Lehrzeit und Fachschule

von
joachim1946

Guten Tag, ich bin ganz unsicher geworden, wie Lehrzeit und Fachschule angerechnet werden:

Geboren 10/1946, Lehre 3 1/2 Jahre mit Abschluss von 1961-1964.

Fachschule (Vollzeit HTL) 1968-1969 (18 Monate mit Abschluss.

Keine fehlenden Beitragszeiten bis heute. Keine Behinderung.

Ich habe vor ca. 5 Jahren schon mal den Gesellenbrief nachreichen müssen, weil, wie hieß, die Lehrjahre, die über 3 Jahren höher bewertet werden? Nun soll das mit Fachschulausbildung "kompensiert" werden. Momentan verstehe ich manch nicht. Wer weiß Rat, bevor ich zur Beratungsstelle gehe?
Danke.

Experten-Antwort

Nach neuem Recht (Rentenbeginn nach 01.01.2009) werden nur noch 36 Kalendermonate mit Zeiten der Ausbildung in die (Höher-)Bewertung einfließen (§ 74 Satz 3 SGB VI). Dabei sind die zu bewertenden Anrechnungszeiten wegen des Besuchs einer Fachschule oder wegen der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme vorrangig zu bewerten.

Dies bedeutet, dass - zum einen die tatsächliche Berufsausbildung auf 36 zu bewertende Kalendermonate begrenzt wird, wenn die Berufsausbildung länger gedauert hat und - zum anderen diese 36 Kalendermonate mit Berufsausbildung dann nicht oder nur in geringerem Umfang in die Höherbewertung einbezogen werden, wenn auch noch zu bewertende Anrechnungszeiten mit schulischer Ausbildung vorhanden sind.

In Ihrem Beispiel werden die 3 ½ Jahre zunächst auf 36 Monate gekürzt und dann noch einmal wegen 18 Monate Fachschulzeit auf 18 Kalendermonate - so dass insgesamt 18 Monate Fachschule und 18 Monate Berufsausbildung zu den ersten 36 Monaten zählen und besonders bewertet werden.

von
joachim1946

Danke, lieber Experte, für die ausführliche und verständliche Antwort.

Weil ich erst 2011 in Rente gehe, stehe ich (Bewertung Lehrzeit und Fachschulausbildung) "schlechter" als wenn ich vor dem 1.1.2009 gehen würde?

Sind das viele EUROS?

Experten-Antwort

Ja, dies ist zutreffend, vgl. auch (zu den Schulausbildungszeiten) die Regelung im § 263 Abs.3 Sozialgesetzbuch VI.

In Ihrem Fall ist es indes so, dass ja nach wie vor 18 Monate Berufsausbildung besonders bewertet werden, was im Vergleich zum derzeitigen Recht fehlt, sind 18 Monate Schulausbildunsgzeiten, wofür Sie bei einem Rentenbeginn ab 09/2007 nur noch 25 % des Gesamtleistungswertes erhalten würden - maximal 0,0208 EP/Monat.

Bei 18 Monaten wären dies also 0,3744 EP, sprich bei einer abschlagsfreien Altersrente ein monatlicher Bruttobetrag von knapp 10 Euro.

Bei einem Vergleich Rentenbeginn 2009 vs. 2011 entstehet Ihnen in Ihrer Konstellation kein finanzieller Nachteil. Die weitergehenden Schulausbildungszeiten werden indes bis zu einer Gesamtdauer von 96 Monaten (auch nach 2009) als Anrechnungszeit für Wartezeiten berücksichtigt (2011 ist dies nach derz. Rechtslage ebenfalls der Fall).

MfG

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