Kindererziehungszeiten

von
sternchen

Ich habe mal eine Frage:

Und zwar, ist meine 15 Jahre alte Tochter schwanger und wohnt noch bei mir und meinem Mann. Sie wird auch nach der Geburt bei uns wohnen und weiter zur Schule gehen.
Meine Frage nun, kann ich als dann Oma, mir die Erziehungzeiten anrechnen lassen? Da ich das Kind ja zum größten Teil erziehe und versorge. Ich habe ja auch das volle Sorgerecht, da meine Tochter noch minderjährig ist und kann auch vom Jugendamt die Vormundschaft bekommen.

Wäre sehr dankbar für Infos !!!
sternchen

von
no name

Theoretisch ist die Anrechnung bei Ihnen möglich.

Dennoch handelt es sich bei Fällen wie dem Ihren meist um Einzelfallentscheidungen. Ich empfehle Ihnen, sich einen Termin bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der DRV geben zu lassen und die Situation sehr genau zu schildern (am besten schriftlich vorbereiten).

Am besten wäre es, wenn Ihre Angaben von Ihrer Tochter bestätigt würden (die ja grds. die KEZ erhalten müsste)

von
Rentenüberprüfer

Eine Übertragng auf Sie als Oma ist durchaus möglich, Einverständnis der Kindesmutter muss vorliegen.

Bitte aber auch daran denken, dass Ihrer Tochter dadurch wertvolle rentenrechtliche Zeiten verliert und evtl. Anwartschaftszeiten für die eigene Rente nicht erfüllt und auch eine geringere eigene Rente auf Lebenszeit hat.

Es ist nachdenkenswert, ob sich nicht eine andere, angemessene einvernehmliche Lösung finden läßt.

von Experte/in Experten-Antwort

User no name ist zuzustimmen.

Auch Verwandte der geraden aufsteigenden Linie (als Oma vs. Enkel sind Sie das) können eine Kindererziehungszeit erhalten. Dies ist bis zur Dauer von drei Jahren möglich und würde derzeit bei einer abschlagsfreien Altersrente zu einer monatlichen Rentenanwartschaft von knapp 79 Euro führen.

Die Erklärung zur Zuordnung der Kindererziehungszeit wäre u.a. insbes. der Vordruck V 800 beim zuständigen RV Träger einzureichen, vgl. http://www.deutsche-rentenversicherung.de/nn_12376/SharedDocs/de/Inhalt/04__Formulare__Publikationen/01__formulare/01__versicherung/__DRV__Paket__Versicherung__Kontenklaerung,templateId=raw,property=publicationFile.null/_DRV_Paket_Versicherung_Kontenklaerung

Füllen Sie zu geg. Zeit diesen Vordruck mit den übrigen Daten im Beisein eines Mitarbeiters einer Auskunfts und Beratungsstelle aus - um Fehler o.Ä. zu vermeiden.

MfG

von
Karl-Heinrich

Ich denke nicht, dass die Zuordnung zur Großmutter so einfach ist. Nach den Arbeitsanweisungen der Deutschen Rentenversicherung sind dafür hohe Hürden aufgebaut.

Zitat zur Anweisung aus § 56 SGB VI:
"R2.2.2.1 Erziehung durch Großeltern und sonstige Verwandte

Pflegekindschaftsverhältnisse unter Verwandten kommen grundsätzlich nur dann in Betracht, wenn die leiblichen Eltern während des maßgeblichen Erziehungszeitraumes verstorben sind oder beide sich um ihr Kind überhaupt nicht gekümmert haben (BSG vom 01.02.1967 - 1 RA 145/64 - in SozR Nr. 15 zu § 1262 RVO, BSG vom 28.11.1990 - 5 RJ 64/89 - in SozR 1200 zu § 56 Nr. 2).
Machen Großeltern oder Verwandte Kindererziehungszeiten als Pflegeeltern geltend, ist auch hier erforderlich, dass zwischen Pflegeeltern und Pflegekind ein auf Dauer angelegtes Pflegeverhältnis mit häuslicher Gemeinschaft besteht und ein Obhuts- und Pflegeverhältnis zwischen den leiblichen Eltern und ihrem Kind nicht mehr besteht. Ein Obhuts- und Pflegeverhältnis zu den leiblichen Eltern ist zu verneinen, wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kind so geringfügig ist, dass nach dem äußeren Erscheinungsbild das gemeinsame Kind wie ein fremdes Kind behandelt wird und für das eigene Kind keine wesentlichen Aufwendungen materieller Art erbracht werden.
Keine Pflegekindschaftsverhältnisse liegen daher vor,
- wenn eine Großmutter in die Wohnung ihrer studierenden Tochter zieht, um sich der umfassenden Betreuung ihres Enkelkindes zu widmen (BSG vom 12.09.1990 - 5 RJ 45/89 -, Breith. 1991, 391),
- wenn die leibliche Mutter des Kindes ganztägig erwerbstätig ist und deshalb die im gleichen Haus lebende Großmutter die Pflege und Betreuung des Kindes übernimmt ((ISRV:RE:5 RJ 35/90)),
- wenn ein Kind sich wechselweise nur für einen Teil des Tages oder nur für einige Tage in der Woche im Haushalt der Großeltern und seiner berufstätigen leiblichen Eltern aufgehalten hat, selbst wenn die Mutter oder der Vater tagsüber oder auch für längere Zeiträume, z. B. beruflich oder aus Krankheitsgründen abwesend war,
- wenn Eltern oder ein Elternteil mit den Großeltern einen gemeinsamen Haushalt führen. Eine Haushaltsaufnahme liegt auch dann nicht vor, wenn die Eltern an dem gemeinsamen Haushalt nur anteilmäßig beteiligt sind oder
- wenn der im gemeinsamen Haushalt lebende Elternteil noch minderjährig ist (BSG vom 30.06.1966 - 12 RJ 116/66 - und BSG vom 01.02.1967 - 1 RA 145/64 - in SozR Nr. 14, 15 zu § 1262 RVO).

Beim Zusammenleben von Kindern mit ihren Müttern im Haushalt der Großeltern richtet sich das Elternverhältnis grundsätzlich nach der Mutter. Eine Ausnahme kann nur vorliegen, wenn die Beziehung Mutter-Kind grundlegend und von Anfang an zerrüttet ist, die Mutter ihre Aufsichts- und Erziehungsaufgaben nicht wahrnimmt und diese von der Großmutter übernommen werden müssen und tatsächlich auch übernommen werden (BSG vom 12.09.1990 in SozR 3-1200 § 56 Nr. 1, (ISRV:RE:5 RJ 64/89)).
Die Anrechnung von Kindererziehungszeiten für die Erziehung von Enkelkindern bei Großmüttern kann daher nur die Ausnahme sein."

der Link dazu: http://www.deutsche-rentenversicherung-regional.de/Raa/Raa.do?f=22CAF9D7C6F04d720025727d00263561

Helfen Sie Ihrer Tochter und lassen Sie ihr die Kindererziehungszeiten für den Start ins Versicherungsleben. Immerhin könnten die drei Jahre mal über Wartzeiten entscheiden....

von Experte/in Experten-Antwort

Wenn auch durch Ihren Beitrag quasi eine Beratung erfolgte, verbleibt es beim bisherigen Beitrag mit dem Hinweis zur A und B Stelle. Bei aller Liebe, aber kein Laie versteht so wirklich eine Dienstanweisung, die zudem kein geltendes Recht darstellt, sondern eben (trotz aller darin zitierten Entscheidungen) nur eine Interpretation des Gesetzs von Seiten der Exekutive.

Überlassen wir solche Fälle lieber dem Praxistest, der sich wohl erst in frühestens drei Jahren nachprüfen lässt.

PS: Auch zu den häufigen Fragen zur BSGE 4. Senat v. 16.05.2006 wird nie Internes zitiert, obwohl es doch neben vielen FAVR Beschlüssen auch so einiges von der Projektgruppe Zugangsfaktor zu berichten gebe - nur wird auch dies der Laie, der hier im Forum Fragen stellt, nicht wirklich verstehen....

MfG