Fragen beantworten Expertinnen und Experten der Deutschen Rentenversicherung.
Zur Experten-Antwort springenDas Angebot sieht oberflächlich verlockend aus. Man "opfert" nur 10 EUR monatlich und bekommt eine lebenslange Rente von monatl. 212 EUR.
1) Im Beispiel liegt der Rechnung eine Zahlung von Eigenbeiträgen vor von 47 Jahren, also 564 Monaten zugrunde, d.h. 5640 EUR. Dazu gesellen sich die vom ArbGeb. getragenen 15 EUR, also nochmal 8460 EUR.
In der Summe kommen 14.100 EUR Einzahlung zusammen. Glauben Sie im Ernst, dass eine monatl. Rente dann 212 EUR beträgt?
2) Die Zinserträge wurden zudem mit unrealistischen 4% angegeben. Zum heutigen Zeitpunkt sehr fragwürdig.
3) Alles was über den ArbGeb geregelt wird heißt in der Auszahlungsphase "Betriebsrente". Damit ist die Rente in der KV beitragpflichtig. Da hier niemand den "ArbGeb-Anteil" übernimmt, wird der volle Beitragssatz in Anrechnung gebracht. Sie können überschlägig 15 - 17% vom Rentenbetrag abziehen.
4) Diese Rente unterliegt der vollen Besteuerung in der Auszahlungsphase.
5) In der Ansparphase ist Ihr Kapital nicht "Hartz4-sicher". D.h. sollten Sie mit 46 Jahren den Arbeitgeber verlieren und keinen Job mehr finden, landen Sie binnen weniger Monate im ALG2-Bezug. Hier müssten Sie diesen Sparvertrag wahrscheinlich verflüssigen. Ganz sicher dann, wenn bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen "Sozialgeld" gezahlt wird.
6) Das eigene Sparkapital soll durch Entgeltumwandlung zustande kommen. Das heißt die Entgelte für die gRV fallen entsprechend niedriger aus, womit auch ein niedrigerer Beitrag zur Rente fällig wird - daher die Rechnung mit Netto 8 EUR.
Was Sie hier also als Betriebsrente erhalten dürfte in der gRV weniger gezahlt werden. Ist das dann ein Geschäft?
7) Alle Betriebsrenten müssen "portabel" sein, ich muss sie also beim ArbGeb-wechsel mitnehmen können. In den meisten Fällen klappt das nicht so ohne Weiteres.
8) Die Kosten des Vertrages sind nicht erklärt worden. Fallen jeden Monat oder jährlich Gebühren an? Auch in der Auszahlungsphase? Welche Gebühren werden bei Vertragsänderungen fällig? Übernimmt der ArbGeb die Abschlussgebühren? Häufig bekommen Sie auf gezielte Anfragen nur schwammige Antworten. Gerade bei den Kosten werden gerne nur pauschal formulierte Antworten gegeben.
9) Was bekomme ich in 4 Jahrzehnten für 212 EUR? - Ein Brötchen??
Junge Leute könnten da eher einen Riester-geförderten Vertrag als private Rente - also nicht über den Arbeitgeber - abschließen. Die Zuschüsse kämen vom Staat, in der Ansparphase liegt "Hartz4-Sicherheit" vor, keine Kosten durch Wechsel/Änderungen weil diese beim ArbGeb-Wechsel nicht erforderlich sind, das Ansparen wird steuerlich gefördert, in der Auszahlung leider voll zu versteuern - aber keine (!) KV-Beiträge.
Dies empfehlen wir vor allem Frauen, die ggf. weitere Zulagen für Kinder erhalten. Auch das enthält die angebotene Betriebsrente nicht!
Früh anzufangen mit einer privaten Altervorsorge ist ansonsten ein deutlicher Vorteil. Die Eigenanteile und die Zinsgewinne wären günstiger verteilt. Müssen Sie in kürzerer Zeit sparen hieße das höhere Einzahlung bei weniger Zinsgewinn. Zuverlässige Rechnungen in die Zukunft würde ich gegenwärtig nur mit 1% vornehmen.
In unseren Beratungsstellen werden Riester-Förderung und alle allgem. Altersvorsorgespielregeln gerne erklärt. Nutzen Sie ggf. auch den Riesterrechner auf Ihre-Vorsorge.de um ein Musterbeispiel zu bekommen.
@Fachmann:
Bei ausschließlich ALG II ist das sicherlich richtig, bei Sozialgeld sieht es halt anders aus.
Das Alter ist nicht ausschlaggebend dafür, ob ich lieber betriebl. oder privat Riestere oder andere Lösungen wähle - habe ich so auch nie behauptet.
Allgemein gilt aber für jeden Sparvertrag: Je länger die Dauer, desto höher der Zinsgewinn. Eine mathematische Grundsätzlichkeit. Den reinen "Sparrechner" haben wir leider nicht mehr in dieser Internetpräsenz. Sonst hätten Sie mal zwei Varianten rechnen können: a) bei einem festen Zinssatz zahle ich innerhalb von 20 Jahren monatlich 100 EUR ein b) bei identischem Zinssatz zahle ich für 10 Jahre monatlich 200 EUR ein. Der finanzielle Aufwand ist der gleiche. Fall a) wird in der Summe höher ausfallen.
Ergänzung: Habe gerade verstanden was Sie meinen:
Für Männer ist es wirklich egal ob Jüngere Riestern oder nicht - bei Frauen käme halt die mögliche Zulage für Kinder zur besondern Entfaltung, wenn noch Kinder zu erwarten sind, für durchaus bis zu 25 Jahre eine weitere Zulage anfällt. Dies wäre bei älteren Frauen ggf. nicht mehr so. Zu bedenken gäbe es allerdings schon, dass die Kinderzulage per Erklärung auch dem Vater der Kinder zukommen könnte. Um damit hätte man auch die jungen Männer wieder im Boot. - So war es gemeint.
@alle:
Ein junges Ehepaar, steuerlich gemeinsam veranlagt, erwartet Drillinge. Nehmen wir mal an die Kinder sind schlau und studieren und entwickeln analog dem Kindergeldrecht Zulagen in der Riesterrente der Eltern für 25 Jahre. Und genau solange wollen die Eltern Altersvorsorge betreiben. Die Summe der Zulagen wäre dann 2x 154 EUR + 3x 300 EUR jährlich. In der Summe wären das x25 = 30.200 EUR. Weiß jemand noch eine alternative nicht-Riester Sparversion, in der man über 30t EUR geschenkt bekommt?
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