Maßnahmen zur Rehabilitation nach § 51 SGB

von
Oddo

Am 30.07.2009 hat mich ein Mitarbeiter der Krankenkasse angerufen und sehr
drohend angekündigt, man werde nun zur medizinischen Reha nach § 51 SGB...
auffordern. Die Möglichkeit einer Umdeutung in einen Rentenantrag wurde betont.
Am selbigen Tag noch ging auch das angekündigte Schreiben als Einschreiben/
Rückschein zum Postausgang. Die Antragstellung zur med. Rehabilitation muß
spätestens bis zum 12.10.2009 erfolgen, ansonsten erlischt der Krankengeld-
anspruch usw...

Zu meiner Person: Geburtsdatum 12/1946, männlich, verheiratet
Seit 04/1961 ununterbrochen in Deutschland berufstätig
bis heute nicht einen einzigen Tag arbeitslos gewesen
noch nie Krankengeld erhalten außer ein paar Tage Lohnfortzahlung
noch nie eine med. oder berufliche Reha in Anspruch genommen
seit 06.11.2008 ununterbrochen arbeitsunfähig krank geschrieben
wegen eines zurückliegenden Herzinfarktes, koronarer Herzkrankheit,
Prostata-Karzinom, Nieren-Insuffizienz (nur noch 40% Leistung),
(Ansonsten wahrscheinlich kerngesund, nur halt älter geworden.)
Alles festgestellt November/Dezember 2008.
Antragstellung auf Schwerbehinderung am 22.04.2009.
Mit Bescheid vom 04.08.2009 GdB 100 festgestellt.
An Weihnachten diesen Jahres werde ich 63 Jahre alt.
Entgeltpunkte Rentenversicherung vermutlich etwa 50 bis 52.

Arbeitsplatz: Offiziell wird verkündet, man erwarte meine baldige
Rückkehr. Tatsache ist aber, daß auf meinem Schreibtischstuhl
schon ein jüngerer Mitarbeiter sitzt und für mich im Betrieb kein
geeigneter Platz auf längere Sicht vorhanden ist. Es ist halt so.

Ich hab seither gedacht, dass man mit oben genannten gesundheitlichen
Einschränkungen krank ist und deshalb Krankengeld bekommt.
Als jahrzehntelanger Beitragszahler an der Bemessungsgrenze jetzt
nur noch ein unnötiger Kostenfaktor? Ach nein, die Krankenkasse
meint es nur gut mit mir und sieht meine Gesundheit und Erwerbs-
fähigkeit gefährdet? Dies war aber schon am ersten Tag meiner
Lehrzeit genauso. Urplötzlich den Stein der Weisen gefunden?
Das nehme ich diesen Herrschaften aber nicht ab - hier möchte ich
doch eher anregen, mal ganz ehrlich in den Spiegel zu schauen
und den Griff zur Cognacflasche zu unterlassen. Anders kann man
sich die vernebelte Denkweise der Krankenkasse nicht erklären.

Ich bin nie irgendeinem Sozialsystem unseres Staates oder den
Krankenkassen zur Last gefallen und habe geduldig und ohne Murren
"gesponsert". Es stimmt nachdenklich und macht den Betroffenen
verbittert, dass man bei Erwartung einer Gegenleistung sofort als
kostenträchtiger Giftmüll entsorgt werden soll. In meinem Fall
sieht es doch offensichtlich so aus, dass ich als Krüppel aus der
Krankenkasse und aus dem Arbeitsleben herausgeprügelt werden
soll. Eine kleine Leistungszulage für den KK-Mitarbeiter ob dieser
heroischen Tat wird sicher allgemein Verständnis finden und den
Begriff Boni für den Vostand kennen Sie sicher auch.

Durch eine Ehescheidung im Jahr 2000 mit Versorgungsausgleich
sind mir sehr viele Entgeltpunkte verloren gegangen. Deshalb bin
ich verständlicherweise an einer finanziellen längerfristigen Lösung
sehr interessiert und eigentlich auch darauf angewiesen, dies natürlich
auch mit dem Hintergrund, daß die unerwartete gesundheitliche
Entwicklung meine ganze Vorsorge und Planung fürs Alter zur
Makulatur gemacht hat. - An Netto-Rente habe ich etwa 60% des
jetzigen Krankengeldes zu erwarten. Das ist nicht viel zum Leben.

Sicher verstehen Sie an dieser Stelle, dass ich nicht nur verbittert
bin sondern mittlerweile etwas hilflos und deshalb für jeden Rat
sehr dankbar wäre. Dass ich mich gegen das arrogante Auftreten
der Krankenkasse nicht wehren kann, mußte ich zwischenzeitlich
einsehen. Den Antrag werde ich pünktlich und korrekt einreichen.
Und wie geht es dann wohl weiter? Wie lange dauert das normal?
In meinem Alter mit Schwerbehinderung noch medizinische Reha?

Was ist bei Ablehnung der Reha? Umdeutung in Rentenantrag?
Versteht doch sowieso kein Mensch: man wird zu etwas gezwungen,
was man überhaupt nicht will und das wird dann einfach umgedeutet
in etwas, was man noch weniger will. Und das ohne den Betroffenen
jemals gesehen zu haben, mit ihm gesprochen zu haben, medizinisch
untersucht zu haben, seine Meinung gehört zu haben - es macht mich
sehr traurig und auch nachdenklich, dass Menschen ungefragt so
bevormundet und zurechtgebogen werden.

Wenn ich an irgendeiner Stelle zu heftig reagiert habe, dann bitte ich
freundlich um Nachsicht. Aber wenn Sie den Beitrag aufmerksam
durchgelesen haben, werden Sie sicher erkennen, dass ich eigentlich
nur sehr verbittert und verunsichert bin und für jeden gutgemeinten
Rat sehr dankbar. Also wenn jemand beratend helfen kann oder
Ideen und Anregungen oder Vorschläge hat, nehme ich sehr gerne an.

von
Chris

Grundsätzlich müssten Sie eine Untersuchung beim Medizinischen Dienst (MDK) gehabt haben. Ansonsten müssen schon sehr aussagekräftige Unterlagen per Aktenlage vorgelegen haben. Fordern Sie doch mal das Gutachten bei der Krankenkasse an.

Wenn der MDK nach § 51 SGB V eine Gefährdung der Erwerbsfähigkeit festgestellt hat, so müssen Sie den Antrag stellen, um ihren Anspruch auf Krankengeld nicht zu verlieren. Beantragen Sie doch mit 63 Jahren die Altersrente für Schwerbehinderte, d haben Sie ja keine Abschläge mehr.
Reden Sie dann mal mit der Krankenkasse über die Reha. Wenn Sie nämlich im Rehaantrag angeben, dass Sie in den nächsten 6 Monaten beabsichtigen einen Rentenantrag zu stellen, so leitet die DRV den Antrag an die Krankenkasse weiter und diese muss dann die Kosten der Reha übernehmen. Vielleicht lässt Sie die Krankenkasse dann "in Ruhe".

von
Oddo

hallo Chris, danke für die schnelle und auch interessante Antwort. Der MdK hat mich noch
nie gesehen, noch nie befragt und auch sonst in keiner Weise an einem Gespräch Interesse gezeigt. Man hat offensichtlich nach "Aktenlage" seine schweren Entscheidungen getroffen. Darf man denn ohne Nachteile befürchten zu müssen nachfragen, wie der MdK seine Akten gelegt hat?

von
Heike

Hallo,,

ich habe leider keinen Rat, ich stecke fast in der gleichen Situation.

Es tut mir leid, daß Sie in dieser Lage sind und ... Sie sprechen mir aus dem Herzen. Genauso denke ich auch, leider.

Trotzdem alles Gute für Sie.

von
Kemner

Trotz aller -verständlicher- Emotionen sollte man immer versuchen die Sachlage emotionslos zu analysieren.

Eine Untersuchung durch den MDK ist doch gar nicht notwendig oder geschweige denn vorgeschrieben.

Die Krankenkasse kann tatsächlich " nur " nach Aktenlage zur Rehaantragstellung aufforden und auch WANN Sie will.

Wahrscheinlich sind ihre ärztlichen Befundberichte so eindeutig ( bei den von ihnen geschilderten Erkrankungen ist das wohl so ! ), das gar keine andere Wahl für die Krankenkasse bleibt.

Ich kenne Leute die schon nach 2 Monaten der Krankschreibung seitens der Krankenkasse zur Rehaantragstellung aufgefordert werden...

Das sind auch keine
" schweren " Entscheidungen sondern völlig normale
- alltägliche - Entscheidungen die hundertfach jeden Tag so gefällt werden..

Ob einem das passt oder nicht ist eine ganz andere Sache.

Persönlich habe ich auch
" nur " ca. 10 Monate Krankengeld erhalten, bevor ich dann die EM-Rente bekommen habe.

Und ich habe den Rehaantrag freiwillig, also ohne Aufforderung durch die Krankenkasse gestellt und das sehr frühzeitig.

Wann kann doch nicht erwarten das die Krankenkassen die kompletten 78 Wochen der Krankenzahlung abwarten.

Viele Leute versuchen dies natürlich, aber das die Krankenkasase da den Riegel versucht vorzuschieben ist doch - aus deren Sicht - wohl verständlich.

Wenn eben alles auf EM hinweist, dann ist die Krankenkasse sogar dazu verpflichtet diese umgehend
( mit einem Rehaverfahren ) einzuleiten.

Gehen Sie doch einfach mit 63 im Dez. in die Altersrente und das ohne Abschläge.

Dann ist doch alles gut.

von
Aha

Das Problem ist, dass bei einer Aufforderung durch die Krankenkasse der Weg in die Altersrente (Dispositionsrecht) nur eingeschränkt möglich ist!

Sollte eine EM-Rente bewilligt werden, so wird diese fast oder ganz ohne Abschlag sein - stellen Sie den geforderten Antrag auf Reha-Leistungen und warten Sie ab! Die KK muss weiterzahlen bis zur Entscheidung der DRV.

Ggf. schildern Sie den Fall wie oben geschehen der örtlichen Dirketion Ihrer KK und kündigen Sie zum nächst möglichen Termin die Mitgliedschaft - auch das kann Wunder wirken (die großen Kassen mit den drei großen Buchstaben versuchen Mitglieder zu halten bzw. zurück zu holen!)

Freunden Sie sich ansonsten mit dem Thema Altersrente an und planen Sie den ANtrag auf Altersrente - schließlich wollen Sie selbst von Ihren (hohen) Rentenbeiträgen ja auch noch was haben!

von
Jupp

Mit fast 63 erst jetzt an die Altersrente zu denken und vor allem dafür etwas finanziell tun zu müssen, ist aber doch etwas spät oder meinen Sie nicht ??

Mit 50-52 Rentenpunkten bekommen Sie übrigens sogar eine etwas höhere Rente als der sog. Durchschnittsrentner.

Damit müssen auch viele andere Rentner leben und zufrieden sein.

Außerdem können Sie ja noch dazuverdienen so viel Sie wollen.

Ihr 2000 vorgenommener versorgungsausgleich wegen einer Scheidung ist reine Privatsache und ihr Pech.

Das dies zu Lasten IHRER Rente geht wussten Sie doch auch schon seit jetzt 10 Jahren ...

Das ihr Arbeitgeber Sie nicht mehr weiter beschäftigen will haben Sie ja wohl schon selbst erkannt und einen neuen Job werden Sie in ihrem Alter und ihren gesundheiltichen Einschränkungen niemals mehr finden.

Das ihr Arbeitgeber sie jetzt einfach noch einige Jahre bis zur normalen Altersrente mit
" durchzieht " ist doch unrealistisch. Das Sie bis dato nicht 1 Tag vorher krank waren oder lange dort beschäftigt waren, spielt doch auch überhaupt keine Rolle. Dadurch einen Vorteil oder Bonus zu bekommen ist reines Wunschdenken und Träumerei. Die Realität sieht doch völlig anders aus...

Es bleibt ihnen also leider nur die Altersrente für Schwerbehinderte.

Ob dies nun aber so schlimm ist wie Sie es hier schildern wage ich zu bezweifeln.

Viele Menschen würden das gerne so in Anspruch nehmen und können es nicht.

von
Aha

'Außerdem können Sie ja noch dazuverdienen so viel Sie wollen.'

- das geht (ohne Folgen) erst nach Erreichen der Regelaltersgrenze!

Experten-Antwort

Sehr geehrter Oddo,

zu Ihrer Frage gab es inzwischen zahlreiche Rückmeldungen - sicher nicht zuletzt, weil viele Menschen ein ähnliches Problem beschäftigt.

Es ist richtig, dass die Krankenkasse nach § 51 SGB V das Recht hat, Ihre Versicherten zur Rehaantragstellung aufzufordern. Es trifft außerdem zu, dass ein Rehaantrag von der Rentenversicherung an die Krankenkasse weitergeleitet werden muss, wenn Sie vorhaben (und das auch im Antrag dokumentieren) innerhalb von 6 Monaten eine Altersrente zu beantragen. Ob dies allerdings einen Einfluss auf die Aufforderung der Krankenkasse hat, wage ich zu bezweifeln. Das bekommen Sie sicher nur im direkten Gespräch mit der Krankenkasse heraus. Bei der Aufforderung zur Rehaantragstellung will die Krankenkasse schließlich hohe Folgekosten durch eine anderthalbjährige Zahlung von Krankengeld vermeiden, indem sie oder ein anderer Kostenträger stattdessen eine Heilbehandlung finanziert, die nur einen Bruchteil dessen kostet und zudem den Gesundheitszustand (hoffentlich) bessert. Ein Versuch schadet nicht. Ebenso verhält es sich mit dem Einfluss eines angedrohten Wechsels der Krankenkasse - die Folgen werden Sie nur über die Krankenkasse herausfinden. Ich halte dies übrigens für einen interessanten Tip.

Ob Sie tatsächlich den Weg in die Altersrente einschlagen wollen, können Sie nur selbst entscheiden. Tatsache ist, dass ein Anspruch auf Altersrente für Schwerbehinderte Menschen besteht, wenn mindestens 35 Jahre mit rentenrechtlichen Zeiten vorhanden sind, eine Schwerbehinderung von mindestens 50 % vorliegt und man mindestens 60 Jahre alt ist. Ab einem Rentenbeginn von 63 Jahren ist diese Rente abschlagsfrei. Ein Herauszögern des Rentenbeginns ist natürlich finanziell attraktiver, weil aus dem Krankengeld weiter Beiträge in Ihr Rentenversicherungskonto fließen. Darauf haben Sie in Ihrer derzeitigen Situation allerdings nur bedingt Einfluss. Im Falle der Umdeutung Ihres Rehaantrags in einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente (siehe unten), würde die Erwerbsminderungsrente unter Umständen zeitiger beginnen als eine Altersrente. Ist dies der Fall, wird die Krankenkasse sicher auf die Beantragung der Erwerbsminderungsrente bestehen. Ob dies verhandelbar ist, entscheidet die Krankenkasse. Versuchen Sie es!

Geht Ihr Rehaantrag beim Kostenträger ein, muss dieser innerhalb von 3 Wochen entschieden werden. Das klappt in der Regel, wenn alle benötigten medizinischen Unterlagen vorliegen.

Abgelehnt werden, darf die Reha nur, wenn keine Aussicht besteht Ihr Krankheitsbild durch eine Behandlung zu bessern. Sollte dies der Fall sein, wird geprüft, ob Ihr Leistungsvermögen tatsächlich so schlecht ist, dass Sie einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente hätten. Falls ja - erhalten Sie von der Rentenversicherung einen Hinweis, dass Sie die Möglichkeit zur Rentenantragstellung haben (einem Zwang unterliegen Sie nur von Seiten der Krankenkasse). Falls keine Erwerbsminderung vorliegt, unterrichtet die Rentenversicherung die Krankenkasse. Dieser bleibt dann nichts anderes übrig als weiter Krankengeld zu zahlen.

Ein Hinweis noch zum Schluss: sollten Sie früher oder später eine Rente beantragen, beachten Sie bitte, dass die Hinzuverdienstgrenze zur Vollendung des 65. Lebensjahres 400 EUR monatlich beträgt.