Nachzahlung von freiwilligen Beiträgen für Ausbildungszeiten

von
Dan

Hallo,

können freiwillige Beiträge für nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigte Zeiten der schulischen Ausbildung jederzeit bis zum vollendeten 45. Lebensjahr nachgezahlt werden, auch wenn als Mitglied einer berufsständischen Versorgungseinrichtung eine Befreiung von der Versicherungspflicht besteht und die allgemeine Wartezeit noch nicht erfüllt ist?

Sollte dies nicht möglich sein, könnte dann bspw. die Aufnahme einer "normalen" rentenversicherungspflichtigen Beschäftigung bzw. Nebentätigkeit (also unabhängig vom Versorgungswerk) etwas daran ändern?

Ziel ist es, fehlende Zeiten für die allgemeine Wartezeit aufzufüllen.

Vielen Dank für die Expertenauskunft

von
RFn

Ja, beides ist möglich.

207 SGB VI - Nachzahlung für Ausbildungszeiten
(1) Für Zeiten einer schulischen Ausbildung nach dem vollendeten 16. Lebensjahr, die nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigt werden, können Versicherte auf Antrag freiwillige Beiträge nachzahlen,...
2) Der Antrag kann nur bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres gestellt werden....
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In Frage kommen dafür

Schulische Ausbildungszeiten vor Vollendung des 17. Lebensjahres

Schulische Ausbildungszeiten und Übergangszeiten nach Überschreiten der Höchstdauer
- Zeitraum vom 01.01.1997 bis 31.12.2000
Schulische Ausbildungszeiten über den 36. Kalendermonat beziehungsweise über den Zeitraum der Übergangsregelung § 252 Abs. 4 SGB VI hinaus

- Zeitraum vom 01.01.2001 bis 31.12.2001
Schulische Ausbildungszeiten über den 36. Kalendermonat hinaus

- Zeitraum ab 01.01.2002
Schulische Ausbildungszeiten über den 96. Kalendermonat hinaus
Die Nachzahlung ist ausgeschlossen, soweit - sowohl bewertete als auch nicht bewertete - Anrechnungszeiten berücksichtigt werden.

Zeiten einer Fach- oder Hochschulausbildung nach dem Abschluss im Sinne der Rentenversicherung (z. B. Zeiten der Aspirantur)
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Die ab August 2010 gültige Fassung des § 7 SGB VI lässt jetzt freiwillige Beiträge zu.

von
RFn

- Zeitraum vom 01.01.1992 bis 31.12.1996
Belegungsfähig sind

Zeiten eines Schulbesuchs, abgeschlossenen Fachschulbesuchs oder abgeschlossenen Hochschulbesuchs sowie Übergangszeiten
nach Vollendung des 16. Lebensjahres, die nicht als Anrechnungszeit berücksichtigt werden, weil der zulässige Umfang der Anrechnungszeiten überschritten ist (sieben Jahre beziehungsweise Zeitraum nach Übergangsrecht),

Zeiten eines Fach- oder Hochschulbesuchs
nach dem Abschluss im Sinne der Rentenversicherung,

Zeiten eines nicht abgeschlossenen Fach- oder Hochschulbesuchs
nach Vollendung des 16. Lebensjahres (keine Anrechnungszeit).

von
KSC

Nachdem inzwischen der angesprochene Personenkreis auch dann freiwillig einzahlen darf, wenn er noch keine 60 Monate hat, ist es m.E. völlig egal, ob man "für diese Ausbildungszeiten nachzahlen darf" oder "ganz normal fürs aktuelle Jahr zahlt" oder wartet bis man "ca. 60 Jahre alt ist".

Gegen eine Nachzahlung vor 45 spricht ganz einfach, dass bis zur Regelaltersrente noch so viel passieren kann und man mit 60 immer noch "massig Zeit hat" die auf 5 Jahre noch fehlenden Jahre einzuzahlen.
Den Ehrgeiz 35 Versicherungsjahre zusammenzubringen hat der von Ihnen angesprochene Personenkreis in aller Regel nicht.
Deshalb würde ich zuwarten, -:)

Experten-Antwort

Im August 2010 haben sich die gesetzlichen Grundlagen zur freiwilligen Versicherung geändert. Die Erfüllung der allgemeinen Wartezeit ist nun keine Voraussetzung für die Berechtigung zur freiwilligen Versicherung mehr. Folglich können Sie, wie bereits von RFn und KSC beschrieben, sowohl für Ausbildungszeiten, die nicht als Anrechnungszeiten berücksichtigt werden können, als auch gegenwärtige Zeiten freiwillige Beiträge zahlen.