Persönliche Voraussetzungen für medizinische Reha bei psychischer Erkrankung

von
XYZ

Ich habe eine Frage zu den persönlichen Voraussetzungen einer medizinischen Reha. Im allgemeinen wird ja gefordert, dass volle / teilweise Erwerbsminderung bereits eingetreten ist oder droht und durch die medizinische Reha aller Voraussicht nach vermindert oder gar behoben werden kann. Den Antrag möchte ich bei der DRV Bund in Berlin stellen.

Nehmen wir mal an, jemand - also ich - bezieht einige Zeit eine EM-Rente, die auch unbefristet gewährt wurde - wegen einer psychischen Erkrankung, im Wesentlichen einer Angststörung mit entsprechenden Folgeerscheinungen (Psychose).

Auch der letzte Krankenhausaufenthalt liegt schon einige Jahre (ca. 4 Jahre) zurück, Betreuung/Unterbringung oder ähnliches (keine Intelligenzminderung oder geistige Behinderung) hat es nie gegeben. Auch hatte ich nie Kontakt mit Gesundheitsämtern / sozialpschiatrischem Dienst oder Gerichten.

Nun nehme ich bereits seit etwa 2 Jahren an einer Psychotherapie teil, die zu einer deutlichen Besserung der Symptome geführt hat - im Gegensatz zu der rein medikamentösen Behandlung zuvor. Dies sieht auch die behandelnde Ärztin (eine Psychiaterin) so, welche mich schon seit vielen Jahren (ca. 8 Jahre) kennt und behandelt.

Wie sollte ein Antrag auf eine medizinische Reha nun am Besten gestellt werden, damit das Ganze überhaupt irgendeine Aussicht auf Erfolg hat ? Sollten bereits beim Antrag positive Bescheinigungen der Ärztin und des Psychotherapeuten beigelegt werden oder erst mal nur der Antrag gestellt werden - mit Angabe der behandelnden Ärztin und des Therapeuten ? Was kann ich noch beilegen oder tun, um die Erfolgschancen des Antrages zu erhöhen ?

Ist es sinnvoll, den Antrag einfach dann zu stellen, wenn die Besserung eingetreten ist oder sollte ich besser warten, bis die nächste Anfrage wie immer alle 2 Jahre kommt und dann bei dieser Gelegenheit auf die inzwischen eingetretene Besserung hinweisen ?

Mir geht es im Kern darum, im Rahmen einer solchen medizinischen Reha eine unabhängige Meinung von Ärzten und Therapeuten zu bekommen, die mich noch nicht kennen und insofern beurteilen bzw. bestätigen können, ob/dass sich mein Gesundheitszustand tatsächlich wieder gebessert hat. Eine solche positive Attestierung ist bei einer psychischen Vorerkrankung nämlich eine wesentliche Voraussetzung für einen Wiedereinstieg in das Berufsleben und damit eine Reintegration.

Um auch hier den Kritikern etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen : ich bin Akademiker mit langjähriger Berufserfahrung in der IT-Branche und verwertbaren Spezialkenntnissen. Und ich bin noch unter 50. Wir reden also nicht über einen Wiedereinstieg als Hilfskraft, der den Park von Laub befreit.

Deshalb scheidet auch die sonst beliebte Strategie mit 450 € Jobs aus - ohne vorherige medizinische Reha steht bei einer aktuellen psychischen Erkrankung immer eine eventuelle Geschäftsunfähigkeit im Raum, d.h. dies wird hier nicht funktionieren. Das ganze Thema Hinzuverdienst ist bei psychischen Erkkrankungen eher theoretische Natur - aus juristischen Gründen.

Bitte erzählen Sie mir nicht, dass nach einer unbefristeten Verrentung eine positive Entwicklung bei einer psychischen Erkrankung ausgeschlossen ist - wenn dem so wäre, würden die EM-Rentner ja nicht mehr angeschrieben und/oder überprüft werden, seitens der DRV Bund in Berlin.

Mir ist natürlich auch klar, dass nach einer erfolgreichen medizinschen Reha die volle EM-Rente eingezogen werden wird, aber umgekehrt bin ja in gewisser Weise auch verpflichtet, auf eine Besserung mit hinzuwirken.

Ich hoffe auf Ihre Unterstützung bei meinem Anliegen und auf hilfreiche Antworten.

Liebe Grüße

XYZ

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo XYZ,

Voraussetzung für eine medizinische Leistung zur Rehabilitation ist bei einem Bezieher einer vollen oder teilweisen Erwerbsminderungsrente, dass durch die Reha-Leistung eine wesentliche Besserung oder Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit erlangt werden kann.

Um dies zuverlässig prüfen zu können, ist es nötig, dass bei der Antragstellung gleich alle entsprechenden Unterlagen über Ihren aktuellen Gesundheitszustand beigelegt werden.

Unerheblich ist es, ob dieser Antrag während eines laufenden Rentenbezuges gestellt wird oder erst im Rahmen eines Überprüfungsverfahren.

von
=//=

Erfahrungsgemäß stehen die Chancen für die Bewilligung einer med. Reha beim Bezug einer vollen EM-Rente auf Dauer schlecht! Da sich inzwischen - wie Sie selbst sagen - durch die Psychotherapie Ihr Gesundheitszustand gebessert hat und sich bei weiterer ambulanter Behandlung evtl. noch weiter verbessert, gibt es für die DRV m.E. keinen Grund, Ihnen noch (zusätzlich) eine Reha zu genehmigen. Wenn die Ärzte Ihnen dann noch bescheinigen, dass eine positive Entwicklung bei Ihrem Gesundheitszustand eingetreten ist, wird vielleicht noch anstelle der Genehmigung einer Reha die Rente entzogen.

Aber - stellen Sie einen Reha-Antrag und Sie werden sehen, was passiert. Nur machen Sie sich keine allzu große Hoffnung.

Meine persönliche Meinung: Ich würde keinen Reha-Antrag stellen.

Wenn es Ihnen in Zukunft irgendwann einmal besser geht, können Sie jederzeit versuchen, wieder ins Arbeitsleben zurückzukehren. Auch ein Tipp von mir aus Erfahrung: nicht gleich eine Vollzeitbeschäftigung annehmen, sondern klein anfangen.Gerade in der IT-Branche sind Fachkräfte gesucht, vielleicht können Sie sich auch selbständig machen mit Beratungen bei PC-Problemen.

Und - ein Minijob bedeutet ja nicht nur, dass Sie das Laub im Park aufsammeln! Es gibt wahrlich mehr als diese Art Minijob. Sie können auch als Fachkraft einen Minijob in Ihrer Branche ausüben.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

von Experte/in Experten-Antwort

Psychische Erkrankungen stehen bei uns nicht in dem Ruf, dass eine gesundheitliche Verbesserung ausgeschlossen ist. Die Zeitrente ist per se als Indiz der ergebnisoffenen Entwicklung von Krankheiten jegweder Art zu sehen. Selbst wenn eine DauerRt bewilligt wird, können und dürfen wir Genesungsentwicklungen nicht ignorieren.
Die Beurteilung von Gesundheitszuständen obliegt aber immer noch Ärzten und nicht der Sachbearbeitung vom Leistungsträger. Stellen Sie bitte den Reha-Antrag, aber bitte nach Absprache mit den aktuell behandelnden Ärzten. Diese werden Ihren Antrag unterstützen, wenn es sich nicht nur um ein subjektives Gefühl der Besserung handelt.
Trifft der Prüfarzt der DRV die Entscheidung, dass mit einer Reha etwas erreicht werden kann, wird es sicherlich zu einer Bewilligung kommen. Hier kommt es einfach auf den Versuch an.

von
=//=

Zitiert von:

Psychische Erkrankungen stehen bei uns nicht in dem Ruf, dass eine gesundheitliche Verbesserung ausgeschlossen ist. Die Zeitrente ist per se als Indiz der ergebnisoffenen Entwicklung von Krankheiten jegweder Art zu sehen. Selbst wenn eine DauerRt bewilligt wird, können und dürfen wir Genesungsentwicklungen nicht ignorieren.
Die Beurteilung von Gesundheitszuständen obliegt aber immer noch Ärzten und nicht der Sachbearbeitung vom Leistungsträger. Stellen Sie bitte den Reha-Antrag, aber bitte nach Absprache mit den aktuell behandelnden Ärzten. Diese werden Ihren Antrag unterstützen, wenn es sich nicht nur um ein subjektives Gefühl der Besserung handelt.
Trifft der Prüfarzt der DRV die Entscheidung, dass mit einer Reha etwas erreicht werden kann, wird es sicherlich zu einer Bewilligung kommen. Hier kommt es einfach auf den Versuch an.

Selbstverständlich obliegt den Ärzten des Soz.Med. Dienstes die Beurteilung des Leistungsvermögens und des Gesundheitszustandes. Die Sachbearbeitung bekommt aber den Fall nach deren Beurteilung auf den Tisch und man kann sich erfahrungsgemäß schon ein gewisses Urteil bilden. Von daher gesehen ist meine Feststellung nicht ganz abwegig.

Wenn doch bereits durch ambulante Maßnahmen eine Besserung eingetreten ist, aus welchem Grund sollte dann noch eine zusätzliche Reha-Maßnahme bewilligt werden?

Aber @XYZ muß sowieso selbst entscheiden, was er will.

von
Angelika

Hallo,

warum denken soviele eigentlich, wir EM Rentner möchten auf Biegen und Brechen unsere Renten behalten? Ganz, ganz viele von uns haben nur einen Wunsch, endlich wieder gesund oder zumindest halbwegs gesund zu sein. Und ja, viele von uns wollen arbeiten, einen Beruf ausüben. Wir wollen wieder normal am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Ohne ausgegrenzt und vor allem auch finanziell stark benachteiligt die Zeit totschlagen mit Sudoku und anderen sinnfreien Tätigkeiten.

In der Reha wird ja auch geprüft in wie weit man überhaupt schon wieder arbeitsfähig ist. Ich kann nicht jemand der jahrelang draussen war aus dem Berufsleben so einfach wieder reinstellen. Im Sinne der Rentenversicherung ist es ganz klar. Alles was die Berufsfähigkeit erhält oder wieder bringt ist von Vorteil. Ich würde einfach mal den Antrag auf Reha einreichen.

von
=//=

Zitiert von: Angelika

Hallo,

warum denken soviele eigentlich, wir EM Rentner möchten auf Biegen und Brechen unsere Renten behalten? Ganz, ganz viele von uns haben nur einen Wunsch, endlich wieder gesund oder zumindest halbwegs gesund zu sein. Und ja, viele von uns wollen arbeiten, einen Beruf ausüben. Wir wollen wieder normal am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Ohne ausgegrenzt und vor allem auch finanziell stark benachteiligt die Zeit totschlagen mit Sudoku und anderen sinnfreien Tätigkeiten.

In der Reha wird ja auch geprüft in wie weit man überhaupt schon wieder arbeitsfähig ist. Ich kann nicht jemand der jahrelang draussen war aus dem Berufsleben so einfach wieder reinstellen. Im Sinne der Rentenversicherung ist es ganz klar. Alles was die Berufsfähigkeit erhält oder wieder bringt ist von Vorteil. Ich würde einfach mal den Antrag auf Reha einreichen.

Weil es erfahrungsgemäß so ist!

Es ist ja toll, wenn Sie oder manch anderer Rentner wieder auf den Arbeitsmarkt zurückkehren will. ABER Sie sind mit denen leider nicht gerade in der Mehrzahl... So ist es halt.

Wenn Sie alleine hier im Forum die vielen Fragen bzgl. einer EM-Rente und wie man sie behalten kann, lesen. sollten Sie es eigentlich nachvollziehen können.