Lohnt sich für mich betriebliche Altersvorsorge?

von
Hermann

Guten Tag,

Jahreseinkommen 30.000 Euro, Riester Fondssparplan gesamter Jahresbeitrag 2100 Euro, zu erwartende Rente lt Rentenbescheid rund 1100 Euro im Monat. Lohnt der Abschluß einer Direktversicherung im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge für mich? Grundsätzlich bin ich interessiert, befürchte aber, daß der Vorteil in der Ansparphase den Nachteil in der Auszahlphase nicht aufhebt. Ich würde den Jahreshöchstsatz zur bAV aus dem Weihnachtsgeld zahlen bis endalter 67. Der Riester Fondssparplan soll eine Bruttorente von monatlich 489 Euro bringen. Bin Jahrgang 1962

Danke und mit freundlichen Grüßen

von
Maria L.

Hallo Hermann,

haben Sie schon einen privaten Riester-Fondssparplan und wollen zusätzlich eine Direktversicherung abschließen, oder wie ist Ihre Anfrage zu verstehen?

Eine Direktversicherung ist doch meines Wissens eine Lebensversicherung - Sie wollen den Jahreshöchstsatz zur baV, also 4% des Vorjahreseinkommens, dort einzahlen?

Wenn ich das so richtig verstanden habe, dann sollten Sie sich darüber klarwerden, daß festverzinsliche Sparformen für lange Ansparzeiträume riskant sind (entgegen der landläufigen Meinung), weil auf lange Sicht die Inflation an Ihrem Spargeld knabbert. Und bei den geringen Renditen, die bei dieser Art Verträge üblicherweise erwirtschaftet werden können, erreichen Sie unter Umständen nicht einmal den Kaufkrafterhalt Ihrer eingezahlten Beiträge.

Bei allen BAV-Verträgen gilt: die Auszahlung ist voll beitragspflichtig für Kranken- und Pflegeversicherung (heute 15%, in 21 Jahren vielleicht 20%). Außerdem volle nachgelagerte Besteuerung (2029: bereits 88% der Rente steuerpflichtig, also hohe Steuerbelastung).

BAV-Verträge sind außerdem unflexibel bei Arbeitgeberwechsel. Zwar kann das Kapital auf einen Vertrag beim neuen Arbeitgeber übertragen werden, doch dabei müssen Sie mit hohen zusätzlichen Kosten rechnen (doppelte Abschlußgebühren).

Wenn Sie anstelle der steuerbegünstigten 4% des Vorjahreseinkommens nur Ihren Eigenanteil aus dem Nettoeinkommen verwenden, um privat hochrentabel über Aktienfondssparen vorzusorgen, erreichen Sie aller Voraussicht nach wesentlich mehr und sind dabei noch flexibler (allerdings ohne Hartz IV- Schutz).

Da Sie gegenüber dem Ratensparen in Aktienfonds ja offenbar aufgeschlossen sind, empfehle ich Ihnen folgende Website:

www.finanzuni.org

Dort werden Ihnen keine Altersvorsorgeprodukte verkauft, sondern Fakten zur eigenverantwortlichen Aktienfondsanlage vermittelt, wenn Sie möchten. Wenn Sie sich damit intensiv auseinandersetzen (nicht abschrecken lassen von zunächst ungewohnt oder gar völlig irrwitzig erscheinenden Argumenten, es dauert, das alles zu verstehen), können Sie vielleicht selber abschätzen, was sich für Sie lohnt.

Gruß,
Maria L.

P.S. Noch was zu Ihrer Motivation für eine private Altersvorsorge: als heutiger Durchschnittsverdiener werden Sie in 21 Jahren möglicherweise nur mit einer sehr geringen gesetzlichen Rente rechnen können. Verlassen Sie sich vorsichtshalber nicht auf die Zahlen der Renteninformation. Je mehr Sie rentabel privat vorsorgen, umso sicherer wird Ihre Gesamtabsicherung.