Reha-Abschlussbericht

von
Angela

Guten Abend,

was kann/sollte man machen, wenn der Reha-Abschlussbericht in kleinen, aber feinen Teilen nicht so ganz den Tatsachen entspricht?

Z.B. wurde bei ALLEN Diagnosen bei Behandlungergebnis eine 1, also gebessert, eingetragen. Das trifft zwar auf einzelne Diagnosen zu, aber leider nicht auf alle. Im Gegenteil, es kamen neue, neurologische Beschwerden dazu und der Schmerzzustand hat sich auch verschlechtert. Dieses wurde auch durch ein tägliches Schmerzprotokoll dokumentiert, welches aber natürlich in dem Bericht keine Erwähnung findet.

Unter Rehabilationsverlauf wird z.B. das „vielfältige sensomotorischen Training“ auf bestimmten Geräten hervorgehoben, allerdings standen ebendiese nicht ein einziges Mal auf meinem Trainingsplan.
Auch ein kardiovaskuläres Training soll sehr unterstützend gewesen sein, dieses gab es immerhin 1x, musste aber nach 10 Min. wegen zu grosser Schmerzen abgebrochen werden, was natürlich aber auch nicht erwähnt wird.
Und noch einige Kleinigkeiten mehr.

Am gravierendsten ist für mich aber die perspektivische Einschätzung. Diese besagt, dass ich nach der Wiedereingliederung wieder vollschichtig arbeiten „können sollte“. Geschickte Formulierung. Tatsächlich war die Antwort des Arztes während der Abschlussuntersuchung auf meine Frage, was ich machen soll, wenn mein Zustand so bleibt, dass man da aus orthopädischer Sicht nichts machen könne, da meine Schmerzen wahrscheinlich aus einer Verletzung des Nervs resultieren, ich mich also in neurologische Behandlung begeben müsse.

Meine Fragen sind nun:
Soll ich das so stehenlassen?
Soll/kann ich das richtigstellen?
Seh ich das zu eng?
Würde das überhaupt jemanden bei der DRV interessieren?

Keine Ahnung.

von
Sternsucher

Ich empfehle Ihnen die Rücksprache mit der Reha-Klinik, warum die Aussagen im Bericht so getroffen wurden und bitten dort um Änderung!
Sollte das von der Klinik abgeschmettert werden, dann könnte man die Sache auch schriftlich an die Rentenversicherung weitergeben.
Ob Sie Erfolg haben, kann Ihnen keiner sagen!!

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Angela,

wenn in dem Abschlussbericht tatsächlich unrichtige Sachverhalte drinstehen (z.B. Behandlungen, die gar nicht stattgefunden haben), dann sollten Sie schon versuchen, das richtig zu stellen.
Welches dafür der richtige Weg ist, kann ich hier im Forum auch nicht einschätzen: Zunächst einmal das Gespräch mit der Klinik suchen oder direkt eine Gegendarstellung an Ihren zuständigen Rententräger senden oder vielleicht rufen Sie in der ersten Phase mal bei Ihrem Reha-Sachbearbeiter an...

Sicher kommt es auch darauf an, ob Sie die angesprochene Wiedereingliederung machen und damit in Ihren Beruf zurückkehren wollen oder ob Sie sich eigentlich für erwerbsgemindert halten und deshalb eine EM-Rente anstreben. Im letzteren Fall wäre es natürlich umso wichtiger, die aus Ihrer Sicht falschen Aussagen im Bericht zu hinterfragen.

von
Angela

Ein Gespräch mit der Klinik, bzw. mit dem Arzt war auch mein erster Gedanke, schon allein aus Fairness. Aber inzwischen denke ich, eine Kopie meiner Richtigstellung an die DRV zur Kenntnisnahme sollte ausreichen. So ein Arzt weiss genau, was er schreibt und welche Bedeutung das hat, da sollte man schon etwas abwägen zwischen eigener Erfolgsquote und Konsequenz für den Patienten.

Mein Fehler bisher war wohl, dass ich zu passiv war. Ich hab mich hin und herschieben lassen, dachte mir, die wissen besser, wo ich hin muss und was mir helfen wird. Aber im Endeffekt wartet man wochen und monatelang auf Termine und dackelt von Arzt zu Arzt, ohne dass sich was tut.
Deshalb hatte ich mich total gefreut, dass ich diese Reha so schnell genehmigt bekommen habe, weil ich dachte, jetzt geht es endlich dem Ende zu. Aber leider hat sich gar nix geändert, geschweige denn gebessert. Wie auch, wenn der Rehaarzt mit Fachgebiet Orthopädie seinen Stiefel durchzieht, mir aber sagt, eigentlich wäre ein Neurologe nötig?

Die Wiedereingliederung mache ich derzeit und hoffe natürlich, dass es klappt. Aber natürlich beschäftigt mich die Frage, was, wenn nicht?
Es heisst immer wieder, dass ein Reha-Entlassungsbericht das massgebende Dokument für die DRV sei. Welchen Stellenwert hätte da eine anderslautende Prognose nachher von einem Facharzt?

von
"Die Frage bei Reha"

Sie sprechen "die Frage" bei Reha an: die Einschätzung zur Leistungsfähigkeit.

Unausgesprochen geht es Ihnen letztendlich um die Erwerbsminderungsrente. Und dazu hat der Arzt ein klares Votum abgegeben: Sie sind voll leistungsfähig.

Wenn Sie und andere Ärzte dies anders sehen, bleibt Ihnen im rentenverfahren der Widerspruch und die Klage.

Keiner im Forum kann dies bei Ihnen einschätzen. Viel Erfolg!

von
Angela

Ihr „unausgesprochen“ impliziert ein bisschen ein „daraufhinarbeiten“ - ja, die Welt ist schlecht.
Natürlich geht es bei meinen Fragen hier letztendlich um evtl. Rente. Aber nicht, weil ich diese gerne hätte. Ich habe einen super Job, bin eigenverantwortlich und arbeite da gerne, habe auch keinen gutverdienenden Gatten in der Hinterhand. Rente würde für mich insofern nicht nur finanzielle Einbussen bedeuten.
Nur leider kann man es sich nicht immer selbst aussuchen und ich frage lieber vorher, anstatt hinterher erst mal Scherben sortieren zu müssen.

von
Leser

Hallo Angela,

vertrauen Sie darauf, das es genauso eintreten wird, wie Sie es vermuten. Nicht umsonst erwirtschaftet die DRV Millarden überschüsse, bei wachsender Ablehnung von Leistungen.
Bei meiner Frau ist es ähnlich abgelaufen und wir sind nunmehr vor dem Sozialgericht. Von Einsicht keine Spur.
Machen Sie einen auf Psycho, dann haben Sie lt. neuester Auswertungen eine viel höhere Chance auf EM-Rente als ein "Normal" Erkrankter!
Meine Frau hatte nach einer schweren Erkrankung mit diversen Folgeleiden noch einen Wegeunfall. Lt. DRV keine Beeinträchtigungen der vollschichtigen Leistungsfähigkeit und lt. BG lag alles schon vorher vor weils degenerativ wäre, das innerhalb von 1,5 Monaten.

von
Franz F

Hallo Angela,
Ich würde der Rehaeinrichtung schon die
Möglichkeit geben das zu korrigieren.
Versuchen sie auch den Stundenplan (Behandlungen) in Kopie zu bekommen.Dort
Kann man ja dann eindeutig sehen welche
Behandlungen durchgeführt wurden. Vorab
Können sie ja die DRV informieren dass sie eine
Änderung beantragt haben.
Ich wünsche ihnen ganz viel Erfolg bei der
Wiedereingliederung und alles Gute!

von
Angela

Danke, Franz F, für die Wünsche.
Normal würde es mich gar nicht stören, wenn einzelne Trainingsmassnahmen etwas durcheinander gebracht worden wären. Aber wenn ausgerechnet die Teile, die überhaupt nicht stattfanden, als besonders förderlich für meine Rehabilitation hervorgehoben werden ergibt das in Kombination mit der nicht zutreffenden Aussage, dass sich bei allen Diagnosen der Zustand verbessert hat, ein ungutes Gefühl.

@ Leser

Ich denke, da können viele eine ähnliche Geschichte erzählen. Ich war bisher nie krank und bin somit das erste Mal mit dem Thema konfrontiert. Teilweise war ich wirklich fassungslos, was da für Leute als arbeitsfähig mit Arbeitsbeginn am nächsten Tag entlassen wurden.
Es muss kostengünstig gearbeitet werden und der Patient wird durchgeschleust. Individuell und mit dem Patienten abgestimmt war zumindest bei uns ein Witz. Das wäre auch viel zu aufwändig, die Therapeuten wussten so schon nicht, wo ihnen der Kopf stand vor lauter Arbeit. Von 1 Stunde Muckibude z.B. gingen regelmässig schonmal 15 Min durch Warten auf den Trainingsplan drauf, bei Fragen oder benötigter Hilfe zwischendurch musste man sich auch erstmal in die Schlange stellen und keiner der Trainer hat Däumchen gedreht, die sind alle rumgeflitzt wie die Blöden.
Zuviele Patienten und zuwenig Personal, nur so macht man eben Gewinn. Aber das wiederum klappt auch nur, wenn die vermeintliche Erfolgsquote stimmt.