Nichts für die Rente getan - was passiert?

von
JackBrown

Hallo,

ich habe mal eine rein theoretische Frage:

Was ist wenn man selbstständig als Einzelunternehmer ist (nur 3 Jahre Duale-Ausbildung hatte) und bis zur Rente nichts für die Rente getan hat? Greift dann der Staat ein, sprich gibt es dann eine Mindestrente/Sicherung/Hartz 4 oder wie verhält sich das?

Vielen Dank im Voraus.

Liebe Grüße

von
oder so

- Mindestrente: nein (evtl. Regelaltersrente, wenn 5 Jahre / 60 Monate mit Beitragszeiten vorliegen) - Anspruch in Relation zur Einzahlung im Verhältnis zu allen anderen Beitragszahlern

- Arbeitslosengeld II (Hartz4): ggf. ja

- Sozialhilfe/Grundsicherung alternativ zu Hartz4: ggf. ja

Auch die Kosten Ihrer Heimunterbringung geht dann auf Kosten der Allgemeinheit und Ihrem Zimmernachbarn (Selbstzahler, der sein Vermögen einsetzt) können Sie dann schön eine Nase drehen...

Aber Sie sind/waren ja hoffentlich erfolgreicher Selbständiger und können dann als Privatier Ihren Lebensabend selbst bestreiten...!

von
Achill

Zitiert von: oder so

Auch die Kosten Ihrer Heimunterbringung geht dann auf Kosten der Allgemeinheit und Ihrem Zimmernachbarn (Selbstzahler, der sein Vermögen einsetzt) können Sie dann schön eine Nase drehen...

Aber Sie sind/waren ja hoffentlich erfolgreicher Selbständiger und können dann als Privatier Ihren Lebensabend selbst bestreiten...!

Nicht ganz, falls Sie Kinder haben werden die Ihre Heimkosten bis zu einer bestimmten Grenze zahlen müssen.

von
Zukunftsrat

Wenn Sie ernsthaft vorhaben, ohne Erspartes in Rente zu gehen und dann auf Sozialhilfeniveau zu leben, dann wird Sie niemand daran hindern.
Sollten Sie aber wie schon von Vorrednern erwähnt, als Selbständiger erfolgreich sein und Kapital / Immobilien, was auch immer besitzen, wird der Antrag auf Grundsicherung abgelehnt werden, weil zuerst Vermögen verwertet werden muss.
Im Fall der eventuellen Pflegebedürftigkeit mit Heimunterbringung würde, wie schon erwähnt, auf Einkommen und Vermögen ihrer eventuellen Kinder zurückgegriffen. Ihre eventuellen Kinder könnten sich dagegen schützen, indem sie ihr eventuelles Vermögen (das der Kinder jetzt) rechtzeitig vor Ihrer (eigenen) Pflegebedürftigkeit in geschützte Altersvorsorgeprodukte investieren. Also ganz im Gegensatz zu Ihnen selbst ;)
Alles ziemlich hypothetisch. Ich persönlich möchte nicht mit der Gewissheit leben, im Alter ein Sozialfall (oder eben zunächst Privatier bis zum endgültigen Verbrauch des evtl. Vermögens) zu sein. Aber wie gesagt, entscheiden Sie selbst.

von
Wolfgang Starck

Das ist die beste Kapitalanlage, die es überhaupt gibt.

Vorausgesetzt, sie sind ein bescheidener oder genügsamer Mensch und es reicht ihnen, wenn man ihre Unterkunft und einen angemessenen Lebensunterhalt bezahlt.

Experten-Antwort

Hallo JackBrown,

wie in den vorstehenden Beiträgen bereits ausgeführt wurde, kämen -soweit ein Rentenanspruch nicht oder in zu geringer Höhe besteht - nach derzeitiger Rechtslage Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe/Grundsicherung in Frage. Diese Leistungen werden allerdings prinzipiell nur bei bestehender Bedürftigkeit gezahlt.

In welcher Höhe und unter welchen Voraussetzungen diese (oder dann vergleichbare) Leistungen jedoch in „ferner Zukunft“ (zum Zeitpunkt Ihres theoretischen Renteneintritts) gezahlt werden können, entzieht sich leider meiner Kenntnis…

von
JackBrown

Vielen Dank für die zahlreichen und aufschlussreichen Antworten. Ca. 40 Jahre habe ich noch ungefähr bis zu Rente vor mir. Ich möchte schon was tun, wollte aber nur zur Sicherheit alle Eventualitäten mal durchgehen. Wie gesagt das ist nicht mein Ziel. Aktuell befindet sich meine Selbstständigkeit noch im Aufbau. Ich finde den Anfang etwas heftig da man ja alleine 360 € gesetzliche Krankenversicherung aufbringen muss und noch weitere Verbindlichkeiten hat. Das funktioniert jetzt auch seit einem Jahr einigermaßen. Nur um einen ernsthaft relevanten Vorsorgebeitrag konstant im Monat zurückzulegen zu können, muss ich noch ein paar Stunden mehr im Monat arbeiten dürfen. :)

Ich habe mal gehört wie auch hier in diesem Verlauf das man rund 5 Jahre "fest angestellt gearbeitet" haben muss (Abgaben), um einen Anspruch von X zu haben? Zählt dazu auch die Zeit der Ausbildung? Wenn ja darf zwischen diesen 3 Jahren und einem eventuellen neuen angestellten Verhältnis eine unbestimmte Zeit liegen oder werden die 3 Jahre irgendwann wieder ungültig wenn man nichts in den Topf zahlt?

Einen schönen Abend allen.

von
KSC

Die (duale) Ausbildung zählt dann bei den 60 Monaten mit, wenn Ihnen in dieser Zeit Rentenbeiträge als Arbeitnehmer vom Lohn abgezogen wurden.

Das sehen Sie aus Ihren Lohnbelegen, Rentenunterlagen, etc. oder dann wenn Sie sich einen Versicherungsverlauf kommen lassen.

Haben Sie damals nichts eingezahlt, zählt es auch mit 0 Monaten.

von
W*lfgang

Hallo JackBrown,

diese 5 Jahre sind die so genannte Mindestversicherungszeit, um überhaupt einen Rentenanspruch (Regelaltersrente, für Sie aktuell ab 67) zu haben ...keine/zu wenig Beiträge, keine Rente.

Je nach dem, wann Ihre duale Ausbildung zeitlich liegt, könnte sie beitragsfrei oder auch beitragspflichtig gewesen sein (siehe KSC). So genannte Lücken zwischen Rentenzeiten sind ohne Belang (außer, dass da natürlich keine Rentenzuwächse entstehen können ;-) ...eine Verfallswirkung gibt es deswegen nicht. Zur Not können Sie immer noch fehlende Monate 1-2-3-4 Jahre vor Rentenbeginn mit freiwilligen Beiträgen auffüllen, um dann zum Rentenbeginn die erforderliche Wartezeit (übersetzt: Mindestversicherungszeit für die jeweilige Altersrentenart) zu erreichen.

Tipp: machen Sie mal 'demnächst' einen Beratungstermin in der nächsten Beratungsstelle fest, da werden alle Ihre Fragen/auch die ungestellten durchleuchtet.

Gruß
w.

von
=//=

Sofern Sie in Ihrer selbständigen Tätigkeit nicht Kraft Gesetzes versicherungspflichtig sind, können Sie auch die Versicherungspflicht nach § 4 Abs. 2 SGB VI beantragen. Schon deshalb sollten Sie sich unbedingt von der DRV beraten lassen. Denn mit Pflichtbeiträgen können Sie auch die Anwartschaft für eine Erwerbsminderungsrente oder eine med. Reha-Maßnahme erhalten. Man weiß ja nie....

Oder Sie können - zur Erfüllung der Wartezeit von 5 Jahren - auch freiwillige Beiträge zahlen. Ab 2015 sinkt der Mindestbeitrag auf mtl. 84,15 EUR.

von
Angelika

Hallo Jack,

ich kann dir nur raten unbedingt ein Gespräch mit der Rentenversicherung zu suchen.

Wir haben den Fall in der näheren Verwandschaft. Mit ca. 40 in die Selbstständigkeit gegangen. Mittlerweile stark rückenleidend. Er bekommt keine Reha, keine Erwerbsminderungsrente, kein Krankengeld. Er hat sich mit so ein Eigentor damit geschossen, als er sich selbst um seine Altersrente gekümmert hat. Er erhält im Vergleich dazu eine lächerlich geringe Rente. Noch weit unter Sozialhilfeniveau. Er hat Depressionen und Ängste was das Alter betrifft. Ihm wurde auch mal geraten, erst ein paar Jahre ohne Renteneinzahlung, weil am Anfang ja noch nicht so ein Verdienst war. Also nur Krankenkasse und die ist ja auch schon so teuer. So hat man sich dann von Jahr zu Jahr von dem Thema Rente immer mehr entfernt. 14 Jahre später kann man vor lauter Angst kaum noch schlafen.

Liebe Grüsse

Angelika