PKV, zu hohe Tarife und keine Rente

von
Lotenso

Guten Tag,

mein Vater ist zeit seines Lebens selbstständig und in der privaten Krankenversicherung.

Im Laufe der Jahre stieg der Tarif stetig an, so dass er nun im Alter von 65 Jahren knapp 900 € zahlt, während er jedoch nicht genügend Rücklagen bilden konnte, um Rentenzahlungen zu bekommen - in die gesetzliche Rentenversicherung hat er nur im Alter von 15-18 Jahren eingezahlt, so dass hier nichts zu erwarten ist.

Nun sind z.Zt. seine einzigen Einnahmequellen ein 400 € Mini-Job, sowie Mieteinnahmen von 1.200 €. Vor allem wenn demnächst altersbedingt der Job wegbricht, kann somit der Tarif für Krankenversicherung nicht mehr bezahlt werden.

Welche Möglichkeiten gibt es für meinen Vater hinsichtlich Krankenversicherung über die Runden zu kommen? Wird seitens des Staats unterstützt und ist ggf. ein Wechsel in die gesetzliche Versicehrung möglich? Oder bleibt perspektisch nur Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen?

Wir sind in der aktuellen Situation wirklich verzweifelt, da schon seit Jahren die Ausgaben über den Kopf wachsen.

Ich freue mich über hilfreiche Kommentare.

Danke und Grüße, Lotenso

von
???

Der erste Schritt wäre wohl in den Basistarif der privaten Krankenversicherung zu wechseln. Das spart schon eine Menge Geld. Einen Sozialhilfeanspruch bei einem Einkommen von 1200,- sehe ich persönlich nicht.

von
Hannes

Jahrelang in der PKV, weil die gesetzliche zu teuer war und sich der Solidargemeinschaft entzogen, jetzt jammern und gerne in die gesetzliche KV zurück??? Gott sei Dank sieht der Gesetzgeber das nicht vor und so muss man sich halt weiter die Beiträge der privaten an das Bein binden. Ich finde das gut.
Aber Sie können ja mal bei Ihrem Sozialamt nachfragen ob die einen Zuschuss gewähren, was ich bei dem Einkommen aber nicht glaube.

von
Matze72

Zitiert von: Hannes

[...] sieht der Gesetzgeber das nicht vor [...]

Hallo Lotenso,
die "Rückkehr" zur freiwilligen Krankenversicherung der gKV wird in § 9 SGB V beschrieben. Dort sind viele Tatbestandsmerkmale, die es erlauben sich freiwillig krankenversichern zu können.
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__9.html

Ich stimme den Vorredner zu - das wird wohl nichts werden.

Auch das "Sammeln" von Pflichtbeitragszeiten in der KV, um die Voraussetzungen nach § 9 Abs.1 Satz 1 Nr. 1 (noch) zu erfüllen, scheidet aus, da Ihr Vater die Altersrgrenze nach § 6 Abs. 3a SGB V bereits überschritten hat.
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__6.html

von Experte/in Experten-Antwort

Die Regeln über den weiteren Krankenversicherungsschutz sind im Sozialgesetzbuch fünf hinterlegt. Darüber erhalten Sie Informationen bei einer gesetzliche Krankenkasse.
Aus Sicht der Rentenversicherung gibt es, wenn man bei Rentenbeginn privat krankenversichert ist, einen Zuschuss in Höhe von derzeit 7,3% aus der Bruttorente.

von
optional

Prüfen Sie bitte, ob ihr Vater nicht sogar in den Standardtarif der PKV wechseln kann (nicht zu verwechseln mit dem meist teureren Basistarif). Ansprechpartner: Ihr PKV-Versicherer.

von
KPJMK

Hallo. Sie haben nicht geschrieben ob Ihr Vater einen Ehepartner oder Lebenspartner hat der gesetzlich krankenversichert ist. Dann könnte er auch über 55Jahre in die GKV über die Familienversicherung des Lebenspartners. Die Vorraussetzungen müssen Sie mal google n. Wichtig ist keine Selbstständigkeit und wenig Einkommen usw. Die Mieteinnahmen könnten ja auch wegbrechen. Es gilt wenn drin dann ohne Kündigung immer drin. PKV sieht Wechsel nicht gern , weil ohne Kündiegungsfrist und hohe Beiträge weg. GKV sieht es nicht gern weil alt darum hohe Kosten.

von
Brigitte Bechler

Zeitlebens niedrige PKV-Tarife bezahlt und im Alter nun schnell mal in in die GKV wechseln.

Sowas ist Sozialschmarotzerei.

Wahrscheinlich bisher auch kaum oder nur wenig Steuern gezahlt und jetzt die Staatskasse abschmarotzen.

Leben wir hier im Schlaraffenland oder was?

von
W*lfgang

Zitiert von: KPJMK
Es gilt wenn drin dann ohne Kündigung immer drin. PKV sieht Wechsel nicht gern , weil ohne Kündiegungsfrist und hohe Beiträge weg. GKV sieht es nicht gern weil alt darum hohe Kosten.
KPJMK,

das hat mit gern/ungern alt/Kosten nichts zu tun. Durch Krankenkassenzwang (gesetzlich wie privat), können Sie den einen Zweig nur verlassen, wenn Sie den Nachweis zur Übernahme in den anderen Zweig vorlegen.

Lotenso,

Ihr Vater sollte den Gang zum Sozialamt/Grundsicherung einfach mal wagen. Bei 1200 Mieteinnahmen - 900 PKV + 450 Mini-Job liegt er gerade im Grenzbereich, fällt vielleicht ins Wohngeld/Lastenzuschuss.

Und dringend, wie oben schon gesagt: TARIFWECHSEL! ...oder 'getrickst', Beitragszahlung einstellen, warten ('feuern' darf ihn die PKV ja nicht, und was wollen die im Rahmen der Pfändungsfreigrenzen wohl 'einziehen' können?!), aber nicht 'die feine Art' ;-)

1. Weg: Gespräch mit dem Sozialamt.

Gruß
w.

von
KPJMK

Nur zur Info wenn ich falsch verstanden worden bin. Ich wollte nur zeigen der Weg in die GKV ist nicht immer verbaut. Die Pflicht zur Versicherung habe ich auch nicht in Abrede gestellt. Nur die PKV muß ihn gehen lassen wenn er gesetzlichen Anspruch auf Familienversicherung hat und die GKV muß ihn aufnehmen wenn er Anspruch hat (SGB5 § 10). Auszug aus VB einer PKV. Wird eine versicherte Person kraft Gesetzes in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig
,
gilt Folgendes: Sie können innerhalb v
on drei Monaten die Versicherung rückwirkend zum Eintritt der Versich
e-
rungspflicht kündigen. Ihre Kündigung muss in Textform (z.B. Brief oder E
-
Mail) erfolgen. Den Eintritt der Vers
i-
cherungspflicht müssen Sie uns nachweisen; die Frist hierzu beträgt zwei M
onate. Andernfalls ist Ihre Künd
i-
gung unwirksam. Die Frist beginnt erst, wenn wir Sie zum Nachweis aufgefordert haben. Die Kündigung ist trotz
Versäumung der Frist wirksam, wenn Sie dies nicht zu vertreten haben. Später können Sie die Versicherung
zum Ende
des Monats kündigen, in dem Sie den Eintritt der Versicherungspflicht nachweisen. Uns steht der
Beitrag in diesem Fall bis zum Ende des Versicherungsvertrages zu. Der Versicherungspflicht steht gleich der
gesetzliche Anspruch auf Familienversicherung oder
der nicht nur vorübergehende Anspruch auf Heilfü
r
sorge. Ist bei allen PKV ungefähr der gleiche Text. Der letzte Satz ist der wichtigste.

von
optional

Man sollte solche Menschen wie den Vater des TE nicht vorverurteilen. Oft sind das kleine Selbständige, die anderen einen Arbeitsplatz ermöglicht haben und viel in ihrem Leben geleistet haben. Wären alle Menschen ausnahmslos brave rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer würde der Laden auch nicht laufen.

von
Paula

Zitiert von: W*lfgang

Beitragszahlung einstellen, warten ('feuern' darf ihn die PKV ja nicht, und was wollen die im Rahmen der Pfändungsfreigrenzen wohl 'einziehen' können?!),

Hallo W*lfgang,

das sollte man sich aber genau überlegen, denn außer Notfallbehandlungen, die jede KK weiterhin übernehmen muss, zahlt diese dann bis zum Beitragsrückstandsausgleich KEINERLEI weitere Kosten! Das heißt, einfach mal so zum Arzt gehen ist dann nicht mehr...

von
W*lfgang

Zitiert von: KPJMK
Auszug aus VB einer PKV. Wird eine versicherte Person kraft Gesetzes in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig
KPJMK,

soweit richtig ...ich hatte es nur verkürzt dargestellt, weil es gesetzlich geregelt ist und die vertraglichen Hinweise (wann wagt es die erste Versicherung überhaupt, vom Kleindruckmodus in Normaltext umzuschalten?!) somit auch nur erklärenden Charakter haben.

Gruß
w.
PS an Paula: Ob die PKV zahlt, weiß doch der (nächste) Arzt/das Krankenhaus gar nicht, wenn weiterhin die PKV-Karte vorgelegt wird ;-)