Nebenberufliches Gewerbe - RV-Bescheid

von
Ratlos

Hallo,

ich habe ein Verständnisproblem zu einem Bescheid der RV.

Vorgang:
Am 10.06.2020 habe ich durch glückliche Umstände ein nebenberufliches Gewerbe gegründet im Bereich der IT. Bin aber weiter zu 100% als Angestellter tätig. Das Thema RV hatte ich aber nicht auf dem Schirm, bzw. mich anscheinend zu spät drum gekümmert. Mit Eingangsdatum 06.02.2021 habe ich die Befreiung von der RV beantragt. Nun ging mir ein (ne - zwei) Bescheid(e) über die nachzuzahlenden RV-Beträge ein, zu dem
1. Mit einem Brief erhalte ich 2 Bescheide - ohne Nr./Az o. ä. Einmal mit Berechnung der zu zahlenden RV-Beiträge bis jetzt zum 31.03. und ff., einmal mit der Befreiung ab dem 10.02. - Ist die Summe des Bescheids mit Befreiung zu zahlen und der andere gegenstandslos oder erlangt der Bestandskraft nach 30 Tagen und die RV verlangt dann die Beträge auch nach der Befreiung - kann das passieren?
2. je Monat wird durch Hochrechen auf Jahreswert und wieder dividieren dann 18,6 % RV-Beitrag verlangt - so weit so gut.
Aber:
die Beitragsbemmessungsgrenze 2020 war 6900*12 = 82,800 EUR * 18,6 % = 15.400,80 Maximalbeitrag RV
Durch den Normaljob sind schon durch AG/AN RV-Beiträge i. H. v. 15.155,84 EUR gezahlt. Die sind im Bescheid für die zu zahlenden Einkünfte aus Gewerbebetrieb nicht berücksichtigt. Ist das richtig?
Ist die BBG eine Deckelung und ich muss eigentlich nur 244,96 für 2020 zahlen (Lücke bis Höchstbetrag)? Oder gilt die Beitragsbemessungsgrenze nicht Einkunftsart-übergreifend und ich muss die 950,46 lt. Bescheid für 2020 zahlen? (also mehr, als sich aus der BBG ergeben würde?
3. Die Verzugszinsen mit je Monat 1% sind happig. Sollte ich Einspruch (je nach Antwort hier) einlegen - ist die Zahlungsfrist aufgeschoben durch Einspruch oder wird trotzdem diese 1%Strafe fällig? Wie geht man vor - Zahlen - Einspruch - ggf. Erstattung Oder Einspruch - warten bis Entscheid kommt?

Ich hoffe, nicht zu speziell - Im voraus schon danke.

von
Valzuun

1. Die Befreiung wurde erst ab dem 10.02.2021 erteilt (verspäteter Antrag). Folglich sind die Beiträge vom 10.07.2020 - 09.02.2021 zu zahlen.
Für die Zeit ab dem 10.02.2021 ist der Bescheid über die Versicherungspflicht / Beitragszahlung natürlich (vorerst) erledigt.
Achtung: vermutlich ist die Befreiung auf drei Jahre nach Aufnahmen der Beschäftigung (09.02.2023) befristet; danach sind ggf. wieder Beiträge zu zahlen.

2. Die Aufteilung der Beiträge aus der abhängigen Beschäftigung und Selbstständigkeit aufgeteilt - und zwar nach "Dreisatz"; Ihr Arbeitgeber wird's Ihnen danken. Über BBG hinaus dürfen (müssen) keine Beiträge gezahlt werden. An der Stelle wäre ein Widerspruch ggf. sinnvoll.

3. Es handelt sich nicht um (Straf)Zinsen, sondern Säumniszuschläge. Die sind gesetzlich entsprechend geregelt. (Nur) bzgl. Höhe von 1% hätte ein Widerspruch deshalb wohl keine Aussicht auf Erfolg; ob (alle) Voraussetzungen für die Erhebung erfüllt sind kann hier nicht überprüft werden. Außerdem sind diese natürlich zu hoch festgesetzt, wenn sich nach 2) der zu zahlende Beitrag verringert.

von
Ratlos

Firma dankt.

Ich werde einen Widerspruch einlegen und mal schauen was passiert, da lt. Meldebescheininigung der Betrag der schon gezahlten RV-Beiträge ja nachweisbar ist. Schaun wir mal.

Experten-Antwort

Hallo Ratlos,

dem Beitrag von „Valzuun“ kann ich zustimmen.

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