Kinderzuschlag bei große Witwerente wenn Hinterbliebene bereits Rentnerin ist

von
Sinan

Hallo,

mein Vater verstarb vor knapp zwei Monaten. Wir haben noch keine Vorschusszahlung beantragt. Meine Mutter steht die große Witwenrente zu. Beide geboren nach 1939 vor 1955. Eheschließung 1962. Die Hinterbliebene bezieht seit 2012 geringfügige deutsche gesetzliche Rente. Bei dessen Berechnung der Entgeltpunkte wurden zwei von vier Kindern Erziehungszeiten berücksichtigt. Meine Frage steht ihr dennoch ein monatlichen Kinderzuschlag für zwei ihrer Kinder ( 55€+27,50€). Ist es hier ohne Bedeutung, dass bei der Berechnung ihrer persönlichen/eigenen Rente von knapp 260€ Kindererziehungszeiten berücksichtigt worden sind? Steht ihr dennoch der Kinderzuschlag zu bei der Hinterbliebenenrente? Juristisch müsste ihr das zustehen, bin mir aber nun unsicher.

von
Matze72

Die grundsätzliche Berechnung der eigenen Altersrente und der Witwenrente erfolgt unabhängig voneinander.
Lediglich die eigene Versichertenrente wird bei der Einkommensanrechnung der Witwenrente berücksichtigt, wobei in diesem geschilderten Fall der Zahlbetrag weit unterhalb des Freibetrages liegt, sodass - dadurch - die Witwenrente nicht gekürzt wird.

Der Zuschlag für die Kindererziehungszeiten (sogenannte Mütterrente), erfolgt, wenn

1.) zum 01.07.2014 eine Rente bezogen wurde
2.) im Versicherungsverlauf Kindererziehungszeiten für Kinder angerechnet werden, die vor dem 01.01.1992 geboren sind,
und 3.) der 12. Monat der Erziehung dem Versicherten zugeordnet wurde.

Die Witwenrente berechnet sich dabei aus dem Versicherungsverlauf des Verstorbenen.

Frage daher: Welchem Elternteil wurden denn die anderen beiden Kinder zugeordnet?
Ist es möglich, da Sie schreiben: "geringfügige DEUTSCHE gesetzliche Rente", dass (zumindest ein Teil) der Kindererziehung im Ausland stattfand?

von
Sinan

Wir sind vier Geschwister. Ich und mein jüngerer Bruder wurden hier in Deutschland geboren. Alle vor 1992 geboren. Die beiden älteren Geschwister kamen im Schulkindalter mit meiner Mutter nach Deutschland, Die Kindererziehung dieser beiden fand also einseitlich im Ausland statt. Nach 1977 fand die Familienzusammenführung statt. Meine Mutter (die Hinterbliebene) arbeitete nach 1978 in Deutschland, ca. 7Jahre

Zusatzfrage: Mein Vater schloss im Ausland/Türkei zusätzlich für Selbstständige gesetzliche Rentenversicherung ab (2011) zahlte hierfür eine beträchtliche Summe in die Rentenkasse ein. Von dieser ausl. Rente stünde meiner Mutter 75% zu, ca. 530TL umgerechnet 180€. Müssen wir diese auch angeben? (liegt ja weiterhin unter dem Freibetrag).

von
Matze72

Meines Erachtens muss die nicht-deutsche Rente ebenfalls mit angegeben werden, unabhängig davon, ob man (selbst) abschätzen kann, ob dadurch der Freibetrag tangiert wird.

Viel wichtiger: Deutschland hat mit ca. 40 Staaten in der Welt ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen, so auch mit der Türkei. In jedem Abkommen steht etwas anderes drin. Im Abkommen mit der Türkei k ö n n t e n ggf. auch Sachverhalte beschrieben sein, die auch die Kindererziehung im Ausland klären und dennoch in Deutschland anerkannt werden (könnte = meine Phantasie)
ABER: Ich persönlich kenne mich mit diesem Sozialversicherungsabkommen überhaupt nicht aus.

Insofern passe ich.
(Im Regelfall dürften die Kinder, die im Ausland erzogen wurden [wir reden hier vom 1. Lebensjahr] nicht bei der deutschen Rente berücksichtigt werden, sodass für diese folglich auch keine "Mütterrente" zu zahlen wäre).

von
W*lfgang

Zitiert von: Sinan
Zusatzfrage: Mein Vater schloss im Ausland/Türkei zusätzlich für Selbstständige gesetzliche Rentenversicherung ab (2011) zahlte hierfür eine beträchtliche Summe in die Rentenkasse ein. Von dieser ausl. Rente stünde meiner Mutter 75% zu, ca. 530TL umgerechnet 180€. Müssen wir diese auch angeben? (liegt ja weiterhin unter dem Freibetrag).
Sinan,

Ihre Mutter wird im Hauptrentenantrag nach ausländischen Renten gefragt, im Einkommensfragebogen erneut und auch in der Meldung zur Krankenversicherung der Rentner. Sie unterschreibt, wahrheitsgemäße Angaben gemacht zu haben (und in der Folge auch die strafrechtlichen Konsequenzen aus einer Falschaussage zu tragen).

Wie glauben Sie wohl fällt die Antwort auf Ihre Frage aus ? ;-)

Gruß
w.

von
Sinan

Hallo w,

Wenn ich ihren Vorwurf richtig interpretiert haben sollte, haben Sie anscheinend nicht das gelesen was ich zu Beginn geschrieben hatte.

Zitiert von: Sinan

mein Vater verstarb vor knapp zwei Monaten... Meine Mutter steht die große Witwenrente zu. Die Hinterbliebene bezieht seit 2012 geringfügige deutsche gesetzliche Rente.

Mein Vater bezog seit 2011 die türk. Rente und nicht meine Mutter. Und wenn mein Vater 2014 verstorben ist, kann meine Mutter sicherlich nicht in ihrem Hauptrentenantrag von 2012 falsche Angaben gemacht haben. hr stünden jetzt die deutsche und die türkische Hinterbliebenenrente.

von
W*lfgang

Hallo Sinan,

ich bezog mich auf das, was ich in meinem Beitrag aus Ihrem Beitrag zitiert habe (wenn diese Web-Site ein Audio-Programm integriert hat, lassen Sie sich das bitte einfach noch mal vorlesen ;-) ) ...wenn ich mich nicht irre, steht dort was von türkischen Hinterbliebenenrentenansprüchen. Ob die Höhe für die Hinzuverdienstgrenzen der dtsch. Witwenrente irrelevant ist, ist ohne Bedeutung. Ihre Frage lautete "muss sie das angeben". Sehen Sie da einen Widerspruch zu meiner Antwort/dem zitierten Beitrag von Ihnen/den Fragen im Rentenverfahren?

Gruß
w.
PS: die dtsch. Krankenkasse ist sehr an weiteren/ausländischen Alters/Hinterbliebeneneinkünften interessiert - aber ihre Mutter kann die Frage dazu ja gern 'überhören'. Im Übrigen war bereits Ihr Vater verpflichtet, der Rentenversicherung Mitteilungen über ausländische Rentenleistungen zu machen (hat er vielleicht sogar gemacht), blättern Sie dazu in seinem Rentenbescheid noch mal nach. Im Witwenrentenbescheid werden sich dann die gleichen Mitteilungspflichten wiederfinden.

Ich denke, Sie haben mich nur missverstanden ...

von
Sinan

Das Missverständnis beruht auf die Nennung "Hauptrentenantrag".

Heute wollte die Sachbearbeiterin beim Einreichen der Hinterbliebenenrente den Kinderzuschlag nicht kennen. War fest davon überzeugt dieser wurde bereits einmalig in den ersten drei Monaten der persönlichen Rente meiner Mutter ausbezahlt. Es gäbe kein Kinderzuschlag bei der großen Witwenrente. Und wenn es ein Kinderzuschlag wegen Kinderziehung gäbe dann nur 1+1Entgeltpunkte (monatlich?) fuer das 1. Lebensjahr eines Kindes die im Versicherungsverlauf der Mutter erfasst/berücksichtigt sei.

Im Internet steht A ... die Sachbearbeiterin sagt O... was ist nun richtig?

von
Feli

Der "Kinderzuschlag", wie Sie ihn nennen, ist der zusätzliche Entgeltpunkt für jedes Kind, das im Versicherungsverlauf Ihrer Mutter(!!!) berücksichtigt ist - das dürften Sie und Ihr in Deutschland geborenes Geschwisterkind sein.
Da Ihre Mutter schon in Rente ist, bekommt Sie darüber einen eigenen Bescheid unter ihrer eigenen Versicherungsnummer.

Der Hinterbliebenenrentenantrag ist davon völllig unabhängig und in der Hinterbliebenenrente werden überhaupt keine Kinder oder Kinderzuschläge berücksichtigt.

von
Sinan

Nach Paragraph 78 a Abs. 1 SGB VI steht dem Hinterbliebenen ein Kinderzuschlag zu. Für das erste Kind 57,21€ und jedes weitere Kind das erzogen wird 28,61€. Gilt jedoch nur für die "jüngere Gruppe" die 55% von der ursprünglichen Rente erhalten. Insgesamt dürfe diese 55% plus kinderzuschlag nicht der 100% ursprünglichen rente übersteigen.

Meine Frage: warum trifft dies nur der jüngere Gruppe zu, die nach 1962 geboren sind. Wenn ich mal so grob ausrechne: bei einer ursprünglichen rente von 1030€ brutto sind 60% 618€ (älteres Recht) und nach neuem Recht 55% 566,50€ plus kinderzuschlag bei vier Kindern (57,21+3×28,61)=143,04€

Unterschied zw. altere und neuere Gruppe monatlich 91,54€. Das sind 9% vorteil gegenüber ältere Gruppe, wie wird dies juristisch begründet? Etwa damit dass 1962 die Geburtsrate drastisch zurückging?

von
BW

Das von Ihnen zitierte hat mit dem Zuschlag zu den Punkten für die Kindererziehung (Mütterrente) überhaupt nichts zu tun.
Sie verrennen sich da....

Experten-Antwort

Hallo Sinan,

die sogenannte Mütterrente wird in Ihrem Fall unabhängig von der Witwenrente bei der Altersrente Ihrer Mutter gezahlt.

Ein Zuschlag gem. § 78a SGB VI wird nur bei Witwenrenten, für die das neue Recht für Hinterbliebene ab 01.01.2002 gilt, gezahlt.

Dies ist bei Ihrer Mutter somit nicht der zutreffend.

Dieser Zuschlag soll bei großen Witwenrenten im Rahmen der Gewährung einer Kinderkomponente die Senkung des Versorgungssatzes von 60 % auf 55 % zielgerichtet auf Kindererziehende ausgleichen.

von
W*lfgang

Zitiert von: Sinan
Unterschied zw. altere und neuere Gruppe monatlich 91,54€. Das sind 9% vorteil gegenüber ältere Gruppe, wie wird dies juristisch begründet? Etwa damit dass 1962 die Geburtsrate drastisch zurückging?
Sinan,

wenn Sie sich mit dem 'neuen Hinterbliebenenrentenrecht intensiver beschäftigt hätten, würde Sie festgestellt haben, das eben die 'jüngere Personengruppe' - trotz etwaiger Kinderzuschläge - oft leer ausgehen wird, was die Zahlung einer Witwenrente betrifft. Grund: Sämtliche Einkommensarten sind anzurechnen, das 'alte Recht' macht da erhebliche Ausnahmen.

Empfehle Ihnen diese Broschüre:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/03_broschueren_und_mehr/01_broschueren/01_national/hinterbliebener_hilfe_in_schweren_zeiten.html

da ist es allgemeinverständlich dargestellt.

Gruß
w.
PS: >wie wird dies juristisch begründet?
Juristisch? Es ist ein bundesdeutsches Gesetz – wem gesetzliche (Neu)Regelungen nicht 'passen', muss bis vor das BSG/BVerfG ziehen, um es juristisch nach seinen 'Wünschen' zu gestalten. Im Übrigen finden Sie die Gesetzesbegründung in dem dazu 2002 beschlossenen Gesetz (Matze72? ...sagt mal bitte den Namen des Gesetzes von damals, ich bin grad nicht im Büro ;-)