Mütterrente

von
Sohn

Meine Mama ist bereits 79 Jahre und hat 2 Kinder. Sie bekommt keine Rente und un sagt ihr jemand sie kann noch Rente beantragen wg. der 2 Kinder. Sie soll dafür ganz schnell einen Antrag stellen, für ein Jahr noch freiwillige Beiträge einzahlen und bekommt dann ab Januar 2016 eine Rente nachgezahlt. Ich kann es kaum glauben ob das stimmt.
Ist da richtig? Wieviel muss sie nachzahlen und was kommt dabei rückwirkend an Rente raus?

von
Max4.0

Hallo Sohn,

ja, das stimmt. War bei meiner Mutter auch so, über 80 bereits. Ich wollte das auch nicht glauben, hatte mich hier im Forum aber schlau gelesen. Darüber hinaus habe ich mich sehr gefreut, dass ihre Leistung als Hausfrau und Mutter damit anerkannt wurde.

Wir hatten letztes Jahr beantragt, d.h. es kam nach ca. 7 Monaten Bearbeitungsdauer und Hin- und Heranrechnerei wg. ihrer Witwenrente zur Auszahlung rückwirkend ab 1/2015. Dafür mussten wir einmalig für ein Jahr die Mindestbeiträge (ca. 1.000,00 Euro) einzahlen. Es waren über 7.300,00 Euro, die dann zur Auszahlung kamen. Und zusätzlich ab Dezember 2019 eine monatliche kleine Rente in Höhe von ca. 150,00 Euro, von der dann nur noch der KK-Beitrag abgeführt werden muss. Rückwirkend auf die große Summe wurden auch noch KK-Beiträge erhoben, aber das waren Peanuts (ca. 240,00 Euro), die aktuell mit der monatlichen Rente verrechnet werden.
Meine Mutter hatte sich damals ihre Rente bei Heirat auszahlen lassen, wie es so üblich war in manchen Haushalten. Und das Erziehungsrecht lag bei ihr.

Also, ab zur nächsten Beratungsstelle, Geburtsurkunden mitnehmen, ggf. eine Vollmacht von Ihrer Mutter unterschrieben, falls Sie für sie tätig werden, Persos nicht vergessen, dann geht das ziemlich schnell mit dem Antrag. Alternativ online selbst ausfüllen und wegschicken. Dann abwarten, bis von der DRV die Info kommt, das Sie die Mindestbeiträge rückwirkend einzahlen können, wieder abwarten - irgendwann flattert der Bescheid zur Freude aller hoffentlich ins Haus.

von
Unerklärlich

Man fragt sich wirklich, wo die Frauen und vor allem deren Kinder und Angehörige in den letzten Jahren waren und ob niemand von denen die Medien verfolgt hat, wo die Mütterrente 1 im Jahr 2014 und die Mütterrente 2 im Jahr 2019 immer wieder ein Thema war. Da es sich in der Masse der Betroffenen nur noch um Einzelfälle handelt, ist das kaum nachvollziehbar!

von
W°lfgang

Zitiert von: Sohn
Ich kann es kaum glauben ob das stimmt. Ist da richtig?

Hallo Sohn,

auch wenn Ihnen/anderen Mitlesenden der Beitrag von @Max4.0 vielleicht 'unglaublich' erscheint, ja - es ist so, dass die "Mütterrente" immer noch rückwirkend aktiviert/nachgezahlt werden kann *). Bei Antrag in 2020 allerdings nur noch ab 2016, bei immer noch Nachzahlungsaufwand von rd. 1000 € sind es weiterhin ein paar T€ Nachzahlungsbetrag.

*) ...sofern Ihre Mutter bei bereits erfassten Kindererziehungszeiten (aus welchem Grund auch immer) nicht bereits bis Ende 2014 auf die 'Mütterrente' von der DRV hingewiesen worden ist - dann geht nur noch/aber immerhin auch der Spontanantrag für die Regelaltersrente und künftige Rentenzahlungen ohne zusätzliche Einzahlung.

Antrag stellen, Rentenbeginn 01.07.2014 wählen und bereits die Bereitschaft zur Nachzahlung für freiwillige Beiträge erklären ...läuft!

Gruß
w.

von
VA Muc

Zitiert von: W°lfgang
Zitiert von: Sohn
Ich kann es kaum glauben ob das stimmt. Ist da richtig?

Hallo Sohn,

auch wenn Ihnen/anderen Mitlesenden der Beitrag von @Max4.0 vielleicht 'unglaublich' erscheint, ja - es ist so, dass die "Mütterrente" immer noch rückwirkend aktiviert/nachgezahlt werden kann *). Bei Antrag in 2020 allerdings nur noch ab 2016, bei immer noch Nachzahlungsaufwand von rd. 1000 € sind es weiterhin ein paar T€ Nachzahlungsbetrag.

*) ...sofern Ihre Mutter bei bereits erfassten Kindererziehungszeiten (aus welchem Grund auch immer) nicht bereits bis Ende 2014 auf die 'Mütterrente' von der DRV hingewiesen worden ist - dann geht nur noch/aber immerhin auch der Spontanantrag für die Regelaltersrente und künftige Rentenzahlungen ohne zusätzliche Einzahlung.

Antrag stellen, Rentenbeginn 01.07.2014 wählen und bereits die Bereitschaft zur Nachzahlung für freiwillige Beiträge erklären ...läuft!

Gruß
w.

Würde Rentenbeginn 1.1.16 ( nicht 1.7.14) wählen. Ausgezahlt wegen Verjährung wird eh erst ab diesem Zeitpunkt, so gibt es aber noch 18x0,5% oben drauf. Steuerlich wäre gewählter RB 2014 sich besser als 2016, aber das dürfte idR nicht ausschlaggebend sein.

von
Max4.0

Hallo Sohn,

stimmt, was W°lfgang noch hinzufügte. Meine Mutter ist de facto offiziell nie darauf hingewiesen worden, da sie ja gar nicht im System existierte ohne eigene Rente. Wir hatten die Unterlagen dahingehend nachgeprüft.
Viel Glück!

von
W°lfgang

> Würde Rentenbeginn 1.1.16 ( nicht 1.7.14) wählen.

Hallo VA Muc,

ist Hose wie Jacke ...wg. 'Verfristung' beginnt die Rente eh erst zum 01.01.2016 - unabhängig auch vom gewählten Rentenbeginn 01.07.2014.

> Ausgezahlt wegen Verjährung wird eh erst ab diesem Zeitpunkt, so gibt es aber noch 18x0,5% oben drauf.

Wieso 'aber'?

Das Obendrauf/Zuschlag ist abhängig vom tatsächlichen Rentenbeginn (01.01.2016), nicht vom Wunschdatum des Rentenbeginns.

> Steuerlich wäre gewählter RB 2014 sich besser als 2016, aber das dürfte idR nicht ausschlaggebend sein.

...öhm?!, auch hier nicht der gewählte oder frühestmögliche Rentenbeginn, sondern der _tatsächliche Beginn der ersten Zahlung_ - und das ist weder 2014 noch 2016. Gab doch gerade dieser Tage einen Hinweis dazu zum EStG ;-)

Gruß
w.
PS: VA steht hoffentlich nicht für Versicherungsamt …

von
2. Chance

Zitiert von: W°lfgang
> Würde Rentenbeginn 1.1.16 ( nicht 1.7.14) wählen.

Hallo VA Muc,

ist Hose wie Jacke ...wg. 'Verfristung' beginnt die Rente eh erst zum 01.01.2016 - unabhängig auch vom gewählten Rentenbeginn 01.07.2014.

> Ausgezahlt wegen Verjährung wird eh erst ab diesem Zeitpunkt, so gibt es aber noch 18x0,5% oben drauf.

Wieso 'aber'?

Das Obendrauf/Zuschlag ist abhängig vom tatsächlichen Rentenbeginn (01.01.2016), nicht vom Wunschdatum des Rentenbeginns.

> Steuerlich wäre gewählter RB 2014 sich besser als 2016, aber das dürfte idR nicht ausschlaggebend sein.

...öhm?!, auch hier nicht der gewählte oder frühestmögliche Rentenbeginn, sondern der _tatsächliche Beginn der ersten Zahlung_ - und das ist weder 2014 noch 2016. Gab doch gerade dieser Tage einen Hinweis dazu zum EStG ;-)

Gruß
w.
PS: VA steht hoffentlich nicht für Versicherungsamt …

Bei beantragten Rentenbeginn 1.7.2014 wird die Rente auch im Rahmen des sozialrechtlichen Herstellungsanspruchs rückwirkend zum 1.7.2014 festgestellt werden, aber aufgrund von §44 SGB X nur ab 1.1.2016 ausgezahlt werden.
Ebenso wird es bei gewähltem Beginn 1.7.2014 keinen monatlichen Zuschlag von 0,5% on top geben, bei Rentenbeginn 1.1.2016 aber sehr wohl für die nicht in Anspruch genommene Zeit von Juli 14 bis Dez 15 :-)
Jetzt Du wieder.

von
W°lfgang

Zitiert von: 2. Chance
Jetzt Du wieder.

...*Asche auf mein Haupt.

Muc ist doch größer/wissender, als son Häuflein Torfballen im nördlichen Heidekraut ;-)

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo Sohn,

Ihre Frage wurde bereits umfassend und richtig beantwortet. Ich hoffe, die Diskussion zuletzt hat Sie nicht verwirrt. Vielleicht nochmal eine kleine Zusammenfassung:

Ihre Mutter hat Anspruch auf die Kindererziehungszeiten für 2 Kinder.

Wenn Ihre Mutter von der DRV nicht auf die Mütterrente hingewiesen wurde, kann sie einen Rentenanspruch erwerben, der jedoch frühestens für die Zeit ab 1/2016 ausgezahlt wird. Dafür müsste sie noch ca. 1000 EUR einzahlen. Es ist günstiger, wenn sie die Rente ausdrücklich erst ab 1/2016 beantragt.

Wenn Ihre Mutter von der DRV auf die Mütterrente hingewiesen wurde, hat sie auch eine Anspruch auf Altersrente. Die Rente würde jedoch nicht rückwirkend gezahlt, sondern erst ab dem Antragsmonat. Außerdem müsste sie keine Beiträge mehr einzahlen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob die DRV Ihre Mutter informiert hat, beantragen Sie die Rente zunächst mal ab 1/2016. Die DRV wird den Anspruch prüfen.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 07.02.2020, 11:44 Uhr]