Kontenklärung für die Mütterrente

von
Polarschnee

Guten Tag,
ich habe eine komplexe Frage zur Mütterrente. Meine Schwiegermutter ist 98 Jahre alt und erhält Grundsicherung, weil sie eine geringe Witwenrente bekommt.
Das Sozialamt verlangt nun eine Kontenklärung weil sie 3 Kinder erzogen hat und den Antrag auf Altersrente.
1. Frage: Warum eine Kontenklärung wenn die Kinder seit Jahren im Bescheid vermerkt sind?

2. Frage: Warum ein Antrag auf Altersrente wenn sie schon Witwenrente erhält?

3. Frage: Ist eine Antragstellung auch mit einem abgelaufenen Personalausweis möglich?
Wie soll man eine 98-jährige zum Fotografen und zum Amt bringen.

Daß sie von dem Geld für die Anerkennung ihrer "Lebenleistung" nichts wird behalten können ist uns klar.
Danke im Voraus!

von
W*lfgang

Hallo Polarschnee,

1. die Kontenklärung ist Bestandteil des Rentenantrages, sofern sie noch nicht durchgeführt worden bzw. Konto nicht aktuell ist (das Sozialamt hat in diesem Fall keine Ahnung ;-))

2. Das sind 2 verschiedene Anspruchsarten. Jede ist für sich auf die Grundsicherung anzurechnen. Bei 3 Kindern hat sie jetzt nunmal einen zusätzlichen Altersrentenanspruch, der vorrangig in Anspruch zu nehmen ist - auch wenn für Ihre Mutter dabei unterm Strich nichts rauskommt (das Sozialamt spart so mtl. 150 EUR 'Steuergelder').

3. Personalien lassen sich auch mit Geburtsurkunde/Heiratsurkunde/Aufenthaltsbescheinigung nachweisen. Wenn die Antrag aufnehmende Stelle Zugriff auf die Meldedaten hat, ist damit ein Abgleich mit entsprechendem Vermerk im Rentenantrag möglich.

Gruß
w.

von
Toni

Hallo Polarschnee,

Wolfgang hat die Fragen bereits beantwortet. Ergänzend:

Wenn die Schwiegermutter vor 1921 geboren ist, erhält sie keine Kindererziehungszeiten und somit auch keine zusätzlichen Zeiten für einen Rentenanspruch. Sie kann dann aber "Leistungen für Kindererziehung" beantragen. Das ist keine Rente, sondern eine (versicherungsfremde) Zusatzleistung. Diese wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Sie bekommt die Leistung also zusätzlich zur Grundsicherung obendrauf.

Grüße

von
W*lfgang

Ooops ....kann ich da nur sagen ;-)

Danke Toni, natürlich ist sie mit 98 Jahren vor 1921 geboren/KLG ...oder Mutter aus der DDR?

Gruß
w.

von
zelda

Zitiert von: Toni

Hallo Polarschnee,

Wolfgang hat die Fragen bereits beantwortet. Ergänzend:

Wenn die Schwiegermutter vor 1921 geboren ist, erhält sie keine Kindererziehungszeiten und somit auch keine zusätzlichen Zeiten für einen Rentenanspruch. Sie kann dann aber "Leistungen für Kindererziehung" beantragen. Das ist keine Rente, sondern eine (versicherungsfremde) Zusatzleistung. Diese wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet. Sie bekommt die Leistung also zusätzlich zur Grundsicherung obendrauf.

Grüße

Hallo "Polarschnee",

so gesehen sollten Sie dem Sozialamt eigentlich "danken" und mal die §§ 294 und 299 SGB VI unter die Nase halten.

Ich empfehle Ihnen, morgen (30.06.2014) zumindest noch einen Termin zur Antragstellung auf die Kindererziehungsleistungen vereinbaren ( bei der Gemeinde oder bei der DRV), dies gilt dann bereits als Antrag. (Terminvereinbarung bestätigen lassen)

Dann erhält Ihre Schwiegermutter noch ab Juni die Leistungen.

MfG

zelda

von
zelda

Zitiert von: W*lfgang

Ooops ....kann ich da nur sagen ;-)

Danke Toni, natürlich ist sie mit 98 Jahren vor 1921 geboren/KLG ...oder Mutter aus der DDR?

Gruß
w.

Hallo W*lfgang,

bei der Mutter aus der DDR wäre es genauso, da müssten wir nur den § 294 durch den 294 a und 1921 durch 1927 ersetzen.

Da Sozialamt ist in beiden Fällen "draußen". Schönes Eigentor...

(Ist mir aber auch erst nach dem Artikel von Toni wieder aufgefallen)

MfG

zelda

von
Polarschnee

Vielen Dank für die interessanten und wichtigen Antworten

von
W*lfgang

Hallo Zelda,

schon beim Abschicken der Nachricht dachte ich "DDR - Blödsinn, Frau ohne Altersrente gibt's da doch gar nicht, da sind die Kinder bereits mit verrentet".

Manchmal ist der zweite Gedanke zu langsam ;-)

Gruß
w.

von
Gacki

Zitiert von: W*lfgang

Ooops ....kann ich da nur sagen ;-)

Gruß
w.

Ooops! Na klar, Schlumpf Schlaubi! Das hast Du wohl in der Schule auch öfter losgelassen...

von
Nachfrager

Auf jedenFall KLG beantragen ... und rückwirkend ab 01.01.2010 kassieren. Verjährungsfristen lassen grüßen.

von
Polarschnee

was heißt KLG?

Experten-Antwort

1. Da die Versicherte vor dem 01.01.1921 geboren wurde besteht ein Anspruch auf Leistungen für Kindererziehung (KLG-Leistung). Diese Leistung wird geleistet, unabhängig davon, ob die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Rente erfüllt sind. Sollte diese Leistung noch nicht gezahlt werden, sollten Sie unverzüglich einen entsprechenden Antrag stellen.
2. Diese KLG-Leistung wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet.

von
Polarschnee

Danke für Ihre Erläuterungen.
Nachdem wir einen Tag lang alle Unterlagen zusammen gesucht haben haben wir vom Rentenamt der Stadt erfahren, daß alle Aufregung umsonst war. Durch tel. Nachfrage beim Sozialamt stellte sich heraus, daß die gute Frau bei der Grundsicherung null Ahnung davon hat, daß eine vor 1921 geborene das Müttergeld behalten kann und das Geld auch automatisch ohne Antrag bekommt.