Raus aus der Erwerbsunfaehigkeit

von
Nessi

Ich bin vollblind, 100% erwerbsunfaehig ohne Befristung und habe aufgrund von Krisen eine psychiatrische Diagnose. Auf dem freien Arbeitsmarkt habe ich mich versucht zu rehabilitieren. Doch stiess ich an Grenzen der blindentechnischen Umsetzung (leider). Seit 5 Jahren bin ich in keinerlei psychiatrischer oder psychologischer Behandlung und auch medikamentenfrei. Ein Fernstudium habe ich auch absolviert. Wie kann ich mich vorrangig Verhalten um eine Umschulung zu bekommen und endlich von dem Etikett erwerbsunfaehig loszukommen? Ist es so, das nach Festellung einer psychischen Erkrankung, keinerlei Widerlegung moeglich ist? Das ein Vollblinder eine Umschulung in einem BFW fuer Blinde machen kann: ja. Doch wie ist es wenn einem eine psychiatrische Diagnoseverabreicht wurde? Ich waere sehr froh wenn mir ein Weg aufgezeigt wird wie ich mich wieder ins Arbeitsleben integrieren kann. Vielen Dank
Nessi

Experten-Antwort

Sie sollten einen Antrag für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (Umschulung) bei der DRV stellen. Dort wird dann geprüft inwieweit Sie daran teilnehmen können.

von
Nessi

Vielen Dank fuer die schnelle Antwort. Dann weiss ich jetzt den 1. Schritt.
HG
Nessi

von
Krämers

Wie alr sind Sie wenn ich fragen darf ?

Ist für eine Umschulungsmassnahme nun auch nicht ganz unwichtig. Sind Sie bereits in einem fortgeschrittenen Alter und unter Beachtung ihrer ERkrankungen wäre so eine Massanhme dann wohl relativ sinnlos.

von
Sven

Zitiert von: Nessi

Ich bin vollblind, 100% erwerbsunfaehig ohne Befristung und habe aufgrund von Krisen eine psychiatrische Diagnose. Auf dem freien Arbeitsmarkt habe ich mich versucht zu rehabilitieren. Doch stiess ich an Grenzen der blindentechnischen Umsetzung (leider). Seit 5 Jahren bin ich in keinerlei psychiatrischer oder psychologischer Behandlung und auch medikamentenfrei. Ein Fernstudium habe ich auch absolviert. Wie kann ich mich vorrangig Verhalten um eine Umschulung zu bekommen und endlich von dem Etikett erwerbsunfaehig loszukommen? Ist es so, das nach Festellung einer psychischen Erkrankung, keinerlei Widerlegung moeglich ist? Das ein Vollblinder eine Umschulung in einem BFW fuer Blinde machen kann: ja. Doch wie ist es wenn einem eine psychiatrische Diagnoseverabreicht wurde? Ich waere sehr froh wenn mir ein Weg aufgezeigt wird wie ich mich wieder ins Arbeitsleben integrieren kann. Vielen Dank
Nessi

Hallo Nessi,
ich war vor vielen Jahren in ähnlicher Situation.
Ich bin spätertaubt.
Statt die Rente damals zu nehmen, habe ich mich überreden lassen in Heidelberg bei der SRH-Gruppe zu studieren.
Danach habe ich als der Einzigster meines Abgangjahrgangs einen Job in der freien Wirtschaft gefunden.
Alle anderen Schwerbehinderten waren danach arbeitslos.
Zuvor wurden wir ständig belogen, wie toll doch nach Abschluß die Berufsaussichten seien.
Dem folgenden Beginner-Jahrgang, mit dem wir Kontakt aufnahmen, wurde vorgelogen, wir alle hätten einen Feste Anstellung gefunden, wären regelrecht vom Hörsaal weg eingestellt worden.

Heute bereue ich es zu tiefst, damals nicht die Berufsunfähigkeitsrente genommen zu haben.
Wegen der ständigen Arbeitsverdichtung, ist es mir inzwischen nicht mehr möglich im Beruf mit zu halten.
Von den Nichtbehinderten kollegen, kannst du kaum Verständinis erwarten, sie haben heute dafür einfach keine Zeit mehr.
Wenn ich jetzt ausscheide, bekomme ich mit meiner Behinderung nur noch eine teilweise Erwerbsgemindertenrente, die niedriger!!!!!!!! ist, als wenn ich damals in die Berufsunfähigkeitsrente gegangen wäre.

Was ich dir damit sagen will, überlege es dir sehr, sehr gut, ob du dieses Risiko eingehen willst.
Ich würde heute viel lieber ein Stigma tragen, als diesen Stress täglich ertragen zu müssen.

Viel Glück !
Sven

von
Hennig Schultze

Ihre Absicht wieder in Berufsleben einzusteigen ist wirklich aller Ehren wert. Hut ab dafür !

Aber, Sie sind blind, seit Jahren unbefristet erwerbsgemindert und haben psychiatrische Diagnosen ( zumindest gehabt ).

Ein Arbeitgeber muesste ihnen also in jedem Falle einen komplett neuen Arbeitsplatz nach blindentechnischen Voraussetzungen einrichtet , was erheblich Geld kostet.

Die RV soll sie aber vorher noch Umschulen, obwohl sie dauerhaft berentet wurden....

Selbst wenn dies genehmigt würde ( was ich niemals glaube.. ) hätten Sie danach in dem neuen Beruf NULL Berufserfahrung und dazu kommt noch ihre an sich schon schwere Behinderung.

Glauben Sie ernsthaft, das es in ganz Deutschland einen - nur einen einzigen - Arbeitgeber gibt, der Sie unter diesen Voraussetzungen einstellen würde ??

Eherr wohl nicht. Darum sollen Sie die Sache realstisch betrachten nicht von etwas träumen, was sich aller Wahrscheinlichkeit niemals realisieren lässt.

Alels Gute trotzdem und viel Erfolg.

von
Simone52

Hallo Nessi!

Wenn Sie unterfordert fühlen suchen Sie sich ein Ehrenamt!

Die Rente nimmt man Ihnen nicht und Sie sind vielleicht auch zufrieden!

Es ist leider so wie die anderen Threadteilnehmer schreiben! Die Aussichten sind denkbar schlecht und wenn Sie eh schon ein Fernstudium belegt haben was wollen Sie noch erreichen Sie haben sich doch schon sehr viel bewiesen! Aber einen blutigen Kopf beim gegen Wände laufen brauchen Sie wirklich nicht oder?

von
Bremer Junge

400 € Job mit den 3 Stunden pro Tag im Rahmen der erlaubten Hinzuverdienstgrenze wäre doch auch schon mal was.

Und dann sehen Sie, ob Sie das überhaupt auf Dauerr auch durchhalten. Erstmal testen und dann sehen was noch geht und vor allem was nicht.

von
Nessi

Hallo an alle die gepostet haben,
ich kann die bedenken einiger vestehen. Eine Sache moechte ich doch widerlegen. Als Blinde hat man Chancen. Ich kenne so einige die Arbeit haben. Sei es Physioterapeut, Informatiker usw. Der Arbeitgeber muss nicht zahlen. Der Blinde bekommt eine Arbeitsplatzausstattung. Der Arbeitgeber bekommt sogar noch Geld. Weiterhin zum Thema. 400 Euro ist prima. Doch ich habe ein Fernstudium zum psychol. Berater/Personalcoach. Dies ist kein Angestelltenberuf. Auch ist das mit dem Ehrenamt so eine Sache. Wuerd ich gern machen. Doch auch fuer das Ehrenamt braucht man fast schon einen pädagogischen Beruf (Erfahrung). Sicher ist die Rente mir sicher. Doch mit 40 Jahren kann und will ich nicht zu Hause verkuemmern. Ich hätte 50 m eine Arbeitsstelle. Leider fehlt mir die entsprechende Ausbildung. Fuer den tauben Kollegen tut es mir wirklich leid. Schade bei solcch einen Abschluss. Sicher ist man auch bei einer guten Ausbildung nicht vor Arbeitslosigkeit geschuetzt. Doch da nehmen wir uns nichts mit Nichtbehinderten. Sicher habe ich es schwerer. Doch die Haende in den Schoss legen, füllt mich nicht aus. Leider habe ich aufgrund der psychiatrischen Diagnose Hemmungen gehabt mich um eine Reha zu kuemmern. Ich war in dem Glauben ich duerfte nicht mehr arbeiten, weil unbefristet. Fazit: Ein bischen Mut und den Willen kann viel bewegen. So meine Erfahrung. Ich moechte hier nicht euphorisch optimistisch sein. Nein. Doch total pessimistisch zu denken erfuellt auch nicht mein Leben. Ich koennt noch viel mehr schreiben. Doch das wuerde den Rahmen sprengen, smile. Jedenfalls ist fuer mich die Erwerbsunfaehigkeit nicht die Loesung. Auch finanziell nicht. Ich danke euch fuer die Beitraege und Denkanstoesse und wuensche den einen oder anderen das nicht alle Behinderten auf dem Abstellgleis stehen. Dafuer sehe ich z. b. viele Blinde die einen Job haben und das in dieser Zeit. Danke gruss Nessi

von
Simone52

Hallo Nessi!

Sicherlich haben Sie recht in Ihrer Argumentation!

Nur wie viele haben keinen Job in Ihrer Lage und wären froh Sie hätten Ihre Rente!

Wenn man für ein Ehrenamt eine pädagogische Ausbildung benötigen würde hätten wir wohl sehr wenige Leute in diesem Bereich!

Sicherlich ist der Bereich Masseur für einen Blinden der ideale Ausweichbereich aber dieser Bereich ist doch überlaufen und wird durch die Budgetgrenzen die die Ärzte mittlerweile haben auch nicht gerade zukunftsweisend!

Also bevor Sie einiges auf Spiel setzen bedenken Sie die Folgen gut!

Gruß von einer halb blinden!

von
Nessi

Hallo Simone,
ich finde man sollte sich nicht auf eine Sache versteifen. Es gibt nicht nur den Masseur, smile. Wenn andere gern die Rente wollen, warum nicht. Wenn es fuer andere die letzte Moeglichkeit ist, natuerlich wuensche ich mir das diese dann auch Rente erlalten. Ich arbeite ehrenamtlich beratend. Es ist nicht so das ich alles schoenreden will. Doch mittlerweile nach dem 3. Angebot eines unbefristeten Arbeitsvertrages, denke ich anders und lehne mich gegen die Rente auf. Jeder hat seine Ansichten und Einstellungen. Das ist auch gut so. Waer ja schlimm wenn wir alle gleich denken wuerden, smile. Mein Umkreis selbst ist nicht von Arbeitslosigkeit geprägt. Hier sind mehrere Behinderungen vertreten. Es geht. Das heisst nicht immer. Und der Kommentar zum Beruf Masseur. Ich glaub das ist regional abhaengig. hab mich schon geaergert das ich den nicht in der Tasche habe. Mich nervt ein Physiotherapiepraxis-Besitzer auf nette weise doch den masseur zu machen. Ja physioterapeuten wollen nicht grad stundenlang massieren sondern physiotherapie in bewegung ausfuehen. Das sage ich nicht so. meine Frau ist PT und ist dieser Meinung. Sie ist uebrigens auch blind.
gruss
nessi

von
i Wear

Hi Nessi!

Nur mal so ne Frage: Bist du Vollblind von Geburt an? Und wenn nicht, in welchem Alter bist du den "vollblind" geworden, dass du dir das Alles noch zutraust?

MfG

von
Nessi

Hi i wear,
ich war 27 Jahre als ich vollerblindete.
Jetzt 40. Sicher braucht man schon etwas Mut. Ja und in die Hand gelegt wird ein auch nichts. Doch ich musst auch als Sehende kaempfen. Vor der Arbeitslosigkeit ist man auch als Nichtbehinderter tagtaeglich bedroht. Wenn ich aber von vornherein mit dieser Einstellung rangehe. Ja dann kann ich nicht vom Leben erwarten das es mich zufriedener macht. Wenn ich von vornerein denke, das ich keinen Job bekomme; Ja dann kann ich auch dem Sofa sitzenbleiben. Ich moechte nicht alles schoenreden. Mir ist es ein Beduerfnis eine Behinderung nicht immmer als Ende anzusehen. Vor nicht allzulanger Zeit war es unmoeglich als Fachinformatiker zu arbeiten. Ich kenne selbst 2 Blinde die bei MAn oder IBM sogar eine leitende Position haben. Ob behindert oder Nichtbehindert kaempfen lohnt sich immer. Ich kann natuerlich meinen Kopf in den Sand stecken, koennte natuerlich richtig kalt am Allerwertesten werden. Ich kann mir aussuchen ob ich zu Hause sitze und jammere oder ob ich aufstehe und versuche. Ein Versuch tut nicht weh. Ich spreche nicht von den Menschen die um die EU kaempfen wo es schon mehr als ersichtlich ist das sie darauf ein anrecht haben.
Mein Abschluss zu diesem Thema: Ich bedauere das manche so hart resignieren. Ich bin auch ehrlich gesagt irritiert, dass es vorangig keine Zustimmung, auch nicht teilweise zu spueren war. Schade. Fuer manche ist es die Erfuellung; Fuer mich nicht. Ich wuensch euch alles Gute.
HG Nessi

von
Frank01

Hallo Nessi!

Also zurück ins Leben!

Ja Sie hatten vorher vermutlich eines und wollen dieses wieder mit allen Einschränkungen!

Nun Sie sind in der Tat nur "behindert" und eben nicht auch noch krank!

Da kann man es sicherlich weniger verstehen das die "Andern" nicht den "Arsch" hochgekommen!

Vielleicht hängt das auch mit deren Lebenserfahrung und Resignation zusammen!

Ich wünsche Ihnen viel Glück, den das werden Sie brauchen!

MfG

Frank