Nachträglich in 2020 in Altersrente und trotzdem Lohn beziehen?

von
Bretti

Ich hätte am 01.01.2020 in Altersrente gehen können. Ich bin am 29.04.1956 geboren und habe im Jahr 1970 mit Ausbildung angefangen und habe dadurch meine 45 Arbeitsjahre voll.
Ich habe nach einem Gespräch mit meinem Arbeitgeber beschlossen 2020 weiterhin in seiner Firma tätig zu sein.
Nun habe ich erfahren, dass ich durch Corona bedingt, einen Betrag von 44590,-€ zur Rente dazu verdienen darf.
Kann ich nun rückwirkend ab Januar 2020 die Rente beantragen?
Beides nehmen , Gehalt und Altersrente?
Danke!

Experten-Antwort

Guten Tag Bretti,

die Altersrente für besonders langjährig Versicherte können Sie nicht mehr zum 01.01.2020 in Anspruch nehmen. Bezogen auf diesen Rentenbeginn wäre Ihr Antrag verspätet gestellt. Sofern Sie noch diesen Monat Ihre Rente beantragen und alle Voraussetzungen vorliegen, ist aber ein rückwirkender Rentenbeginn zum 01.07.2020 möglich. Sofern die Hinzuverdienstgrenze von aktuell 44.590 Euro nicht überschritten wird, kann die Rente als Vollrente neben Ihrem Entgelt aus der Beschäftigung gewährt werden.

von
Siehe hier

ergänzend zu der Expertenantwort:

Der Betrag 44.590,00 EUR ist ein Jahresbetrag. Wenn Sie also ab 01.07.2020 die Rente beantragen, dürfen Sie diesen Betrag auch im Zeitraum 01.07.-31.12.2020 dazu verdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird.
Vielleicht hat Ihre Arbeitgeber ja noch ein paar Prämien und nicht abgegoltene Überstunden für Sie irgendwo rumliegen, die sollten Sie sich dann sinnvollerweise in diesem Jahr ausbezahlen lassen, denn ab 2021 gilt wieder der 'normale' Freibetrag von 6.300 EUR im Jahr, der nicht als Hinzuverdienst angerechnet wird.
Darüber hinaus kommt es dann zu einer Rentenkürzung.
Details hierzu finden Sie in dieser Broschüre:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/national/flexibel_in_den_ruhestand.pdf?__blob=publicationFile&v=7

In dieser Broschüre steht auch, wie sich dann das Arbeitseinkommen auf Ihre spätere Regelaltersrente auswirkt.

Beachten Sie auch, dass Sie als 'Voll'rentner keinen Anspruch auf Krankengeld mehr haben. Deshalb wäre es evtl. sinnvoll, vor allem in 2020 dann ohnehin nur eine Teilrente' zu beantragen (das kann auch eine 99%-Rente sein), um den Anspruch zu bewahren. Vielleicht auch darüber hinaus, je nachdem, wie lange und mit wie viel Zeiteinsatz Sie Ihrem Chef noch die Treue halten wollen.

Zum Krankengeldanspruch z.B. folgender Artikel:
https://www.haufe.de/sozialwesen/leistungen-sozialversicherung/krankengeld-auswirkungen-der-flexi-rente_242_410296.html

oder Sie erkundigen sich hierzu direkt bei Ihrer Krankenkasse.

Beachten Sie auch, dass mit einem Rentenbeginn in 2020 der zu versteuernde Anteil Ihrer Rente bei 80% liegt im Folgejahr schon 1% mehr).
Hierzu kann es sinnvoll sein, noch einen Steuerfachmann zu fragen, wie weit die Rente als 'Teilrente' reduziert werden sollte, um nicht plötzlich mit Rente und Einkommen dann einen Großteil der 'zusätzlichen Einkünfte' (Rente) gleich wieder in das Steuersäckel zu bezahlen. Die 'Corona-Sonderregelung' wurde ja unter anderem auch dazu gemacht, dass Sie das zusätzliche Geld fleißig unter die Leute bringen.
Also das dann gerne noch mal durchrechnen oder durchrechnen lassen.

Den Rentenantrag können Sie auch online stellen
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Online-Dienste/online-dienste_node.html?https=1

oder auch persönlich oder telefonisch bei Ihrer zuständigen Rentenberatung.
Wenn Sie sich einen Termin geben lassen, teilen Sie unbedingt mit, dass es um die Beantragung Ihrer Rente geht, dann gilt dies bereits als Antragsdatum (nicht dass die Juli-Rente nun auch noch 'verfällt' wegen zu später Antragsstellung).

Erst dort Termin machen (oder Rente online beantragen) und dann die Steuerfrage klären (Den Teil-Prozentsatz können Sie auch bei der Rentenantragsstelle kurzfristig 'nachreichen'.

von
W°lfgang

Zitiert von: Experte/in
kann die Rente als Vollrente neben Ihrem Entgelt aus der Beschäftigung gewährt werden.

Ergänzend:

zur "Flexi-Rente" und 'Fallen' ...

Zu bedenken ist, das bei einer Altersvollrente zunächst mal positiv ein ermäßigter KV-Beitrag anfällt, weil kein KG-Anspruch mehr besteht.

Negativ allerdings: es besteht kein Anspruch mehr auf Kranken-, Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld.

Ggf. weicht man dann vorausschauend/Situationsbedingt auf eine nur 99%-Teilaltersrente bis zum Jahresende aus. Auch hier wieder ein Haken, das ggf. eine betriebliche Altersversorgung (zb. VBL) zunächst an den Bezug einer Altersvollrente gekoppelt ist, andererseits die Beiträge zu dieser Versorgung aber auch weiterlaufen und keine 'Abmeldung'/Ende dieser Versorgung, erfolgt.

Zudem ist darauf zu achten, das bei Rente + Beschäftigungseinkommen ggf./oft die BBG der KV überschritten wird, was im Nachhinein zu einen 'Tohuwabohu' der beteiligen Verwaltungen führt ...der Rentner + Beschäftigte muss lediglich darauf achten, dass ihm nicht mehr als der Maximalbeitrag zur KV/PV aus alles Einkünften abgezogen worden ist - UND auch, dass nach Ende der oft spontanen freiwilligen KV wieder die grundsätzliche Pflichtversicherung/KVdR einsetzt nach Beschäftigungsende. Ein 'Date' rd./spätestens 3 Monate nach Ende paralleler Beschäftigung und nur noch lfd. Rente mit der KK könnte da nicht schaden ...bevor die DRV den KV-Zuschuss ein paar Jahre weiterzahlt und dann eine 'böse' Rückforderung + Nachzahlung der KV-Beiträge ansteht.

Gruß
w.

von
Interessent

Wo gibt es da einen ermäßigten KV-Beitrag?

von
An Interessent

Zitiert von: Interessent
Wo gibt es da einen ermäßigten KV-Beitrag?

Altersrentenbezieher die zusätzlich eine Beschäftigung ausüben, zahlen nur einen ermäßigten KV-Beitrag. Steht aber auch schon in den Antwort. Wozu dann die überflüssige Nachfrage?

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