Kombinatsdirektor DDR

von
Neff

Mein Onkel war zu DDR Zeiten Generaldirektor eines volkseigenen Kombinates. Sein Monatsverdienst lag um die 3.000 Mark der DDR.
Wie wird der Verdienst rentenwirksam?
Wie wird der Verdienst rentenrechtlich gekürzt und welche Bedeutung haben in dem Zusammenhang die Sonderversorgungssysteme der DDR?

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Neff,

leider ist es nicht möglich, sämtliche Facetten der Rentenberechnung hier in diesem Forum darzustellen. Deshalb möchte ich mich auf einige Kernaussagen beschränken:

Generaldirektoren volkseigener Kombinate gehörten gewöhnlich keinem Sonderversorgungssystem, sondern einem Zusatzversorgungssystem an. Für die Zeiten der Zugehörigkeit zu einem Zusatzversorgungssystem werden regelmäßig sämtliche dem Grunde nach versicherungspflichtigen Entgelte bei der Rentenberechnung berücksichtigt. Eine besondere Begrenzung der Entgelte erfolgt hier grundsätzlich nicht. Lediglich Entgelte oberhalb der allgemeinen Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung können - wie auch bei allen anderen Versicherten - nicht berücksichtigt werden. Auch im Übrigen ergeben sich prinzipiell keine Unterschiede zu "normalen" Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung.

Soweit Ihr Onkel genauere Angaben zur zu erwartenden Rentenhöhe wünscht, sollte er - soweit noch nicht geschehen - eine Klärung des Versicherungskontos von seinem zuständigen Rentenversicherungsträger vornehmen und eine Rentenauskunft erteilen lassen. Im Zuge der Kontenklärung wird dann auch die "Überführung der Anwartschaften aus einem Versorgungssystem in die gesetzliche Rentenversicherung" veranlasst. Aus dem hierbei vom Versorgungsträger zu erteilenden sog. "Überführungsbescheid" sowie dem vom Rentenversicherungsträger erstellten Versicherungsverlauf lassen sich dann auch die während der Zugehörigkeit zum Zusatzversorgungssystem zu berücksichtigenden Entgelthöhen entnehmen.

von
Neff

Das Zusatzversorgungssystem Nr. 2 für Betreibsleiter und Generaldirektoren wurde doch aber erst 1986 eingefürt.
Werden auch erst ab 1986 die tatsächlichen Verdienste bis zur allgemeinen Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt?
Wie verhält es sich mit den tatsächlichen Verdiensten aberhalb 600 Mark/ Monat vor 1986?

von Experte/in Experten-Antwort

Das kann ich von hieraus nicht abschätzen. Möglicherweise hat Ihr Onkel bereits vorher einem anderen Zusatzversorgungssystem angehört (z. B. technische Intelligenz). Klären lässt sich dies letztlich nur über den zuständigen Versorgungsträger (für die Zusatzversorgung: Deutsche Rentenversicherung Bund, Versorgungsträger für Zusatzversorgungssysteme, Hirschberger Straße 4, 10317 Berlin).

Hat Ihr Onkel vorher keinem anderen Versorgungssystem angehört, können in der Rentenberechnung auch nur die "normal" versicherten Verdienste - also bis 600 Mark/Monat + ggf. über die FZR versicherte Verdienste - berücksichtigt werden.

von
Tochter

Meine Mutter hat bis 84´in der DDR gearbeitet und auch in eine Zusatzrentenversicherung 12 Jahre eingezahlt. Dann ist Sie in den "Westen" gegangen und war dort auch in Ihrem Beruf tätig.Sie bekommt jetzt Rente, ohne eine exakte Aufstellung in Ihrem Rentenauszug- also keine Zusatzrente.Im Osten jedoch bekommen all Ihre ehemaligen Kollegen Rente und Zusatzrente? Nun meine Frage: Der Rentenbund behauptet, es wäre alles in der Rente berücksichtigt, aber wie prüfe ich das nach und warum wird im Osten eine Zusatzrente sep. gezahlt. Mehrere Widersprüche wurden abgeschmettert!! ggf. welcher Anwalt kann helfen und ist eine Klage kostenlos- da Sozialgericht?

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Tochter,

wahrscheinlich unterliegen Sie hier einem kleinen Missverständnis. Aus den Beiträgen, die in der ehemaligen DDR zur freiwilligen Zusatzrentenversicherung gezahlt wurden, werden auch im "Osten" keine Zusatzrenten gezahlt. Diese Beiträge erhöhen lediglich den in der Rentenberechnung zu berücksichtigenden Verdienst der jeweiligen Jahre. Sie können die Rentenberechnung in jeder Beratungsstelle eines Rentenversicherungsträgers kostenlos überprüfen lassen. Reicht Ihnen das nicht aus, können Sie sich selbstverständlich auch an einen Anwalt für Sozialrecht, einen Rentenberater oder einen Sozialverband wenden - deren Auskünfte sind aber regelmäßig kostenpflichtig.