Reha-Entlassungsbericht

von
sonnne

Hallo, ich bin 55 Jahre und war kürzlich auf einer Reha, habe einen GdB von 40 und bin arbeitsunfähig entlassen. Im anschließenden Entlassungsbericht stand dann arbeitsfähig ab 6 Std. täglich. Ich kann das kaum glauben, kann man da auch Widerspruch einlegen?
Hatte auch 2 Monate vorher die Erw.mind.rente beantragt, welche auf Grund dessen wahrscheinlich abgelehnt wird.
Nun bin ich im Krankengeldbezug und warte auf die Entscheidung der BfA über die Erw.mind.rente. Falls die dann abgelehnt wird, bekomme ich dann Alo-Geld 1 oder muss ich in den Hartz-Club ???
Freue mich über jeden guten Rat !

von
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Für den Fall der Ablehnung können Sie gegen den Bescheid Widerspruch einlegen.

Wenn Sie weiterhin arbeitsunfähig sind und der Leistungsanspruch bei der Krankenkasse noch nicht erschöpft ist, bekommen Sie weiterhin Krankengeld. Anderenfalls beantragen Sie Arbeitslosengeld. Erst wenn auch da die Höchstdauer erreicht ist, gehören Sie zum Club.

von
dirk

Ich würde am Ihrer Stelle bei der Rehaklinik den Entlassungsbericht schriftlich anfechten, da er, wie Sie sagen, nicht mit dem Inhalt des Entlassungsgespräches übereinstimmt. Gleichzeitig würde ich vom behandelnden Arzt die Arbeitsfähigkeit oder Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigen Sie sowieso für den Weiterberzug des Krankengeldes und später ALG.

Der Vorgang, den Sie beschreiben, ist leider keine Seltenheit.

Finanziell erhalten Sie nach Ende des Krankengeldbezuges Alg1 und bei Erschöpfung Ihres Anspruches die "Clubmitgliedschaft".

Solange Ihr Antrag auf EU Rente läuft, also auch im Widerspruchsverfahren, steht Ihnen ALG1/2 gemäß §125 SGB3 zu.

von
Nix

Was nützt es, bei der Klinik gegen den Entlassungsbericht Widerspruch zu erheben. Erstens kann man nur gegen einen Bescheid Widerspruch erheben und zweitens ist das, was im E-Bericht drinsteht ein Empfinden, eine medizinische Einschätzung des untersuchenden Arztes der KLinik - nicht mehr aber auch nicht weniger. Sicher wird auch der Entlassungsbericht beim Rentenantrag berücksichtigt werden - aber nicht nur dieser. Der Ärztliche Dienst der Deutschen Rentenversicherung macht sich ein Gesamtbild aus dem Gesamtaktenvorgang und damit aus ALLEN medizinischen Unterlagen, die ihm vorsehen. Erst wenn Sie tatsächlich eine Ablehnung der Rente erhalten, sollten Sie hiergegen Widerspruch erheben. Dabei sollten Sie anschliessend erst das Widerspruchsverfahren abwarten. Gegen einen anschliessenden möglichen abschlägig entschiedenen klagefähigen Widerspruchsbescheid aufgrund Ihres Widerspruchs können Sie vor dem Sozialgericht Klage erheben. Die erste Instanz können Sie ohne Rechtsanwalt selbst durchboxen. Hier wird Sie der Sozialrichter anhören, sich weitere medizinische Unterlagen vorlegen lassen, Sie nochmals medizinisch untersuchen lassen und anschliessend ein Sozialgerichtsurteil fällen.Sollte auch hier gegen eine Rentengewährung entschieden werden, sollten Sie sich - erst jetzt - einen Rechtsanwalt für Sozialrecht nehmen.

So einfach ist das.
Also: Erstmal bwarten und Tee trinken.

Gruss
Nix

von
Schade

zudem sollten Sie mit Ihren Ärzten besprechen, ob und welche Arbeiten Sie vielleicht noch wielange ausführen können.

Die derzeitige Arbeitsunfähigkeit bezieht sich auf Ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit. Grundsätzlich gibt es Fälle, die zwar die letzte Arbeit nicht mehr machen können, weil das "zu schwer" ist, die aber dennoch "leichtere Arbeiten" ganztags machen können.

So gesehen müssen sich die Aussagen nicht unbedingt widersprechen - aber das klären Sie bitte mit den Ärzten.

von
sonnne

erst mal vielen Dank für die Antworten. Man braucht eben viel GEduld; Nerven und ein gutes finanzielles Polster.
Bis wielange dauert eigentlich so ein Widerspruchsverfahren für die Erw.mind.rente?

von
dirk

Ich sprach vom "anfechten", nicht vom Widerspruch. Wenn eine Diskripanz zwichen Entlassungsbericht und Entlassungsgespräch vorliegt, sollte man dies klären.

"...E-Bericht drinsteht ein Empfinden, eine medizinische Einschätzung des untersuchenden Arztes der Klinik..."

Es muss aber auch der med.. Lehrmeinung entsprechen. Außerdem liegen ja mit Entlassungsgespräch und -Bericht nun zwei unterschiedliche Meinungen desselben Kurarztes vor.

Würde ich schon klären.

Im Hinsicht auf Rentenprüfung haben Sie natürlich Recht. Aber:
Die Feststellung der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit durch eine Reha, also der volle Erfolg dieser Reha dürfte doch ein Hauptargument wenn nicht gar der Beweis bei einer Rentenentscheidung sein.

Wenn HIER die so oft gescholtene Verwaltung auf Ablehnung eines Rentenbezuges erkennt handelte sie ja vollkommen richtig - wenn der Entlassungsbericht stimmt.

Wenn unstimmige med. Berichte vorliegen, ist es meiner Meinung nach hochgradig Fahrlässig gegenüber sich selbst, nach dem Motto zu handeln:

"Also: Erstmal bwarten und Tee trinken:"

von
Schade

wenn es schnell geht vielleicht 2 Monate, es kann aber auch 6 bis 12 Monate dauern - je nach dem wie klar die ärztlichen Aussagen sind.

Das kann nicht im Einzelfall prognostiziert werden!

von
DN

Zitat: Im anschließenden Entlassungsbericht stand dann arbeitsfähig ab 6 Std. täglich.

Ich glaube Sie verwechslen da etwas: Vermutlich sind Sie arbeitsunfähig aus der Reha entlassen worden (Da Sie laut Ihrer Angabe Krankengeld beziehen).

Mit "Arbeitsfähig ab 6 Std. täglich" ist vermutlich Ihr Leistungsvermögen gemeint. Sicherlich sind Sie aufgrund des derzeitigen Krankengeldbezugs für Ihre letzte Tätigkeit arbeitsunfähig krank, wahrscheinlich können Sie aber noch eine andere Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt täglich sechs Stunden und mehr ausüben.
Beispiel: Ein Fliesenleger ist wegen einer belastungsabhängigen Knieerkrankgung arbeitsunfähig. Eine Bürotätigkeit kann dieser aber trotzdem mehr als 6 Stunden ausüben.

Ergo: Nicht jede Arbeitsunfähigkeit begründet ein Rentenanspruch. Aber selbst mit einem Leistungsvermögen von mehr als 6 Stunden täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kann unter Umständen ein Rentenanspruch bestehen.

Also warten Sie doch erstmal ab. Rufen Sie die DRV Bund an und lassen sich im Hinblick auf Ihre Bedenken beraten. Viele Probleme lassen sich auch ohne Rechtsanwälte, Widersprüche und Beschwerden lösen.

von
sonnne

Das ist vollkommen richtig. Ich habe körperliche Einschränkungen für meine bisherige Tätigkeit. Dazugekommen sind psychische Probleme, weshalb ich den Belastungen in meiner Tätigkeit nicht mehr gewachsen bin.
Irgendwie "hänge" ich in der Luft und weiss momentan nicht, in welche Richtung es läuft.
Vielen Dank für die Antworten, nun weiß ich etwas mehr und bin nicht mehr ganz so ratlos.

von
Wissender

Haben Sie denn bzgl. des Entlassungsberichtes eine Schweigepflichtentbindungserklärung unterschrieben?

Wenn nicht, ist eine Nutzung durch die DRV m.E. rechtswidrig, was Sie von einem Rechtsanwalt oder ihrem Sozialverband prüfen lassen sollten.

von
Wissender

"Bis wielange dauert eigentlich so ein Widerspruchsverfahren für die Erw.mind.rente?"

Es gibt Fälle, da hat sowas ein Jahrzehnt gedauert ...

Treten Sie einem Sozialverband bei, das ist nicht teuer und erhöht Ihre Erfolgschancen gegenüber der Verwaltung.

von Experte/in Experten-Antwort

Die sozialmedizinsichen Aussagen im Reha-Entlassungsbericht werden sicherlich in einem späteren EM Rentenvefahren berücksichtigt werden.

In der Tat ist es aber so, dass man die Beurteilung "arbeitsunfähig" nicht mit einer rentenrelaventen "Erwerbsminderung" gleich setzen darf.

Letzteres beinhaltet eine doch etwas umfangreichere Beurteilung.

Gegen eine sozialmedizinsiche Beurteilung in einen Reha Entlassungsbericht sind Sie insoweit aber nicht beschwert, als dass es sich dabei um keinen Verwaltungsakt einer Behörde handelt. Erst der auf diesem Entlassungsbericht basierende Bescheid ist ein solcher Verwaltungsakt, gegen den Sie Widerspruch einlegen können.

Wenn Sie Ihren Aussagen zufolge nun "in der Luft hängen" ist entweder ein klärendes Gespräch mit der für Sie zuständigen Sachbearbeitung anzuraten, oder schlicht das Verwaltungsverfahren über die Entscheidung zur EM Rente abzuwarten.

"Stochern im Nebel" bringt hier wenig.

MfG

von
Wissender

"Die sozialmedizinsichen Aussagen im Reha-Entlassungsbericht werden sicherlich in einem späteren EM Rentenvefahren berücksichtigt werden."

Die dürfen nur verwertet werden, wenn eine rechtlich einwandfreie Schweigepflichtentbindungserklärung vorliegt.