dankbar wenn wir für dich was tun.das ist leider immer noch die Mentalität,die in deutschen Behörden regiert.
Junimond wehr DICH!!!!!

Gruss

von
Nix

Rufen Sie in der Hauptverwaltung an. Die Telefonnummern der RV-Träger finden Sie ja auf dieser Seite. Lassen Sie sich mit der Geschäftsführer verbinden, sagen Sie Ihren Namen, schildern Sie den Vorgang, geben Sie Ihre RV-Nummer durch und lassen Sie die Herrschaften hüpfen.
Die Geschäftsführer wird sofort in der zuständigen Arbeitsgruppe anrufen und sich den Aktenvorgang bringen lassen. Anschliessend wird man Sie zurückrufen.

Damit eines klar ist: Ich bin gegen jede Form von Beschwerden, aber watt mutt datt mutt...

Experten-Antwort

Zu Detlefs Hinweis:
Ich habe keine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen meine eigene Behörde empfohlen. Die Deutsche Rentenversicherung besteht aus mehreren Trägern (frühere LVA'en, BfA, Knappschaft usw.). Man kann - leider - in diesem Forum keine Einzelfälle umfassend lösen, sondern nur Möglichkeiten aufzeigen. Außerdem kann ich nicht beurteilen, warum das Verfahren letztlich so lange dauert. Auch in Behörden ist nicht immer alles kurzfristig und wunschgemäß zu erledigen. Ich bin aber sicher, dass man sich bemüht. Ich verfahre jedenfalls so. Nach der Schilderung von Junimond -mehrere vergebliche Kontaktaufnahmen usw. - habe ich diese - bis auf das Porto - im übrigen kostenlose und auch im Verhältnis zu anderen Behörden oftmals wirkungsvolle Möglichkeit lediglich aufgezeigt. Ob sie diese wahrnimmt, kann ich nur ihr überlassen.

von
JJ

Eine Untätigkeitsklage wird in diesem Fall nicht das gewünschte erreichen. Nach Erhebung der Untätigkeitsklage zieht das Gericht alle Akten bei, um die Rechtmäßigkeit zu prüfen. Es herrscht also in der Sache Stillstand. Nur der Anwalt verdient so oder so. Besser sind die beiden anderen aufgezeigten Wege (Dienstaufsichtsbeschwerde oder Anruf bei der GF).

von
drea

1. Klage
- zwecklos, dauert auch im Eilverfahren viele Monate
- bringt nur Frust
2. Dienstaufsichtsbeschwerde und Geschäftsführer der RV
- klingt gut
- oder man setzt sich so lange in die Geschäftsstelle, bis jemand die Angelegenheit bearbeitet (Presse gleich mitbringen)
- erfordert Standvermögen und Nerven
3. zusätzlich Antrag bei der Krankenkasse stellen auf Kind-Kur (nur Kind rehabedürftig, Mutter Begleitperson) oder Mutter-Kind-Kur (beide rehabedürftig)
4. laufender Reha-Antrag
- keine Zusatzforderungen stellen, wie "nur Sommerferien" o.ä., da reagieren alle gleich ganz sauer "Scheint ja nicht so schlimm zu sein, wenn man noch solche Forderungen stellt"; aus Erfahrung: wenn es kompliziert wird, wird verschleppt. Eine Reha kann sofort bewilligt werden und der Termin kommt erst fürs nächste Jahr Sommer (das ist die nächste Hürde: geeignete Klinik)!. Oder die Bearbeitung wird gleich verschleppt, dann wird es auch nächstes Jahr Sommer...
5. Fazit: Diesen Sommer wird es nichts mehr.

von
drea

Nachtrag:
Ich will nicht entmutigen, aber schon ein Widerspruch gegen eine behördliche Entscheidung stellt häufig einen Affront dar...
Ein anderer Weg (besser als nach mehreren Jahren vom BSG Recht zu bekommen...):
Wenn es dem Kind schlechter geht: neuen Arztbericht (andere Medikamente, höhere Dosis, verschlechterter Gesundheitszustand), gut immer aus Universitätsklinik oder anderem Krankenhaus, vielleicht auch Überweisung zum Spezialisten. Wenn es dem Kind nachts schlecht geht, sich nicht scheuen, den Notdienst zu rufen! Ich gehe davon aus, dass dies eine "verfahrene" Kiste ist und wenn ein Gespräch mit dem GF nicht hilft, einen Monat nach Erhalt des (ablehnenden) Widerspruchsbescheids abwarten und einen neuen Antrag mit anderen Unterlagen stellen ohne Sommerferien"bedingung". Es kommt auf die Arztberichte und die Schilderung an! Nach Erhalt der Zusage kann man mit der Reha-Klinik immer noch den Termin vereinbaren... Falls jetzt ein Antrag auf Kur bei der Krankenkasse gestellt wird (seit Gesundheitsreform erleichterte Bedingungen), bitte die Verschlechterung des kindlichen Befindens in den Vordergrund stellen. Am besten zu einer Beratungsstelle gehen (Caritas, Diakonie, AWO).