plötzlich erwerbsunfähig, ohne Grund?; Studium?

von
Seeotter

Hallo!

Vorgeschichte: Vor zwei Jahren ist die Situation mit meiner Mutter (aufgrund von ihrer Pegeltrinkerei keinerlei Gespräch mehr möglich) und mir (damals Studentin um die 30 Jahre, behindert, kein elternunabhängiges Bafög, daher komplett von ihr abhängig, was für mich eine untragbare Situation darstellte) derartig eskaliert, dass sie eine Betreuung für mich angeregt hat. Ich habe dieser zugestimmt, weil ich mir Hilfe in meiner Studiensituation versprochen habe und mich nicht mehr mit meiner Mutter direkt auseinandersetzen wollte.
Leider hat mich diese Betreuerin erst in die Psychiatrie und danach in ein Wohnheim für geistig Behinderte (mich, mit Abitur!) verbracht.

Nun bin ich die Betreuung glücklicherweise los, wohne in einer normalen WG und möchte mein Leben zurück.

Dabei brauche ich etwas Hilfe, da mir viele Informationen fehlen, viele Stellen trotz Aufhebungsbescheid die Zusammenarbeit mit mir verweigern usw:
Auf einmal gelte ich als erwerbsunfähig und bekomme Grundsicherung und ich weiß nicht wie das zustande gekommen ist, wiso, wann und warum.
Meine einzige Information stammt aus dem Bescheid zur Grundsicherung vom Sozialamt:
„Wie der Rentenversicherer hier mitteilte, sind Sie erwerbsgemindert unabhängig von der jeweiligen Arbeitsmarktlage. Die Erwerbsfähigkeit besteht auf Dauer und ist wahrscheinlich nicht zu beheben.“

Aber wiso erwerbsgemindet?
Ich bin hochgradig schwerhörig oder taub, habe eine Minderbelastbarkeit der Haut (hierdurch eine Berufsunfähigkeit) und möchte studieren und keine Ausbildung oder Umschulung machen.
Aber warum ich komplett arbeitsunfähig sein soll erschließt sich mir nicht.
Ich denke: Was soll denn der Quatsch??
Das kann wohl nur von meinem Psychiatrieaufenthalt kommen? Dort muss man mir eine Diagnose angedichtet haben, die man mir bis heute vorenthält. Zu keinem Zeitpunkt hat mir jemand gesagt/mitgeteilt ich hätte zB eine Abhängigkeit, Psychose, Schizophrenie, Depression oder was es sonst noch so an Krankheitsbildern gibt.
Im Gegenteil: Zur Entlassung hat man mir gesagt, ich sei vielleicht etwas auffällig/komisch (genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr) aber nicht krank.

Ich war mit einem Zeugen bei der DRV und man verweigert mir jegliche Information über meine eigene Lage! Das kann es nicht sein. Muss ich mich damit abspeisen lassen?

Mein Ziel ist es rauszubekommen, was abgelaufen ist und mein Studium fortzusetzen. Für letzteres werde ich die Erwerbsunfähigkeit angehen müssen oder auch nicht.
Kann ich als Behinderte studieren, wenn ich Grundsicherung bekomme, als Härtefall, als Teilzeitstudium etc?
Oder muss ich erst diese angebliche Erwerbsunfähigkeit angehen? Wie mache ich das?
Kann die Uni ein Teilzeitstudium ablehnen? Oder ist sie verpflichtet dies bei Behinderung zu ermöglichen?

Besteht eine Chance vom Sozialamt Informationen zur Erwerbunfähigkeit zu erhalten? Wie gehe ich das am erfolgversprechendsten an? Oder ist damit zu rechnen, dass die meine Informationen ebenso blocken?
Hat das Sozialamt ein Interesse daran, seine Kunden wieder los zu werden und arbeitet vielleicht deshalb mit mir zusammen?

War es rechtens mich hinter meinem Rücken als erwerbsunfähig einstufen zu lassen, ohne Begutachtung, ohne Chance auf Gegenwehr?
Kann ich jemanden dafür zur Verantwortung ziehen, bzw. Schadenersatz verlagen?

Viel Information, viele Fragen. Kann mir jemand weiterhelfen?

von
Seeschwalbe

Guten Morgen,

wenn Sie z. B. ein Unternehmen finden, welches ein "Duales Studium" anbietet, in einer für Sie interessanten Fachrichtung und Sie werden dort angenommen, dann steht einem Studium und einer normalen beruflichen Tätigkeit nach dem Studium nichts im Wege.
Dass Sie lange vom Berufsleben "weg waren" müssten sie dann halt poetisch phantasievoll irgendwie im Lebenslauf erklären. Auslandszeit, Menschenstudien, Pflege der eigenen Mutter oder so.

Sie müssen Ihrem zukünftigen Arbeitgeber oder Universität überhaupt nichts von Ihrer Vorgeschichte erzählen, auch nicht, dass Sie von Seiten der DRV für erwerbsgemindert gehalten werden. Sie dürfen arbeiten, studieren, was auch immer. Sobald Sie über 450€ verdienen, wird sowieso die Rente überprüft und wenn Sie angeben, Sie sind fit, treiben Ihren Lebensunterhalt selbst ein, gibt es keine Rente und auch keine Grundsicherung mehr. Vom Arbeitgeber werden die Sozialbeiträge abgeführt und gut ist.

Ihr Studium können Sie z. B. für der dualen Variante oder mit dem Bafög (es gibt mittlerweile eins ohne Altersbegrenzung und unabhängig vom Elternverdienst), mit dem KfW-Studienkredit oder jobben finanzieren. Hierzu gibt es an jeder Universität Beratungsbüros, auch im Internet findet man alle möglichen Informationen.

Die Sache mit der DRV und Ihrer Vergangenheit sollten Sie am besten mit Hilfe eines Sozialverbandes (SOVD) oder einer anderen Hilfe-Organisation (z. B. Lebenshilfe) angehen. Dann haben Sie immer einen Zeugen dabei. Sie haben das Recht auf Akteneinsicht und auf Kopien sämtlicher Unterlagen, so lange die Schriftstücke nicht die subjektive Meinung des Verfassers widergibt. Allerdings glaube ich, dass Sie mit einer eventuellen Strafverfolgung bzw. Schadenersatzanliegen ins Leere laufen. Dieser Kampf verbraucht nur Lebensenergie...

Alles Gute

Experten-Antwort

Die Rentenversicherungsträger werden durch § 109a SGB VI beauftragt, Hilfen in Angelegenheiten der Grundsicherung zu leisten. Die Rentenversicherungsträger prüfen u.a. die Erwerbsminderung bzw. die Erwerbsfähigkeit hilfebedürftiger Personen auf Ersuchen der zuständigen Sozialhilfeträger. Nach Ihrer Schilderung wird der Rentenversicherungsträger eine solche Prüfung vorgenommen haben, daraufhin erhalten Sie die entsprechenden Leistungen. Ansprechpartner in dem weiteren Verfahren ist nicht der Rentenversicherungsträger, sondern der Träger der Ihnen die Leistung gewährt.

von
=//=

Soweit ich das Ganze verstanden habe, beziehen Sie jetzt GRUNDSICHERUNG, aber keine Erwerbsminderungsrente.

In der Regel kommt das folgendermaßen zustande:

Sie schreiben etwas von Aufhebungsbescheiden. Von wem waren die denn, vom Jobcenter?

Sie brauchen ja von irgendwoher Leistungen zum Leben. Vermutlich haben dem JC ärztliche Unterlagen vorgelegen, woraus ersichtlich war, dass Sie dem Arbeitsmarkt nicht oder nur teilweise zur Verfügung stehen. Dann gibt das JC die gesamten Unterlagen an das Sozialamt/Grundsicherungsamt ab. Dieses muß - über die DRV auf dem Wege der Amtshilfe - prüfen, ob Sie erwerbsgemindert sind, befristet oder auf Dauer. Ist dies der Fall, teilt die DRV dies dem Grusi-Amt mit und von dort wird über Grundsicherungsleistungen entschieden. DAS ist ja erstmal nichts Verwerfliches.

Wenn Sie tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt mehr als 3 bzw. 6 Stunden arbeiten (können), erübrigen sich die Leistungen vom Grusi-Amt. Aber solange ist es doch eigentlich ganz gut , DASS Sie welche bekommen.

Außerdem verstehe ich nicht, weshalb die Feststellung einer Erwerbsminderung Sie an einem Studium hindern sollte! Sie müssen doch nicht angeben, dass Sie erwerbsgemindert sind! Ich denke, Sie sehen alles ein bißchen zu schwarz.

von
Herz1952

Hallo Seeotter,

es wird wohl daran liegen, dass Sie mit Grundsicherung aus finanziellen nicht studieren können. Bei Grundsicherung ist es außerdem so, dass Sie nur 30 % eines Hinzuverdienstes nicht angerechnet bekommen. Also schlimmer als Hartz 4.

Grundsicherung statt "Hilfe zum Lebensunterhalt" (das ist auch nicht besser wegen des Hinzuverdienstes) wird voll erwerbsgeminderten Personen gezahlt, die gesetzlich (noch) keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente haben.

Wegen der Unterstützung für Ihr Studium fragen Sie sich am besten "mal durch".

Leider sehe ich es auch so wie "=//=", dass Sie wenigstens Grundsicherung erhalten. Es ist ungemein schwer, einen "normalen Job" zu erhalten. Außerdem werden Sie immer wieder gefragt werden über die "Lücken" in Ihrem Lebenslauf. Wenn Sie die wahren Gründe verschleiern (ob wahr oder unwahr ist gleichgültig in Ihrem Fall /leider), kann es weitere Schwierigkeiten geben. Wenn Sie natürlich beweisen können, dass Sie trotzdem arbeiten können, erübrigt sich die Grundsicherung (schrieb ja schon "=//=").

Voll erwerbsgemindert ist jemand, den die RV aufgrund verschiedener Einschränkungen nicht für fähig hält auf dem "Allgemeinen Arbeitsmarkt" einer Erwerbstätigkeit mit mehr als 3 Stunden täglich nachzugehen.

Fragen Sie am besten mal zunächst beim Grundsicherungsamt nach, wie sich die finanzielle Situation darstellen würde, wenn Sie Ihre Studium mit "Nebenjobs" finanzieren würden. Das könnte Sie einen Schritt zumindest weiterbringen. Vor allem, wenn es um das finanzielle beim Studium geht.

von
W*lfgang

Zitiert von: Seeotter
War es rechtens mich hinter meinem Rücken als erwerbsunfähig einstufen zu lassen,
Seeotter,

ja, der Betreuer hat ja geradezu das Recht und die Pflicht, Ihre in diesem Zeitpunkt nicht mögliche Handlungs- und Geschäftsfähigkeit in Ihrem Sinne wahrzunehmen. Dazu gehört eben auch die finanzielle Absicherung, und seien es nur Sozialleistungen/Grundsicherung - die zudem von anderen Leistungsträgern (Jobcenter, Krankenkassen) zwingend eingefordert werden. Da Sie dazu nicht in der Lage waren, musste das halt der Betreuer 'kraft seines Amtes' übernehmen - insoweit alles richtig gelaufen.

> Aber warum ich komplett arbeitsunfähig sein soll erschließt sich mir nicht.

Sie sind nicht komplett arbeitsunfähig, sondern nicht für Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes von mind. 3 Std. tägl. vermittelbar. Das geringe Restleistungsvermögen reicht aus med. Sicht nicht aus, Sie in einen 'leichten' Job zu vermitteln. Daneben können Sie natürlich einen Fulltime-Job aufnehmen, daran kann Sie schließlich keiner hindern.

Fordern Sie Akteneinsicht von der Rentenversicherung an, die erstellten Gutachten können Sie dann nachlesen. Ggf. erhalten Sie den Akteninhalt aber auch nur im Beisein Ihres Haus-/Facharztes vermittelt.

Gruß
w.
PS: Zulassungsvoraussetzungen zum Studium finden Sie allgemein hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Studium#Zulassung_zum_Studium

Ein Ausschluss wegen Feststellung der Erwerbsminderung druch die Rentenversicherung existiert nicht.

von
KSC

Für was wollen Sie denn Schadensersatz?

Sie bekommen Grundsicherungsleistung - also Geld aus Steuermitteln ohne selbst zu arbeiten - weil irgendwann festgestellt wurde, dass Sie voll erwerbsgemindert sind. Das ist kein Schaden!

Als Erwerbsgeminderte können Sie studieren wo und was Sie wollen, daran hindert Sie kein Mensch (höchstens Ihre eigene Krankheit, für die aber auch kein anderer verantwortlich ist).

Und es verbietet Ihnen auch keiner eine Arbeit aufzunehmen und Ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen - im Gegenteil: dann würde der Staat sich das Geld für Ihre Grundsicherung sparen.

Sie haben also die Möglichkeit Ihr Leben selbst zu gestalten und in die Hand zu nehmen:

Entweder daheim mit Grundsicherung, oder durch ein Studium, oder durch Arbeitsaufnahme,......oder sonstwie....

Mein Rat: kämpfen Sie um Job oder Arbeit und nicht den "Kampf gegen die böse Welt", die sooo böse ist, dass sie sogar - mit meinen Steuergeldern - Ihr Leben finanziert.

Zeigen Sie Eigenverantwortung und suchen nicht Schuldige für Ihr Schicksal ( ich weiß, jammern ist natürlich einfacher.