Möglichkeiten gegen Zwangsberentung?

von
marpelchen

Hallo, seit einem 3/4 Jahr beschäftigt mich folgendes Problem: ich habe meinen Antrag auf medizinische Reha über die Krankenkasse an den Rententräger weiterleiten lassen. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits 8 Monate krank. Daraufhin wurde durch die KK mein Reha-Antrag in einen Rentenantrag umgewandelt. Inzwischen weiß ich, dass das rechtlich sauber ist. Ich will mich aber nicht "Zwangsberenten" lassen; ich habe die Reha mit dem Ziel beantragt, wieder in das Erwerbsleben zurück zu kehren. Bereits während meiner Krankheit gab es Verhandlungen mit meinem AG, nach Rückkehr nur noch 20 Stunden mit neuen Arbeitsaufgaben (andere Stelle) zu arbeiten; KK und Rententräger waren darüber informiert. Nach der Reha habe ich Ende des Jahres meine Arbeit wieder aufgenommen und hoffte nun, dass damit der Rentenantrag hinfällig ist. Nun habe ich erfahren, dass die Entscheidung erst fällt, wenn der Reha-Entlassungsbericht vorliegt. Auch könne es sein, dass die Versicherungen sagen: durch die Reha konnte die Erwerbstätigkeit nicht in vollem Umfang wiederhergestellt werden (habe vorher 40h Vollzeit gearbeitet), weil ich ja nur noch 20 Stunden arbeite (aber das hat nichts mit meinem Leistungsvermögen zu tun, sondern war meine eigene Entscheidung, bereits im Vorfeld). Welche Möglichkeiten habe ich, die "Zwangsberentung" abzuwenden? Worauf muss ich achten?
Ich will selbst bestimmen (auch als Schwerbehinderter), wann ich eine Rente in Anspruch nehmen möchte. Jetzt möchte ich, auch mit Lohneinbuße, so viel arbeiten, wie mir möglich ist.
Wenn jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder über Insider-Wissen verfügt, wäre ich Euch für jede Rückmeldung sehr sehr dankbar. Die Zeit drängt sehr - von daher wäre es schön, recht bald Infos zu bekommen.
Herzlichen Dank schon jetzt an alle!!!!

von
Ghostwriter

Hallo marpellchen,

Zunächst einmal : Niemand kann Sie zwingen Rente der gesetzlichen Rentenversicherung (RV) in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie nach der erfolgten Umdeutung Ihres Reha-Antrages auf Ihr weiteres Antragsrecht ( am besten schriftlich) gegenüber dem RV-Träger verzichten, wird der RV-Träger lediglich Ihren bereits gestellten Reha-Antrag ablehnen, weil ja aus Sicht der gesetzlichen RV keine Aussicht besteht, dass Sie wieder mindestens 3 Stunden/Tag arbeiten können, wenn die Reha durchgeführt wird.

Sie haben aber möglicherweise noch eine zweite Chance, nämlich teilweise (1/3; 1/2; oder sogar 2/3) Rente wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung zu beziehen und nebenher eingeschränkt arbeiten zu gehen. Hierzu sollten Sie sich bei Ihrem zuständigen RV-Träger erkundigen, wie Ihre individuellen Hinzuverdienstgrenzen bei einem Rentenbezug wegen Erwerbsminderung aussehen.
Maßgebend ist hierbei nicht, wieviele Stunden Sie wöchentlich arbeiten gehen, sondern der monatliche Bruttoverdienst, den Sie aus Ihrer Beschäftigung erzielen.

Klingt ganz schön kompliziert, meinen Sie ?
Ist es auch. Aber vielleicht haben Sie am Ende mehr Geld in der Tasche, wenn Sie arbeiten und Rente beziehen ! Also lassen Sie sich vor einer endgültigen Entscheidung ausführlich beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ghostwriter

von
Na Sie

ich würde - nach rücksprache mit der krankenkasse - den rentenantrag zurückziehen. normalerweise geht das problemlos, jedenfalls wenn sie keine leistungen von der krankenkasse bezogen haben (krankengeld). dann hätte die kasse ein berechtigtes interesse an einer berentung:
- sie muss ihnen kein krankengeld mehr zahlen
- ggf. bekommt sie gezahltes krankengeld von der rentenversicherung (durch eine ggf. entstandene nachzahlung) erstattet

Experten-Antwort

Von einer Zwangsberentung kann nicht die Rede sein. Sie haben selbstverständlich die Möglichkeit, den Rentenantrag zurückzunehmen. Auf die Umdeutung des Reha-Antrags auf einen Rentenantrag wird regelmäßig die Krankenkasse drängen, weil dann Krankengeld nicht mehr zu leisten ist.

von
marpelchen

Hallo und vielen Dank erst einmal für die schnellen Rückmeldungen sowie die Informationen. Einige Zweifel sowie Unsicherheiten sind leider noch da...deswegen melde ich mich noch einmal. Der Rentenantrag wurde nicht von mir gestellt, allerdings der Reha-Antrag allein auf meine Initiative; die KK hat es dann im Nachhinein so ausgelegt, als hätte sie mich dazu aufgefordert. Zu dem Schreiben bin ich in Widerspruch gegangen - ohne Erfolg. Da ich den rentenantrag selbst nicht gestellt habe, kann ich diesen wohl auch nicht zurück ziehen. Die KKhat während meiner langen Krankheit natürlich Krankengeld gezahlt und prüft jetzt, ob Einschränkung der Erwerbsminderung vorliegt. Leider ist der Reha-Entlassungsbericht noch nicht da, sodass ich weiter auf eine Entscheidung der Versicherungen warten muss. Über die Hinzuverdienstmöglichkeiten habe ich mich bei der Rv bereits informiert. Mein Rentenanspruch ist nicht so doll und daher würde ich wenn ich über die Hinzuverdienstgrenzen gehe, keinen Anspruch auf rente haben oder nur einen ganz ganz minimalen (10-20 Euro). Von daher möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Rente in Anspruch nehmen und mich auch nicht berenten lassen (ist mir sehr wichtig). Der Zeitpunkt hierfür wird noch früh genug kommen, das weiß ich.
Zum jetzigen Zeitpunkt würde eine Berentung nur Nachteile für mich bringen, denke ich... Zum Beispiel bei der Suche nach einer neuen Anstellung (derzeit befristeter AV) und anderes. Oder sehen Sie das anders?
Und noch einmal die Frage vom Beginn: kann ich selbst den Rentenantrag überhaupt zurück ziehen, wenn dieser nicht durch mich gestellt wurde?
Herzlichen Dank für Ihre Mühe und Unterstützung!!!

von
Koulchen

Hallo marpelchen,

an anderer Stelle hier habe ich gelesen, daß der Rentenantrag sowieso erst gestellt ist, wenn Sie selbst ihn unterschrieben haben. Also keine Gefahr von dieser Seite.

Wegen des erfolglosen Widerspruchs gegen den KK-Bescheid könnten Sie vielleicht noch mal im entsprechenden Fachforum (www.krankenkassenforum.de) anfragen. Auch dort habe ich bisher immer ähnlich kompetente Antworten wie hier bekommen.

Viele Grüße
Koulchen

von
Rosanna

Hallo Marpelchen,

leider habe ich keine allzu gute Nachricht für Sie.

Inzwischen ist ein Reha-Antrag, der zuerst FREIWILLIG gestellt wurde und bei dem die KK die Aufforderung NACHGESCHOBEN hat, auch dann in einen Rentenantrag umzudeuten. Dies bedeutet, dass Sie einen formellen Rentenantrag stellen MÜSSEN, ansonsten kann die KK das KG einstellen.

ABER: Maßgeblich ist, wie die DRV und NICHT DIE KK Ihr Leistungsvermögen einschätzt!!! Die KK kann Sie - bevor dies vom RV-Träger nicht festgestellt wird - noch zu nichts zwingen!

Sollten Sie tatsächlich für erwerbsgemindert angesehen werden. müssen Sie also wohl oder übel einen Rentenantrag stellen, wenn Sie nicht ganz ohne Geld dastehen wollen. Eine weitere Möglichkeit bei einer vollen EM-Rente auf Dauer in dieser niedrigen Höhe ist die, zusätzlich Grundsicherungsleistungen zu beantragen. Ggfls. ist im Rentenbescheid ein entsprechender Hinweis angebracht. Ob ein solcher Anspruch überhaupt grundsätzlich besteht, muss dann geprüft werden.

Ich habe jetzt Ihren 1. Beitrag nicht mehr so ganz im Kopf... Sofern Sie auf andere Art und Weise die Möglichkeit haben, aus dem KG-Bezug zu fallen (z.B. durch eine Teilzeitarbeit), wäredies natürlich noch toller!

MfG Rosanna.