Krankengeld bei Beantragung vorgezogene Altersrente Schwerbehinderung

von
Peter

Aufgrund meiner ständigen Erkrankungen möchte ich (geb. 1959 ,GdB 60) die vorgezogene Altersrente zum 01.01.2021 nutzen. Zurzeit beziehe ich seit 4 Monaten Krankengeld. Die Aufforderung der Krankenkasse zur Reha möchte ich umgehen, das ich diese psychisch nicht durchstehen würde. Ist es möglich bereits jetzt meinen Rentenantrag auf vorzeitige Altersrente zu stellen, mit der Hoffnung eine Rehaaufforderung der KK zu umgehen.

von
KK

Das sollten Sie ihre Krankenkasse fragen. Das dürfte aber nicht funktionieren wie Sie sich das vorstellen, da die Krankenkasse nunmal das Recht hat Sie zu einem Rehaantrag aufzufordern.

Wann das passiert liegt im Ermessen Ihrer Krankenkasse.

von
DaVi

Hallo,

vielleicht wäre die Beantragung einer EM-Rente eine Möglichkeit.
1.) Die EM-Rente wäre sicher höher als eine Altersrente wegen Schwerbehinderung und
2.) die Krankenkasse müsste Sie nicht mehr auffordern eine Reha zu beantragen.
Es kann natürlich passieren, dass der RV-Träger Ihnen eine Reha anbietet. Unter der Voraussetzung, dass eine Reha psychisch "unerträglich" wäre, kann die Entscheidung aber auch ohne diese erfolgen.

von
KK

Zitiert von: DaVi
2.) die Krankenkasse müsste Sie nicht mehr auffordern eine Reha zu beantragen.

Alleine um sich das Dispositionsrecht zu sichern, werden Sie wahrscheinlich so oder so eine Aufforderung nachschieben.

von
Student

Das ist schlicht falsch, die Krankenkasse hat nicht einfach das Recht zu einem Rehaantrag aufzufordern. Ich weiß nicht, warum diese Fakenews hier immer und immer wieder herangezogen werden.

Das Gesetz und bestätigend viele Sozialgerichte sehen das anders.

Die Krankenkasse darf nur unter einer bestimmten Konstellation zu einem Rehaantrag auffordern. Nämlich dann, wenn der medizinische Dienst IN EINEM GUTACHTEN die drohende oder eingetretene Erwerbsminderung feststellt. Die Krankenkassen sind aber dazu übergangen, dass die SB Lieschen Müller das Standardanschreiben 3C im Unterordner J4 anklickt und rausschickt, um ein Verfahren zu eröffnen, an das das Gesetz aber ZWINGENDE Voraussetzungen knüpft.

Es handelt sich dabei um einen normalen Bescheid, der eine Begründung und Rechtsbehelfbelehrung beinhalten muss. Gegen diesen können Sie normal, fristgerecht Widerspruch einlegen. Krankenkassen machen die Fehler (der oft zu funktionieren scheint) so oft, dass Sie mit 10 Sekunden googeln fertige Musterwidersprüche gegen die Aufforderung finden.

Sollte die Krankenkasse dann irgendwann ein Gutachten erstellen lassen, dass zu dem Schluss kommt, haben Sie ab Zugang 10 Wochen Zeit einen entsprechenden Antrag zu stellen. Das sind 2,5 Monate. Das nutzen Sie bis zum letzten Tag aus. Danach wird die Bearbeitungszeit entsprechend mehrere Wochen, durch Corona möglichweise sogar Monate in Anspruch nehmen. Selbst wenn dann noch vor dem 1.1. eine Zusage kommt, wird der Termin idR auch erst in mehreren Wochen sein. In dieser Zeit haben Sie aber schon einen Antrag auf vorgezogene Altersrente für Schwerbehinderte gestellt. Wenn der positive Rentenbescheid ins Haus trudelt können Sie ggf ganz entspannt die Reha absagen.

Ich bezweifle sehr stark, dass Sie selbst bei Befolgung des rechtmässigen KK Bescheids die Reha tatsächlich antreten müssen.

Experten-Antwort

Hallo Peter,
grundsätzlich hat die Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen das Recht, Sie aufzufordern einen Reha-Antrag zu stellen. Sofern dies noch nicht geschehen ist, muss dieser Reha-Antrag natürlich von Ihnen noch nicht gestellt werden. Sobald die Krankenkasse Ihr Gestaltungsrecht diesbezüglich jedoch einschränkt, muss das weitere Verfahren (auch die Frage, ob dann eine Rentenantragstellung ausreichend ist) mit der Krankenkasse abgesprochen werden.
Ein Anspruch auf eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen hängt von mehreren Faktoren ab:
1. Vollendung des maßgebenden Lebensalters
2. Anerkannte Schwerbehinderung zum Beginn der Rente von mindestens 50 %
3. Erfüllung der Wartezeit von 35 Jahren sowie
4. Einhalten von Hinzuverdienstgrenzen
Zu 1:
Ihn Ihrem Fall (Geburt im Jahr 1959) ist ein vorzeitiger Bezug dieser Altersrente ab dem 61. Lebensjahr und 2 Monaten möglich.
Bitte beachten Sie jedoch, dass dann in der monatlichen Rentenzahlung grundsätzlich ein lebenslänglicher Abzug in Höhe von 10,8 % zu berücksichtigen ist.
Ohne diesen Abzug wäre ein Rentenbezug erst ab dem 64. Lebensjahr und 2 Monaten möglich.
Zu 2:
Sofern Ihre Schwerbehinderung nicht befristet ist und/oder am Tag des Rentenbeginns noch besteht, ist diese Voraussetzung erfüllt.
zu 3:
Ob Sie diese erforderliche Wartezeit von 35 Jahren erreichen, erkennen Sie am einfachsten in Ihrer Rentenauskunft.
Sofern Ihnen keine aktuelle Rentenauskunft vorliegt, können Sie diese am Servicetelefon (unter 0800 1000 480 0) oder über die Online-Dienste der Deutschen Rentenversicherung kostenlos beantragen.
zu 4:
Wie hoch die Hinzuverdienstgrenze in Ihrem persönlichen Fall ist, hängt von Ihrem gewünschten Rentenbeginn ab.
Allgemein lässt sich aber sagen:
Sofern die Rente ab dem Jahr 2021 bezogen wird, darf ein Hinzuverdienst (also Entgelt, welches parallel zum Rentenbezug erzielt wird) die Grenze von 6.300 € (brutto) im Kalenderjahr nicht übersteigen, damit Sie weiterhin die volle Altersrente erhalten können.
Übersteigt ein Hinzuverdienst diese Grenze, kommt es zu einer Anrechnung und damit evtl. zur Kürzung der Altersrente zu bestimmten Teilen.

Den tatsächlichen Rentenantrag können Sie dann am einfachsten 3 Monate vor Ihrem gewünschten Rentenbeginn in der Auskunfts- und Beratungsstelle in Ihrer Nähe oder bei einem Versichertenberater bzw. Versichertenältesten stellen.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung