Nahtlosigkeitsgeld?

von
Amigo

Hallo,
seit 02.12 beziehe ich aufgrund einer Krebserkrankung Krankengeld. Nach einer Reha im Sept. wurde mir im Entlassungsbericht "leistungsunfähigkeit im derzeitigen Beruf sowie gesamten Arbeitsmarkt bescheinigt. Die KK will nun Einsicht in diesen Bericht. Meine Fragen:

1. Darf die KK die Zahlung des Krankengeldes aufgrund dieses Berichst einestellen?
2. Falls ich EU-Rente beantrage, wer zahlt in der Zwischenzeit bis zur Bewilligung?
3. Kann ich dem Entlassunsgbericht widersprechen (sehe die Beurteilung anders))
4. Wie beantrage ich EU-Rente, sollt eich das "prophylaktisch schon mal machen, dauert ja sicher auch lange bis zur Bewilligung?

Danke!

von
Warum

Hallo,
warum wollen Sie dem Entlassungsbericht widersprechen? Wenn dies bei der Rentenentscheidung genau so gesehen wird, dann erhalten Sie die Rente.
Mit Rentenbeantragung ist es nicht so eilig, solange die Krankenkasse nicht dazu auffordert. Ich gehe davon aus, dass bei Ausschöpfung der 78 Wochen Krankengeld mehr über bleibt, als bei schnellem Rentenbescheid.

von
???

1. Nein, die Aussage Ihre Arztes während der Kur ist keine verbindliche Feststellung über Ihre Erwerbsfähigkeit.
2. Die Krankenkasse das Krankengeld.
3. Sie können Ihre eigene Sicht der Dinge natürlich schildern. Sie sollten sich jedoch auf alle Fälle vorher mit Ihrem Arzt besprechen. Manche neigen dazu, sich selbst zu überschätzen. Vielleicht starten Sie zuerst einen Arbeitsversuch und schauen, wie der läuft.
4. Wenn alles klar ist, kann so eine Rente innerhalb von 2 Wochen bewilligt werden. Wenn der Gutachter der DRV jedoch Zweifel am Entlassungsbericht hat, kann sich die Sache hinziehen. Aber warum wollen Sie Rente beantragen, wenn Sie der Meinung sind, dass Sie arbeiten Können?

Nach Ihrer Schilderung ist der Kur-Antrag in einen Rentenantrag umzudeuten. Sie sollten daher in der nächsten Zeit Post von der DRV bekommen, dass Sie doch die Rentenantragsformulare ausfüllen sollen. Wenn dies nicht geschieht, ist das ein Hinweis darauf, dass die DRV nicht von einer Erwerbsminderung bei Ihnen ausgeht. Ein Rentenantrag würde also sicher eher länger dauern. Klären Sie erstmal ab, wie belastbar Sie wirklich sind.

von
Amigo

Hallo,
danke für die Antworten, die mir leider noch nicht weiterhelfen. Da ich unsicher bin ob ich wieder arbeiten kann udn will und das Krankengeld natürlich deutlich höher als meine EU Rente ist, will ich dieses so lange wie möglich ausschöpfen. Die KK schreibt, dass sie mit dem Bericht meinen anspruch auf Krankengeld prüfen wollen, sprich bei "nicht mehr leistungsfähig" mich aussteuern wollen. Für den Zeitraum bis zur Bewilligung der rente zahlt die KK nicht, hier gibt es den Begriff Nahtlosigkeitsgeld, aber wer zahlt das?

Meine Verunsicherung hat jetzt eher zugenommen, über eine Expertenmeinung wäre ich sehr dankbar.

von
KSC

Ich glaube da bringen Sie Verschiedenes durcheinander!

Die Nahrlosigkeitsregelung wird meines Wissens nicht in Zusammenhang mit dem Krankengeld sondern in Zusammenhang mit dem Arbeitslosengeld verwendet.

Solange Sie arbeitsunfähig sind, zahlt die Krankenkasse längstens für 78 Wochen Krankengeld. In dieser Zeit kann die Kasse Sie zur Rehaantragsstellung auffordern und hoffen, dass der Rehaantrag als Rentenantrag zählt - aber nicht "einfach so" das KG einstellen.

Die Nahtlosigkeitsregel tritt dann ein, wenn bei Ende des KG (nach 78 Wochen) über den rentenantrag noch immer nicht entschieden sein sollte - dann können Sie sich bis zur Rentenentscheidung arbeitslos bei der Agentur für Arbeit melden.

von
Klaus-Peter

" Die KK schreibt, dass sie mit dem Bericht meinen anspruch auf Krankengeld prüfen wollen, sprich bei "nicht mehr leistungsfähig" mich aussteuern wollen. "

Ja , aber das ist doch wohl seitens der Kasse verständlich oder nicht ? Das Sie das anders sehen ist wiederum auch verständlich ..
Krankengeld bekommen Sie nur solange bis EM durch die RV noch
n i c h t festgestellt wurde. Darum will die Kasse jetzt anhand der Aussage im Rehabericht die weiteren Schritte- in Verbindung mit der RV - prüfen und das Verfahren in der Hinsicht beschleunigen, um eben schnellstens aus der Krankengeldzahlung zu kommen.

Aufgrund der alleinigen Aussage im Rehabericht das Sie EM wären, wird die Kasse aber wohl jetzt nicht gleich die Krankengeldzahlung einstellen. Das wäre recht unüblich, denn diese Aussage im Bericht heisst ja nicht automatisch das Sie auch wirklich EM sind, da deise Entscheidung ja immer noch bei der RV getroffen wird ! Theoretisch ist aber auch durchaus möglich das die Kasse einfach die Krankengeldzahlung einstellt und dann haben SIE ein echtes Problem. Dann können Sie gegen die Einstellung des Krankengeldes nur rechtlich vorgehen und das kann dauern... Normalerweise aber muss schon ein Rentenbescheid der RV vorliegen um die Krankengeldzahlung zu beenden. Dann stellt die KK mit dem Tag der Kenntnis das eine Rente bewilligt wurde die Krankengeldzahlung sofort ein.

Mich wundert eigentlich, das wenn die Aussage im Rehabericht wirklich so eindeutig steht, das die RV nicht den Rehaantrag schon längst und automatisch in einen EM-Antrag umgedeutet hat. Hat Sie die RV bisher wiirklich nicht zur EM-Antragstellung aufgefordert ? Der Grund KÖNNTE dann darin liegen , das die Sache noch in Bearbeitung ist ( Reha erst im September ist ja noch nicht so lange her ) oder man schliesst sich beim med. Dienst der RV dem Rehabericht NICHT an und hält Sie für Erwerbsfähig. Der Rehabericht ist ja nicht bindend für den med. Dienst dr RV, sondern nur als Empehlung zu verstehen.

Sollten Sie dann von der Kasse irgendwann ausgesteuert werden und kein Krankengeld mehr bekommen, müssen Sie sich bei der Agentur für Arbeit melden um ALG I zu beziehen. Den Begriff der Nahtlosigkeit gibt es nur dort und eben in Verbindung mit dem ALG I nach § 125 u n d einem gestellten und noch nicht entschiedenen EM- Rentenantrag.

Die Entscheidung ob Sie wieder arbeiten können/wollen oder die Rente anstreben, wird ihnen niemand abnehmen können. Sie sollten sich da dann doch demnächst mal entscheiden wo die Reise für Sie hingehen soll, sonst sitzen Sie womöglich demnächst zwischen allen Stühlen. Beim " Pokern " was Sie derzeit machen kann man auch alles verlieren...

von
Amigo

Hallo,
danke für die Info. Ich hatte lediglich eine onkologische Nachbehandlung beantragt, zu der Zeit war kein Gedanke event. EU-Rente zu bekommen. Ich habe im Mai die letzte Chemo bekommen, bei meiner Tumorart war es eine sehr schwere. E sercheint mir nur natürlic, dass ich jetzt noch nicht wieder leistungsfähig bin. Ebenso vertsändlich wird es doch sein, dass ich mit 47 Jahren nicht innerhalb weniger Tage für mich entscheiden kann, ob ich tatsächlich schon in Rente gehen will. Die Höhe der zu erwartenden EU-Rente stellt mich ins soziale Abseits. Würden Sie da wirklich von "pokern" sprechen", wenn ich zunächst alle finanziellen Spielräume ausschöpfen möchte? Mir ist bis zum Abschlußgespräch in der klinik nicht mal im Traum eingefallen, das man mich aussteuern würde. Sich damit als Alleinstehende person zu beschäftigen, dauert mehr als 2-3 Wochen. Ich müßte mein komplettes Leben aufgeben, inklusive Wohnung, Wohnort, soziales Umfeld (inkl. arbeitswelt) etc.

Nicht leicht.

VG

von
Klaus-Peter

Klar ist das alles nicht leicht und so etwas bringt wie ihnen - leider - dann auch viele Probleme und Veränderungen mit sich. Aber ein Wunschkonzert ist das ganze eben auch nicht..Das ist leider die Realität.

Die Kasse will Sie möglichst frühzeitig aus der Zahlung des Krankengeldes bekommen ( was legitim ist ) und Sie wollen das verhindern ( was auch in Ordnung ist ). Aber nicht alles kann man eben selbst steuern, sondern ergibt sich dann von selbst. Und da müssen viele durch und eben dann auch irgendwann mal die entsprechenden Entscheidungen treffen. Das dies natürlich eine gewisse Zeit dauert - gerade wenn man sich noch in der akuten Phase der Erkrankung befindet - ist auch klar. Weiss das alles selber nur zu gut. Nur überschätzt man sich gerne was die eigene Leitungsfähigkeit anbelangt. Habe da selbst eine ganz bittere Erfahrung machen müssen. Seien Sie da bitte vorsichtig. Und ja, hinterher ist man unter Umständen dann schlauer, aber das ist ja bei vielen Dingen der Fall...

Denken Sie auch daran , das die Rente sicher erstmal nur befristet sein wird ( meist für 1- 2 Jahre ) . Insofern können Sie nach Ablauf der Befristung und wenn es ihnen dann besser geht doch wieder ins Berufsleben einsteigen. Vielleicht sogar bei ihrem alten AG - falls Sie noch ein Beschäftigungsverhjältnis haben und er Sie nicht vorher kündigt.. Und einen 400€ Job können Sie ja immer auch während der Rente noch ausüben und so ihr Einkommen etwas steigern.

Eine Berentung muss ja nicht immer und bei jedem auf Dauer gelten. Letztlich ist auch das Ihre Entscheidung ob und wann Sie wieder ins Berufsleben einsteigen oder nicht. Und das Alter speilt dabei auch keine Rolle. Wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr und egal ob 25 oder 55..

Alles Gute für Sie.

Experten-Antwort

Die Feststellung, ob bei Ihnen Erwerbsminderung vorliegt, trifft allein der Rentenversicherungsträger. Die Aussage im Reha-Entlassungsbericht ist nicht maßgebend sondern allerhöchstens ein Indiz für den Rentenversicherungsträger oder die Krankenkasse. Erst mit Beginn einer Rente wegen Erwerbsminderung endet der Anspruch auf Krankengeld oder wird das Krankengeld gekürzt.

Sie können sich bei Ihrem Rentenversicherungsträger erkundigen, ob er aufgrund der Aussage im Reha-Entlassungsbericht das Vorliegen von Erwerbsminderung derzeit noch prüft oder ob diese Prüfung gegebenenfalls schon abgeschlossen ist.

Wenn der Reha-Antrag nicht in einen Rentenantrag umgedeutet wird, bleibt es Ihnen überlassen, ob und wann Sie einen Antrag auf Rente wegen Erwerbsminderung stellen (sofern Sie sich für erwerbsgemindert halten).

von
Amigo

Lieber "Experte",

ganz herzlichen Dank für die Info. Die Ungewißheit hat mich einige schlaflose Nächte gekostet. Ich habe heute morgen - zumindest kurz - die Gelegenheit gehabt, mit jemand von der RVA gesprochen. Der sagte mir, dass keineswegs automatisch eine Umwandlung des Entlassungsberichtes in einen Rentenantrag erfolgt. So denke ich, dass kann ich jetzt erst mal in Ruhe versuchen, so weit als möglich auf die Beine zu kommen. Falls ich einsehe, dass es eben nichts mehr wird, kann ich den Rentenantrag immer noch stellen, oder eben abwarten, was die KK unternimmt.

Nochmal Danke!!!